Drei Jahre nach dem Kauf vom portugiesischen Staat erwägt die Münchner Beteiligungsgesellschaft Mutares, den Transformatorenhersteller Efacec wieder abzugeben. Als Argument dient ihr der Engpass im Netzausbau: Auf große Transformatoren warten Netzbetreiber derzeit bis zu drei Jahre.
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Mutares prüft, sich 2027 von Efacec zu trennen.[1] Der Auftragsbestand des Herstellers von Transformatoren und Schaltanlagen aus Porto lag im September bei mehr als 1 Mrd. €, rund dem Vierfachen seines Umsatzes von 2025. Entschieden ist nach Angaben von Mutares noch nichts.
Das Wichtigste in Kürze
- In den ersten neun Monaten setzte Efacec 229 Mio. € um, das bereinigte operative Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) lag bei 34 Mio. €.
- Für 2026 erwartet das Unternehmen 320 bis 335 Mio. € Umsatz, mittelfristig mehr als 500 Mio. €.
- Seit Jahresbeginn kamen Aufträge über 334 Mio. € herein, knapp das 1,5-Fache des Umsatzes im selben Zeitraum.
- Gekauft hatte Mutares Efacec im November 2023 vom portugiesischen Staat.
Was hat Mutares bei Efacec verändert?

Nach eigener Darstellung hat Mutares das Sortiment auf Kernprodukte beschränkt, die Kosten gesenkt und Einkauf und Liquiditätssteuerung strenger geregelt. Die Fertigungskapazität soll sich ungefähr verdoppeln.[1] Beim Kauf beschäftigte Efacec rund 2.000 Menschen, heute sind es nach Unternehmensangaben rund 1.660.[2][1]
Das Vorgehen folgt dem Geschäftsmodell von Mutares: Die Holding kauft Firmen in Umbruchsituationen und verkauft sie nach der Sanierung wieder, meist nach wenigen Jahren. Den Motorenbauer Steyr Motors brachte sie im Oktober 2024 an die Börse und verkaufte bis November 2025 auch die restlichen Anteile, der Bruttoerlös lag bei mehr als 170 Mio. €.[3] Anfang Oktober kündigte Mutares an, die Mehrheit am französischen Fenster- und Küchenhändler Lapeyre abzugeben.
Welche Rolle spielt der Engpass bei Transformatoren?
Als kritischen Pfad im Netzausbau bezeichnet der Dienstleister BKW Infra Services die Leistungstransformatoren. Siemens Energy nennt für Hochspannungsgeräte Lieferzeiten von 18 bis 36 Monaten. Die Stadtwerke Oranienburg bezogen die Transformatoren für ihr neues Umspannwerk aus Ljubljana, weil kein deutscher Hersteller ihre Anforderungen und Lieferfristen erfüllen konnte.[4] Siemens Energy erweitert sein Werk in Nürnberg für rund 220 Mio. €, die neuen Flächen stehen aber erst 2028 bereit.[4]
Mutares schreibt, die Nachfrage nach Transformatoren übersteige in Europa und Nordamerika das Angebot, und erwartet für den Markt von Efacec bis 2031 ein jährliches Wachstum von rund 12 Prozent.[1] Den größten Teil des Auftragsbestands haben europäische Kunden bestellt, der Anteil Nordamerikas wächst.
Vom Staatsbetrieb zum Verkaufskandidaten
Warum braucht Mutares die Erlöse?
Die Holding verdient an Honoraren, die ihr die Beteiligungen für Beratung zahlen, und am Verkauf der Firmen. Im ersten Halbjahr 2026 sank ihr bereinigtes Nettoergebnis auf 6 Mio. €, nach 70 Mio. € im Vorjahreszeitraum. Mutares hielt zudem ein schriftliches Abstimmungsverfahren mit den Gläubigern ihrer Anleihen ab und meldete, deren Bedingungen zum 30. Juni wieder vollständig einzuhalten. Für das zweite Halbjahr kündigte die Holding hohe Erlöse aus Verkäufen an.[5]
Mutares bietet Käufern weniger eine Fabrik an als einen Platz in der Warteschlange der Netzbetreiber.
Michael Dobler, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Netzbetreiber und Stadtwerke?
Verkauft Mutares ihre Anteile, bleiben die Lieferverträge bei Efacec. Wer dort Transformatoren oder Schaltanlagen bestellt hat, sollte trotzdem prüfen, ob seine Verträge eine Kontrollwechselklausel enthalten, also Sonderrechte für den Fall eines neuen Eigentümers, und welche Liefertermine fest zugesagt sind. Netzbetreiber wie Westfalen Weser beschaffen solche Betriebsmittel inzwischen nach eigener Aussage mindestens fünf Jahre früher als bisher.[4] Wie die Netzebenen zusammenhängen, erklärt unser Überblick zum deutschen Stromnetz.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- MutaresMutares-Portfoliounternehmen Efacec ist ein maßgeblicher Enabler des globalen Elektrifizierungs-Superzyklus; Auftragsbestand von mehr als EUR 1,0 Mrd.; Prüfung strategischer Exit-Optionen (Pressemitteilung)
- MutaresMutares hat die Übernahme von Efacec vom portugiesischen Staat erfolgreich abgeschlossen (Pressemitteilung)
- MutaresMutares realisiert erfolgreichen Exit bei Steyr Motors (Pressemitteilung)
- ZfKTrafos werden zum Nadelöhr: Wo Stadtwerke umdenken müssen
- MutaresMutares wächst und erreicht im ersten Halbjahr 2026 Konzernumsatz von EUR 3,4 Mrd. (Pressemitteilung)
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