Fresenius lässt einen großen Teil seiner künftigen Biosimilars beim chinesischen Auftragsentwickler WuXi Biologics entwickeln und bezahlt nur die Kandidaten, die es tatsächlich auswählt. Zur Wahl stehen bis zu 37 Nachbauten teurer Biologika, als Erstes Präparate gegen ein Lymphom und gegen eine Augenerkrankung.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenInhalt 5 Abschnitte
Fresenius hat mit WuXi Biologics eine exklusive Entwicklungsvereinbarung für bis zu 37 Biosimilars geschlossen.[1] Der Bad Homburger Gesundheitskonzern nennt sie die bislang größte angekündigte Entwicklungsvereinbarung der Branche. Das Portfolio soll damit im kommenden Jahrzehnt von 29 vermarkteten und in Entwicklung befindlichen Molekülen auf bis zu 66 wachsen.
Das Wichtigste in Kürze
- Vorbild sind Originalpräparate mit mehr als 370 Mrd. € Umsatz zu Listenpreisen.
- WuXi Biologics erhält je ausgewähltem Kandidaten eine Vergütung für seine Leistung, Fresenius behält die weltweiten Vermarktungsrechte.
- Steigende Entwicklungskosten belasten das Ergebnis des Geschäftsbereichs Biopharma, die Prognose für 2026 bleibt unverändert.
- Den Auftragsentwickler nannten frühere Entwürfe des US-Gesetzes Biosecure namentlich.
Wie funktioniert die Vereinbarung?

Fresenius wählt die Programme nach Marktattraktivität, Entwicklungsrisiko und erwarteter Rendite aus und bezahlt WuXi Biologics für jeden ausgewählten Kandidaten die erbrachte Entwicklungsleistung. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung steigen damit nur, wenn ein Programm vorankommt.[1] Wo ein Präparat später produziert wird, legt Fresenius je Kandidat fest, auch die Werke der spanischen Tochter mAbxience kommen in Frage, die seit Oktober vollständig zum Konzern gehört. Bezahlt wird aus dem operativen Cashflow, zusätzliche Kredite braucht Fresenius nach eigener Aussage nicht.[1]
Die Kandidaten verteilen sich auf 13 Therapiegebiete, neu hinzu kommen Neurologie, Nephrologie und Erkrankungen von Herz und Lunge. Zuerst will Fresenius Nachbauten von Polatuzumab Vedotin entwickeln, einem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat gegen das diffus großzellige B-Zell-Lymphom, und von Teprotumumab gegen die endokrine Orbitopathie.[1] Vorstandschef Michael Sen spricht von Entwicklungskapazitäten „in einem Markt, in dem Geschwindigkeit und Größe entscheidend sind“.[1]
Warum lagert Fresenius die Entwicklung aus?
Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat im März ein Reflexionspapier veröffentlicht, nach dem für die meisten Biosimilars keine vergleichende Wirksamkeitsstudie mehr nötig ist, wenn der analytische Vergleich mit dem Original genauer misst als eine Studie an Patienten.[2] Der Aufwand verlagert sich damit von großen klinischen Studien zu Zelllinien, Herstellungsverfahren und Analytik. Genau diese Arbeit verkaufen Auftragsentwickler wie WuXi Biologics, ohne dass der Auftraggeber eigene Labore aufbauen muss.
Bis 2030 will Fresenius den Umsatz des Geschäftsbereichs Biopharma gegenüber 2025 ungefähr verdoppeln, bei einer EBIT-Marge von rund 20 Prozent. Die neuen Kandidaten sind darin nicht enthalten. Der Konzern kündigt deshalb an, seine langfristigen Ziele für das Geschäft deutlich anzuheben.[1]
Vom Einstieg bei mAbxience zur Vereinbarung mit WuXi
Welche Rolle spielt die US-Politik?
Frühere Entwürfe des US-Gesetzes Biosecure führten WuXi Biologics namentlich als Biotech-Anbieter, der als Sicherheitsrisiko gilt. Die Fassung, die am 18. Dezember 2025 als Teil des US-Verteidigungshaushalts in Kraft trat, nennt keine Firmen mehr. Das Gesetz beschränkt Verträge von US-Bundesbehörden mit Biotech-Unternehmen, die die Haushaltsbehörde OMB auf eine Liste setzt; die erste Liste muss spätestens im Dezember 2026 erscheinen.[3] Das Pentagon setzte im Juni die Schwesterfirma WuXi AppTec auf seine Liste von Firmen mit Verbindungen zum chinesischen Militär, WuXi Biologics dagegen nicht.[4][5] Fresenius erwähnt das Gesetz in seiner Mitteilung nicht.
Fresenius kauft hier keine Firma, sondern Optionen auf 37 Nachbauten. Das Risiko liegt weniger im Labor als in Washington.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Kliniken und Einkäufer?
Bis die ersten Präparate aus der Vereinbarung auf den Markt kommen, vergehen nach den Angaben von Fresenius Jahre: Der Konzern spricht vom kommenden Jahrzehnt und von Wachstum „weit über 2030 hinaus“.[1] Krankenhausapotheken und Einkaufsgemeinschaften, die bei Ausschreibungen auf Lieferketten außerhalb Chinas achten, sollten nach Entwicklungs- und Produktionsort fragen. Beides kann bei diesen Biosimilars auseinanderfallen, weil Fresenius die Herstellung je Präparat in die Werke von mAbxience verlagern kann.[1]
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- FreseniusFresenius und WuXi Biologics schließen exklusive Entwicklungsvereinbarung zum Ausbau der Biosimilars-Pipeline (EQS-News, 2. November 2026, abgerufen bei boerse.de)
- Europäische Arzneimittel-AgenturReflection paper on a tailored clinical approach in biosimilar development (EMA/CHMP/BMWP/60916/2025, veröffentlicht am 27. März 2026)
- Goodwin ProcterFinal FY 2026 NDAA Includes BIOSECURE Act Provisions
- Goodwin ProcterBIOSECURE Update: 1260H List Released
- Pharma ManufacturingWhy wasn’t WuXi Biologics added to DoD’s 1260H List like WuXi AppTec?
Mehr Newshunger?
- Fresenius übernimmt mAbxience komplett: bis zu 750 Millionen Euro für die letzten 45 Prozent
- Boehringer verkauft sein Biologika-Werk in Shanghai zum Basispreis von einem Yuan
- Alibaba gewinnt vorläufig gegen das Pentagon: Lobbyarbeit für den Konzern kostet keine Aufträge
- 100 Stellen in Bensheim: QPace plant ein Freigabelabor für importierte Medikamente
- Fresenius Medical Care holt den neuen Chef aus dem eigenen Aufsichtsrat
