Am 26. Oktober notierte der Edelmetallhändler Heraeus eine Feinunze Iridium bei 10.250 Dollar, umgerechnet rund 9.170 Euro und so hoch wie nie. Der südafrikanische Bergbaukonzern Valterra erlöste im dritten Quartal für jede verkaufte Unze Iridium 80 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die ganze Welt fördert von dem Metall im Jahr rund sieben Tonnen, und keine Mine baut es gezielt ab.
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- Was ist Iridium und wie gelangt es in die Erdkruste?
- Wer entdeckte das Metall und wie kam es in die Industrie?
- Wie hat Iridium die Weltkarte verändert?
- Warum hängt die Weltwirtschaft an sieben Tonnen im Jahr?
- In welchen Produkten steckt Iridium und was fehlt ohne das Metall?
- Wie setzt sich der Preis eines Elektrolyseurs zusammen?
- Wer verdient an Iridium und wer zahlt drauf?
- Wie mächtig ist die Iridium-Lobby?
- Wie kommt die Wasserstoffwirtschaft vom Iridium los?
- Was bedeutet der Rekordpreis für Deutschland?
- Glossar: 12 Fachbegriffe von der AEM-Elektrolyse bis zur UG2-Lage
- FAQ: Iridium kostet zweieinhalbmal so viel wie Gold
Ohne Iridium gibt es keine PEM-Elektrolyseure für grünen Wasserstoff, und Chlorfabriken bräuchten mehr Strom. Diese Stoffgeschichte folgt dem Metall vom Rückstand in einem Londoner Labor über die Platinlagerstätten in Südafrika bis zu den Elektrolyseanlagen, die Deutschland bis 2030 bauen will.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Anlass: Heraeus meldete am 26. Oktober ein Allzeithoch, Valterra raffinierte im dritten Quartal wegen verlegter Wartungsarbeiten 41 Prozent weniger Platinmetalle als ein Jahr zuvor.
- Die Knappheit: Iridium fällt nur als Nebenprodukt des Platinbergbaus an, über 80 Prozent stammen aus Südafrika. Für 2026 erwartet Johnson Matthey ein leichtes Defizit.
- Der Wasserstoff: 2026 kommt Iridium laut Johnson Matthey erstmals in kommerziellem Maßstab in PEM-Elektrolyseure, für zwei Großprojekte in Deutschland und Portugal.
- Der Ausweg: Hersteller wollen den Iridiumbedarf je Gigawatt von rund 400 Kilogramm auf ein Viertel und weniger drücken. Alkalische Elektrolyseure kommen schon heute ohne das Metall aus.
Fünf Fragen, bevor Sie mitreden
1 Wer entdeckte Iridium 1803 in London? Aufklappen ↓
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2 Welcher Anteil des geförderten Iridiums stammt aus Südafrika? Aufklappen ↓
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3 Wie viel Iridium fördert die Welt im Jahr? Aufklappen ↓
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4 Woraus bestand das Urkilogramm, das bis 2019 den Maßstab setzte? Aufklappen ↓
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5 Wohin geht fast die Hälfte des neu geförderten Iridiums? Aufklappen ↓
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Was ist Iridium und wie gelangt es in die Erdkruste?
Iridium ist ein silberweißes Edelmetall aus der Gruppe der Platinmetalle, mit der Ordnungszahl 77 und einer Dichte von 22,56 Gramm je Kubikzentimeter. Es gilt als das korrosionsbeständigste bekannte Metall und ist so selten, dass es nur als Beimengung in Platinerz an die Oberfläche kommt.
Das Metall schmilzt erst bei 2.446 Grad, so die Royal Society of Chemistry in ihrem Periodensystem. Selbst Königswasser, das Gold löst, kann ihm kaum etwas anhaben.
Bei der Entstehung der Erde sank der größte Teil des Iridiums zusammen mit dem Eisen in den Erdkern, weil sich Iridium bevorzugt an Eisen bindet. Geologen nennen solche Elemente siderophil, eisenliebend. Alle Platinmetalle zusammen machen nach dem Faktenblatt des Branchenverbands IPA nur rund 1,5 Milliardstel der oberen Erdkruste aus.
Meteoriten dagegen enthalten viel Iridium.
Diese Spur aus dem All machte das Metall berühmt, lange bevor die Industrie es brauchte. 1980 veröffentlichten der Physiker Luis Alvarez und sein Sohn, der Geologe Walter Alvarez, mit Kollegen eine Messung aus einer dünnen Tonschicht im italienischen Gubbio. Die Schicht markiert die Grenze zwischen Kreidezeit und Paläogen und enthält weit mehr Iridium als das Gestein darüber und darunter. Fachleute nennen den Befund die Iridium-Anomalie. Die Forscher schlossen auf den Einschlag eines Asteroiden, der vor rund 66 Millionen Jahren die Dinosaurier aussterben ließ.
Abbauwürdig wird Iridium erst dort, wo Gesteinsschmelzen aus dem Erdmantel die Platinmetalle in dünnen Lagen angereichert haben. Die wichtigste Lagerstätte der Welt ist der Bushveld-Komplex im Norden Südafrikas, eine erstarrte Magmakammer. Darin liegen zwei schmale Erzhorizonte: das Merensky Reef und die UG2-Chromitit-Lage.
Für Iridium zählt vor allem die UG2-Lage. Sie enthält laut dem IPA-Faktenblatt deutlich mehr Rhodium, Ruthenium und Iridium als das Merensky Reef und gilt als einer der wichtigsten Erzkörper der Welt für das Metall.
Die Erze sind arm. In Südafrika enthält eine Tonne Gestein nur zwei bis sechs Gramm Platinmetalle, und je nach Gehalt müssen Bergleute 10 bis 40 Tonnen Erz fördern, um eine einzige Feinunze Platin zu gewinnen. Iridium macht rund 2 Prozent der geförderten Platinmetalle aus. Die Schächte reichen bis in rund 2,2 Kilometer Tiefe, was die Förderkosten in die Höhe treibt.
| Kennwert | Iridium | Quelle |
|---|---|---|
| Ordnungszahl | 77 | Royal Society of Chemistry |
| Dichte | 22,56 g je cm³ | Royal Society of Chemistry |
| Schmelzpunkt | 2.446 °C | Royal Society of Chemistry |
| Anteil an der Förderung der Platinmetalle | rund 2 Prozent | IPA-Faktenblatt 2026 |
| Weltförderung 2025 | rund 7,1 Tonnen | Johnson Matthey |
| Anteil Südafrikas | über 80 Prozent | IPA-Faktenblatt 2026 |
Wie lange die Vorräte reichen, lässt sich für Iridium nur grob schätzen, weil geologische Dienste wie der US Geological Survey Reserven nur für alle Platinmetalle zusammen ausweisen. Der Dienst beziffert sie weltweit auf mehr als 76.000 Tonnen, davon 63.000 Tonnen in Südafrika. Wenn der Iridiumanteil darin dem Anteil an der heutigen Förderung entspräche, reichten die Reserven nach unserer Rechnung für mehr als 200 Jahre. Im Boden liegt also genug, knapp wird das Metall erst bei der Förderung: Mehr Iridium gibt es nur, wenn die Minen mehr Platin und Palladium fördern.
Würde man die gesamte Jahresförderung von rund sieben Tonnen zu einem Würfel gießen, hätte er nach unserer Rechnung eine Kantenlänge von knapp 70 Zentimetern. Er würde unter einen Schreibtisch passen.
Iridium liegt in denselben dünnen Erzlagen wie Platin und kommt nur mit ihm an die Oberfläche. Die jährliche Menge bestimmt der Platinbergbau, nicht die Nachfrage nach Iridium.
Wer entdeckte das Metall und wie kam es in die Industrie?

Der englische Chemiker Smithson Tennant entdeckte Iridium 1803 in London, zusammen mit Osmium, im schwarzen Rückstand, den Königswasser von Platinerz übrig ließ. Zum Industriemetall wurde es erst im 20. Jahrhundert, mit Zündkerzen, Tiegeln für Kristalle und Elektroden für die Chlorherstellung.
Um 1800 kauften Tennant und sein Partner William Hyde Wollaston eine große Menge Platinerz, das aus Südamerika geschmuggelt worden war, beschreibt die Linda Hall Library in Kansas City. Die beiden wollten Platin schmiedbar machen und damit Geld verdienen.
Wollaston fand beim Reinigen des Erzes Palladium und Rhodium.
Tennant nahm sich den schwarzen Rest vor, den Königswasser nicht auflöste. Darin steckten zwei unbekannte Metalle. Eines nannte er nach der griechischen Göttin des Regenbogens, Iris, wegen der auffallend vielen Farben, die die Salze des Metalls beim Auflösen in Salzsäure zeigten. Die Namenswahl erklärte Tennant 1804 selbst, wie die Royal Society of Chemistry zitiert.
Im 19. Jahrhundert blieb reines Iridium eine Laborsache. Das Metall war hart und spröde, zudem kaum zu schmelzen, um daraus Gebrauchsgegenstände zu formen.
Gebraucht wurde Iridium vor allem als Härtemittel im Platin. 1889 bestätigte die erste Generalkonferenz für Maß und Gewicht das Urkilogramm, einen Zylinder aus 90 Prozent Platin und 10 Prozent Iridium mit rund 39 Millimetern Höhe und Durchmesser. Bis zum 20. Mai 2019 bestimmte dieses Stück Metall, was ein Kilogramm ist, dann ersetzte eine Naturkonstante den Zylinder, berichtet das Internationale Büro für Maß und Gewicht.
Der Apotheker Wilhelm Carl Heraeus schmolz 1856 in Hanau Platin mit einem Knallgasgebläse in einem Tiegel aus Kalk, verzeichnet die Neue Deutsche Biographie. Aus dem Familienbetrieb wurde eine Platinschmelze und daraus der heutige Edelmetallkonzern Heraeus, dessen Wochenbericht im Oktober 2026 den Rekordpreis meldete.
Den Weg zur Massenförderung öffnete 1924 der in Deutschland ausgebildete Geologe Hans Merensky. Prospektoren brachten ihn auf die Spur von Platin bei Lydenburg im damaligen Transvaal, und er fand eine erzführende Lage von rund 48 Kilometern Länge, die heute seinen Namen trägt. So schildert es die Plattform South African History Online.
Die zweite, für Iridium wichtigere UG2-Lage gewann erst nach dem Merensky Reef an Gewicht. Ihr Anteil am südafrikanischen Abbau ist in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen, und mit ihm nach dem IPA-Faktenblatt das verfügbare Iridium.
Als Industriemetall setzte sich Iridium dort durch, wo andere Werkstoffe versagen. In der Kristallzucht schmelzen Hersteller Oxide in Iridiumtiegeln, weil das Metall die Hitze aushält und den Kristall nicht verunreinigt. Ein Patent von Sumitomo Metal Mining beschreibt den Iridiumtiegel im Elektroofen als üblichen Weg, um Lithiumtantalat-Kristalle zu ziehen.
Chlorfabriken arbeiten mit Elektroden, die mit Iridium- und Rutheniumoxid beschichtet sind. In der Chemie verdrängte ein Katalysator auf Iridiumbasis das ältere Rhodiumverfahren in großen Anlagen für Essigsäure, so das IPA-Faktenblatt.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| um 1800 | Tennant und Wollaston kaufen aus Südamerika geschmuggeltes Platinerz |
| 1803 | Smithson Tennant entdeckt Iridium und Osmium in London |
| 1856 | Wilhelm Carl Heraeus schmilzt in Hanau Platin mit Knallgas |
| 1889 | Urkilogramm aus Platin und 10 Prozent Iridium wird bestätigt |
| 1924 | Hans Merensky findet die Platinlagerstätte im Transvaal |
| 1980 | Iridiumschicht bei Gubbio führt zur Asteroiden-These |
| 2019 | Urkilogramm verliert seine Rolle als Maßstab |
| 2026 | Iridium erstmals in kommerziellem Maßstab für PEM-Elektrolyseure, Rekordpreis im Oktober |
Wie hat Iridium die Weltkarte verändert?

Iridium hat keine Grenzen verschoben, es kommt dort aus dem Boden, wo Platin abgebaut wird. Weil über 80 Prozent aus Südafrika kommen, hängt der Weltmarkt am Stromnetz, an den Minen und Raffinerien eines Landes, und russisches Metall verliert seit 2022 westliche Absatzwege.
Erz aus den Kolonien, Chemie in London
Schon die Entdeckung war ein Stück Kolonialwirtschaft: Gefördert wurde das Erz in Südamerika, den Gewinn aus seiner Verarbeitung suchten Chemiker in London.
Bis heute bauen Minen die Platingruppenmetalle fern der Industriezentren ab, vor allem im Süden Afrikas und in Sibirien, ihre Abnehmer sitzen in Europa, Asien und Nordamerika.
Ein Land und sein Stromnetz
Simbabwe und Russland folgen Südafrika mit Abstand, ihre Erze enthalten deutlich weniger von dem Metall. Europa fördert praktisch keines.
Die Edelmetallraffinerie von Valterra, dem früheren Anglo American Platinum, am Stadtrand von Rustenburg ging 1989 in Betrieb und hat in den ersten zwei Jahrzehnten 100 Millionen Unzen Platinmetalle raffiniert, rund 30 Prozent der weltweiten Primärproduktion, berichtet die südafrikanische Zeitung Daily Maverick.
Nach Schätzung des US Geological Survey sank die Förderung von Platinmetallen in Südafrika 2025 gegenüber dem Vorjahr um 9 Prozent, wegen gefallener Palladiumpreise, teurer werdender Tiefschächte und anhaltender Störungen in der Stromversorgung. Jede verlorene Unze Platin nimmt ihren kleinen Anteil Iridium mit.
Am 16. August 2012 erschoss die Polizei bei einem Streik an der Lonmin-Mine in Marikana 34 Bergleute, 78 wurden verletzt, so die Chronik von South African History Online. Die Streikenden hatten mehr Lohn gefordert.
Im September 2012 erhielten sie Erhöhungen zwischen 11 und 22 Prozent.
Russland und der Umweg nach China
Russland ist mit Nornickel der größte Palladiumförderer der Welt und liefert auch Platin. Johnson Matthey nennt keine Iridiummengen für Russland. Seit dem Angriff auf die Ukraine verliert das russische Metall westliche Absatzwege. Am 8. April 2022 strich der Londoner Platin- und Palladiummarkt LPPM zwei staatliche russische Raffinerien von seinen Listen: Neue Barren aus Krastsvetmet und dem Prioksky-Werk gelten seither in London nicht mehr als handelbar.
Laut Johnson Matthey geht seit 2024 fast das gesamte russische Platin nach China, meist über Hongkong.
Das US-Handelsministerium stellte am 28. April 2026 Dumping bei russischem Palladium mit einer Dumpingspanne von 132,83 Prozent fest. Die US-Handelskommission ITC verneinte im Juni aber einen Schaden für die heimische Industrie, ein Strafzoll blieb deshalb aus.
Chinas Käufe und der Rekordpreis
Im ersten Quartal 2026 verzeichnete Johnson Matthey für Iridium ein Allzeithoch von umgerechnet rund 7.160 Euro je Feinunze, zum Kurs von Ende Oktober. Als Treiber nennt der Konzern eine neue Welle strategischer Käufe, vor allem in China. Im Oktober übertraf der Preis diese Marke deutlich: Heraeus meldete Woche für Woche neue Höchststände.
Ein Kartell wie bei Öl gibt es beim Iridium nicht, die Abhängigkeit schafft die Geologie: Jede Mine, die neu in Simbabwe oder Russland gebaut würde, lieferte Iridium nur als Nebenprodukt ihres Platins.
Warum hängt die Weltwirtschaft an sieben Tonnen im Jahr?

Der Iridiummarkt umfasst nur rund 240.000 Feinunzen im Jahr, knapp siebeneinhalb Tonnen. Ohne das Metall bräuchten Chlorfabriken mehr Strom, Teile der Elektronikfertigung stünden still, und der PEM-Elektrolyse für grünen Wasserstoff fehlte der Katalysator.
Johnson Matthey, einer der großen Händler und Verarbeiter von Platinmetallen, schätzt die Nachfrage 2026 auf 240.000 Feinunzen. Das Angebot aus den Minen bleibt mit 229.000 Unzen auf Vorjahreshöhe, rund 7,1 Tonnen. Den Rest von rund 11.000 Unzen, nach unserer Rechnung etwa 340 Kilogramm, müssen Lagerbestände decken, denn das Recycling im geschlossenen Kreislauf ist in diesen Zahlen schon verrechnet.
Am Gesamtmarkt der Platinmetalle hat Iridium nach dem IPA-Faktenblatt einen Anteil von nur rund 1 Prozent der Nachfrage.
| Einsatzgebiet | Nachfrage 2025 | Nachfrage 2026 (Prognose) | Anteil 2026 |
|---|---|---|---|
| Elektrochemie (Elektroden, Elektrolyse) | 100.000 oz | 109.000 oz | 45 % |
| Sonstige Anwendungen | 69.000 oz | 70.000 oz | 29 % |
| Elektrik und Elektronik (Tiegel, Kontakte) | 33.000 oz | 33.000 oz | 14 % |
| Chemie (Katalysatoren) | 34.000 oz | 28.000 oz | 12 % |
| Summe | 236.000 oz | 240.000 oz | 100 % |
Quelle der Tabelle ist der PGM Market Report von Johnson Matthey vom Mai 2026, die Anteile hat Dr. Web berechnet. Wo Zündkerzen genau verbucht werden, weist der Bericht nicht aus.
Den Zuwachs in der Elektrochemie um 9.000 Unzen erklärt Johnson Matthey mit zwei europäischen Großprojekten für grünen Wasserstoff in Deutschland und Portugal. Dort komme 2026 erstmals Iridium in kommerziellem Umfang in die PEM-Elektrolyse, ein Verfahren, das Wasser mit Strom in Wasserstoff und Sauerstoff spaltet und dabei Protonen durch eine Membran leitet. An der Anode, wo der Sauerstoff entsteht, sitzt Iridiumoxid als Katalysator, 1 bis 3 Milligramm je Quadratzentimeter. Die saure Umgebung der Membran verlangt Katalysatoren aus Edelmetall, schreibt ingenieur.de.
Auch die Nachfrage nach Elektroden für Kupferfolie erholt sich laut dem Bericht. Die dünne Folie steckt in Leiterplatten und in Lithium-Ionen-Akkus, Elektroden mit Iridiumbeschichtung scheiden das Kupfer ab.
Für Iridium gibt es keinen Börsenkontrakt. Minen, Raffinerien, Händler und Industriekunden handeln direkt miteinander, große Händler wie Heraeus und Johnson Matthey veröffentlichen die Preise in Dollar je Feinunze. Weil der Markt so klein ist, können schon wenige Großaufträge den Preis bewegen.
Nach dem Preissprung von 2021 stellten chinesische Tiegelhersteller teils auf Platin um, berichtet Johnson Matthey. In der Chemie verliert Iridium nach dem Bericht gerade an Boden, weil das rhodiumbasierte Verfahren für Essigsäure wieder konkurrenzfähig wird.
Deutschland fördert kein Iridium und ist für neues Metall auf Einfuhren angewiesen. Nach Eurostat-Daten, die das IPA-Faktenblatt auswertet, sind Deutschland und Italien die größten Empfänger von Iridium und Ruthenium in der EU, die Handelsstatistik trennt die beiden Metalle nicht. Ältere Zahlen der Deutschen Rohstoffagentur zeigen, wie die Lieferkette 2013 lief: 2013 kamen 56,2 Prozent der deutschen Einfuhren dieser Metallgruppe aus Belgien und nur 15,8 Prozent direkt aus Südafrika.
- Markt: 240.000 Unzen Nachfrage 2026, 229.000 Unzen aus den Minen.
- Handel: keine Börse, Preise von Händlern in Dollar je Unze.
- Deutschland: zusammen mit Italien größter Abnehmer in der EU, 2013 kam über die Hälfte über Belgien.
In welchen Produkten steckt Iridium und was fehlt ohne das Metall?

Iridium steckt in Zündkerzen, in den Tiegeln für die Funkfilter von Smartphones, in OLED-Bildschirmen, an Herzschrittmacher-Elektroden und in den Elektroden der Chlorfabriken. Wenn es wegfiele, gäbe es für einige Anwendungen teure Umwege, für PEM-Elektrolyseure und manche Elektronik derzeit keinen gleichwertigen Ersatz.
Wo Iridium drinsteckt
In Smartphones filtern Oberflächenwellenfilter die Funkfrequenzen, und deren Kristalle aus Lithiumtantalat wachsen in Iridiumtiegeln. Das Metall bleibt dabei im Tiegel, nicht im Telefon.
Alle Zündkerzen von Strahltriebwerken und die meisten Zündkerzen für Autos haben nach dem IPA-Faktenblatt eine Spitze aus Iridium, typischerweise einige Milligramm je Kerze. Der Hersteller Denso wirbt für seine Iridiumkerzen mit einer Mittelelektrode von 0,4 Millimetern und einer Laufleistung von bis zu 120.000 Kilometern.
In vielen Smartphones und Fernsehern leuchten OLED-Bildschirme, und deren Leuchtstoffe enthalten laut der IPA häufig Iridium. Der US-Anbieter Universal Display, der solche Materialien verkauft, gibt an, dass phosphoreszierende Emitter bis zu 100 Prozent der Anregungsenergie in Licht umwandeln, fluoreszierende nur 25 Prozent.
Viele Herzschrittmacher leiten ihre Impulse über Elektroden aus Platin-Iridium.
| Produkt | Wo das Iridium sitzt | Menge |
|---|---|---|
| Zündkerze | Spitze der Mittelelektrode | einige Milligramm |
| Smartphone | im Tiegel, in dem die Filterkristalle wachsen | im Gerät selbst keines |
| OLED-Bildschirm | phosphoreszierende Leuchtstoffe | Spuren |
| Herzschrittmacher | Elektroden aus Platin-Iridium | nicht veröffentlicht |
| Chlor | Beschichtung der Elektroden in der Chlorfabrik | fast die Hälfte des neu geförderten Iridiums für alle Elektroden |
| Grüner Wasserstoff | Katalysator an der Anode des PEM-Elektrolyseurs | rund 400 kg je Gigawatt |
| Füllfederhalter | Federspitze, heute meist ohne Iridium | früher Iridium in der Spitze |
Die Elektroden, in die fast die Hälfte des neu geförderten Iridiums geht, sieht kein Verbraucher. Sie dienen der Chloralkali-Elektrolyse, die Chlor und Natronlauge für Kunststoffe, Medikamente und Wasseraufbereitung liefert, der Gewinnung von Metallen und der Herstellung von Kupferfolie.
Auf vielen Füllfederhaltern steht noch „Iridium“, die harte Spitze der Feder besteht aber meist aus anderen Metallen. Pelikan etwa setzt nach Recherchen des Sammlerblogs The Pelikan’s Perch auf eine Legierung aus Wolfram und Ruthenium.
Was ohne Iridium stillstünde
Am einfachsten ließe sich das Iridium in der Zündkerze ersetzen. Denso gibt Platinkerzen bis zu 100.000 Kilometer, Kerzen mit Nickelelektrode deutlich weniger. Autofahrer müssten öfter in die Werkstatt.
Schwieriger wird es bei den Kristallen. Tiegel aus Molybdän oder Wolfram wären deutlich billiger, verunreinigen aber die Schmelze, und reine Kristalle für die Elektronik verlangen deshalb Iridium, so das IPA-Faktenblatt.
Für OLED-Materialien ohne Iridium müssten Hersteller laut der IPA die ganze Technik aufwendig neu entwickeln.
In Chlorfabriken könnten Betreiber ihre Elektroden seltener neu beschichten lassen. Das spart Iridium, kostet aber mehr Strom. Die Chemieindustrie könnte für Essigsäure auf das alte Rhodiumverfahren zurückgehen, ein Wechsel des Katalysators dauert aber nach dem IPA-Faktenblatt lange, weil er Ausbeute, Nebenprodukte und Wirtschaftlichkeit einer Anlage verändert.
Bei PEM-Elektrolyseuren steht heute kein Ersatz in Serie bereit. Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung erklärte im November 2025, edelmetallfreie PEM-Elektrolyseure seien nicht in Sicht. Hersteller, die auf Iridium verzichten wollen, müssen eine andere Technik wählen, den alkalischen Elektrolyseur mit Nickel-Elektroden.
Wie setzt sich der Preis eines Elektrolyseurs zusammen?

Ein PEM-Elektrolyseur kostete 2025 nach Daten der EU rund 2.200 Euro je Kilowatt Leistung, davon knapp 500 Euro für den Zellstapel. Zum Rekordpreis vom Oktober steckten nach unserer Rechnung rund 118 Euro je Kilowatt im Iridium, gut 5 Prozent der Anlage und fast ein Viertel des Stapels.
Das Metall selbst ist für Verbraucher kaum zu kaufen, sein Preis steckt in Industrieanlagen. Am Elektrolyseur lässt er sich am besten nachrechnen, weil die Branche je Kilowatt Leistung bezahlt.
Die Datenplattform der EU zu Wasserstoff, das Clean Hydrogen Observatory, nennt für 2025 Investitionskosten von 2.196 Euro je Kilowatt für eine PEM-Anlage. Auf den Zellstapel, das Herz der Anlage mit Membranen, Katalysatoren und Platten, entfallen 494 Euro. Die übrigen 1.702 Euro entfallen auf Stromversorgung, Gasaufbereitung, Kühlung und Montage.
Iridium kostete am 26. Oktober nach unserer Umrechnung mit dem Referenzkurs der Europäischen Zentralbank vom 30. Oktober rund 295 Euro je Gramm. Bei den rund 400 Kilogramm je Gigawatt, die Heraeus und Johnson Matthey nennen, braucht ein Kilowatt 0,4 Gramm, im Wert von rund 118 Euro.
| Bestandteil je Kilowatt | Betrag | Anteil |
|---|---|---|
| Iridium (0,4 Gramm zu 295 Euro) | rund 118 Euro | 5,4 % |
| übriger Zellstapel (Membran, Platten, Platin, Fertigung) | rund 376 Euro | 17,1 % |
| Rest der Anlage (Stromversorgung, Gasaufbereitung, Kühlung, Montage) | rund 1.702 Euro | 77,5 % |
| Summe | 2.196 Euro | 100 % |
Die Rechnung ist ein Modell. Die EU-Werte stammen aus dem Jahr 2025, als Iridium laut US Geological Survey im Schnitt weniger als die Hälfte des Oktoberpreises kostete. Zum damaligen Preis läge der Metallanteil nach unserer Rechnung bei rund 51 Euro je Kilowatt.
Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung beziffert den heutigen Bedarf auf 0,67 Gramm je Kilowatt. Mit dieser Menge lägen schon knapp 200 Euro je Kilowatt im Iridium, rund 40 Prozent der Kosten des Stapels.
Iridium verbraucht sich im Elektrolyseur aber nicht. Es ist gebundenes Kapital, das sich nach dem Ende der Laufzeit zurückgewinnen lässt.
Am Metall verdienen Minen, Raffinerien und Katalysatorhersteller: die Minen am Marktpreis, Raffinerien wie die von Valterra oder Heraeus an Trennung und Reinigung, Katalysatorhersteller an der Verarbeitung zu feinem Pulver oder Beschichtung. Keines dieser Unternehmen veröffentlicht, wie sich die Margen verteilen.
Für europäische Käufer kommt das Risiko des Wechselkurses hinzu: Weil Iridium in Dollar gehandelt wird, schlägt jede Schwäche des Euro voll durch. Bei einem Gigawatt PEM-Leistung macht jeder Euro mehr je Gramm Iridium nach unserer Rechnung 400.000 Euro mehr Metallwert aus.
Wer verdient an Iridium und wer zahlt drauf?

Am meisten verdienen die Platinkonzerne in Südafrika, allen voran Valterra mit einem um 80 Prozent höheren Iridiumpreis als ein Jahr zuvor. Zahlen müssen Hersteller von Elektrolyseuren, Chlorproduzenten und Elektronikfirmen, die ohne das Metall nicht auskommen.
Valterra erzielte im dritten Quartal 2026 für Iridium einen Durchschnittspreis von umgerechnet rund 6.910 Euro je Feinunze. Der Durchschnittspreis aller Platinmetalle stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 24 Prozent. Johnson Matthey schreibt, die Produzenten hätten von ungewöhnlich hohen Preisen für Ruthenium und Iridium profitiert, das ermögliche Projekte, die die Lebensdauer der Minen verlängern.
Für die Bergbaukonzerne ist Iridium ein Nebenverdienst mit wachsendem Gewicht. Das eigentliche Geschäft machen sie mit Platin, Palladium und Rhodium.
Auf der Käuferseite verlieren die Hersteller, die das Metall nur teuer ersetzen können. Betreiber von Chlorfabriken können Elektroden seltener neu beschichten und zahlen dafür mit höheren Stromkosten.
Am härtesten trifft der Preis die junge Wasserstoffbranche, deren PEM-Anlagen je Gigawatt rund 400 Kilogramm des Metalls binden.
Ein Gigawatt PEM-Elektrolyse bindet heute Iridium für 118 Millionen Euro, bevor es ein Kilogramm Wasserstoff liefert.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Für einen Ressourcenfluch im klassischen Sinn, bei dem ein Rohstoffboom die übrige Wirtschaft verdrängt, ist der Iridiummarkt allein zu klein. Für die Bergbaugemeinden zählt der Preis des ganzen Korbs, und der hängt vor allem an Platin und Palladium.
| Gewinner | Warum | Verlierer | Warum |
|---|---|---|---|
| Valterra, Implats, Sibanye-Stillwater | höhere Erlöse für ein Nebenprodukt | Hersteller von PEM-Elektrolyseuren | Metallkosten je Kilowatt steigen |
| Raffinerien und Recycler | mehr Wert je zurückgewonnenem Gramm | Chlor- und Galvanikbetriebe | teurere Neubeschichtung oder mehr Strom |
| Staat Südafrika | Abgaben und Steuern auf höhere Erlöse der Konzerne | Elektronik- und Kristallhersteller | teurere Tiegel, Umstieg auf Platin |
Zu Implats und Sibanye-Stillwater liegen keine Iridiumerlöse vor, beide fördern aber aus denselben Erzlagen im Bushveld. Wie viel der Mehrerlöse beim südafrikanischen Staat ankommt, haben wir für Iridium nicht beziffern können.
Wie mächtig ist die Iridium-Lobby?

Es gibt keine eigene Iridium-Lobby, Platin- und Wasserstoffbranche vertreten das Metall mit. Mehr Gewicht haben staatliche Listen und Förderprogramme: Die EU führt Platinmetalle als kritische Rohstoffe, die USA Iridium als kritisches Mineral, und Berlin fördert Elektrolyse mit Hunderten Millionen Euro.
Für die Platinmetalle spricht international die International Platinum Group Metals Association, kurz IPA. Der gemeinnützige Verband vertritt nach eigener Darstellung die weltweit führenden Unternehmen aus Bergbau, Produktion und Verarbeitung. Das Faktenblatt zu Iridium, auf das sich dieser Artikel mehrfach stützt, stammt von ihm, verfasst vom Beratungsunternehmen SFA aus Oxford.
Das Faktenblatt stellt Iridium als wichtig für Schlüsseltechnologien nach Definition der EU dar, etwa über die Kupferfolie für Akkus von Elektroautos und Leiterplatten für Rechenzentren.
Die EU führt die Platinmetalle in ihrer Verordnung über kritische Rohstoffe von 2024 als kritisch.
Für strategische Rohstoffe setzt die Verordnung Ziele bis 2030: 10 Prozent des Bedarfs aus europäischem Abbau, 40 Prozent Verarbeitung in der EU, 25 Prozent aus Recycling, und kein Drittland soll mehr als 65 Prozent liefern. Gemessen an dieser Zielmarke läge Iridium mit über 80 Prozent aus Südafrika weit darüber.
Die US-Regierung nahm Iridium im November 2025 in ihre endgültige Liste von 60 kritischen Mineralien auf. Zugleich wollte die staatliche Rohstoffreserve der USA im Haushaltsjahr 2025 laut US Geological Survey eine kleine Menge Iridium verkaufen.
Die Bundesregierung will nach der 2023 fortgeschriebenen Nationalen Wasserstoffstrategie bis 2030 Elektrolyseure mit 10 Gigawatt Leistung im Land haben. Das Leitprojekt H2Giga, in dem auch Heraeus an Recycling und iridiumarmen Katalysatoren arbeitet, wurde 2022 mit bis zu 500 Millionen Euro Förderung angekündigt.
Neu kommt das Militär als Abnehmer hinzu. Der britische Elektrolyseur-Hersteller ITM Power stellte im Oktober eine Zusammenarbeit mit dem Programm Giga PtX von Rheinmetall vor: mehrere hundert dezentrale Anlagen in Europa, die synthetische Kraftstoffe für Nato-Streitkräfte liefern sollen, jede mit bis zu 50 Megawatt Elektrolyse. Im vollen Ausbau wären das nach Heraeus deutlich über 10 Gigawatt PEM-Leistung und eine spürbare neue Quelle für Iridiumnachfrage.
Wie viel Geld Bergbau, Händler und Wasserstoffbranche für Lobbyarbeit zu Iridium ausgeben, lässt sich nicht beziffern, weil die Lobbyregister von EU und Bundestag die Ausgaben nicht nach Metallen aufschlüsseln.
| Akteur | Instrument | Wirkung auf Iridium |
|---|---|---|
| EU | Verordnung über kritische Rohstoffe (2024) | Platinmetalle als kritisch eingestuft, Ziele für Abbau, Verarbeitung, Recycling |
| USA | Liste kritischer Mineralien (November 2025) | Iridium namentlich gelistet |
| Bundesregierung | Nationale Wasserstoffstrategie, H2Giga | Ziel 10 Gigawatt Elektrolyse bis 2030, Förderung bis 500 Millionen Euro |
| IPA | Faktenblätter, Branchenvertretung | Iridium als wichtig für Schlüsseltechnologien |
| Rheinmetall und ITM Power | Programm Giga PtX | mögliche Nachfrage aus mehr als 10 Gigawatt PEM-Leistung |
Wie kommt die Wasserstoffwirtschaft vom Iridium los?

Ganz los kommt sie nur mit anderer Technik: Alkalische Elektrolyseure arbeiten schon heute mit Nickel statt Iridium. Bei der PEM-Technik soll der Bedarf je Gigawatt von rund 400 Kilogramm auf unter 100 und langfristig auf 15 Kilogramm sinken, Recycling deckt nur das bereits verbaute Metall.
Heraeus nannte 2023 rund 400 Kilogramm Iridium je Gigawatt PEM-Leistung als Stand, nötig seien weniger als 100 Kilogramm, langfristig 15 Kilogramm. Diese Menge je Fläche heißt Iridiumbeladung.
Heraeus und Sibanye-Stillwater stellten 2023 einen Katalysator auf Rutheniumbasis vor, der gegenüber heutigen Anoden 85 Prozent Iridium einsparen soll. Von Ruthenium wird rund 3,5-mal so viel gefördert wie von Iridium, steckt nach Johnson Matthey aber selbst in einem tiefen Defizit; sein Preis hat sich bei Valterra binnen eines Jahres verdoppelt.
Gemeinsam mit dem Unternehmen Smoltek Hydrogen will Heraeus die Beladung mit einer neuen Elektrode auf unter 0,1 Milligramm je Quadratzentimeter senken und testet sie ab Herbst 2026 über 3.000 Stunden im Dauerbetrieb.
Das Greifswalder Start-up elementarhy, über das die Bundesagentur für Sprunginnovationen berichtet, peilt mit einem Plasmaverfahren 25 Kilogramm je Gigawatt an. Alle diese Werte sind Ziele der Unternehmen, keine Serienergebnisse.
Alkalische Elektrolyseure arbeiten in einer Lauge, in der günstige Katalysatoren aus Nickel oder Nickel-Eisen-Legierungen genügen, beschreibt ingenieur.de. Der Dortmunder Hersteller thyssenkrupp nucera baut solche Anlagen im Großmaßstab. Der Nachteil: Sie reagieren langsam auf Lastwechsel und passen deshalb schlechter zu schwankendem Wind- und Solarstrom, PEM-Anlagen reagieren dagegen sehr schnell.
Einen Mittelweg suchen Forscher mit der Anionenaustauschmembran, kurz AEM. Forscher der TU Berlin, des Helmholtz-Zentrums Berlin, des Instituts IMTEK der Universität Freiburg und von Siemens Energy entwickelten eine Zelle mit Nickel-Anode, die sich der Leistung etablierter PEM-Elektrolyseure annähert. Die Zelle läuft bisher nur im Labor, die Ergebnisse erschienen 2024.
Recycling hilft bisher nur in geschlossenen Kreisläufen. Fast alles wiedergewonnene Iridium stammt laut der IPA aus solchen Kreisläufen: Ein Chlorhersteller gibt seine alten Elektroden zurück und bekommt neu beschichtete. Aus Altprodukten wie Zündkerzen gewinnt dagegen praktisch niemand Iridium zurück, weil es kein Sammelsystem wie bei Autokatalysatoren gibt.
Umicore und Salzgitter holen Iridium aus ausgedienten Anoden der Bandverzinkung, bis zu einem Kilogramm im Jahr. Heraeus kündigte 2023 an, 35 Millionen Euro in neue Recyclinglinien in Hanau zu stecken.
| Weg | Iridium je Gigawatt | Stand |
|---|---|---|
| PEM heute | 400 bis 670 kg | Serie (Heraeus, Johnson Matthey, Fraunhofer) |
| PEM mit Rutheniumkatalysator | 85 % weniger | Entwicklung (Heraeus, Sibanye-Stillwater) |
| Plasmaverfahren elementarhy | 25 kg | Ziel des Start-ups |
| Langfristziel PEM | 15 kg | Zielwert von Heraeus |
| Alkalische Elektrolyse | 0 kg | Serie, Nickel-Katalysatoren |
| AEM-Elektrolyse | 0 kg | Labor |
Unsere Einschätzung: Bis 2030 bleibt die PEM-Elektrolyse auf Iridium angewiesen. Ob die Einsparung mit dem Ausbau Schritt hält, entscheidet das Tempo, mit dem neue Elektroden aus dem Test in die Serie kommen.
- Sparen: Ziel unter 100 Kilogramm je Gigawatt, langfristig 15.
- Ersetzen: Alkalische Anlagen arbeiten mit Nickel, AEM steckt im Labor.
- Recyceln: Nur im geschlossenen Kreislauf, Zündkerzen sammelt niemand.
Was bedeutet der Rekordpreis für Deutschland?

Für Verbraucher kaum etwas, ein Milligramm Iridium kostet rund 30 Cent. Für den Wasserstoffausbau verteuert der Preis jede neu bestellte PEM-Anlage, und für das Ziel von 10 Gigawatt bis 2030 bräuchte Deutschland in reiner PEM-Technik mehr als die Hälfte einer Weltjahresförderung.
Ein Herbst der Rekorde
Heraeus meldete am 12. Oktober umgerechnet rund 7.920 Euro je Feinunze, am 19. Oktober 8.640 Euro und am 26. Oktober 9.170 Euro, jeweils zum Kurs vom 30. Oktober und zuletzt mit dem Hinweis auf ein neues Allzeithoch. Für Gold nannte Heraeus am selben Tag 3.575 Euro je Feinunze, Iridium kostete damit gut zweieinhalbmal so viel.
Im Dezember 2025 hatte Heraeus für 2026 höchstens halb so viel wie den Oktoberpreis vorhergesagt und erwartet, dass mehr Angebot aus Südafrika den Preis dämpft.
Im dritten Quartal raffinierte Valterra 41 Prozent weniger Platinmetalle als ein Jahr zuvor, weil der Konzern Wartungsarbeiten und die jährliche Inventur vom ersten ins dritte Quartal verlegt hatte. Bei den übrigen Platinmetallen wie Ruthenium und Iridium lag das Minus bei 42 Prozent. Seit September läuft die Raffinerie laut Valterra wieder ohne Einschränkung, die Jahresprognose bleibt bestehen.
Der Ausfall war also geplant, traf aber auf einen Markt, der schon im Defizit lag.
Was auf Verbraucher und Betriebe zukommt
Verbraucher spüren den Rekord kaum. Eine Zündkerze mit einigen Milligramm enthält beim Preis vom 26. Oktober nach unserer Rechnung Metall für wenige Euro. Den Preis der Kerze bestimmen Fertigung und Handel.
Anders sieht es beim Wasserstoff aus. Deutschland hatte laut KfW Research Anfang 2026 Elektrolyseure mit rund 0,2 Gigawatt installiert, 1,1 Gigawatt waren im Bau. Bis Ende 2030 erwartet die KfW vorsichtig geschätzt bis zu 2,4 Gigawatt, ein Viertel des Ziels der Bundesregierung.
Würden alle 10 Gigawatt mit heutiger PEM-Technik gebaut, bräuchten sie bei 400 Kilogramm je Gigawatt nach unserer Rechnung 4 Tonnen Iridium, mehr als die Hälfte der Weltförderung eines Jahres. Eine Studie der Fraunhofer-Institute ISI und IZM im Auftrag der Deutschen Rohstoffagentur rechnet für 2045 im Nachhaltigkeitsszenario mit einem weltweiten Bedarf von bis zu 85 Tonnen, dem Zwölfeinhalbfachen der Weltförderung von 2023.
Diese Zahlen zeigen die Größenordnung, nicht den wahrscheinlichen Verlauf. Die Studie rechnet selbst mit einem Technikmix, in dem PEM nur ein Fünftel ausmacht und der Bedarf je Kilowatt bei 0,12 Gramm liegt.
Siemens Energy fertigt in Berlin Zellstapel für PEM-Elektrolyseure und plante bei der Eröffnung 2023, die Kapazität der Fabrik bis 2025 auf mindestens drei Gigawatt im Jahr auszubauen. Der Dortmunder Konkurrent thyssenkrupp nucera setzt mit der alkalischen Technik auf das Verfahren ohne Iridium.
Politisch setzt die Bundesregierung auf den Ausbau der Elektrolyse und auf Forschung wie H2Giga. Wir haben keine Maßnahme gefunden, die sich eigens auf den Iridiumpreis richtet.
Drei Szenarien für die nächsten Monate
- Optimistisch: Valterras Raffinerie bleibt auf vollem Tempo, Chinas Lagerkäufe flauen ab, und der Preis gibt nach. Projektierer, die später bestellen, zahlen weniger für das Metall.
- Realistisch: Das leichte Defizit bleibt, der Preis bleibt hoch und schwankt stark, weil wenige Aufträge den kleinen Markt bewegen. Hersteller geben die Kosten in neuen Angeboten weiter und beschleunigen die Einsparung.
- Pessimistisch: Stromausfälle oder Streiks in Südafrika drücken die Förderung, und Rheinmetall bestellt für Giga PtX gleichzeitig große PEM-Leistung. Dann reichen auch die Lager nicht mehr.
Die Szenarien sind unsere Einschätzung, keine Prognose eines Instituts.
Unternehmen, die einen Elektrolyseur ausschreiben, fragen am besten gezielt nach der Iridiummenge je Kilowatt und lassen sich die Rücknahme des Edelmetalls am Ende der Laufzeit vertraglich zusichern. Betreiber, deren Anlage nicht direkt an schwankendem Wind- oder Solarstrom hängt, vergleichen am besten auch die alkalische Technik, die ohne das Metall auskommt. Für Betriebe mit beschichteten Elektroden, etwa in Galvanik oder Wasseraufbereitung, lohnt sich die Rechnung, ob eine spätere Neubeschichtung die höheren Stromkosten aufwiegt.
Wer ein Auto mit Iridiumkerzen fährt, muss nichts ändern. Der Rekordpreis verteuert Wasserstoffanlagen, nicht die Werkstattrechnung.
Glossar: 12 Fachbegriffe von der AEM-Elektrolyse bis zur UG2-Lage

AEM-Elektrolyse
Elektrolyse mit einer Anionenaustauschmembran. Sie soll die Vorteile der PEM-Technik mit günstigen Nickel-Katalysatoren verbinden und steckt noch im Labor.
Alkalische Elektrolyse
Älteste großtechnische Form der Wasserelektrolyse. Sie arbeitet in einer Lauge mit Elektroden aus Nickel und braucht kein Iridium.
Bushveld-Komplex
Erstarrte Magmakammer im Norden Südafrikas mit den größten Vorkommen an Platinmetallen der Welt, darunter dem Merensky Reef und der UG2-Lage.
Chloralkali-Elektrolyse
Verfahren, das aus Kochsalzlösung mit Strom Chlor, Natronlauge und Wasserstoff herstellt. Die Elektroden sind mit Iridium- und Rutheniumoxid beschichtet.
Feinunze
Gewichtseinheit für Edelmetalle, 31,1035 Gramm. Iridium wird in Dollar je Feinunze gehandelt.
Iridium-Anomalie
Auffällig hoher Iridiumgehalt in einer Tonschicht an der Grenze zwischen Kreidezeit und Paläogen. Sie gilt als Spur des Asteroideneinschlags vor rund 66 Millionen Jahren.
Iridiumbeladung
Menge Iridium je Fläche einer Elektrode oder je Leistung eines Elektrolyseurs, angegeben in Milligramm je Quadratzentimeter oder Kilogramm je Gigawatt.
Kritische Rohstoffe
Rohstoffe, die die EU nach ihrer Verordnung von 2024 als wirtschaftlich wichtig und versorgungsgefährdet einstuft. Die Platinmetalle gehören dazu.
Nebenprodukt
Stoff, der bei der Gewinnung eines anderen Rohstoffs mit anfällt. Iridium kommt nur mit Platin und Palladium aus dem Erz, seine Menge folgt deren Förderung.
PEM-Elektrolyse
Wasserelektrolyse mit einer Protonenaustauschmembran. Sie reagiert schnell auf schwankenden Strom und braucht an der Anode Iridiumoxid als Katalysator.
Platinmetalle
Gruppe aus Platin, Palladium, Rhodium, Ruthenium, Iridium und Osmium. Sie kommen gemeinsam vor, werden gemeinsam gefördert und erst in der Raffinerie getrennt.
UG2-Lage
Chromitreiche Erzschicht im Bushveld-Komplex mit hohen Anteilen von Rhodium, Ruthenium und Iridium, eine der wichtigsten Quellen für Iridium weltweit.
FAQ: Iridium kostet zweieinhalbmal so viel wie Gold

Warum ist Iridium so teuer?
Die Welt fördert rund sieben Tonnen im Jahr, und mehr gibt es nur, wenn die Minen mehr Platin und Palladium fördern. Zugleich wächst die Nachfrage aus Elektroden und Wasserstoffanlagen, und laut Johnson Matthey kauften vor allem Abnehmer in China strategisch. Am 26. Oktober 2026 meldete Heraeus einen Rekordpreis, nach unserer Umrechnung rund 295 Euro je Gramm.
Wofür wird Iridium verwendet?
Fast die Hälfte geht in Elektroden für Chlorfabriken, Wasseraufbereitung, Kupferfolie und Wasserstoffanlagen. Außerdem steckt das Metall in Tiegeln für Kristalle der Elektronik, in Spitzen von Zündkerzen, in Leuchtstoffen für OLED-Bildschirme, in Elektroden von Herzschrittmachern und in Katalysatoren für Essigsäure.
Woher kommt der Rohstoff?
Über 80 Prozent stammen aus Südafrika, vor allem aus der UG2-Lage im Bushveld-Komplex. Kleinere Mengen liefern Simbabwe und Russland. Iridium wird nie allein abgebaut, sondern fällt bei der Förderung von Platin und Palladium mit an.
Braucht jeder Elektrolyseur Iridium?
Nein, nur PEM-Elektrolyseure brauchen Iridium, heute je nach Quelle 400 bis 670 Kilogramm je Gigawatt. Alkalische Elektrolyseure arbeiten mit Katalysatoren aus Nickel und kommen ohne das Metall aus, reagieren aber langsamer auf schwankenden Strom.
Lässt sich das Metall recyceln?
Ja, aber fast nur in geschlossenen Kreisläufen, etwa wenn Chlorhersteller alte Elektroden zur Neubeschichtung zurückgeben. Aus Altprodukten wie Zündkerzen gewinnt kaum jemand Iridium zurück, weil ein Sammelsystem wie bei Autokatalysatoren fehlt.
Ist Iridium teurer als Gold?
Ja, am 26. Oktober 2026 kostete Iridium bei Heraeus gut zweieinhalbmal so viel wie Gold. Gold notierte an diesem Tag bei 3.575 Euro je Feinunze, Iridium nach unserer Umrechnung bei rund 9.170 Euro. Weil der Iridiummarkt sehr klein ist, schwankt sein Preis deutlich stärker als der Goldpreis.
Quellen
45 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 02.11.2026
- Heraeus Precious MetalsPrecious Appraisal Nr. 39 (26.10.2026), Abruf über bullionworld.in
- Heraeus Precious MetalsPrecious Appraisal Nr. 37
- Heraeus Precious MetalsPrecious Metals Forecast 2026
- Valterra PlatinumProduction report for the third quarter ending 30 September 2026
- Valterra PlatinumProduction report Q3 2026 (PDF)
- Valterra PlatinumWho we are
- Johnson MattheyPGM Market Report, Mai 2026
- Johnson MattheyJohnson Matthey publishes 2026 PGM Market Report
- International Platinum Group Metals AssociationPGM Fact Sheet Iridium (Mai 2026, verfasst von SFA Oxford)
- U.S. Geological SurveyMineral Commodity Summaries 2026: Platinum-Group Metals
- U.S. Geological SurveyMineral Commodity Summaries 2023: Platinum-Group Metals
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- Linda Hall LibraryScientist of the Day: Walter Alvarez
- Linda Hall LibraryScientist of the Day: William Hyde Wollaston
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- Deutsche BiographieHeraeus, Wilhelm Carl (Neue Deutsche Biographie)
- South African History OnlineDr Hans Merensky
- South African History OnlineTimeline of the Marikana Massacre 2012–2013
- Daily MaverickBeneficiation rhetoric debunked: SA does process its metals into final products, for now
- London Platinum and Palladium MarketLPPM Good Delivery Platinum and Palladium Update
- International Trade AdministrationFinal Determination AD Investigation: Unwrought Palladium from the Russian Federation
- Federal RegisterUnwrought Palladium From Russia; Determinations
- Federal RegisterFinal 2025 List of Critical Minerals
- Europäische KommissionCritical Raw Materials Act
- EIT RawMaterialsList of 34 Critical Raw Materials, Annex II CRMA
- Clean Hydrogen ObservatoryElectrolyser cost 2025 (Datensatz)
- KfW ResearchElektrolyse in Deutschland, Auf einen Blick
- ingenieur.deNicht Lithium: Der Energiewende könnte ein Metall fehlen, das kaum jemand kennt
- ingenieur.deGrüner Wasserstoff aus Elektrolyse: Das sind die wichtigsten Technologien
- SolarserverFraunhofer IPA: Elektrolyseure bereit zur Massenproduktion
- Heraeus Precious MetalsHeraeus and Sibanye-Stillwater introduce a ruthenium-based catalyst
- Heraeus Precious MetalsSmoltek Hydrogen and Heraeus Precious Metals advance ultra-low iridium electrolysis technology
- Heraeus Precious MetalsRecycling technologies for the H2Giga initiative
- CHEManagerHeraeus Precious Metals investiert in den Ausbau des Edelmetallrecyclings in Hanau
- SPRINDelementarhy
- WISTA AdlershofHydrogen breakthrough in alkaline membrane electrolysers
- EUWID RecyclingKooperation von Umicore und Salzgitter zum Iridium-Recycling
- Siemens EnergySiemens Energy und Air Liquide ebnen den Weg für den Hochlauf der Elektrolyseur-Produktion
- Deutsche RohstoffagenturRohstoffinformationen 26: Platingruppenmetalle, Risikobewertung (Spiegel der Geologischen Bundesanstalt)
- Sumitomo Metal MiningPatent US7544248B2 zu Lithiumtantalat-Kristallen
- DensoZündkerzen für Pkw (Produktblatt)
- Universal Display CorporationUniversalPHOLED Materials
- The Pelikan’s PerchPelikan Wolfram Iridium Nib Tipping
- Society for Radiological ProtectionRadioactive Materials
- Europäische ZentralbankReferenzkurs US-Dollar je Euro (EXR.D.USD.EUR.SP00.A)
