Dem Münchner Sanierungsinvestor Mutares liegt ein unwiderrufliches Angebot für die Mehrheit am französischen Fenster- und Küchenhersteller Lapeyre vor. Hinter dem Käufer stehen Mitglieder der Eigentümerfamilie von Bricofer und Conforama Italia. Seit Saint-Gobain das Unternehmen 2021 abgab, sank die Belegschaft um rund 1.400 auf etwa 2.000 Beschäftigte.

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Stellen Sie sich vor, ein Konzern stattet seine Tochter mit 245 Millionen Euro aus und gibt sie danach ab: So kam Lapeyre 2021 von Saint-Gobain zum Sanierer Mutares. Fünf Jahre später überlässt der Investor die Kontrolle italienischen Händlern und bleibt mit einer Minderheit beteiligt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Käufer ist ein Investmentvehikel italienischer Unternehmer aus Baumarkt, Möbel und Einzelhandel.
  • Mutares behält eine Minderheitsbeteiligung und nennt keinen Kaufpreis.
  • Das Closing ist für das vierte Quartal 2026 geplant, vorher äußern sich die Arbeitnehmervertreter.
  • Lapeyre setzte 2025 rund 475 Millionen Euro um, 2021 waren es mehr als 600 Millionen Euro.

Was planen die italienischen Käufer mit Lapeyre?

Geöffnetes Fenster mit orangem Anhänger »NEUE MEHRHEIT« auf weißem Grund
Mutares erwirbt italienische Baumarkt-Kette Bricofer, französische Möbel- und Bauelemente-Hersteller Conforama Italia und Lapeyre mit neun Werken und 115 Filialen

Mutares meldete das Angebot am 5. Oktober.[1] Bricofer betreibt in Italien Baumärkte, Conforama Italia verkauft Möbel. Lapeyre fertigt Fenster, Türen, Treppen sowie Küchen- und Badmöbel in neun eigenen Werken und verkauft sie über mehr als 115 Läden in Frankreich. Marke und Marktposition sollen erhalten bleiben.

Vorteile erwarten die Beteiligten bei Einkauf, Logistik und Produktentwicklung. „Wir sehen in dieser Partnerschaft eine echte industrielle Logik“, sagt Johannes Laumann, Chief Investment Officer von Mutares.[1] Der Verkauf passt zum Umbau des Portfolios: Mutares will sich auf Chemie, Energie, Infrastruktur, Logistik und Dienstleistungen konzentrieren.

Warum legte Saint-Gobain beim Verkauf Geld dazu?

Saint-Gobain stattete Lapeyre vor dem Verkauf mit rund 245 Millionen Euro aus, um Betrieb und Investitionen zu finanzieren.[2] Eine solche Mitgift rechnet sich für den Verkäufer, solange Schließung und Sozialpläne in Frankreich teurer kämen. Der Käufer verdient nicht am Kaufpreis, sondern am späteren Weiterverkauf.

Nach diesem Muster vereinbarte Mutares im August den Kauf der verlustreichen Kunststoffsparte von SABIC. Im September folgten zwei Ausstiege: Die NEM Energy Group ging an Hyundai, den slowenischen Zulieferer Cimos kaufte das eigene Management.

Bei Lapeyre ist die Bilanz des Umbaus messbar. Beim Closing 2021 meldete Mutares mehr als 600 Millionen Euro Umsatz, 3.400 Beschäftigte, zehn Werke und 131 Läden.[3] Heute arbeiten rund 2.000 Menschen direkt für das Unternehmen.

Lapeyre unter Mutares: fünf Jahre Umbau in Zahlen
Der französische Fenster- und Küchenhersteller beim Kauf 2021 und heute
245 Mio. €
Mitgift von Saint-Gobain für Betrieb und Investitionen
3.400 → 2.000
Beschäftigte beim Kauf 2021 und heute
131 → 115+
Läden in Frankreich, die Zahl der Werke sank von zehn auf neun
475 Mio. €
Umsatz 2025, beim Kauf 2021 lag er bei mehr als 600 Millionen Euro
Vom Konzernverkauf zur Minderheit
9. November 2020
Saint-Gobain verhandelt exklusiv mit Mutares über den Verkauf.
1. Juni 2021
Mutares übernimmt Lapeyre vollständig.
5. Oktober 2026
Italienische Unternehmer bieten unwiderruflich für die Kontrollmehrheit.
4. Quartal 2026
Closing nach der Stellungnahme der Arbeitnehmervertreter geplant.

Fünf Jahre nach dem Verkauf arbeiten bei Lapeyre 1.400 Menschen weniger. Die Mehrheit geht jetzt an Händler, die Einkauf und Ladengeschäft aus eigener Erfahrung kennen.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Warum gibt es zuerst nur ein Angebot?

In Frankreich hört ein Unternehmen den Sozial- und Wirtschaftsausschuss CSE an, bevor ein Verkauf unterschrieben wird. Deshalb bindet sich zuerst der Käufer mit einem unwiderruflichen Angebot, der Vertrag folgt nach der Anhörung. Mutares stieg Ende 2020 auf demselben Weg bei Lapeyre ein.[2]

Deutsche Hersteller von Glas, Beschlägen oder Profilen mit Lapeyre als Kunden sollten ihre Rahmenverträge auf Kontrollwechsel-Klauseln prüfen. Ein gemeinsamer Einkauf mit italienischen Baumärkten dürfte Mengen und Konditionen verschieben. Auch hierzulande steht das Fenstergeschäft unter Druck, der Fensterbauer Höhbauer aus der Oberpfalz ist insolvent.

Quellen

[1] Mutares: „Mutares erhält unwiderrufliches Angebot zum Erwerb einer Kontrollbeteiligung an der Lapeyre Group von einem Investmentvehikel italienischer Unternehmer“ (05.10.2026)

[2] Saint-Gobain: „Saint-Gobain enters into exclusive negotiations with Mutares in preparation for the disposal of Lapeyre“ (09.11.2020)

[3] Mutares: „Mutares successfully closed the acquisition of Lapeyre SAS and its subsidiaries in France from Saint-Gobain“ (01.06.2021)

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