Die IG Metall droht dem finnischen Aufzugskonzern Kone mit Protesten, falls er nach der Übernahme von TK Elevator nur die profitablen Teile behält. Kone kauft den Düsseldorfer Konkurrenten für 29,4 Milliarden Euro einschließlich Schulden. Laut Reuters soll das Europa-Geschäft von TK Elevator größtenteils verkauft werden.
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„Wenn es dazu kommt, wird Kone auf den erbitterten Widerstand der IG Metall stoßen“, sagt Knut Giesler, Bezirksleiter der Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen, der Rheinischen Post.[1] Er fürchtet, dass Kone sich die Filetstücke heraussucht und ein Restunternehmen zurücklässt, das sich wirtschaftlich nicht trägt. Giesler ist auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von TK Elevator.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Die IG Metall in NRW verlangt, dass Kone das europäische Geschäft von TK Elevator zusammenhält, und kündigt Proteste an.
- Kone hat den Kauf bei der EU-Kommission vorangemeldet und sechs Freigaben ohne Auflagen erhalten, der Abschluss folgt frühestens im zweiten Quartal 2027.
- Das Europa-Geschäft macht mehr als ein Viertel des Umsatzes von TK Elevator aus.
- Bis zum Abschluss sind betriebsbedingte Kündigungen bei TK Elevator ausgeschlossen.
Was zahlt Kone für TK Elevator?

Kone zahlt 5 Milliarden Euro in bar und bis zu 270 Millionen neue Aktien. Den Großteil der Schulden von TK Elevator, rund 9,2 Milliarden Euro, will Kone neu finanzieren.[3] Zusammen kämen beide auf rund 20,5 Milliarden Euro Umsatz und lägen damit vor Otis und Schindler.[4] Kone erwartet jährliche Einsparungen von rund 700 Millionen Euro vor Steuern, die Einmalkosten dafür schätzt der Konzern auf das 1- bis 1,2-Fache dieser Summe.[3]
TK Elevator gehörte bis 2020 zu Thyssenkrupp. Der Essener Konzern verkaufte die Mehrheit für 17,2 Milliarden Euro an die Finanzinvestoren Cinven und Advent und ist bis heute beteiligt.[4] Inzwischen baut sich Thyssenkrupp zur Finanzholding um.
Warum steht das Europa-Geschäft zum Verkauf?
Rund zwei Drittel des gemeinsamen Umsatzes stammen aus Wartung und Modernisierung.[3] Die Wartung übernimmt häufig der Hersteller, der die Anlage eingebaut hat. Darauf wies die EU-Kommission schon 2007 hin, als sie gegen Otis, Kone, Schindler und ThyssenKrupp Kartellbußen von 992 Millionen Euro verhängte: Absprachen beim Einbau wirkten über die Wartung noch Jahrzehnte nach.[5]
Wo Kone und TK Elevator beide stark sind, kann die Kommission deshalb einen Verkauf verlangen. Kone sagt laut Reuters, dass in einigen Regionen Verkäufe von Geschäftsteilen nötig sein könnten.[6] Nach Recherchen des Übernahmeexperten Lars Watermann kaufte TK Elevator im Juli eine Vorratsgesellschaft, die seit August als TK Europe Holding GmbH firmiert. Analysten der US-Bank Citi schätzten den Erlös laut Reuters auf 2,1 Milliarden Euro. Watermann rechnet eher mit einem Finanzinvestor als Käufer, weil Schindler und Otis selbst an der Fusionskontrolle scheitern könnten.[6]
Nach der förmlichen Anmeldung hat die Kommission 25 Arbeitstage für die erste Prüfphase, eine vertiefte Prüfung dauert 90 Arbeitstage. Wie ein solches Verfahren abläuft, zeigt die Anmeldung der Commerzbank-Übernahme durch UniCredit.
Der Weg zum Abschluss
Wer einen Aufzug einbaut, wartet ihn oft jahrzehntelang. Was in Europa aus TK Elevator wird, entscheidet deshalb die Kartellprüfung mehr als der Kaufvertrag.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was ist für die Beschäftigten vereinbart?
Nach der Ankündigung im April demonstrierten mehr als 3.000 Beschäftigte in Düsseldorf, Hannover und Frankfurt, weil die Arbeitnehmervertreter vorab nicht informiert worden waren. Eine Prozessvereinbarung sichert bis zum Abschluss den Tarifvertrag „Zukunft Elevator“ und die Mitbestimmung, betriebsbedingte Kündigungen sind bis dahin ausgeschlossen. Über eine Folgevereinbarung für die Zeit danach wird verhandelt.[2]
Was bedeutet das für Gebäudebetreiber?
Bis zur Freigabe gilt das Vollzugsverbot: Kone darf TK Elevator nicht steuern, beide bleiben Wettbewerber. Wer jetzt Wartung oder Modernisierung ausschreibt, kann von beiden Angebote einholen und sie vergleichen. Hausverwaltungen mit Verträgen bei TK Elevator sollten prüfen, ob ihr Vertrag bei einem Eigentümerwechsel Kündigungsrechte vorsieht.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Rheinische Post, Antje HöningIG Metall schlägt wegen TK Elevator Alarm: ‚Werden zu Tausenden auf die Straße gehen‘
- LIFTjournalDrei Fragen an … Knut Giesler (Interview, 2026)
- KONE OyjOsavuosikatsaus tammi–syyskuulta 2026 (Quartalsbericht Januar bis September 2026, finnische Fassung, Abschnitt zum Zusammenschluss mit TKE)
- dpa/dpa-AFXKone übernimmt TK Elevator – Kritik von IG Metall (29. April 2026, abgerufen bei Yahoo Finanzen)
- Europäische KommissionWettbewerb: Geldbußen von mehr als 990 Millionen EUR wegen Teilnahme an Aufzugs- und Fahrtreppenkartellen (Pressemitteilung IP/07/209)
- LIFTjournalGeht TKE-Europa an eine Private-Equity-Gesellschaft? (Oktober 2026, mit der Reuters-Meldung vom 1. Oktober 2026)
Mehr Newshunger?
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