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Im WooCommerce-Plugin PDF Invoices & Packing Slips konnten Fremde ohne Konto die vollständige Rechnung eines anderen Kunden an die eigene E-Mail-Adresse holen. Wordfence machte die Sicherheitslücke am 30. Oktober öffentlich, zusammen mit einer zweiten, über die Schadcode aus einer Gastbestellung im Browser des Shop-Administrators landen konnte. Version 5.16.6 vom 22. Oktober schließt beide.

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Inhalt 5 Abschnitte
  1. Wie kam die fremde Rechnung in die E-Mail?
  2. Warum der erste Fix nicht reichte
  3. Was sollten Shop-Betreiber jetzt tun?
  4. FAQ: PDF Invoices mit über 300.000 Installationen: Sicherheitslücke schickt Rechnungen an Fremde
  5. Mehr Newshunger?

Das Plugin des Herstellers WP Overnight erzeugt Rechnungen und Lieferscheine für WooCommerce-Shops und hängt sie auf Wunsch an die E-Mails zur Bestellung. Laut wordpress.org läuft es auf über 300.000 Websites. Die Rechnungslücke trägt die Kennung CVE-2026-109217, Wordfence bewertet sie nach CVSS 3.1 mit 5,3 von 10 Punkten, also mittel. Ausnutzen lässt sie sich nur, wenn der Shop seine Rechnungsnummern jedes Jahr neu beginnen lässt.[1]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis Version 5.16.5 konnte eine Gastbestellung die Rechnung eines anderen Kunden samt Anschrift, Bestellnotizen und Positionen als E-Mail-Anhang abgreifen (CVSS 3.1: 5,3, vergeben von Wordfence).
  • Voraussetzung ist die jährliche Rücksetzung der Rechnungsnummer, ab Werk ist sie abgeschaltet.
  • Zwei weitere Lücken bis Version 5.16.4 ließen Schadcode über Namens-, Adress- und Notizfelder einer Gastbestellung ins Rechnungsdokument gelangen (CVSS 3.1: 7,2 und 7,5).
  • Der erste Fix für diesen Fehlertyp aus Version 5.16.2 griff nicht vollständig, Angriffe sind bisher nicht bekannt.

Wie kam die fremde Rechnung in die E-Mail?

Geöffneter Umschlag mit Tabelle, vorderer mit Aufklebern „Rechnung“ und „Upps!“
Plugin speichert Rechnungs-PDFs 60 Sekunden im Zwischenordner und nutzt identische Dateien mehrfach wieder, statt sie neu zu generieren

Bevor das Plugin eine Rechnung an die Bestellbestätigung hängt, legt es sie als PDF-Datei in einem Zwischenordner ab. Entsteht innerhalb von 60 Sekunden eine weitere E-Mail mit einer Datei gleichen Namens, verwendet es die vorhandene Datei erneut, statt sie neu zu erzeugen. Bis Version 5.16.5 unterschied der Zwischenspeicher die Dateien dabei nur am Namen, nicht an der Bestellung, zu der sie gehören.[2]

Laut Wordfence konnte ein Angreifer das ausnutzen, wenn der Shop seine Rechnungsnummern jährlich zurücksetzt. Löste seine Gastbestellung binnen 60 Sekunden nach der Bestellung eines Opfers mit derselben Rechnungsnummer eine Bestätigung aus, bekam er dessen Rechnung zugeschickt. Darin stehen Name, Rechnungs- und Lieferadresse, private Bestellnotizen, Artikel, Preise und Bestellnummer. Den Fehler gemeldet hat ein Sicherheitsforscher unter dem Pseudonym Santh, Wordfence informierte WP Overnight am 12. Oktober.[1]

Der niedrige Wert von 5,3 rührt von den engen Bedingungen her: das passende Zeitfenster, die gleiche Nummer und eine Einstellung, die nicht jeder Shop nutzt. Für die Betroffenen wiegt der Fall trotzdem schwer, denn eine Rechnung enthält genau die Angaben, die Betrüger für glaubwürdige Phishing-Mails brauchen.

Warum der erste Fix nicht reichte

Die zweite Lücke reicht weiter zurück. Ende September machte Wordfence öffentlich, dass Fremde über die Felder für Vor- und Nachname oder Firma einer Gastbestellung Schadcode einschleusen konnten, der beim Öffnen des Rechnungsdokuments im Browser lief (CVE-2026-92244, CVSS 3.1: 7,2). Version 5.16.2 vom 22. September sollte das beheben.[3]

Der neue Filter fing Schadcode aber nur ab, wenn er im Klartext ankam. Als HTML-Entitäten kodiert rutschte er durch und wurde erst bei der Ausgabe wieder zu ausführbarem Code. Diesen unvollständigen Fix meldete der Sicherheitsforscher churchill11 am 8. Oktober an Wordfence (CVE-2026-107750, CVSS 3.1: 7,2), betroffen sind alle Versionen bis 5.16.4.[4] Parallel fand Karthik Ramakrishnan über die Datenbank WPScan denselben Weg auch für Lieferadresse und Bestellnotiz. WPScan bewertet seine Variante mit 7,5 und will am 29. November Beispielcode für einen Angriff veröffentlichen.[5]

Gefährlich ist der Weg, weil der Code nicht beim Kunden läuft, sondern beim Shop-Administrator, der die Rechnung prüft. Mit dessen Rechten lassen sich im Hintergrund Einstellungen ändern oder neue Konten anlegen. Version 5.16.5 vom 20. Oktober gibt Adressen, Zusatzfelder und Notizen nur noch bereinigt aus, wie ein Vergleich des Quellcodes mit der Vorgängerversion zeigt.[2] Ein ähnliches Muster hatte Everest Forms, wo erst der zweite Fix half. Vom selben Hersteller stammt Menu Cart, dessen Lücke im Warenkorb Dr. Web am 29. Oktober gemeldet hat.

Drei Lücken im Rechnungs-Plugin
PDF Invoices & Packing Slips for WooCommerce, Stand am 31. Oktober 2026
über 300.000
aktive Installationen zählt wordpress.org
60 Sekunden
lang verwendete das Plugin eine Rechnungsdatei gleichen Namens erneut
5.16.5
schließt die beiden Wege für Schadcode aus Gastbestellungen
5.16.6
vom 22. Oktober beendet den Versand fremder Rechnungen

Zwei Anläufe, bis die Lücke dicht war

15.09.2026
Wordfence informiert WP Overnight über Schadcode in Namens- und Firmenfeldern (CVE-2026-92244)
22.09.2026
Version 5.16.2 soll die Lücke schließen
08.10.2026
Neue Meldung an Wordfence: Der Fix lässt kodierten Schadcode durch (CVE-2026-107750)
12.10.2026
Wordfence meldet dem Hersteller die Rechnungslücke (CVE-2026-109217)
20.10.2026
Version 5.16.5 gibt Adressen und Notizen nur noch bereinigt aus
22.10.2026
Version 5.16.6 trennt den Zwischenspeicher nach Bestellung
29./30.10.2026
WPScan und Wordfence legen die drei neuen Lücken offen
29.11.2026
WPScan will Beispielcode für einen Angriff auf CVE-2026-111578 veröffentlichen

Versionsreihen laut wordpress.org am 31. Oktober: 5.16 mit 63,1 Prozent, ältere Reihen 36,9 Prozent. Status: offengelegt, Patch verfügbar, Angriffe nicht bekannt.

Eine Rechnung verrät mehr über einen Kunden als fast jedes andere Dokument im Shop. Dass ein Zwischenspeicher zwei Kunden nur am Dateinamen unterscheidet, darf in einem Rechnungs-Plugin nicht passieren. Shop-Betreiber sollten das Update heute einspielen und nicht bis Montag warten.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was sollten Shop-Betreiber jetzt tun?

  • Aktualisieren: Spielen Sie Version 5.16.6 ein und prüfen Sie unter Plugins, ob automatische Updates für PDF Invoices & Packing Slips aktiv sind.
  • Nummernkreis prüfen: Sehen Sie in den Dokumenteinstellungen nach, ob die jährliche Rücksetzung der Rechnungsnummer aktiv ist. Dann war Ihr Shop bis zum Update für die Rechnungslücke anfällig.
  • Gastbestellungen sichten: Prüfen Sie Gastbestellungen der vergangenen Wochen auf auffällige Zeichenfolgen in Namens-, Firmen-, Adress- und Notizfeldern und kontrollieren Sie die Liste der Administratorkonten.
  • Meldepflicht prüfen: Erhielt ein Fremder eine Kundenrechnung, ist das eine Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten. Die Meldung an die Aufsichtsbehörde ist binnen 72 Stunden fällig, außer ein Risiko für die Betroffenen ist unwahrscheinlich (Art. 33 DSGVO).[7]

Laut der Versionsstatistik von wordpress.org liefen am 31. Oktober 63,1 Prozent der Installationen auf der Versionsreihe 5.16, darunter auch die anfälligen Unterversionen bis 5.16.5. Die übrigen 36,9 Prozent verteilten sich auf ältere Reihen und sind für die Rechnungslücke und den Schadcode aus Gastbestellungen anfällig.[2] Im Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen der US-Behörde CISA steht keine der Lücken.[6] Wie Angreifer WooCommerce-Shops über ein Plugin angreifen, zeigte im Mai die Angriffswelle gegen Funnel Builder, bei der Kriminelle Zahlungsdaten im Bezahlformular abgriffen. Grundregeln fasst der Ratgeber zur WordPress-Sicherheit zusammen, der WordPress-Hosting-Vergleich nennt Managed-Hoster, die Plugin-Updates selbst einspielen.

FAQ: PDF Invoices mit über 300.000 Installationen: Sicherheitslücke schickt Rechnungen an Fremde

Welche Versionen von PDF Invoices & Packing Slips sind betroffen?

Die Rechnungslücke CVE-2026-109217 betrifft alle Versionen bis 5.16.5, behoben ist sie in 5.16.6 vom 22. Oktober 2026. Die Lücken für Schadcode aus Gastbestellungen reichen bis 5.16.4 und sind seit 5.16.5 geschlossen.

Ist mein Shop betroffen, wenn ich die jährliche Rücksetzung nicht nutze?

Für die Rechnungslücke nicht, sie setzt jährlich neu beginnende Rechnungsnummern voraus. Ab Werk ist die Einstellung abgeschaltet. Der Schadcode aus Gastbestellungen wirkt unabhängig davon, deshalb ist das Update für jeden Shop nötig.

Welche Daten stehen in der abgegriffenen Rechnung?

Laut Wordfence die vollständige Rechnung: Name, Rechnungs- und Lieferadresse, private Bestellnotizen, Artikel, Preise, Daten, Bestellnummer und Rechnungsnummer. Sie kam als Anhang der Bestellbestätigung an die E-Mail-Adresse des Angreifers.

Werden die Lücken schon ausgenutzt?

Bis zum 31. Oktober 2026 sind keine Angriffe bekannt. Die US-Behörde CISA führt keine der Lücken in ihrem Katalog aktiv ausgenutzter Schwachstellen. WPScan will Beispielcode für einen Angriff auf CVE-2026-111578 am 29. November veröffentlichen.

Muss ich eine an Fremde zugestellte Rechnung der Datenschutzbehörde melden?

Erhält ein Unbefugter eine Kundenrechnung, ist das eine Datenpanne nach Art. 4 Nr. 12 DSGVO. Melden müssen Sie sie binnen 72 Stunden, außer ein Risiko ist unwahrscheinlich. Bei hohem Risiko sind auch die Kunden zu informieren (Art. 34).

Quellen

7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. WordfenceEintrag zu CVE-2026-109217 (PDF Invoices & Packing Slips for WooCommerce <= 5.16.5), offengelegt am 30. Oktober 2026; dazu NVD: CVE-2026-109217
  2. wordpress.orgPDF Invoices & Packing Slips for WooCommerce, Änderungsprotokoll, aktive Installationen und Versionsstatistik, abgerufen am 31. Oktober 2026; Quellcode der Versionen 5.16.4, 5.16.5 und 5.16.6 aus dem Plugin-Verzeichnis
  3. NVDCVE-2026-92244 (PDF Invoices & Packing Slips for WooCommerce <= 5.16.1), offengelegt von Wordfence am 30. September 2026
  4. WordfenceEintrag zu CVE-2026-107750 (PDF Invoices & Packing Slips for WooCommerce <= 5.16.4), offengelegt am 30. Oktober 2026
  5. WPScanEintrag zu CVE-2026-111578 (PDF Invoices & Packing Slips for WooCommerce 5.16.2 bis 5.16.4), veröffentlicht am 29. Oktober 2026
  6. CISAKnown Exploited Vulnerabilities Catalog, abgeglichen am 31. Oktober 2026
  7. EUR-LexVerordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 4 Nr. 12, Art. 33 und Art. 34

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