Die Demmel Gruppe aus Scheidegg im Westallgäu übernimmt das insolvente Werk der früheren Wilhelm Gronbach GmbH in Wasserburg am Inn. 107 Beschäftigte wechseln zur neuen Demmel GronTec GmbH, 43 gehen in eine Transfergesellschaft. Den Vertragsabschluss gaben die Sanierungsgeschäftsführer am 26. Oktober bekannt, der Vollzug steht noch aus.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenInhalt 4 Abschnitte
Die frühere Gronbach GmbH firmiert inzwischen als GWSPA Produktion GmbH und hatte im April beim Amtsgericht Rosenheim ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Die Kanzlei Anchor, die mit Markus Fauser und Johannes Chrocziel die Sanierungsgeschäftsführer stellt, teilt mit, der Produktionsstandort bleibe „dauerhaft erhalten“. Der Verkauf hängt noch von Bedingungen ab, mit deren Eintritt Anchor in den kommenden Tagen rechnet. Die österreichischen Tochtergesellschaften waren schon zuvor im Verfahren an einen Investor verkauft worden.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Die Beschäftigten in der Transfergesellschaft bleiben dort bis zu sechs Monate angestellt und bekommen Hilfe bei der Stellensuche.
- Beim Insolvenzantrag im April zählte der Standort laut Unternehmeredition rund 180 Beschäftigte.
- Demmel beliefert vor allem die Autoindustrie und will mit dem Werk mehr Umsatz außerhalb dieser Branche machen.
Warum geriet der Hausgeräte-Zulieferer in die Insolvenz?

Wilhelm Gronbach gründete den Betrieb 1964. In Wasserburg entstehen Gebläsesysteme und Bauteile für Hausgerätehersteller, dazu Teile für die Autoindustrie und die Medizintechnik. Laut Anchor hat sich die Konjunktur seit Ende 2022 deutlich abgeschwächt, Verbraucher halten sich beim Kauf von Küchenmöbeln und Haushaltsgeräten zurück. Zugleich stiegen die Kosten für Material und Personal.[1] Beim Antrag im April nannte das Unternehmen einen weiteren Grund: Große Kunden hatten im vierten Quartal 2025 Aufträge für Kernprodukte abgezogen, das Werk musste die Fertigung kurzfristig zurückfahren. Die höheren Kosten ließen sich wegen des Wettbewerbsdrucks nicht an die Kunden weitergeben.[2]
Die gesamte Gronbach-Gruppe zählte damals rund 700 Beschäftigte und setzte mehr als 125 Millionen Euro im Jahr um, mit Werken in Österreich, Italien und der Slowakei. Das Verfahren betraf nur die Gesellschaft in Wasserburg mit rund 180 Beschäftigten. Die Löhne der Belegschaft zahlte die Bundesagentur für Arbeit von April bis Juni als Insolvenzgeld.[2] Am 1. Juli eröffnete das Gericht das Verfahren. Das Management blieb in Eigenverwaltung im Amt, als Sachwalter wacht Volker Böhm von der Kanzlei Schultze & Braun über die Sanierung.[3] Warum der Standort nun 150 Beschäftigte zählt, 107 plus 43, und nicht mehr rund 180 wie im April, erklärt Anchor nicht.
Was will Demmel mit dem Werk?
Das Familienunternehmen Demmel begann vor mehr als 130 Jahren als Schilderfabrik und fertigt heute Zierteile, dekorative Oberflächen, Bediensysteme, Elektronik und mobile Stromversorgung. Mit rund 1.200 Beschäftigten setzt die Gruppe 240 Millionen Euro im Jahr um, mit Werken in Scheidegg, Lindenberg, Heimertingen, Weiler im Allgäu und München sowie in der Schweiz, Italien, China, Singapur und den USA. Die Kunden von Demmel kommen vor allem aus der Autoindustrie, dem Maschinenbau und der Hausgerätebranche.[1]
Mit Wasserburg will Demmel unabhängiger vom Autogeschäft werden. Finanzchefin Sabrina Hirniak spricht von einer gezielten Diversifizierung „in den Non-Automotive-Sektor“: Über das Werk will Demmel neue Geschäftsfelder erschließen und neue Kunden gewinnen. Demmel bringt eigene Aufträge mit, die das Werk besser auslasten sollen. Der bisherige Geschäftsführer Gerald Seidinger leitet das Werk weiter.[1] Demmel diversifiziert, während viele Autozulieferer unter Druck stehen: Zuletzt ging etwa der Mercedes-Zulieferer Aios aus Überherrn in die Insolvenz.
Was bedeutet die Transfergesellschaft für die 43 Beschäftigten?
Beschäftigte, die in eine Transfergesellschaft wechseln, verlieren ihren Arbeitsplatz im Werk, sind aber nicht sofort arbeitslos. Dort erhalten sie Transferkurzarbeitergeld nach § 111 SGB III, das die Bundesagentur für Arbeit bis zu zwölf Monate lang zahlt. In Wasserburg sind bis zu sechs Monate vorgesehen.[1] Bis dahin sollen sich die 43 weiterbilden und mit Hilfe der Transfergesellschaft eine neue Stelle finden. Auch Volkswagen setzt beim Abbau weiterer Stellen auf Transfergesellschaften.
Andernorts in Bayern fehlt eine solche Lösung: In Oberfranken sucht der Maschinenbauer Leicht aus Hallstadt mit 330 Beschäftigten weiter einen Investor. Ob die Rechnung in Wasserburg aufgeht, hängt nun von den Aufträgen ab, die Demmel mitbringt, und davon, wann Verbraucher wieder mehr Hausgeräte kaufen.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
Mehr Newshunger?
- Maschinenbau Leicht in Hallstadt ist insolvent, 330 Beschäftigte betroffen
- Mercedes-Zulieferer Aios aus Überherrn ist insolvent, knapp 300 Stellen stehen auf dem Spiel
- Gersfelder Metallwaren ist insolvent, 145 Beschäftigte in der Rhön betroffen
- Bäckerei Moos aus Aßlar geht ins Schutzschirmverfahren, 480 Beschäftigte betroffen
- Wie macht Miele mit Profigeräten eine Milliarde Umsatz?