Die Pilotinnen und Piloten von Condor verzichten bis Herbst 2028 auf Gehaltserhöhungen. Im Gegenzug schließt die Fluggesellschaft betriebsbedingte Kündigungen aus, ab Oktober 2028 steigt die Vergütung um sieben Prozent. 67 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder der Vereinigung Cockpit nahmen das Paket an, das aus einer Sparforderung des Managements hervorging.
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Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) nennt die Einigung ein „Zukunftspaket“. Die Vereinbarung friert die Vergütung befristet ein, schließt betriebsbedingte Kündigungen für diesen Zeitraum aus und führt ein neues Freizeitmodell ein, das längere zusammenhängende Ruhezeiten nach den Einsätzen ermöglichen soll. Die Wahlbeteiligung lag bei 89,1 Prozent.[1] Laut Spiegel gilt der Tarifvertrag für rund 1.000 Beschäftigte im Cockpit und läuft bis Ende September 2029. Eine Condor-Sprecherin bestätigte den Abschluss.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Laut den Gewerkschaften will Condor in den Geschäftsjahren 2026/27 und 2027/28 jeweils 100 Millionen Euro einsparen, 35 Millionen davon beim Personal.
- Die Piloten tragen mit Nullrunden bis Herbst 2028 ihren Teil bei, danach gibt es sieben Prozent mehr.
- Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen; wie lange genau, nennen Condor und VC nicht selbst.
Warum muss Condor sparen, obwohl die Airline wächst?

Mitte September informierte das Management die Belegschaft über das Sparprogramm. Nach Angaben der Gewerkschaften UFO und Verdi soll Condor sowohl im Geschäftsjahr von Oktober 2026 bis Oktober 2027 als auch im folgenden Jahr jeweils 100 Millionen Euro einsparen. 65 Millionen Euro davon sollen aus neu verhandelten Lizenzen und Verträgen mit Partnern kommen, 35 Millionen Euro im Jahr von der Belegschaft.[4] Auf die Kabine entfallen laut Aerotelegraph rund zehn Millionen Euro.[3]
Den Druck macht vor allem der Mehrheitseigner. Der Finanzinvestor Attestor hält 51 Prozent und machte laut den Gewerkschaften klar, dass er das geplante Wachstum ohne Einsparungen nicht im bisherigen Umfang mitträgt.[4] Dieses Wachstum ist zum Teil erzwungen. Seit Lufthansa den Zubringervertrag kurz vor Weihnachten 2024 gekündigt hat, muss Condor ihre Langstreckenflüge ab Frankfurt mit eigenen Inlands- und Europaverbindungen füllen, etwa nach Berlin, Hamburg, München, Wien und Zürich. Gleichzeitig greift die Lufthansa-Tochter Discover auf vielen Strecken an, und der Treibstoff wurde teurer.[3][2]
Was ist der Kündigungsschutz wert?
Auf Kündigungen zu verzichten, kostet eine wachsende Airline wenig. Laut Frankfurtflyer will Condor die Zahl der Abflüge um rund 32 Prozent und das Personal um etwa zehn Prozent erhöhen, einen Zeitraum nennt der Bericht nicht.[4] Solange dieser Plan aufgeht, braucht Condor die Piloten ohnehin. Der Schutz greift erst, wenn das Wachstum ausbleibt und Flugzeuge am Boden stehen. Für das Unternehmen zählt dagegen sofort, dass die Personalkosten im Cockpit bis Herbst 2028 nicht steigen. Ursprünglich hatte Condor nach Angaben der Gewerkschaften verlangt, die tariflichen Stufensprünge auszusetzen und bis 2030 auf reguläre Gehaltssteigerungen zu verzichten.[4] Die Nullrunden enden nun früher als damals gefordert.
Wie belastbar eine solche Zusage ist, entscheidet das Kleingedruckte. Bei der Paderborner Brauerei hatten die Beschäftigten seit 2021 für einen Zukunftssicherungsvertrag bis Ende 2028 auf Tariferhöhungen verzichtet, nun droht der Betrieb zum Jahresende zu schließen. Auch Volkswagen will die Gehälter bis 2030 einfrieren und baut zugleich weitere Stellen ab.
Wie geht es bei Kabine und Konkurrenz weiter?
Offen ist, wie die Kabine ihren Anteil leistet. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hatte im September angekündigt, Änderungen am Tarifvertrag nicht mitzutragen.[3] VC-Präsident Andreas Pinheiro räumt ein, dass der Kompromiss „nicht bei allen Mitgliedern Jubel auslöst“. Entscheidend sei die Absicherung der Arbeitsplätze. Seine Bemerkung, einen Umgang auf Augenhöhe würde man sich „auch an anderer Stelle mehr wünschen“, liest der Spiegel als Seitenhieb auf Lufthansa.[1][2] Dort laufen die Tarifkonflikte der deutschen Flugbetriebe nach erfolgloser Schlichtung in einer Mediation weiter.[2] Die Lufthansa-Tochter Eurowings prüft wegen der Treibstoffkosten sogar Kurzarbeit für den Winter, nachdem schon der Konzerngewinn im zweiten Quartal eingebrochen war.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Vereinigung CockpitCondor und Vereinigung Cockpit einigen sich auf Zukunftspaket
- Der SpiegelCondor einigt sich mit Piloten
- AerotelegraphCondor muss 200 Millionen Euro sparen, auch das Personal muss verzichten
- FrankfurtflyerCondor zum Sparen verdonnert: 200 Millionen Euro müssen weg
Mehr Newshunger?
- Eurowings prüft Kurzarbeit im Winter: Kerosin kostet fast 250 Millionen Euro mehr
- Lufthansa-Gewinneinbruch: 750 Millionen Euro mehr für Kerosin
- Volkswagen will die Gehälter bis 2030 einfrieren
- Warsteiner vertagt Entscheidung über die Paderborner Brauerei mit 113 Beschäftigten
- Gewerkschaften: Die Trillerpfeife sichert keinen Job