Eurowings prüft für den Winter Kurzarbeit im deutschen Flugbetrieb und spricht darüber mit der Bundesagentur für Arbeit. Laut einem internen Schreiben der Geschäftsführung kostet Kerosin die Lufthansa-Tochter in diesem Jahr fast 250 Millionen Euro mehr als geplant. Im ersten Schritt sinkt das Angebot um rund fünf Prozent, die Winterflüge von Köln/Bonn und Stuttgart nach Dubai fallen weg.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Mehrkosten sind fast doppelt so hoch wie der operative Gewinn des Vorjahres: 2025 erzielte Eurowings ein Ebit von 132 Millionen Euro. Die Flüge seien gut gebucht, heißt es in dem Schreiben, im Winter wachse aber die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben.
Das Wichtigste in Kürze
- Beschlossen ist die Kurzarbeit nicht, Eurowings prüft die Voraussetzungen und nennt keine Zahl betroffener Beschäftigter.
- Weitere Kürzungen betreffen laut Eurowings einzelne Verbindungen, die seltener bedient werden, aber keine kompletten Strecken.
- In der Verwaltung sollen bis Ende 2028 rund 100 Vollzeitstellen wegfallen.
Was plant Eurowings für den Winter?

Gegenüber aeroTELEGRAPH bestätigte Eurowings die Prüfung, nannte aber keine Details.[1] Offen sind die Zahl der Betroffenen, die Bereiche und der genaue Zeitraum. Weniger Flüge bedeuten weniger eingesetzte Flugzeuge und Crews. Auf Anfrage von airliners.de erklärte die Airline: „Die stark gestiegenen Kerosinpreise treffen die gesamte Luftfahrtbranche, so auch Eurowings.“[2]
Parallel laufen zwei Sparprogramme. „Ebit Now“ soll bis Jahresende kurzfristig Kosten senken, „Ewolut“ soll die Verwaltung bis Ende 2028 um rund 100 Vollzeitstellen verkleinern. Verträge mit Dienstleistern für Catering und gemietete Flugzeuge samt Besatzung will Eurowings neu verhandeln. An der Erneuerung der Flotte hält die Geschäftsführung fest.
Warum reicht die Absicherung der Lufthansa nicht?
Seit Beginn des Iran-Kriegs Anfang März kostete Kerosin zeitweise mehr als doppelt so viel wie zuvor. Der Aufschlag, den Raffinerien für Kerosin gegenüber Rohöl verlangen, hat sich laut dem Schreiben annähernd verdreifacht. Dank der Preisabsicherung der Lufthansa Group sieht die Geschäftsführung Eurowings besser aufgestellt als viele Konkurrenten, aber nicht krisenfest. Auch für 2027 rechnet Eurowings mit hohen Preisen.[3]
Auch die Konzernmutter zahlt deutlich mehr. Im August hatte Lufthansa die Treibstoffkosten für das Gesamtjahr auf 8,7 Milliarden Euro beziffert. Ende September sagte Konzernchef Carsten Spohr laut dpa, die Mehrbelastung werde die bisher genannten 1,5 Milliarden Euro wohl übersteigen: „Die Zahl wird höher sein, die wir am Jahresende wahrscheinlich auszuweisen haben.“ In Frankfurt muss Lufthansa derzeit sogar Kerosin einfliegen, weil Pipeline und Rheinschiffe weniger liefern.
Welche Hürde gilt für Kurzarbeit im Winter?
Kurzarbeitergeld zahlt die Arbeitsagentur nur bei einem erheblichen, vorübergehenden und nicht vermeidbaren Arbeitsausfall. Als vermeidbar gilt nach § 96 SGB III ausdrücklich ein Ausfall, der überwiegend branchenüblich oder saisonbedingt ist.[4] Weil die Kurzarbeit ausgerechnet für den Winter geplant ist, muss Eurowings belegen, dass der Kerosinpreis die Flüge streicht und nicht die Jahreszeit.
Zudem muss in jedem Monat mindestens ein Drittel der Beschäftigten eines Betriebs mehr als 10 Prozent des Bruttolohns verlieren. Die Arbeitsagentur ersetzt 60 Prozent der Nettoentgeltdifferenz, Beschäftigte mit Kind erhalten 67 Prozent, regulär höchstens zwölf Monate lang. In der Corona-Krise hatten Eurowings und ver.di im April 2020 für über 1.100 Kabinenbeschäftigte eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoentgelts vereinbart. Eine öffentliche Stellungnahme von ver.di, UFO oder Vereinigung Cockpit zu den neuen Plänen fand sich bis Freitagmittag nicht.
Eurowings betreibt 14 Stützpunkte, darunter Düsseldorf, Köln/Bonn, Hamburg, Stuttgart und Berlin. Bei einigen kleineren Stützpunkten prüft die Airline laut airliners.de die Wirtschaftlichkeit. Firmenkunden und Reisebüros sollten im Winter mit selteneren Flügen auf einzelnen Verbindungen und mit mehr Umbuchungen rechnen.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- aeroTELEGRAPH«Die nächsten Monate werden schwer»: Eurowings erwägt Kurzarbeit für Flugpersonal
- airliners.deEurowings prüft wegen gestiegener Kerosinpreise Kurzarbeit im deutschen Flugbetrieb
- aero.deEurowings prüft Kurzarbeit in Deutschland
- Bundesministerium der Justiz§ 96 SGB III, Erheblicher Arbeitsausfall (abgerufen 16.10.2026)
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