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Eine unabhängige Expertenkommission soll im Auftrag des Staatskonzerns ermitteln, wie viel Verkehr das deutsche Schienennetz zuverlässig aufnimmt. Ab dem 3. November erarbeitet das Gremium Vorschläge, wie weniger Züge pünktlicher ans Ziel kommen. Im September kamen nur 52,4 Prozent der Fernzüge pünktlich an.

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Inhalt 5 Abschnitte
  1. Wie voll ist das Schienennetz?
  2. Welches Büro rechnet die Kapazität aus?
  3. Warum halten Fahrgastverbände dagegen?
  4. Was passiert mit den Vorschlägen der Kommission?
  5. Mehr Newshunger?

Zwischen Berlin und Hamburg fährt heute alle 30 Minuten ein Fernzug. Künftig könnte es nur noch einer pro Stunde sein, der dafür zuverlässig ankommt. Dieses Beispiel nannte Enak Ferlemann, Mitglied der neuen Kommission „Robuster Fahrplan“, dem Tagesspiegel.[1]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kommission soll am 3. November zum ersten Mal tagen, so steht es in einem Schreiben der Bahn an Mitglieder des Verkehrsausschusses im Bundestag.[1]
  • Das Schweizer Planungsbüro SMA und Partner ermittelt, wie viel Verkehr das Netz in seinem jetzigen Zustand verkraftet.
  • Fahrgast- und Umweltverbände lehnten weniger Fernzüge schon vor einem Jahr ab.[3]

Wie voll ist das Schienennetz?

Orangefarbene Modelllok vor weißen Modellen auf Gleis mit Schild „Bitte einzeln“
Im Jahr 2025 fuhren über zehn Prozent der Züge auf Strecken mit über 115 Prozent Auslastung. Verspätungen durch Überlastung stiegen in zehn Jahren um 150 Prozent

Im Jahr 2025 fuhren nach Angaben der Bahn mehr als zehn Prozent der Züge auf Strecken mit einer Auslastung von über 115 Prozent.[2] Dort verkehren mehr Züge, als die Strecke planmäßig aufnehmen kann. Für Pufferzeiten bleibt kein Raum, und eine Verspätung überträgt sich auf die folgenden Züge. Verspätungen durch diesen Stau haben laut Bahn in zehn Jahren um 150 Prozent zugenommen.

Ferlemann, früher Bahnbeauftragter der Bundesregierung und heute im Aufsichtsrat der Netztochter DB InfraGO, sagte: „Mit der Kommission wollen wir den Menschen die Wahrheit sagen: Angesichts des Zustands fahren auf unseren Gleisen viel zu viele Züge.“[1] Nach dem schwachen September gerät das Jahresziel von 60 Prozent für die Pünktlichkeit im Fernverkehr außer Reichweite.

Welches Büro rechnet die Kapazität aus?

Die Berechnung übernimmt die SMA und Partner AG aus Zürich, die sich auf Fahrpläne spezialisiert hat.[2] Das Büro arbeitet für das Bundesverkehrsministerium auch am Deutschlandtakt, dem Zielfahrplan für mehr und besser abgestimmte Züge.[5] Die Kommission soll zuerst den Ist-Zustand erfassen und dann Vorschläge vorlegen, welche Verbindungen ausgedünnt werden könnten. Eine Liste betroffener Strecken nennt die Bahn bisher nicht.

Wie voll das Schienennetz ist
Zahlen der Deutschen Bahn an den Verkehrsausschuss und das Ziel des Bundes
über 10 %
der Züge fuhren 2025 auf Strecken mit mehr als 115 Prozent Auslastung
+150 %
mehr Verspätungen durch Stau auf der Schiene in zehn Jahren
52,4 %
der Fernzüge kamen im September 2026 pünktlich an
70 %
pünktliche Fernzüge will der Bund bis Ende 2029 erreichen

Wie die Debatte über weniger Züge verlief

September 2025
Fahrgast- und Umweltverbände warnen vor einem kleineren Angebot im Fernverkehr
2026
Bahnchefin Evelyn Palla gibt 60 Prozent Pünktlichkeit im Fernverkehr als Jahresziel aus
September 2026
Nur 52,4 Prozent der Fernzüge sind pünktlich
3. November 2026
Die Kommission „Robuster Fahrplan“ soll zum ersten Mal tagen

Ein ausgedünnter Fahrplan macht die Bahn vielleicht pünktlicher. Mehr Fahrgäste gewinnt sie damit nicht.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Warum halten Fahrgastverbände dagegen?

Schon im September 2025 warnten der Verkehrsclub Deutschland (VCD), die Allianz pro Schiene und der Fahrgastverband Pro Bahn vor einem kleineren Angebot.[3] Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, nannte „Mehr Pünktlichkeit durch weniger Züge“ eine „in dieser Allgemeinheit falsche Logik“. Die Schweiz, die Niederlande, Dänemark und Österreich ließen pro Streckenkilometer deutlich mehr Züge fahren und seien trotzdem pünktlicher. Als Hauptursache gelten marode Strecken und überlastete Knoten wie Hamburg, Köln, Frankfurt und Berlin.

Das Bundesverkehrsministerium hatte damals als Ziel ausgegeben, bis Ende 2029 rund 70 Prozent der Fernzüge pünktlich fahren zu lassen.[3] Zugleich saniert die Bahn ihre Hauptstrecken, bis 2031 aber nur 13 statt 21 besonders stark befahrene Korridore.

Was passiert mit den Vorschlägen der Kommission?

Die Kommission soll Vorschläge machen. Welche davon die Bahn umsetzt, ist offen. Kann die Netztochter beantragte Trassen, also Zeitfenster für Zugfahrten, nicht im nötigen Umfang vergeben, muss sie den Abschnitt nach § 55 des Eisenbahnregulierungsgesetzes für überlastet erklären und der Bundesnetzagentur als Regulierungsbehörde melden.[4] Danach folgt eine Kapazitätsanalyse, unter Umständen darf die Netztochter Vorrangregeln anwenden. Für Regionalzüge reden die Länder mit, die diesen Verkehr bestellen und bezahlen.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. TagesspiegelKommission „Robuster Fahrplan, : Auf Deutschlands Gleisen sollen weniger Züge fahren, aber dafür pünktlich“30.10.2026
  2. Der SpiegelÜberlastetes Netz: Bahn erwägt Reduzierung des Zugverkehrs für mehr Pünktlichkeit30.10.2026
  3. dpa via t-onlineSind weniger Züge eine Lösung für das Pünktlichkeitsproblem?30.09.2025
  4. Bundesministerium der Justiz§ 55 Eisenbahnregulierungsgesetz, Überlastete Schienenwege, gesetze-im-internet.de
  5. SMA und Partner AGAnnual report 2025, Consulting: A selection of projects from 2025 (2026)

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