1.115 der 2.832 Verkehrstoten des Jahres 2025 waren 65 Jahre oder älter. Der TÜV-Verband will Autofahrende ab 75 deshalb regelmäßig zu einer Rückmeldefahrt mit Sachverständigen verpflichten. Fast die Hälfte der getöteten Älteren war allerdings zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenWann hat zuletzt jemand neben Ihnen im Auto gesessen, Ihre Fahrweise beobachtet und danach offen mit Ihnen besprochen? So stellt sich der Verband die Rückmeldefahrt vor: Unabhängige Sachverständige fahren im realen Straßenverkehr mit und besprechen die Fahrt anschließend auf Augenhöhe.[1] Eine Prüfung soll das ausdrücklich nicht sein.
Das Wichtigste in Kürze
- 39 % der Verkehrstoten 2025 waren 65 Jahre oder älter.
- Der TÜV-Verband fordert Rückmeldefahrten ab 75 als Pflicht, davor freiwillig.
- Von den getöteten Älteren saßen 414 im Auto, 543 waren zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs.
- Die EU erlaubt ab 65 kürzere Fristen für den Führerschein, vorgeschrieben sind sie nicht.
Was genau fordert der TÜV-Verband?

Bis 75 sollen Rückmeldefahrten freiwillig bleiben und mit Anreizen gefördert werden, ab 75 sollen sie regelmäßig und verpflichtend sein. Anlasslose Fahreignungstests hält der Verband nicht für zielführend. Dazu verlangt er sichere Straßenquerungen und die Vision Zero, also null Tote und Schwerverletzte, im Straßenverkehrsgesetz. „Ältere Menschen sind erfahrene und oft besonders umsichtige Verkehrsteilnehmende“, sagt Fani Zaneta, Referentin für Fahrerlaubnis, Fahreignung und Verkehrssicherheit beim TÜV-Verband. „Mit den richtigen Angeboten können sie ihre Fahrkompetenz lange erhalten.“[1]
Menschen ab 65 sterben im Straßenverkehr doppelt so oft wie 25- bis 64-Jährige: 58 gegenüber 29 Toten je Million Einwohner.[2] Laut TÜV-Verband sind Ältere gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil seltener an Unfällen beteiligt. Sind Autofahrende ab 75 an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt, gelten sie aber in 76 % der Fälle als Hauptverursacher. Bei den 25- bis 64-Jährigen liegt der Anteil bei 52 %, bei den 18- bis 24-Jährigen bei 66 %.[3]
Wen erreicht eine Rückmeldefahrt?
Dr. Web hat die Verkehrsunfallstatistik 2025 nach Verkehrsmitteln ausgewertet. Von den 1.115 getöteten Älteren saßen 414 in einem Auto, 286 auf einem Fahrrad oder Pedelec, 257 waren zu Fuß unterwegs.[3] Unter allen getöteten Fußgängern und Radfahrern stellen Menschen ab 65 jeweils 62 %. Die Pflichtfahrt erreicht nur die Autofahrenden. Den übrigen helfen eher Mittelinseln, längere Grünphasen und verkehrsabhängig geschaltete Ampeln. Auch das Tempo spielt eine Rolle: In drei Städten Baden-Württembergs mit Tempo 40 auf Hauptstraßen sank die Zahl schwerer Unfälle stärker als im übrigen Land.
Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) hat eine solche Fahrt mit 108 Teilnehmenden in München und Ingolstadt erprobt. Die Gruppe mit Rückmeldung machte bei der zweiten Fahrt deutlich weniger Fehler als die Vergleichsgruppe, besonders die über 80-Jährigen profitierten.[4] Ob dadurch weniger Unfälle passieren, hat die Studie nicht gemessen. Zudem bestand die Stichprobe laut den Autoren aus eher guten Fahrern.
Rückmeldefahrten sind ein faires Angebot. Fast die Hälfte der getöteten Älteren war aber zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Getötete nach Verkehrsbeteiligung
Was heißt das für Betriebe und Politik?
Die EU-Führerscheinrichtlinie vom Oktober 2025 erlaubt den Mitgliedstaaten, Führerscheine ab 65 kürzer gelten zu lassen, um häufigere ärztliche Kontrollen, Selbsteinschätzungen oder Auffrischungskurse vorzuschreiben. Eine Pflicht ist das nicht. Deutschland muss die Richtlinie bis November 2028 umsetzen.[5] Der damalige Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) lehnte Pflichtfahrten im September 2025 ab: Die Unfallzahlen Älterer seien nicht signifikant höher als bei anderen.[6]
Für Betriebe mit Dienstwagen oder Dienstrad heißt das:
- Bieten Sie Dienstwagenfahrern ab 65 eine freiwillige Rückmeldefahrt an. Die Führerscheinkontrolle beim Firmenwagen prüft nur das Dokument, nicht die Fahrweise.
- Planen Sie beim Dienstrad für ältere Beschäftigte ein Pedelec-Training ein: 67 % der 2025 getöteten Pedelec-Fahrenden waren 65 oder älter.[7]
Quellen
7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- TÜV-VerbandStraßenverkehr für Ältere sicherer machen: fast 40 Prozent der Verkehrstoten sind 65 oder älter
- Statistisches BundesamtGetötete nach Alter und je 1 Million Einwohnerinnen und Einwohner, Stand 7. Juli 2026
- Statistisches BundesamtStatistischer Bericht Verkehrsunfälle 2025, Tabellen 46241-05, 46241-06 und 46241-10, Auswertung von Dr. Web (XLSX)
- Unfallforschung der VersichererWeiterentwicklung und Evaluation einer Rückmeldefahrt für Senior:innen, Forschungsbericht Nr. 84 (PDF)
- Europäisches Parlament und RatRichtlinie (EU) 2025/2205 über den Führerschein, Artikel 10 und Artikel 29
- auto motor und sportPflicht-Check für Senioren am Steuer: Das sagt der Verkehrsminister und das die Statistik, Interview mit Patrick Schnieder
- Statistisches BundesamtJedes sechste Todesopfer im Straßenverkehr 2025 war mit dem Fahrrad unterwegs
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