Dries Buytaert, Gründer von Drupal und Mitgründer von Acquia, rechnet damit, dass der technische Umzug einer Website auf ein anderes CMS innerhalb von drei Jahren kaum noch etwas kostet. Die Arbeit erledigen nach seiner Erwartung KI-Agenten. In der EU dürfen Cloud-Anbieter für gemietete Software ab dem 12. Januar 2027 ohnehin keine Wechselentgelte mehr verlangen.
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58,2 Prozent aller Websites mit erkennbarem CMS laufen laut W3Techs auf WordPress, Drupal kommt auf 0,9 Prozent.[1] Viele Softwareanbieter halten ihre Kunden nach Buytaerts Beobachtung über hohe Wechselkosten und nicht über das beste Produkt. Am 28. Oktober hat er zehn Prognosen veröffentlicht, was passiert, wenn diese Kosten wegfallen.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Buytaert erwartet, dass KI den technischen Umzug einer Website binnen drei Jahren fast kostenlos macht.
- Unternehmen sollen Anforderungen als Tests formulieren und an Kopien ihrer Website auf jeder Plattform prüfen.
- Der Data Act verbietet Wechselentgelte für Clouddienste ab 12. Januar 2027, feste Laufzeiten bleiben erlaubt.
Was passiert, wenn der Umzug fast nichts mehr kostet?

Anbieter verlieren ihr stärkstes Mittel der Kundenbindung. Kommt ein Kunde mit einer lauffähigen Kopie seiner Website auf einer anderen Plattform zur Vertragsverlängerung, muss der bisherige Anbieter über Preis und Leistung überzeugen.
Proprietäre Anbieter müssten laut Buytaert verkaufen wie Open-Source-Firmen heute. Bezahlt wird dann für Betrieb und Hosting, für Sicherheit, Skalierung und Überwachung, weil der Code selbst billiger wird.
Den Grundgedanken hatte Buytaert schon im Juni ausgeführt: KI-Agenten bevorzugen Software, die sie leicht installieren, ändern und prüfen können.[3] Ein offenes CMS lässt sich sofort ausprobieren. Ein proprietäres System ohne freien Testzugang und Programmierschnittstelle kommt in der Auswahl eines Agenten womöglich gar nicht vor.
Wie ändert sich die Auswahl eines CMS?
Statt Antworten im Fragenkatalog einer Ausschreibung zählen Tests. Unternehmen prüfen mit einer Testreihe Fassungen ihrer Website, die ein Agent auf jeder infrage kommenden Plattform gebaut hat.
Geprüft werden laut Buytaert etwa Freigabeprozesse der Redaktion, Übersetzungsverwaltung, automatische Prüfungen der Barrierefreiheit und die Ladezeit. WordPress will mit Version 7.3 KI-Agenten direkt anbinden.
Neue Abhängigkeiten entstehen an anderer Stelle. KI-Anbieter dürften nach Buytaerts Erwartung Empfehlungen verkaufen, so wie Suchmaschinen bezahlte Plätze über den Treffern anbieten. Ein Agent, der eine Website umzieht und pflegt, sammelt zudem Anforderungen und frühere Entscheidungen. Bleibt dieses Wissen bei einem KI-Anbieter, muss es beim Wechsel des Agenten neu entstehen.
Agenturen könnten Systeme anbieten, die ihre Leute gar nicht beherrschen, weil der Agent baut. Ein unabhängiger Nachweis der Fachkenntnis wird damit für Kunden wichtiger.
Anteil am CMS-Markt
Data Act: Fristen für den Anbieterwechsel
Zieht ein Agent die Website in Tagen um, verhandelt der Einkauf über Laufzeit und Ausstieg, nicht mehr über Funktionen.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was regelt der Data Act beim Anbieterwechsel?
Für Clouddienste, zu denen laut Verordnung auch gemietete Software zählt, dürfen Wechselentgelte bis 12. Januar 2027 nur die Kosten des Anbieters decken. Danach sind sie verboten.
Der Vertrag muss eine Kündigungsfrist von höchstens zwei Monaten vorsehen und danach einen Übergangszeitraum von höchstens 30 Tagen, in dem der Anbieter beim Umzug hilft.[4] Von der Entgeltregel ausgenommen sind Dienste, die auf einen einzelnen Kunden zugeschnitten sind.
Eine Grenze zieht die Verordnung selbst: Feste Laufzeiten mit verhältnismäßigen Sanktionen bei vorzeitiger Kündigung bleiben erlaubt (Erwägungsgrund 89). Genau dort erwartet Buytaert den Wettbewerb der Zukunft. Der bisherige Anbieter bietet Rabatt für mehrere Jahre, der neue löst die Restlaufzeit ab.
Buytaert verdient selbst an offenen Systemen, seine Prognosen kommen einem Open-Source-CMS entgegen. Vor der nächsten Verlängerung lohnt trotzdem der Blick auf Laufzeit, Exportformat und einen erprobten Weg zum Wechsel. Welche Systeme infrage kommen, zeigt unser CMS-Vergleich.
Quellen
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