Rund 1.061 Gigabyte Modelldateien hat Mistral am 29. Oktober auf Hugging Face gestellt: die Gewichte von Large 4, einem Sprachmodell mit gut einer Billion Parametern. Unternehmen dürfen das Modell im eigenen Rechenzentrum betreiben und anpassen. Hoster, die ihren Kunden Large 4 über eine Programmierschnittstelle anbieten, brauchen dagegen einen eigenen Vertrag mit dem Pariser Anbieter.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenAm 6. Oktober startete Large 4 als Vorschau, die Lizenz für die Gewichte ließ Mistral damals offen. Seither trainierte der Anbieter das Modell mit bestärkendem Lernen weiter und meldet vor allem beim Programmieren und in der IT-Sicherheit bessere Werte.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Eine abgewandelte MIT-Lizenz verlangt einen Zusatzvertrag, sobald Firmen Dritten Zugang zum Modell verkaufen.
- Über Mistrals eigene Schnittstelle kostet Large 4 jetzt 0,63 € je Million Eingabe-Token, rund halb so viel wie am 21. Oktober.
- Der Vorgänger Large 3 stand noch unter der freien Apache-2.0-Lizenz.
- In Mistrals Anleitungen für den Eigenbetrieb läuft das Modell auf einem Server mit acht Grafikkarten.
Was erlaubt die neue Lizenz?

Mistral nennt das Regelwerk „Mistral Ecosystem Open-Weight License“, eine abgewandelte MIT-Lizenz. Der Lizenztext gestattet, das Modell zu nutzen, zu verändern, weiterzugeben, zu verkaufen und nachzutrainieren.[2]
In Abschnitt 2 steht die Einschränkung: Bietet ein Lizenznehmer oder ein verbundenes Unternehmen Dritten gewerblich Zugang zum Modell an, braucht er vor jeder kommerziellen Nutzung einen separaten Vertrag mit Mistral. Gemeint ist ein Zugang, etwa über eine Programmierschnittstelle, bei dem die Kunden Eingaben, Parameter oder Trainingsdaten maßgeblich steuern.[2]
Frei bleiben die interne Nutzung und Endkundenprodukte, in denen das Modell nur in einzelnen Funktionen steckt. Ein Onlineshop mit KI-Produktberatung fällt nach dem Wortlaut nicht unter die Vertragspflicht, ein Hoster mit eigenem Modellkatalog schon. Die Klausel schützt Mistrals eigenes API-Geschäft.
Wie offen sind offene KI-Modelle noch?
Large 3 erschien unter der Apache-2.0-Lizenz, die keine solche Klausel kennt.[4] Mit Large 4 folgt Mistral einem Muster der vergangenen Wochen: Meta verlangt für Muse Spark Open von großen API-Anbietern einen eigenen Vertrag, StepFun schreibt ihn bei Step 5 Preview den Autobauern vor. Die Gewichte seines Zeitreihenmodells Timestral sperrte der Pariser Anbieter für Unternehmen ab 17,8 Millionen Euro Monatsumsatz. Die drei Anbieter geben Forschung und Eigenbetrieb frei und sichern sich das Geschäft mit großen Betreibern.
Bei der IT-Sicherheit zieht Mistral ebenfalls Grenzen: Im Betrieb der Vorschau sah das Unternehmen nach eigenen Angaben die Gefahr, dass das Modell bei realen Angriffen hilft, und verschärft deshalb die Schutzfilter.[1] Google gibt Gemini 4 Carbon ebenfalls zuerst nur Sicherheitsteams frei.
Das Modell in Zahlen
Terminal-Bench 4.0: offene Modelle im Vergleich
Was bedeutet die Freigabe für Unternehmen in Deutschland?
Trainiert wurde Large 4 auf 3.800 Grace-Blackwell-Grafikprozessoren in eigenen Rechenzentren in Europa.[3] Die EU-Agentur für Cybersicherheit ENISA testet das Modell nach Angaben von Mistral, um Sicherheitslücken zu finden, Code zu prüfen und Protokolldateien von Abwehrsystemen auszuwerten.[1]
Mistral gibt Large 4 für den Eigenbetrieb frei und verlangt von Hostern einen Vertrag. Offen heißt hier: offen für Anwender.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Über die Programmierschnittstelle kostet das Modell inzwischen 0,63 € je Million Eingabe-Token und 1,89 € je Million Ausgabe-Token.[5] Am 21. Oktober standen in der Preisliste noch 1,22 € und 3,76 €, der Preis sank damit um rund die Hälfte.[6] Vor dem Einsatz sollten Unternehmen drei Punkte klären:
- Lizenz prüfen: Hoster und Agenturen klären vor dem Start, ob ihr Angebot Kunden die Steuerung des Modells überlässt. In diesem Fall ist der Vertrag mit Mistral fällig.
- Eigene Aufgaben testen: Die Bestwerte stammen aus Mistrals Auswahl. Im Gesamtindex von Artificial Analysis liegen chinesische offene Modelle vorn.[3]
- Kosten vergleichen: Stellen Sie die Kosten eines eigenen Servers mit acht Grafikkarten den API-Preisen gegenüber.
Welche Sprachmodelle für welche Aufgaben taugen, zeigt unser Vergleich von KI-Textgeneratoren.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Mistral AIMistral Large 4 (Le Chonk) is now open weight
- Mistral AIMistral Ecosystem Open-Weight License, Lizenztext auf Hugging Face
- Hugging FaceModellkarte „mistralai/Mistral-Large-4-1T-A52B“, abgerufen am 30. Oktober 2026
- Hugging FaceModellkarte „mistralai/Mistral-Large-3-675B-Instruct-2512“, Lizenz Apache 2.0
- Mistral AIPreisliste der Mistral-API, abgerufen am 30. Oktober 2026 (0,70 und 2,10 US-Dollar, EZB-Kurs vom 29. Oktober 2026)
- Internet ArchivePreisliste der Mistral-API, Stand 21. Oktober 2026 (1,36 und 4,18 US-Dollar)
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