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Der taiwanische Leiterplattenhersteller Unimicron löst seine deutsche Tochter auf und schließt das Werk in Geldern im ersten Halbjahr 2027. Rund 240 Beschäftigte verlieren ihre Stelle. Am selben Tag bestellte der Konzern für neue Fabriken weitere Anlagen im Wert von umgerechnet rund 1,4 Milliarden Euro.

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Den Beschluss fasste der Verwaltungsrat von Unimicron Technology am Dienstag, 27. Oktober. In einer Pflichtmitteilung an die Börse in Taipeh kündigte der Konzern an, der Unimicron Germany GmbH 35 Millionen Euro zuzuschießen. Mit dem Geld soll die Tochter bestehende Aufträge abarbeiten, Abfindungen zahlen sowie Bank- und Konzernkredite tilgen, danach wird die Gesellschaft abgewickelt.[1]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Unimicron löst die Unimicron Germany GmbH auf, die Produktion in Geldern endet im ersten Halbjahr 2027, betroffen sind rund 240 Beschäftigte.
  • Der Mutterkonzern stellt 35 Millionen Euro bereit, neue Aufträge nimmt das Werk nicht mehr an.
  • Die Gesellschaft ist nicht insolvent, sie wird freiwillig liquidiert. Unternehmen und Betriebsrat verhandeln jetzt über Interessenausgleich und Sozialplan.

Warum gibt Unimicron das Werk in Geldern auf?

Platine im Ständer mit orangefarbenem Anhänger und Aufschrift Letzte Charge
Unimicron schließt Werk zur Kostensenkung. Anhaltende Verluste und schwieriges Marktumfeld trotz jahrelanger Unterstützung aus Taiwan führten zur Entscheidung

In der Börsenmitteilung begründet Unimicron den Schritt mit der Konzernplanung und dem Ziel, Betriebskosten zu senken.[1] Laut Antenne Niederrhein nennt das Unternehmen anhaltende Verluste und ein schwieriges Marktumfeld; trotz jahrelanger Unterstützung aus Taiwan habe sich keine tragfähige Lösung gefunden.[2]

Der Konzern selbst verdient gut: In den ersten neun Monaten 2026 wies Unimicron einen Gewinn von 28,2 Milliarden Taiwan-Dollar aus, umgerechnet rund 780 Millionen Euro.[3] Gefragt sind laut all-electronics vor allem Chipträger und Leiterplatten für KI-Rechenzentren. Das Werk in Geldern fertigt dagegen kleine Serien anspruchsvoller Leiterplatten für Autoindustrie, Industrieelektronik und Medizintechnik.[4] Ebenfalls am 27. Oktober unterschrieb Unimicron eine Absichtserklärung, die japanische Tochter an den Hersteller Meiko Electronics abzugeben.[5]

Was bedeutet die Liquidation für Beschäftigte und Lieferanten?

Weil die Gesellschaft nicht insolvent ist, zahlt die Arbeitsagentur kein Insolvenzgeld. Die GmbH zahlt die Abfindungen und finanziert die letzten Aufträge aus dem Zuschuss des Mutterkonzerns.[1] Wie hoch die Abfindungen ausfallen, hat Unimicron bisher nicht mitgeteilt.[4] Einen Sozialplan kann der Betriebsrat notfalls über die Einigungsstelle erzwingen, den Interessenausgleich nicht.[6] Auf der eigenen Website nennt Unimicron Germany weiterhin mehr als 350 Mitarbeiter. Woher die Differenz zu den 240 Betroffenen kommt, konnte all-electronics nicht klären.[4]

Für Lieferanten gilt: In der Liquidation tilgt die GmbH zuerst ihre Schulden. An den Gesellschafter darf Vermögen frühestens ein Jahr nach der Aufforderung an die Gläubiger fließen (Sperrjahr).[7]

Abwicklung in Geldern, Ausbau in Taiwan
Was Unimicron am 27. Oktober 2026 beschlossen hat
240
Beschäftigte im Werk Geldern verlieren ihre Stelle, die Produktion endet im ersten Halbjahr 2027
35 Mio. €
schießt der Mutterkonzern für Abfindungen, offene Aufträge, Kredite und die Liquidation zu
1,4 Mrd. €
umfassen die zusätzlichen Bestellungen für Anlagen in neuen Fabriken
Vom Neuaufbau zur Auflösung
2018
Nach dem Brand von 2016 nimmt Unimicron in Geldern eine neue Innenlagenfertigung in Betrieb
2022
Rund zwölf Millionen Euro fließen in ein Produktionsgebäude und neue Anlagen
27.10.2026
Der Verwaltungsrat in Taiwan beschließt die Auflösung der Unimicron Germany GmbH
1. Halbjahr 2027
Die letzten Aufträge laufen aus, danach folgt die Liquidation

Was verliert der Niederrhein?

Das Werk am Holländer See ist die frühere Ruwel-Fertigung, laut Rheinischer Post wird dort seit 75 Jahren produziert.[8] Nach einem Brand 2016 baute Unimicron die Innenlagenfertigung neu auf, 2022 steckte Unimicron nach eigener Rechnung rund zwölf Millionen Euro in ein Produktionsgebäude und Anlagen.[4] In der Börsenmitteilung beziffert Unimicron die Summe, die einschließlich des neuen Zuschusses in die deutsche Tochter geflossen ist, auf 105,8 Millionen Euro.[1]

Die Schließung passt in das Branchenbild: Laut einer Auswertung von Data4PCB setzten deutsche Leiterplattenhersteller 2025 das dritte Jahr in Folge weniger um, seit 2022 schrumpfte ihr Umsatz um mehr als 27 Prozent.[4] Auch TE Connectivity beendet die Produktion in Speyer, Semikron Danfoss verlagert Fertigung aus Flensburg in die Slowakei.

Die Niederrheinische IHK spricht von einem Alarmsignal. „Unsere Unternehmen stehen massiv unter Druck“, sagte Hauptgeschäftsführer Stefan Dietzfelbinger laut Radio K.W. und forderte wettbewerbsfähige Energiepreise und weniger Bürokratie.[9]

Quellen

9 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Unimicron TechnologyBekanntmachung für die Tochter UniRuwel Holding Limited zur Kapitalerhöhung bei der Unimicron Germany GmbH (Börsenmitteilung, Marktbeobachtungssystem MOPS der Börse Taiwan, Firmencode 3037, 27.10.2026, chinesisch)
  2. Antenne NiederrheinGeldern: Leiterplattenhersteller Unimicron schließt Werk29.10.2026
  3. Unimicron TechnologyBekanntmachung des Finanzberichts für das dritte Quartal 2026 (Börsenmitteilung, MOPS, 27.10.2026, chinesisch; Gewinn der Aktionäre der Muttergesellschaft Januar bis September; Kurs 29.10.2026: 36,14 Taiwan-Dollar je Euro)
  4. all-electronicsUnimicron schließt Werk in Geldern, 240 Jobs betroffen29.10.2026
  5. Unimicron TechnologyAbsichtserklärung zur Veräußerung sämtlicher Anteile an der Unimicron Japan Co., Ltd. (Börsenmitteilung, MOPS, 27.10.2026, chinesisch)
  6. Betriebsverfassungsgesetz§ 112 Interessenausgleich über die Betriebsänderung, Sozialplan (abgerufen 30.10.2026)
  7. GmbH-Gesetz§ 73 Sperrjahr (abgerufen 30.10.2026)
  8. Rheinische PostUnimicron zieht sich aus Deutschland zurück: Werk in Geldern wird geschlossen29.10.2026
  9. Radio K.W.Unimicron schließt Werk in Geldern: IHK warnt29.10.2026

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