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Am Montagmorgen füllen Sie für einen Großkunden den Fragebogen zum Lieferkettengesetz aus, in der Werkstatt bleiben zwei Gesellenstellen leer. Beides ist Arbeit, nur eine davon fehlt jemandem. Laut IAB haben Betriebe von 2022 bis 2025 rund 325.000 Menschen zusätzlich eingestellt, allein um Bürokratie zu bewältigen.

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Drei Dinge sollen gute Arbeit knapp machen: Jobs, die niemand braucht, Software, die Büroarbeit übernimmt, und Vorschriften, die Menschen an Formulare binden. Hier lesen Sie, wie viel davon die Zahlen hergeben, was nach dem Abzug übrig bleibt und ob die übrige Arbeit gut bezahlt wird.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Ihren Job für sinnlos halten je nach Befragung 4,8 Prozent (EU-Erhebung, 2015) bis 35 Prozent (YouGov Deutschland, 2015). Die großen Erhebungen liegen am unteren Ende, der DGB-Index gibt dem Sinn der Arbeit 82 von 100 Punkten.
  • Bürokratie bindet im Mittelstand 6,9 Prozent der Arbeitszeit, rechnerisch rund eine Million Vollzeitstellen. Von 2022 bis 2025 stellten Betriebe 325.000 Menschen zusätzlich ein, nur für Pflichten.
  • 38 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Berufen, die Computer technisch zu mehr als 70 Prozent erledigen könnten. In den am stärksten betroffenen Berufen stieg die Beschäftigung bis 2025 trotzdem um rund 1 Prozent.
  • Sinnvolle Arbeit fehlt nicht: 157 Engpassberufe, rund eine Million offene Stellen, 13,3 Millionen Renteneintritte bis 2040. Gut bezahlt ist diese Arbeit nicht überall, Pflegefachkräfte liegen über dem Schnitt, Berufskraftfahrer deutlich darunter.
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Was wissen Sie über sinnvolle Arbeit?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 Welcher Anteil der Beschäftigten in der EU hatte 2015 selten oder nie das Gefühl, nützliche Arbeit zu leisten? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Laut der Europäischen Erhebung über die Arbeitsbedingungen mit fast 30.000 Befragten lag der Anteil bei 4,8 Prozent. Die 37 Prozent stammen aus einer YouGov-Umfrage in Großbritannien.
2 Wie viele Arbeitskräfte haben Betriebe von 2022 bis 2025 nach eigenen Angaben zusätzlich eingestellt, um Bürokratie zu bewältigen? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Das IAB hat die Betriebe 2025 befragt und kommt hochgerechnet auf 325.000 zusätzliche Arbeitskräfte.
3 Wie viel nahm die Zollverwaltung im Jahr 2025 ein? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Rund 49.000 Beschäftigte erhoben 157 Milliarden Euro, vor allem Einfuhrumsatzsteuer und Verbrauchsteuern.
4 Welcher Anteil der Beschäftigten arbeitete 2022 in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Nach IAB-Rechnung lag der Anteil bei 38 Prozent, rund 13 Millionen Menschen. 2013 lag der Anteil noch bei 15 Prozent.
5 In welchem Bereich sehen laut DGB-Index die wenigsten Beschäftigten keinen oder nur einen geringen Beitrag ihrer Arbeit für die Gesellschaft? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Im Gesundheitswesen liegt der Anteil bei 7 Prozent, in der öffentlichen Verwaltung 13 Prozent, bei Banken und Versicherungen 41 Prozent.

Wie viel Arbeit bleibt nach dem Abzug des Überflüssigen?

Papierstapel auf Waage wiegt schwerer als orangefarbener Koffer auf der anderen Seite
Fachkräftemangel in Pflege, Kitas, Schulen, Bau und Handwerk übersteigt verfügbare Arbeitskräfte deutlich

Mehr, als Menschen für diese Aufgaben bereitstehen. Selbst nach großzügigen Abzügen für sinnlose Stellen, für Bürokratie und für künstliche Intelligenz übersteigt der Bedarf in Pflege, Kitas, Schulen, Bau und Handwerk die Zahl der Arbeitskräfte, die ihn decken könnten.

Im August 2026 waren rund 45,41 Millionen Menschen mit Wohnort in Deutschland erwerbstätig, meldet das Statistische Bundesamt, 0,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Von dieser Zahl zieht die folgende Rechnung drei Posten ab, die in jeder Debatte über gute Arbeit fallen.

Der erste Posten sind Stellen, die ihre Inhaber selbst für nutzlos halten. Je nach Befragung liegt ihr Anteil zwischen 4,8 und 35 Prozent.

Der zweite Posten ist die Bürokratie. Der Mittelstand verwendet laut KfW 6,9 Prozent seiner Arbeitszeit auf gesetzliche Vorgaben, rechnerisch rund eine Million Vollzeitstellen.

Der dritte Posten ist Arbeit, die Software übernehmen kann. Nach Rechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) arbeiten 38 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Berufen, deren Tätigkeiten Computer zu mehr als 70 Prozent erledigen könnten.

Addieren lassen sich die drei Posten nicht. Eine Sachbearbeiterin, die für einen Großkunden Nachweise zum Lieferkettengesetz sammelt, kann ihre Arbeit für sinnlos halten, Bürokratie erledigen und zugleich in einem Beruf mit hohem Substituierbarkeitspotenzial arbeiten.

Ihre Stelle taucht dann in allen drei Posten auf und zählt trotzdem nur einmal.

Auf der anderen Seite der Rechnung stehen rund eine Million offene Stellen im zweiten Quartal 2026, 157 Engpassberufe und 13,3 Millionen Erwerbspersonen, die bis 2040 das Rentenalter erreichen. Allein dem öffentlichen Dienst fehlen nach Rechnung des Beamtenbunds dbb 631.000 Beschäftigte, vor allem in Pflege, Schulen und Kitas.

Ohne Zuwanderung wäre die Lücke noch größer, wie unser Szenario Deutschland ohne Ausländer durchrechnet.

Die Frage nach genug sinnvoller Arbeit beantworten die Zahlen deshalb klar. Offen bleibt, ob die Menschen dorthin wechseln und ob die Arbeit dort gut bezahlt wird.

Die Abzugsrechnung auf einen Blick
Oben die drei Abzüge, die in der Debatte über gute Arbeit fallen, unten der Bedarf, der ihnen gegenübersteht.
45,41 Mio.
Erwerbstätige mit Wohnort in Deutschland im August 2026
4,8–35 %
halten ihren Job für sinnlos, je nach Befragung
≈ 1 Mio.
Vollzeitstellen für gesetzliche Vorgaben im Mittelstand
38 %
arbeiten in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial
Erwerbspersonen im Rentenalter bis 2040
13,3 Mio.
30 Prozent aller Erwerbspersonen
Offene Stellen, 2. Quartal 2026
1,02 Mio.
291 Arbeitslose je 100 Stellen
Personallücke im öffentlichen Dienst
631.000
Schätzung des dbb, August 2026
Einstellungen nur für Bürokratie
325.000
Betriebe, 2022 bis 2025

Die drei Abzüge überschneiden sich und lassen sich nicht addieren. Die Million Vollzeitstellen ist eine eigene Umrechnung aus 1,5 Milliarden Stunden (KfW) bei 1.400 bis 1.650 Stunden je Stelle.

Wie viele Beschäftigte halten ihren Job für sinnlos?

Papiermodell eines Hamsterrads mit einem orangefarbenen Stempel mit Aufschrift ÜBERSTUNDE
In der EU hatten 2015 nur 4,8 Prozent der Beschäftigten selten oder nie das Gefühl, nützliche Arbeit zu leisten.

Deutlich weniger, als die berühmteste Zahl nahelegt. In der großen europäischen Erhebung von 2015 hatten 4,8 Prozent der Beschäftigten selten oder nie das Gefühl, nützliche Arbeit zu leisten. Kleine Online-Umfragen kamen im selben Jahr auf mehr als ein Drittel.

Den Begriff prägte der Anthropologe David Graeber. Im August 2013 erschien im britischen Strike! Magazine sein Essay über das Phänomen der Bullshit-Jobs, 2018 folgte das Buch. Gemeint ist eine bezahlte Beschäftigung, die so sinnlos, unnötig oder schädlich ist, dass nicht einmal der Beschäftigte selbst ihre Existenz rechtfertigen kann.

Graeber unterschied fünf Sorten: Stellen, die andere wichtig aussehen lassen, Stellen, die nur bestehen, weil die Konkurrenz ebenfalls solche Posten unterhält, Flickarbeit an Fehlern, die gar nicht entstehen dürften, Abhakarbeit, mit der eine Organisation Tätigkeit vorweist, und Vorgesetzte, die überflüssige Aufgaben verteilen.

Im August 2015 sagten in einer Umfrage von YouGov 37 Prozent von 849 Erwerbstätigen in Großbritannien, ihr Job leiste keinen sinnvollen Beitrag für die Welt.

YouGov Deutschland fragte im selben Monat 539 Beschäftigte, davon hielten 35 Prozent ihre Arbeit für gesellschaftlich sinnlos. In den USA kam YouGov auf 24 Prozent.

Graeber selbst schätzte den Anteil sinnloser Arbeit auf 37 bis 60 Prozent.

Mit großen Stichproben schrumpft der Wert. Die Soziologen Magdalena Soffia, Alex Wood und Brendan Burchell werteten die Europäische Erhebung über die Arbeitsbedingungen aus, 2015 mit fast 30.000 abhängig Beschäftigten. Nur 4,8 Prozent hatten selten oder nie das Gefühl, nützliche Arbeit zu leisten, 2005 lag der Anteil noch bei 7,8 Prozent.

Auch die Verteilung widerspricht Graeber. Lehrkräfte lagen bei 1,7 Prozent, Pflegekräfte bei 1,3 Prozent, Führungskräfte und hohe Beamte bei 0,8 Prozent. Am häufigsten zweifelten Hilfsarbeiter mit 15,2 Prozent, Beschäftigte der Müllabfuhr mit 9,7 und Reinigungskräfte mit 8,1 Prozent.

Die Autoren erklären das Gefühl mit Entfremdung und schlechter Führung, nicht mit überflüssigen Berufen.

Zwei weitere Studien liegen dazwischen. Der Zürcher Soziologe Simon Walo kam für die USA auf 19 Prozent von 1.811 Befragten, im Verkauf und in Finanzberufen mehr als doppelt so oft. Die Ökonomen Robert Dur und Max van Lent fanden unter rund 100.000 Beschäftigten aus 47 Ländern etwa 8 Prozent, die ihren Job für gesellschaftlich nutzlos halten, und weitere 17 Prozent, die zweifeln.

Für Deutschland liefert der DGB-Index Gute Arbeit des Gewerkschaftsbunds die jüngsten Werte. Von 4.018 Beschäftigten, befragt Anfang 2025, sahen 72 Prozent in hohem oder sehr hohem Maß einen wichtigen Beitrag ihrer Arbeit für die Gesellschaft, 7 Prozent gar keinen. Der Sinn der Arbeit erreicht mit 82 von 100 Punkten den besten Wert aller Kriterien des Index.

Im Mittel der Jahre 2022 bis 2025 sahen in Information und Kommunikation 47 Prozent keinen oder nur einen geringen Beitrag für die Gesellschaft, im Maschinen- und Fahrzeugbau 46 Prozent, in Banken und Versicherungen 41 Prozent. In der öffentlichen Verwaltung lag der Anteil bei 13 Prozent, im Gesundheitswesen bei 7 Prozent.

Ein Job, den sein Inhaber für sinnlos hält, muss also nicht überflüssig sein. Und ein Amt, das Außenstehende für überflüssig halten, erleben die Beschäftigten selbst als sinnvoll.

Welchen Rang Geld neben dem Sinn überhaupt hat, beschreibt unser Beitrag darüber, warum Sie den Sinn des Lebens nicht auf dem Konto finden.

Wie viele ihren Job für sinnlos halten
Anteil der Beschäftigten, die ihrer Arbeit keinen oder kaum Nutzen zuschreiben, nach Erhebung und Land. Je größer die Stichprobe, desto kleiner der Wert.
YouGov Großbritannien, 2015
37 %
849 Befragte, kein sinnvoller Beitrag für die Welt
YouGov Deutschland, 2015
35 %
539 Befragte, gesellschaftlich sinnlos
DGB-Index Deutschland, 2025
28 %
4.018 Befragte, kein oder geringer Beitrag, gar keiner 7 Prozent
YouGov USA, 2015
24 %
481 Befragte
Walo, USA, 2015
19 %
1.811 Befragte, selten oder nie nützlich
Dur und van Lent, 47 Länder
8 %
rund 100.000 Befragte, weitere 17 Prozent zweifeln
EU-Erhebung, 2015
4,8 %
fast 30.000 Befragte, selten oder nie nützliche Arbeit
1,7 %
der Lehrkräfte halten ihre Arbeit selten oder nie für nützlich (EU 2015)
15,2 %
der Hilfsarbeiter, der höchste Wert aller Berufe
82 / 100
Punkte für den Sinn der Arbeit im DGB-Index, bestes Kriterium

Die Fragen unterscheiden sich: YouGov fragt nach dem Beitrag für die Welt oder die Gesellschaft, die EU-Erhebung und Walo nach dem Gefühl, nützliche Arbeit zu leisten. Dunkle Balken: große Stichproben.

Wie viel Arbeit bindet die Bürokratie in den Betrieben?

Ein Stapel Papier mit der Aufschrift „ANTRAG“ eingespannt in einen weißen Schraubstock
Der Mittelstand verwendet 6,9 Prozent seiner Arbeitszeit auf gesetzliche Vorgaben.

Rechnerisch rund eine Million Vollzeitstellen. Der Mittelstand verwendet 6,9 Prozent seiner Arbeitszeit auf gesetzliche Vorgaben. Von 2022 bis 2025 haben die Betriebe nach eigenen Angaben 325.000 Menschen zusätzlich eingestellt, nur um ihre Pflichten zu erfüllen.

Im Mittelstandspanel der KfW gingen im Jahr 2023 je Unternehmen 32 Stunden im Monat auf gesetzliche Vorgaben, zusammen rund 1,5 Milliarden Arbeitsstunden. Die KfW bewertet diesen Aufwand mit rund 61 Milliarden Euro Arbeitskosten, 3,9 Prozent der Personalkosten. Solo-Selbstständige verlieren rund 9 Prozent ihrer Zeit. Bei 1.400 bis 1.650 Arbeitsstunden je Vollzeitstelle und Jahr entsprechen 1,5 Milliarden Stunden 0,9 bis 1,1 Millionen Vollzeitstellen. Diese Umrechnung stammt von uns, nicht von der KfW.

Ein Drittel der Stunden kaufen die Betriebe bei Steuerberatern, Lohnbüros und anderen Dienstleistern ein. Die Kärrnerarbeit verschwindet also nicht aus der Bilanz, der Aufwand wandert nur in fremde Büros.

Das IAB hat im Herbst 2025 die Betriebe selbst gefragt. Elf Prozent stellten in den drei Jahren zuvor Personal ein, um Bürokratie zu bewältigen, bei mittleren und großen Betrieben jeder dritte. Hochgerechnet ergibt das 325.000 Arbeitskräfte. Rund 80 Prozent meldeten gestiegene Kosten, mehr als die Hälfte eine sinkende Produktivität.

Am häufigsten nannten die Betriebe die Datenschutz-Grundverordnung, 14 Prozent das Lieferkettengesetz.

Höher fallen die Werte aus, sobald man die Beschäftigten fragt. Im Herbst 2025 gaben rund 5.000 Befragte dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) an, 23 Prozent ihrer Arbeitszeit für Berichte und Dokumentation aufzuwenden, Führungskräfte sogar 30 Prozent. Das arbeitgebernahe Institut weist selbst darauf hin, dass darin auch betriebsinterne Pflichten stecken, die kein Gesetz verlangt.

Der Nationale Normenkontrollrat beziffert die reinen Bürokratiekosten aus Informationspflichten der Wirtschaft auf 64 Milliarden Euro im Jahr. Nach seinem Jahresbericht 2026 sank der jährliche Erfüllungsaufwand zuletzt um 6,8 Milliarden Euro. Davon entfielen 7,7 Milliarden auf das Gebäudemodernisierungsgesetz, also auf Kosten, die erst künftig vermieden werden.

Die Wirtschaft wurde nur um 45 Millionen Euro entlastet.

Gleichzeitig stiegen die Bürokratiekosten um 1,3 Milliarden Euro. Der größte Treiber ist die europäische Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD) mit 1,7 Milliarden Euro im Jahr.

Das ifo Institut hat für die IHK München eine größere Zahl errechnet. Ein umfassender Bürokratieabbau ab 2015 hätte die Wirtschaftsleistung nach dem Modell im Schnitt um 146 Milliarden Euro im Jahr erhöht. Die Summe ist eine Modellrechnung mit indirekten Folgen, keine gemessene Größe.

Auf den Punkt
  • Mittelstand: 6,9 Prozent der Arbeitszeit für gesetzliche Vorgaben, 61 Milliarden Euro Arbeitskosten
  • Einstellungen: 325.000 Menschen von 2022 bis 2025, allein für Bürokratie
  • Entlastung: 45 Millionen Euro für die Wirtschaft, dagegen 1,3 Milliarden Euro neue Bürokratiekosten

Wächst der Staat an der falschen Stelle?

Ein orangefarbenes Holzmodell mit Schild und vier weiße Holzmodellhäuser auf hellem Grund
Die Hälfte des Personalzuwachses im öffentlichen Dienst seit 2015 ging an Schulen, Hochschulen, Kitas und Polizei.

Zur Hälfte nicht. Von den 829.600 zusätzlichen Beschäftigten im öffentlichen Dienst seit 2015 gingen rund 413.000 an Schulen, Hochschulen, Kitas und Polizei. In Ministerien und zentralen Verwaltungen arbeiteten 2024 rund 607.000 Menschen, 11 Prozent des Personals.

Am 30. Juni 2025 zählte das Statistische Bundesamt 5.475.100 Beschäftigte im öffentlichen Dienst, 95.100 mehr als ein Jahr zuvor und 17,9 Prozent mehr als 2015. Rund 12 Prozent aller Erwerbstätigen arbeiten damit für Bund, Länder, Kommunen oder Sozialversicherung.

Seit 2015 kamen Hochschulen auf 132.600 Beschäftigte mehr, Schulen auf 131.600, kommunale Kitas auf 101.000 und die Polizei auf 47.800. Zusammen sind das rund 413.000, knapp die Hälfte des gesamten Aufwuchses.

Kaum jemand würde diese Stellen zu den Bürokratiejobs zählen.

Die Kernverwaltung ist kleiner, als die Debatte vermuten lässt. Unter „Politische Führung und zentrale Verwaltung“ führt die Statistik Mitte 2024 rund 607.000 Beschäftigte, davon 394.800 in Kommunen, 166.700 in Ländern und 45.500 beim Bund. Die Zahl der Beamten in diesem Bereich stieg von 2014 bis 2024 um 22.000.

Wie viele Menschen insgesamt vom Staat bezahlt werden und wofür, zählt unser Beitrag Wie viele Menschen arbeiten für den Staat? nach.

Einen Umbau ohne Entlassungen erleichtert das Alter. Mitte 2024 waren 1.416.600 Beschäftigte im öffentlichen Dienst 55 Jahre oder älter, 26,3 Prozent. Der dbb errechnet daraus mindestens 1,42 Millionen Altersabgänge in zehn Jahren. Bei jedem Abgang lässt sich entscheiden, ob die Stelle wieder besetzt wird oder in eine Schule, eine Kita oder ein Krankenhaus wandert. Die Personallücke des dbb von 631.000 ist dabei eine Gewerkschaftsschätzung, keine Zahl offener Stellen.

Bürokratie entsteht nicht im Amt allein. Jede neue Pflicht für Betriebe braucht auf der anderen Seite jemanden, der Anträge prüft, Daten annimmt und Verstöße verfolgt. Ein Abbau von Stellen im Staat beginnt deshalb bei den Regeln, die diese Stellen erzeugen.

Auf den Punkt

Die Hälfte des Personalzuwachses im Staat ging an Schulen, Hochschulen, Kitas und Polizei. Eine kleinere Kernverwaltung beginnt bei den Regeln und nutzt die 1,42 Millionen Altersabgänge.

Rechnen sich die Stellen beim Zoll?

Eine Spielzeugschranke mit dem Text „HALT“ steht vor einem Sektkorken mit Drahtkörbchen
Der Zoll nahm 2025 rund 157 Milliarden Euro ein, die Schaumweinsteuer davon 364,6 Millionen Euro.

Als Ganzes eindeutig. Rund 49.000 Beschäftigte der Zollverwaltung nahmen 2025 rund 157 Milliarden Euro ein. Fragwürdig sind einzelne Aufgaben, etwa Kleinsteuern auf Sekt oder Alkopops, deren Erhebungskosten der Bund nicht einmal beziffert.

Laut Jahresbilanz des Bundesfinanzministeriums erhob der Zoll 2025 rund 74 Milliarden Euro Einfuhrumsatzsteuer, 65 Milliarden Euro Verbrauchsteuern, rund 10 Milliarden Euro Kfz-Steuer, rund 2 Milliarden Euro Luftverkehrsteuer und rund 6 Milliarden Euro Zölle für die EU. Abgefertigt wurden rund 790 Millionen Warenpositionen.

Rechnerisch bringt jeder Beschäftigte des Zolls damit gut 3,2 Millionen Euro Einnahmen im Jahr. Als Kostgänger taugen diese Stellen kaum.

Anders sieht die Rechnung bei den kleinen Verbrauchsteuern aus. Die Schaumweinsteuer, 1902 eingeführt, brachte 2025 kassenmäßig 364,6 Millionen Euro, die Zwischenerzeugnissteuer auf Likörweine wie Sherry 23 Millionen Euro. Bei der Alkopopsteuer überwogen 2025 die Erstattungen, netto standen minus 237.000 Euro in der Kasse.

Was die Erhebung kostet, weiß niemand. Auf eine Anfrage im Bundestag antwortete die Bundesregierung 2022, ihr lägen dazu keine Daten vor. Die Verbrauchsteuern würden standardisiert im IT-Verfahren TIGER erhoben, die Schaumweinsteuer falle daneben nicht nennenswert ins Gewicht.

Der Bund der Steuerzahler fordert, die Schaumweinsteuer abzuschaffen, weil die Abgabe neben der Umsatzsteuer doppelt belaste.

Die Bundesregierung plant das Gegenteil: Ab 2027 sollen Alkohol-, Schaumwein-, Zwischenerzeugnis- und Alkopopsteuer um 20 Prozent steigen, mit 380 Millionen Euro Mehreinnahmen im ersten Jahr.

An anderer Stelle fehlen dem Zoll Leute. Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit führte 2025 rund 25.800 Arbeitgeberprüfungen durch und stellte Schäden von rund 675 Millionen Euro fest.

Von 12.485 vorgesehenen Arbeitskräften waren im September 2026 nur rund 10.101 besetzt, 19,1 Prozent zu wenig.

Der Zoll eignet sich deshalb schlecht als Beispiel für sinnlose Stellen. Fragwürdig sind einzelne Steuern, deren Ertrag kaum jemand prüft, nicht die Menschen, die diese Steuern erheben.

Auf den Punkt

Der Zoll bringt rund 3,2 Millionen Euro je Beschäftigten ein, der Finanzkontrolle Schwarzarbeit fehlen 19,1 Prozent ihrer Kräfte. Fragwürdig sind Kleinsteuern ohne bekannte Erhebungskosten, nicht die Stellen.

Welche Arbeit übernimmt die künstliche Intelligenz?

Roboterarm hebt orangefarbenes Blatt von weißem Papierstapel. Aufschrift „STAPELHELD“ am Arm
In den am stärksten von KI betroffenen Berufen lag die Beschäftigung 2025 rund 1 Prozent über 2022.

Bislang einzelne Aufgaben, kaum ganze Berufe. 38 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Berufen, deren Tätigkeiten Computer technisch zu mehr als 70 Prozent erledigen könnten. In den am stärksten betroffenen Berufen lag die Beschäftigung 2025 trotzdem rund 1 Prozent über 2022.

Das IAB berechnet seit 2013, welcher Anteil der Tätigkeiten eines Berufs schon heute von Computern oder computergesteuerten Maschinen erledigt werden könnte. Der Anteil der Beschäftigten in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial stieg von 15 Prozent (2013) über 25 und 34 Prozent auf 38 Prozent im Jahr 2022, rund 13 Millionen Menschen.

Generative KI ist in der jüngsten Rechnung bereits enthalten. Am stärksten stieg der Wert bei Expertenberufen, um knapp zehn Punkte auf knapp 36 Prozent. Fachkräfte mit Berufsausbildung liegen mit 62 Prozent am höchsten.

Das IAB warnt selbst vor einer falschen Lesart. Die Potenziale würden keineswegs immer und vor allem nicht sofort ausgeschöpft, etwa aus ethischen Gründen in der Pflege oder aus rechtlichen beim autonomen Fahren. Die Zahl beschreibt, was technisch möglich wäre, nicht, wie viele Stellen wegfallen.

Die bisherigen Daten zeigen keinen Einbruch. Nach einer IAB-Auswertung vom Oktober 2026 lag die Beschäftigung in den beiden am stärksten betroffenen Berufsgruppen 2025 rund 1 Prozent über 2022, in den drei weniger betroffenen gut 3 Prozent darunter. Bei den 20- bis 29-Jährigen sank die Beschäftigung in stark betroffenen Berufen um 3,8 Prozent, in weniger betroffenen um 2,6 Prozent. Der Unterschied ist statistisch nicht gesichert, wächst aber.

Knapp ein Viertel der Betriebe nutzte 2025 generative KI, zwei Jahre zuvor lag der Anteil bei 5 Prozent. Dass die Welle zuerst das Büro trifft, beschreibt unser Beitrag Der KI-Tsunami erreicht die Bürojobs zuerst.

Der Internationale Währungsfonds sieht fast 40 Prozent der Beschäftigung weltweit von KI betroffen, in Industrieländern rund 60 Prozent. Etwa die Hälfte davon dürfte nach Einschätzung des IWF profitieren.

Die Internationale Arbeitsorganisation zählt jeden vierten Erwerbstätigen weltweit zu den Beschäftigten, deren Arbeit generative KI verändern kann, stark betroffen sind nur 3,3 Prozent. Einen Wandel der Jobs hält die ILO für wahrscheinlicher als ihren Wegfall.

Die Geschichte stützt diese Sicht. Ein Team um den MIT-Ökonomen David Autor fand, dass rund 60 Prozent der US-Beschäftigten 2018 Berufe ausübten, die 1940 noch unbekannt waren.

Für die Abzugsrechnung bedeutet das: KI nimmt vor allem Routine aus dem Büro, also häufig genau die Dokumentation, die Beschäftigte als lästig empfinden. Das spricht eher für mehr Zeit in sinnvoller Arbeit als für weniger Arbeit.

Auf den Punkt
  • Potenzial: 38 Prozent arbeiten in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial
  • Wirklichkeit: In den am stärksten betroffenen Berufen 1 Prozent mehr Beschäftigte als 2022
  • Warnsignal: Bei den 20- bis 29-Jährigen minus 3,8 Prozent, noch nicht statistisch gesichert

Wo fehlen Menschen für sinnvolle Arbeit?

Weißes Regal mit Werkzeugen und einem leeren Fach, in dem ein orangefarbenes Schild „FEHLT!“ steht
Die Bundesagentur für Arbeit zählt 157 Engpassberufe, von der Pflege bis zum Handwerk.

In Pflege, Kitas, Schulen, auf dem Bau und im Handwerk, in Küchen und hinter dem Lenkrad. Die Bundesagentur für Arbeit zählt 157 Engpassberufe, gleichzeitig sucht nur etwa jede fünfte arbeitslose Fachkraft in einem davon.

Die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit vom September 2026 nennt die stärksten Engpässe in Pflege- und Gesundheitsberufen, dazu in Bau und Handwerk, bei Köchen, Berufskraftfahrern und Erziehern. Neu hinzu kamen Vermessungstechnik und Sozialarbeit. Softwareentwicklung und IT-Vertrieb gelten dagegen nicht mehr als Engpassberufe.

Gemeldet waren im Jahresschnitt rund 402.000 Stellen für Fachkräfte und höher Qualifizierte, etwa die Hälfte davon in Engpassberufen.

Die IAB-Stellenerhebung zählte im zweiten Quartal 2026 rund eine Million offene Stellen, so wenige wie seit 2016 nicht mehr, abgesehen von den Corona-Lockdowns. Auf 100 offene Stellen kamen 291 Arbeitslose. Arbeitslose und offene Stellen passen nach Beruf, Qualifikation und Ort oft nicht zusammen, also bleibt beides gleichzeitig hoch.

Bis 2040 überschreiten laut Statistischem Bundesamt rund 13,3 Millionen Erwerbspersonen die Altersgrenze von 67 Jahren, 30 Prozent aller Erwerbspersonen von 2025.

Den 10 Millionen Erwerbspersonen zwischen 55 und 64 Jahren stehen nur 8,8 Millionen zwischen 25 und 34 gegenüber.

Zuwanderung füllt einen Teil der Lücke. Der Anteil ausländischer Beschäftigter in Engpassberufen stieg nach Angaben der Bundesagentur von 7 Prozent im Jahr 2014 auf rund 14 Prozent.

Dass Deutschland diese Erfahrung nicht zum ersten Mal macht, zeigt die Einwanderungsgeschichte der Bundesrepublik.

Sinnvolle Arbeit liegt also nicht in einer Nische. Der Bedarf wartet in Berufen, die der DGB-Index als besonders sinnstiftend ausweist: Im Gesundheitswesen sehen nur 7 Prozent der Beschäftigten keinen oder einen geringen Beitrag für die Gesellschaft, im Sozialwesen 8 Prozent, in Erziehung und Unterricht 10 Prozent.

Auf den Punkt

Sinnvolle Arbeit sucht Menschen, nicht umgekehrt. Auf 100 offene Stellen kommen 291 Arbeitslose, doch nur jede fünfte arbeitslose Fachkraft sucht in einem Engpassberuf.

Wird sinnvolle Arbeit gut bezahlt?

Zwei Rechnungen mit Münzstapeln, dazu ein Notizblock „MITARBEITER DES MONATS“
Pflegefachkräfte verdienen inzwischen mehr als der Durchschnitt, Berufskraftfahrer deutlich weniger.

Teilweise. Pflegefachkräfte verdienen inzwischen mehr als der Durchschnitt aller Berufe, Berufskraftfahrer, Installateure oder Beschäftigte in der Landwirtschaft deutlich weniger. Der Nutzen einer Arbeit für andere und ihre Bezahlung hängen nur lose zusammen.

Der Median der Vollzeitverdienste lag im April 2025 bei 4.123 Euro brutto im Monat, ohne Sonderzahlungen. Die Hälfte der Vollzeitkräfte verdiente mehr, die Hälfte weniger. Wie weit die Berufe mit großem Bedarf davon abweichen, zeigt die Tabelle.

Beruf oder GruppeBrutto im Monat, VollzeitKennzahl, Stand
Fachkräfte Gesundheits- und Krankenpflege4.310 €Median, April 2024
Fachkräfte Altenpflege4.228 €Median, April 2024
Alle Beschäftigten3.978 €Median, April 2024
Werkzeugmechaniker4.179 €Mittelwert, April 2025
Maurer3.910 €Mittelwert, April 2025
Fachkräfte Sanitär, Heizung, Klima3.412 €Mittelwert, April 2023
Berufskraftfahrer3.088 €Mittelwert, April 2023
Landwirtschaft2.609 €Mittelwert, April 2023
Friseure2.470 €Mittelwert, April 2025
Verdienste in Berufen mit großem Bedarf, ohne Sonderzahlungen. Median und Mittelwert sind nicht direkt vergleichbar. Quellen: Statistisches Bundesamt (Zahl der Woche 19/2025, PM 103/2026, PM 121/2024).

Die Pflege hat aufgeholt. Fachkräfte in der Altenpflege verdienten im April 2024 laut Statistischem Bundesamt 1.612 Euro mehr als zehn Jahre zuvor. Nach der Entgeltstatistik der Bundesagentur liegen Pflegekräfte seit 2021 über dem Durchschnitt aller Berufe, 2024 um 110 Euro.

Am unteren Rand arbeiten 16 Prozent aller Beschäftigten, rund 6,3 Millionen Jobs. Im April 2025 lag die Niedriglohnschwelle bei 14,32 Euro je Stunde. Im Gastgewerbe fiel jeder zweite Job darunter, in der öffentlichen Verwaltung 2 Prozent. Der Mindestlohn steigt von 13,90 Euro im Jahr 2026 auf 14,60 Euro ab 2027, betroffen sind nach Destatis bis zu 8,3 Millionen Jobs.

Warum personennahe Dienste immer teurer werden, erklärte der US-Ökonom William Baumol schon 1967. In Kommunalverwaltung, Bildung oder Restaurants steigt die Produktivität kaum, die Löhne müssen aber mit denen der produktiven Branchen mithalten. Die relativen Kosten dieser Dienste steigen deshalb immer weiter. Baumol nannte das die Kostenkrankheit personennaher Dienste.

Weil Kunden diese Preise selten allein tragen, bezahlen Beiträge und Steuern einen großen Teil. Ob eine Pflegefachkraft gut verdient, entscheidet weniger ihr Nutzen als die Beitragssätze der Pflegeversicherung und der Tarifvertrag.

Die britische Denkfabrik New Economics Foundation hat 2009 versucht, den gesellschaftlichen Wert von Berufen gegen das Gehalt zu rechnen. Für jede Einheit Lohn erzeuge eine Reinigungskraft im Krankenhaus mehr als zehn Einheiten Wert, ein Spitzenbanker der Londoner City vernichte sieben. Die Autorinnen nennen ihre Rechnung selbst eine grobe Schätzung, keine vollständige Messung.

In der deutschen YouGov-Umfrage von 2015 hielten 58 Prozent der Befragten mit weniger als 2.000 Euro Haushaltsnetto ihre Arbeit für sinnvoll, bei mehr als 3.000 Euro 57 Prozent.

Am Sinn hing das Einkommen nicht.

Auf den Punkt
  • Pflege: seit 2021 über dem Durchschnitt aller Berufe
  • Engpass ohne Lohnplus: Berufskraftfahrer, Installateure und Landwirtschaft unter dem Schnitt
  • Niedriglohn: 16 Prozent aller Jobs, im Gastgewerbe 51 Prozent

Wer gewinnt, wer zahlt?

Modellkasse mit langem Beleg und Münze davor auf weißem Grund
Der Mittelstand zahlt rund 61 Milliarden Euro Arbeitskosten im Jahr für gesetzliche Vorgaben.

Vom Status quo profitieren Dienstleister, die Pflichten für andere erledigen, und Beschäftigte in Engpassberufen, deren Löhne steigen. Bezahlen müssen die Betriebe mit rund 61 Milliarden Euro Arbeitskosten für Bürokratie, dazu Berufseinsteiger und Beschäftigte, die ihre Arbeit als nutzlos erleben.

Auf der Gewinnerseite stehen zuerst die Dienstleister. Ein Drittel der Bürokratiestunden im Mittelstand erledigen nach KfW externe Anbieter, etwa Steuerberater und Lohnbüros. Jede neue Pflicht wie die CSRD schafft für diese Branchen neue Aufträge, bezahlt von den Betrieben.

Zu den Gewinnern zählen auch Fachkräfte in Engpassberufen. Wo Bewerber fehlen, steigen die Löhne. In der Altenpflege lag das Plus in zehn Jahren bei 1.612 Euro im Monat.

Beschäftigte in der Verwaltung haben einen anderen Vorteil: Sicherheit. In der öffentlichen Verwaltung liegen 2 Prozent der Jobs im Niedriglohnbereich, im Gastgewerbe 51 Prozent. Dazu kommt der Sinn, den die Beschäftigten selbst sehen: Nur 13 Prozent erkennen keinen oder einen geringen Beitrag für die Gesellschaft.

Wer gewinnt, wer zahlt
Pflichtarbeit verschafft Dienstleistern Aufträge und bindet in den Betrieben Menschen, die in Engpassberufen fehlen.
Gewinner
⅓
der Bürokratiestunden im Mittelstand erledigen externe Dienstleister
+1.612 €
Monatsverdienst in der Altenpflege 2024 gegenüber 2014
2 %
Niedriglohnanteil in der öffentlichen Verwaltung, Gastgewerbe 51 Prozent
Zahler
61 Mrd. €
Arbeitskosten des Mittelstands für gesetzliche Vorgaben im Jahr
325.000
Einstellungen nur für Bürokratie, 2022 bis 2025
−3,8 %
Beschäftigte von 20 bis 29 Jahren in stark von KI betroffenen Berufen seit 2022

Arbeitskosten nach KfW-Mittelstandspanel für 2023, Einstellungen nach IAB-Betriebsbefragung 2025, Beschäftigung junger Menschen nach IAB, der Rückgang ist noch nicht statistisch gesichert.

Auf der Zahlerseite stehen zuerst die Betriebe. Die KfW beziffert die Arbeitskosten für gesetzliche Vorgaben im Mittelstand auf 61 Milliarden Euro im Jahr, der Normenkontrollrat die Bürokratiekosten der Wirtschaft auf 64 Milliarden Euro. Kleine Betriebe trifft das härter: Solo-Selbstständige verlieren rund 9 Prozent ihrer Arbeitszeit, im Median aller Mittelständler liegt der Wert bei 3 Prozent. Bezahlt wird auch mit Köpfen. Die 325.000 Menschen, die Betriebe für Pflichten eingestellt haben, stehen keinem Pflegeheim und keiner Baustelle zur Verfügung.

Einen dritten Preis zahlen Beschäftigte, die ihre Arbeit als nutzlos erleben. In Großbritannien lag das Wohlbefinden nach dem WHO-5-Index bei ihnen 2015 bei 49,3 von 100 Punkten, bei den übrigen bei 64,5. Laut DGB-Index belastet fehlender Sinn allerdings weniger, als man vermuten könnte: Nur 9 Prozent derer, die keinen Beitrag für die Gesellschaft sehen, empfinden das als stark belastend.

Deutsche Betriebe stellten in drei Jahren 325.000 Leute für Pflichten ein, während in 157 Berufen Fachkräfte fehlen.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Ein vierter Posten trifft Berufseinsteiger. In den Berufen, die am stärksten von KI betroffen sind, sank die Beschäftigung der 20- bis 29-Jährigen von 2022 bis 2025 um 3,8 Prozent. Noch ist der Effekt statistisch nicht gesichert, die Richtung aber klar.

Die Steuerzahler schließlich finanzieren Stellen für Steuern, die kaum etwas einbringen. Die Alkopopsteuer brachte 2025 netto nichts, ihre Erhebungskosten kennt niemand. Bezahlt werden die Löhne der gesamten Verwaltung aus den Steuern und Beiträgen der Beschäftigten und Betriebe, auch die der Kernverwaltung mit 607.000 Menschen.

Auf den Punkt
  • Gewinner: Dienstleister für Pflichten, Fachkräfte in Engpassberufen, Beschäftigte mit sicherer Stelle
  • Zahler: Betriebe mit 61 Milliarden Euro Arbeitskosten für gesetzliche Vorgaben
  • Verlierer: Berufseinsteiger in stark von KI betroffenen Berufen und Beschäftigte ohne Sinn in der Arbeit

Wer hat die besseren Belege?

Großer Stapel Papier (Arbeit) und kleiner orangefarbener Stapel (Urlaub) mit Lupe
Große Erhebungen messen einstellige Anteile sinnloser Jobs, kleine Umfragen mehr als ein Drittel.

Die Seite, die mit großen Stichproben arbeitet. Massenhaft sinnlose Jobs belegen nur kleine Online-Umfragen; die Bürokratielast dagegen ist gut gemessen, wenn auch über Selbstauskünfte. Für einen Wegfall der Arbeit durch KI fehlen bislang die Daten.

Was sagen die Pessimisten?

Graeber und seine Anhänger halten einen großen Teil der Arbeit für verschwendet. Die Anhänger stützen sich auf YouGov mit 37 und 35 Prozent und auf das Gefühl vieler Büroangestellter, mehr zu verwalten als zu schaffen. Das ifo Institut liefert mit 146 Milliarden Euro entgangener Wirtschaftsleistung die passende Rechnung, das IW mit einem Tag pro Woche für Dokumentation. Beim Thema KI verweisen Pessimisten auf den IWF: 60 Prozent der Jobs in Industrieländern seien betroffen. Junge Beschäftigte in diesen Berufen verlieren bereits Stellen.

Was sagen die Optimisten?

Soffia, Wood und Burchell halten mit fast 30.000 Befragten dagegen: 4,8 Prozent, Tendenz fallend. Der DGB-Index misst den Sinn der Arbeit seit 2012 stabil bei 80 bis 82 Punkten. Das IAB betont, dass Substituierbarkeit keine Prognose ist, und findet in den am stärksten betroffenen Berufen bisher mehr statt weniger Beschäftigung.

Autor zeigt zudem, dass neue Technik regelmäßig neue Berufe schafft. Sechs von zehn Berufen in den USA kannte 1940 noch niemand.

Wie fällt das Urteil aus?

Bei den sinnlosen Jobs sprechen die Belege gegen Graeber. Die großen, wiederholten Erhebungen messen einstellige Anteile, die hohen Werte stammen aus Stichproben mit wenigen hundert Befragten. Bei der Bürokratie sprechen die Belege für die Kritiker, auch wenn KfW, IAB und IW auf Angaben der Betroffenen bauen. Bei der KI ist die Frage offen, die Daten reichen erst drei Jahre zurück.

Auf den Punkt

Massenhaft sinnlose Jobs belegt keine große Erhebung. Die Last der Bürokratie ist belegt, der Wegfall von Arbeit durch KI bislang nicht.

Was geht in der Rechnung nicht auf?

Weißes Puzzle mit fehlendem Teil, daneben oranges Teil mit Aufschrift „EXTRAWURST“
Nur etwa jede fünfte arbeitslose Fachkraft sucht in einem Engpassberuf.

Der Wechsel. Eine Sachbearbeiterin, die keine Nachweise mehr sammeln muss, wird nicht über Nacht Pflegefachkraft. Und weniger Pflichten für Betriebe sparen nur dann Stellen, wenn der Staat die Regeln wirklich streicht und nicht bloß umbenennt.

Die Kritiker der Bürokratie übersehen oft, dass frei werdende Arbeitskräfte nicht automatisch dort ankommen, wo Personal fehlt. Nur etwa jede fünfte arbeitslose Fachkraft sucht laut Bundesagentur in einem Engpassberuf. Was eine Region verliert, wenn ein großer Arbeitgeber geht und der neue nicht nachkommt, zeigt die Rechnung zur Werksschließung und ihren Folgen.

Auch die Verwaltung selbst passt schlecht ins Feindbild. Laut DGB-Index sehen dort 87 Prozent der Beschäftigten in hohem oder sehr hohem Maß einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft. Viele Stellen dort setzen Regeln um, die der Bundestag beschlossen hat. Der Hebel sitzt also bei den Regeln, nicht beim Personal.

Die Verteidiger des Status quo übersehen etwas anderes. Hinter jeder Pflicht steht zwar ein Zweck, doch der Normenkontrollrat zeigt, wie selten Entlastung bei den Betrieben ankommt: 45 Millionen Euro für die Wirtschaft in einem Jahr, gegenüber 1,3 Milliarden Euro neuen Bürokratiekosten.

Die Umfragen zum Sinn haben eigene Schwächen. Ob jemand seine Arbeit für nützlich hält, misst ein Gefühl, keinen Ertrag. Ein Compliance-Beauftragter kann seine Arbeit als sinnvoll erleben, obwohl diese Stelle nur nötig ist, weil die Regeln so viele Nachweise verlangen.

Die KI-Schätzungen schließlich beschreiben Möglichkeiten. Die Erfahrung mit früheren Techniken spricht dafür, dass neue Arbeit entsteht, sagt aber nichts darüber, ob die heute Betroffenen diese neue Arbeit bekommen.

Auf den Punkt
  • Wechsel: Weniger Pflichten machen aus Sachbearbeitern keine Pflegekräfte
  • Verwaltung: 87 Prozent ihrer Beschäftigten sehen einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft
  • Messung: Sinn ist ein Gefühl, Bürokratie eine Selbstauskunft, KI eine Möglichkeit

Was heißt das für Ihren Betrieb?

Ein helles Bild von einer Stoppuhr, Formularen und einem Radiergummi, alles auf weißem Grund
Im Mittelstand gehen im Schnitt 32 Stunden je Monat und Unternehmen auf gesetzliche Vorgaben.

Messen Sie die Stunden, die Ihre Leute in Pflichtarbeit stecken, und trennen Sie gesetzliche von hausgemachten. Die hausgemachten können Sie morgen streichen, die gesetzlichen mit Software und Dienstleistern schlanker erledigen.

Der Durchschnitt im Mittelstand liegt laut KfW bei 32 Stunden im Monat. Liegt Ihr Betrieb deutlich darüber, lohnt der Blick auf die eigenen Berichte. Das IW weist darauf hin, dass ein Teil der Dokumentation intern verlangt wird, von Vorgesetzten, Controlling oder Qualitätsmanagement.

Setzen Sie KI zuerst dort ein, wo Ihre Beschäftigten den geringsten Sinn sehen: Protokolle, Nachweise, Formulare. Knapp ein Viertel der Betriebe nutzte 2025 generative KI. Die gewonnenen Stunden fließen in Kundenkontakt und Fachaufgaben.

Kundenkontakt stiftet Sinn. Laut DGB-Index sehen Beschäftigte mit häufigem Kundenkontakt zu 23 Prozent keinen oder einen geringen Beitrag für die Gesellschaft, Beschäftigte mit seltenem oder keinem Kundenkontakt zu 37 Prozent. Bürokräfte näher an Kunden und Produkt zu bringen, senkt den Anteil der Arbeit, die sich leer anfühlt.

Suchen Sie Fachkräfte in Engpassberufen, schauen Sie auf Ihre eigene Verwaltung. Beschäftigte, die heute Nachweise sammeln, kennen Ihre Abläufe. Mit einer Umschulung zur Fachkraft in Ihrem Kerngeschäft gewinnen Sie Leute, die Sie sonst teuer suchen müssten.

Prüfen Sie auch die Löhne. Wo Bewerber fehlen, entscheidet die Bezahlung mit, ob eine Stelle besetzt wird. In der Pflege hat der Lohnvorsprung den Personalmangel nicht beseitigt, aber verringert.

Auf den Punkt
  • Messen: Pflichtstunden erfassen, Mittelstand im Schnitt 32 Stunden im Monat
  • Streichen: Interne Berichte zuerst, gesetzliche mit Software erledigen
  • Umschulen: Eigene Verwaltungskräfte für Engpassberufe gewinnen

Reicht die sinnvolle Arbeit für alle?

Ein offener weißer Werkzeugkoffer mit Werkzeugen wie Zange, Hammer und einem Engländer
Bis 2040 erreichen 13,3 Millionen Erwerbspersonen das Rentenalter.

Ja, mit großem Abstand. Knapp sind nicht die sinnvollen Aufgaben, knapp sind die Menschen, die frei für diese Aufgaben sind. Gute Arbeit für alle verlangt deshalb vor allem weniger Pflichtarbeit.

Unsere Einordnung: Die Sorge, eine Gesellschaft könne ihren Mitgliedern nicht mehr genug sinnvolle Arbeit bieten, hält den Zahlen nicht stand. Pflege, Kitas, Schulen, Bau und Handwerk suchen mehr Leute, als der Arbeitsmarkt hergibt. Bis 2040 gehen zudem 13,3 Millionen Erwerbspersonen in Rente.

Auch die Massen an sinnlosen Jobs findet keine große Erhebung. Genaue Zählungen kommen auf einstellige Anteile. Das Gefühl der Leere sitzt eher in Industrie, IT und Banken als im Amt.

Belegt ist dagegen die Last der Pflichten. Rund eine Million Vollzeitstellen im Mittelstand und 325.000 zusätzliche Einstellungen in drei Jahren binden Menschen an Nachweise statt an Patienten, Baustellen und Klassenzimmer. Dort liegt der eigentliche Abzug in der Rechnung. Dort könnte auch die Politik ansetzen.

Ob die sinnvolle Arbeit gut bezahlt wird, entscheiden Produktivität, Beiträge und Tarife, nicht ihr Wert für andere. Die Pflege zeigt, dass sich das ändern lässt. Die Rechnung dafür zahlen am Ende alle, über höhere Beiträge oder höhere Preise.

Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zu Sinn, Bürokratie und Bezahlung von Arbeit

Buch mit orangefarbenem Stempel und Sticker „VORSICHT: BILDUNGSGEFAHR!“
Von der Baumol’schen Kostenkrankheit bis zum Vollzeitäquivalent: die wichtigsten Begriffe zum Thema.

Baumol’sche Kostenkrankheit

Baumol’sche Kostenkrankheit: Von William Baumol 1967 beschriebener Effekt. In personennahen Diensten wie Pflege, Bildung oder Gastronomie steigt die Produktivität kaum, die Löhne folgen aber denen der produktiven Branchen. Dadurch werden diese Dienste im Vergleich immer teurer, oft bezahlt über Beiträge und Steuern.

Bullshit-Job

Bullshit-Job: Begriff des Anthropologen David Graeber für eine bezahlte Stelle, deren Existenz nicht einmal der Beschäftigte selbst rechtfertigen kann. Graeber schätzte den Anteil auf 37 bis 60 Prozent aller Arbeit, große Erhebungen kommen auf einstellige Werte.

Bürokratiekosten

Bürokratiekosten: Teil des Erfüllungsaufwands, der allein aus Informationspflichten entsteht, also aus Anträgen, Meldungen, Nachweisen und Berichten. Der Nationale Normenkontrollrat beziffert diese Kosten für die Wirtschaft auf 64 Milliarden Euro im Jahr.

Engpassberuf

Engpassberuf: Beruf, in dem die Bundesagentur für Arbeit nach mehreren Kennzahlen zu wenige Bewerber für die offenen Stellen findet, etwa wegen langer Vakanzzeiten. 2025 waren 157 Berufsgattungen betroffen, vor allem in Pflege, Bau, Handwerk, Küche und Kita.

Entfremdung

Entfremdung: Zustand, in dem Beschäftigte keinen Bezug zum Ergebnis, zum Ablauf oder zum Sinn ihrer Arbeit mehr empfinden. Soffia, Wood und Burchell erklären damit, warum sich auch Menschen in nützlichen Berufen nutzlos fühlen, oft ausgelöst durch schlechte Führung.

Erfüllungsaufwand

Erfüllungsaufwand: Gesamte messbare Zeit und Kosten, die Bürgern, Wirtschaft und Verwaltung durch die Befolgung eines Gesetzes entstehen. Der Normenkontrollrat prüft ihn bei jedem Regierungsentwurf und berichtet jährlich über die Veränderung.

Finanzkontrolle Schwarzarbeit

Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS): Arbeitsbereich des Zolls, der Arbeitgeber auf Schwarzarbeit, Mindestlohnverstöße und illegale Beschäftigung prüft. 2025 führte die FKS rund 25.800 Prüfungen durch, im September 2026 war knapp ein Fünftel ihrer Stellen unbesetzt.

Generative KI

Generative KI: Software, die aus Trainingsdaten neue Texte, Bilder oder Programmcode erzeugt, etwa große Sprachmodelle. Das IAB hat diese Technik in seine Rechnung zum Substituierbarkeitspotenzial einbezogen, 2025 nutzte knapp ein Viertel der Betriebe solche Werkzeuge.

Niedriglohnschwelle

Niedriglohnschwelle: Zwei Drittel des mittleren Bruttostundenverdienstes. Im April 2025 lag die Schwelle bei 14,32 Euro, darunter lagen 16 Prozent aller Jobs. Im Gastgewerbe war jeder zweite Job betroffen, in der öffentlichen Verwaltung 2 Prozent.

Normenkontrollrat

Nationaler Normenkontrollrat (NKR): Unabhängiges Gremium beim Bundeskanzleramt, das die Folgekosten neuer Gesetze prüft und Bürokratieabbau überwacht. Sein Jahresbericht 2026 meldet für die Wirtschaft eine Entlastung von nur 45 Millionen Euro im Jahr.

Sozialrendite

Sozialrendite (Social Return on Investment, SROI): Verfahren, das den gesellschaftlichen Nutzen einer Tätigkeit in Geld bewertet und den Kosten gegenüberstellt. Die New Economics Foundation hat damit 2009 Berufe verglichen, nach eigener Angabe nur näherungsweise.

Substituierbarkeitspotenzial

Substituierbarkeitspotenzial: Anteil der Tätigkeiten eines Berufs, die Computer oder computergesteuerte Maschinen nach heutigem Stand erledigen könnten. Ab 70 Prozent spricht das IAB von einem hohen Potenzial. Die Kennzahl beschreibt Machbarkeit, keine Prognose von Jobverlusten.

Verbrauchsteuer

Verbrauchsteuer: Steuer auf den Verbrauch bestimmter Waren wie Energie, Tabak, Kaffee, Alkohol oder Schaumwein, erhoben vom Zoll beim Hersteller oder Importeur. 2025 brachten die Verbrauchsteuern rund 65 Milliarden Euro, die kleinsten davon nur wenige Millionen.

Vollzeitäquivalent

Vollzeitäquivalent: Umrechnung von Arbeitsstunden in volle Stellen. Die rund 1,5 Milliarden Stunden, die der Mittelstand jährlich für gesetzliche Vorgaben aufwendet, entsprechen bei 1.400 bis 1.650 Stunden je Stelle 0,9 bis 1,1 Millionen Vollzeitstellen.

FAQ: Genug sinnvolle Jobs trotz KI und Bürokratie?

Waage mit Fragezeichen links, FAQ-Schild in der Mitte
Häufige Fragen zu sinnlosen Jobs, Bürokratie, künstlicher Intelligenz und dem Zoll.

Wie viele Menschen halten ihren Job für sinnlos?

Je nach Befragung zwischen 4,8 und 35 Prozent. Die große europäische Erhebung von 2015 mit fast 30.000 Beschäftigten kam auf 4,8 Prozent, die YouGov-Umfrage in Deutschland mit 539 Befragten auf 35 Prozent. Laut DGB-Index 2025 sehen 7 Prozent gar keinen Beitrag ihrer Arbeit für die Gesellschaft.

Was sind Bullshit-Jobs?

Bezahlte Stellen, deren Existenz nicht einmal die Beschäftigten selbst rechtfertigen können. Der Begriff stammt von David Graeber, der 2013 einen Essay und 2018 ein Buch dazu veröffentlichte. Er nannte unter anderem Stellen, die andere wichtig aussehen lassen, und Abhakarbeit für den Nachweis von Tätigkeit.

Wie viel Arbeitszeit kostet Bürokratie in Unternehmen?

Im Mittelstand rund 6,9 Prozent der Arbeitszeit, im Schnitt 32 Stunden im Monat je Unternehmen. Die KfW beziffert das auf 61 Milliarden Euro Arbeitskosten im Jahr. Beschäftigte selbst schätzen in einer IW-Umfrage rund 23 Prozent, darin stecken aber auch betriebsinterne Berichte.

Ersetzt künstliche Intelligenz viele Arbeitsplätze?

Bisher nicht in messbarem Umfang. Zwar arbeiten 38 Prozent der Beschäftigten in Berufen mit hohem Substituierbarkeitspotenzial, doch in den am stärksten betroffenen Berufen lag die Beschäftigung 2025 rund 1 Prozent über 2022. Bei Berufseinsteigern zeigt sich ein erster, noch nicht gesicherter Rückgang.

Welche Berufe suchen in Deutschland am dringendsten Personal?

Pflege- und Gesundheitsberufe, dazu Bau und Handwerk, Köche, Berufskraftfahrer und Erzieher. Die Bundesagentur für Arbeit zählt 157 Engpassberufe. Softwareentwicklung gehört seit 2025 nicht mehr dazu.

Was nimmt der Zoll im Jahr ein?

Rund 157 Milliarden Euro im Jahr 2025, erhoben von rund 49.000 Beschäftigten. Den größten Teil machen Einfuhrumsatzsteuer mit rund 74 Milliarden Euro und Verbrauchsteuern mit 65 Milliarden Euro aus. Kleinsteuern wie die Alkopopsteuer bringen dagegen fast nichts.

Quellen

45 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 29.10.2026
  1. Statistisches BundesamtPressemitteilung 347: Erwerbstätigkeit im August 202630.09.2026
  2. STRIKE! MagazineDavid Graeber: On the Phenomenon of Bullshit JobsAugust 2013
  3. YouGov37% of British workers think their jobs are meaningless12.08.2015
  4. YouGov DeutschlandJeder dritte Arbeitnehmer hält seinen Job für sinnlos26.08.2015
  5. Work, Employment and SocietySoffia, Wood, Burchell: Alienation Is Not Bullshit, An Empirical Critique of Graeber’s Theory of BS Jobs2022
  6. Universität ZürichSimon Walo: Why People Consider Their Jobs Socially Useless2023
  7. Industrial RelationsDur, van Lent: Socially Useless Jobs2019
  8. Institut DGB-Index Gute ArbeitJahresbericht 2025
  9. KfW ResearchFokus Volkswirtschaft Nr. 495: Bürokratie im MittelstandApril 2025
  10. IAB-ForumDiegmann, Kubis: 325.000 Arbeitskräfte zusätzlich für gewachsene Bürokratie20.10.2025
  11. Institut der deutschen WirtschaftIW-Kurzbericht 94/2025: Ein Tag pro Woche für Bürokratie
  12. Nationaler NormenkontrollratJahresbericht 2025
  13. Nationaler NormenkontrollratJahresbericht 202608.10.2026
  14. ifo InstitutBürokratie kostet Deutschland jährlich bis zu 146 Milliarden Euro14.11.2024
  15. Statistisches BundesamtPressemitteilung 215: Personal im öffentlichen Dienst am 30. Juni 202522.06.2026
  16. Statistisches BundesamtBeschäftigte im öffentlichen Dienst nach ausgewählten Aufgabenbereichen
  17. Statistisches BundesamtBeschäftigte im öffentlichen Dienst nach Aufgabenbereichen
  18. Statistisches BundesamtPressemitteilung N027: Beamtinnen und Beamte 2014 bis 202404.05.2026
  19. Statistisches BundesamtBeschäftigte im öffentlichen Dienst nach Altersgruppen
  20. dbb beamtenbund und tarifunionPersonalbedarfe im öffentlichen Dienst27.08.2026
  21. Bundesministerium der FinanzenErfolgreiche Jahresbilanz 2025 des Zolls12.05.2026
  22. Bundesministerium der FinanzenSteuereinnahmen 4. Quartal und Kalenderjahr 2025
  23. Deutscher BundestagDrucksache 20/1817: Schriftliche Fragen, Antwort des BMF zur Schaumweinsteuer2022
  24. Wissenschaftliche Dienste des BundestagsWD 4-3000-015/26: Erhöhung der Schaumweinsteuer03.09.2026
  25. Bund der SteuerzahlerSteuerlexikon: Schaumwein- und Zwischenerzeugnissteuer
  26. Deutscher BundestagDrucksache 21/8488: Personal der Finanzkontrolle Schwarzarbeit09.10.2026
  27. IABKurzbericht 5/2024: Vor allem Hochqualifizierte bekommen die Digitalisierung verstärkt zu spüren
  28. IAB-ForumArntz, Dinelli, Schlenker: KI als Jobkiller für Berufseinsteiger?13.10.2026
  29. IABKurzbericht 8/2026: Nutzung generativer KI in Betrieben
  30. Internationaler WährungsfondsAI Will Transform the Global Economy14.01.2024
  31. Internationale ArbeitsorganisationWorking Paper 140: Generative AI and Jobs20.05.2025
  32. NBERAutor, Chin, Salomons, Seegmiller: New Frontiers, The Origins and Content of New Work, 1940–2018
  33. Bundesagentur für ArbeitPresseinfo 32/2026: Fachkräfte bleiben knapp02.09.2026
  34. IABIAB-Stellenerhebung: Rückgang der offenen Stellen im zweiten Quartal 202603.09.2026
  35. Statistisches BundesamtPressemitteilung N039: Erwerbspersonen im Rentenalter bis 204023.06.2026
  36. Statistisches BundesamtZahl der Woche 19/2025: Verdienste in Pflegeberufen06.05.2025
  37. Bundesagentur für ArbeitBlickpunkt Arbeitsmarkt: Arbeitsmarktsituation in PflegeberufenMai 2026
  38. Statistisches BundesamtPressemitteilung 103: Verdienste nach Berufsabschluss und Beruf25.03.2026
  39. Statistisches BundesamtPressemitteilung 121: Verdienste in Engpassberufen25.03.2024
  40. Statistisches BundesamtPressemitteilung 434: Niedriglohnsektor im April 202505.12.2025
  41. Statistisches BundesamtDer Durchschnittsmensch: Verdienste
  42. Deutscher BundestagDrucksache 21/1403: Antwort der Bundesregierung zum Mindestlohn
  43. Statistisches BundesamtPressemitteilung 256: Mindestlohnerhöhung betrifft bis zu 8,3 Millionen Jobs14.07.2025
  44. American Economic ReviewWilliam J. Baumol: Macroeconomics of Unbalanced Growth1967
  45. New Economics FoundationA Bit Rich: Calculating the real value to society of different professions2009
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