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Sieben Rüstungsfirmen hat die Stadt Leipzig abgewiesen, etwa weil sie Sprengstoffe verarbeiten wollten. Mit fünf von insgesamt 17 anfragenden Unternehmen führt sie Gespräche. Wirtschaftsbürgermeister Clemens Schülke (CDU) beziffert das Potenzial der Anfragen auf 700 Arbeitsplätze.

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Die Zahlen nannte Schülke am Mittwoch in der Sitzung des Stadtrats, als Antwort auf eine dringliche Anfrage der Linksfraktion.[1] Wie weit die Verhandlungen sind, sagte er nicht. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) ergänzte, die Stadt bewerbe sich nicht offensiv um diese Firmen.[2]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • In drei bis vier Fällen haben sich die anfragenden Unternehmen nicht wieder gemeldet.
  • Covenant will im Leipziger Norden ab dem ersten Quartal 2027 Marschflugkörper in Serie fertigen.
  • Gegen die Ansiedlungen haben mehr als 11.000 Menschen eine Online-Petition unterschrieben.

Wie weit sind die Rüstungsprojekte in Leipzig?

Weißer Briefkasten mit Briefen und orangem Sticker: „17 Anfragen“ auf weißem Grund
Leipzigs Ansiedlungsgespräche für neue Arbeitsplätze stocken: von 15 Unternehmen noch aktiv mit fünf im Gespräch, sieben abgewiesen, drei bis vier keine Rückmeldung

Über die Anfrage hinaus ist bisher kaum ein Vorhaben gekommen: Mit fünf Unternehmen spricht die Stadt, sieben hat sie abgewiesen, von drei bis vier hat sie nichts mehr gehört. Einen Standort oder eine Investitionssumme hat Leipzig zu den Gesprächen nicht genannt. Die 700 Arbeitsplätze sind deshalb nur möglich, kein Unternehmen hat sie zugesagt.

Ins Detail ging Schülke nur bei Falk Defence, das in Leipzig an einer Artillerierakete arbeitet. Das Düsseldorfer Start-up nutzt seit März ein Büro mit Halle für die Entwicklung. Für ein Raketenartilleriesystem aus europäischer Produktion sucht Falk Defence langfristig einen Standort „in der Region Leipzig“. Die Halle gehört nicht der Stadt, Sprengstoff will das Unternehmen dort weder lagern noch verarbeiten oder testen. Finanzielle Zusagen hat Leipzig laut Schülke nicht gemacht.[1]

Eine Fabrik eröffnet hat bisher nur Covenant. Der US-Hersteller nahm Anfang Oktober im Leipziger Norden sein Werk für Marschflugkörper in Betrieb. Laut Johannes Steiniger, Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, investiert Covenant rund 250 Millionen Euro, bis zu 250 Menschen sollen dort arbeiten.[3] Die 700 Stellen, die Schülke als Potenzial nennt, wären fast das Dreifache.

Was brauchen Sprengstoff-Betriebe für einen Standort?

Betriebe, die Sprengstoffe herstellen, bearbeiten oder verarbeiten, brauchen eine Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz im förmlichen Verfahren, bei dem die Öffentlichkeit Einwände erheben kann.[4] Für Lager gelten zudem Mindestabstände zu Straßen und Gebäuden. Im hessischen Driedorf sucht ein Schweizer Hersteller gewerblicher Sprengstoffe ein Lager und hat bisher mehr als 50 Flächen geprüft.[5]

Die beiden bekannten Projekte in Leipzig kommen ohne Sprengstoff aus. Covenant liefert die Flugkörper ohne Gefechtskopf aus, den Sprengstoff setzen nach Firmenangaben erst die Kunden ein.[3]

Rüstungsanfragen bei der Stadt Leipzig
Was die Stadt am 28. Oktober 2026 im Stadtrat offengelegt hat und wo die Vorhaben stehen
17
Anfragen von Unternehmen aus der Verteidigungsbranche
5
Unternehmen, mit denen die Stadt Gespräche führt
7
abgewiesene Anfragen, etwa wegen geplanter Verarbeitung von Sprengstoff
700
mögliche Arbeitsplätze laut Wirtschaftsbürgermeister Schülke
Von der Anfrage zum Werk
Anfrage
17 Unternehmen haben bei der Stadt nach einem Standort gefragt.
Gespräche
Mit 5 Unternehmen spricht die Stadt, den Stand nennt sie nicht.
Standort und Genehmigung
Eine Fläche oder Genehmigung hat die Stadt bisher keinem der 17 zugesagt.
Produktion
Am weitesten ist Covenant: Die Fabrik steht, die Serie soll 2027 anlaufen.

Leipzig wirbt nicht um Rüstungsfirmen und bekommt trotzdem 17 Anfragen. Über Arbeitsplätze entscheidet am Ende die Genehmigung.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was bedeuten die Anfragen für die Region?

Gegen die Rüstungspläne regt sich in Leipzig Widerstand. Am Wochenende protestierten rund 400 Menschen gegen die Fabrik von Covenant.[1] Schülke sagte im Stadtrat, alles bewege sich „im legalen Rahmen“. Jung zufolge ist Leipzig kein Schwerpunkt der Waffenproduktion, „eher München“.[2] Für die Region sprechen nach Ansicht des Mitteldeutschen Instituts für Sicherheitsindustrie vor allem die Fachkräfte aus der Metallverarbeitung und der Flughafen Leipzig/Halle.[6]

Für Zulieferer in Sachsen zählt erst die Serienfertigung. Falk Defence hatte für sein Entwicklungsbüro zuletzt vier Ingenieursstellen ausgeschrieben. Größere Aufträge sind möglich, sobald Covenant in Serie fertigt oder eines der fünf Unternehmen in Leipzig baut.

Quellen

6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. dpa-AFX, veröffentlicht bei finanznachrichten.deStadt Leipzig hat Anfragen weiterer Rüstungsunternehmen29.10.2026
  2. Radio LeipzigLeipzig hat weitere Anfragen aus der Rüstungsindustrie28.10.2026
  3. t-online (dpa)US-Firma eröffnet Werk in Leipzig, mit Geld von Peter Thiel05.10.2026
  4. Vierte Verordnung zur Durchführung des Bundes-ImmissionsschutzgesetzesAnhang 1, Nr. 10.1 (abgerufen 29.10.2026)
  5. Hessischer RundfunkDriedorf will weitere Standorte für Sprengstofflager der SSE prüfen28.10.2026
  6. dpa, veröffentlicht in der VolksstimmeVerteidigung: Rüstungs-Start-up will in Leipzig Raketen entwickeln25.10.2026

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