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Landrat Christoph Vogel und Bürgermeister Thomas Stamm wollen sich für rund 350 Arbeitsplätze im Cummins-Werk in Marktheidenfeld-Altfeld einsetzen. Der US-Motorenhersteller prüft laut IG Metall, den ganzen Standort zu schließen, bestätigt aber nur ein Konsultationsverfahren. Im selben Stadtteil stehen bei Schneider Electric laut Gewerkschaft Stellen in der Entwicklung zur Disposition.

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Nach einem Treffen mit der IG Metall und den Betriebsräten beider Unternehmen forderten die Politiker laut Radio Gong, dringend Alternativen zu den Stellenstreichungen zu prüfen, weil die Einschnitte die ganze Region träfen.[1] Entschieden haben die Unternehmen bisher nichts.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Cummins hat für Marktheidenfeld ein Informations- und Konsultationsverfahren eingeleitet, laut IG Metall steht das Werk mit rund 350 Stellen infrage.
  • Bei Schneider Electric stehen in Marktheidenfeld und Lahr laut IG Metall zusammen rund 110 Stellen zur Disposition.
  • Die IG Metall fordert neue Produkte für die Betriebe und verlangt von Stadt, Landkreis und Freistaat, weitere Industrie anzusiedeln.

Was plant Cummins in Altfeld?

Druckluft-Fettpresse mit orangefarbenem Anhänger und leerem Kanister vor weißem Hintergrund
IG Metall Würzburg macht Cummins-Schließungspläne öffentlich. Gewerkschaft kritisiert fehlende Details zu Zeitpunkt und Ablauf

Öffentlich machte die IG Metall Würzburg die Pläne Mitte September. Nach Angaben aus dem Gewerkschaftsumfeld hat Cummins dem Betriebsrat Schließungspläne mitgeteilt, ohne Zeitpunkt oder Ablauf zu nennen.[3] „Eine Standortschließung und der Abbau von Entwicklungsarbeit sind keine Naturereignisse“, sagt Norbert Zirnsak, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Würzburg.[2]

Gegenüber inFranken.de bestätigte Cummins nur das Konsultationsverfahren. Das Unternehmen überprüfe seine Standortstruktur laufend, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Das Wort „Schließung“ und eine Stellenzahl kamen in der Antwort nicht vor.[3] Formal hat Cummins den Betriebsrat damit unterrichtet und berät mit ihm, einen Schließungsbeschluss hat das Unternehmen nicht bekanntgegeben.

Gebaut wurde das Werk für SCR-Dosiersysteme. Diese Systeme spritzen bei Dieselmotoren eine Harnstofflösung in den Abgasstrang, damit der Katalysator Stickoxide abbaut. Cummins hatte das Geschäft im Juli 2012 von Hilite International übernommen, ein Jahr später begann der Bau in Marktheidenfeld.[5] Die Nachfrage nach Diesel-Lkw ist nicht eingebrochen: Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Neuzulassungen von Diesel-Lkw in der EU um 9,3 Prozent, ihr Anteil lag bei 92,1 Prozent. Elektro-Lkw kommen erst auf 4,8 Prozent.[6] Eigene Gründe für Altfeld hat Cummins nicht genannt.

Was plant Schneider Electric in der Entwicklung?

Die Schneider Electric Automation GmbH mit Sitz in Marktheidenfeld entwickelt Automatisierungstechnik für den Maschinenbau, in Lahr im Schwarzwald entstehen Antriebe und Motoren.[4] An beiden Standorten zusammen stehen laut IG Metall rund 110 Stellen zur Disposition. Wie viele auf Marktheidenfeld entfallen, sagen weder Gewerkschaft noch Unternehmen. Schneider Electric hatte die Produktion in Altfeld schon vor rund fünf Jahren eingestellt.[2]

Die Zahl bestätigt der Konzern nicht. Ausgewählte Entwicklungsprojekte sollen Vorrang bekommen, bei anderen könnten Tempo oder Investitionen sinken, teilte eine Sprecherin inFranken.de mit.[4] Der Betriebsrat sieht keine wirtschaftliche Notwendigkeit für den Abbau und warnt, Entwicklungsarbeit wandere nach China und Indien ab.[2] Anfang Oktober kündigte Schneider Electric an, den Softwarehersteller PTC für 20 Milliarden Euro zu übernehmen.

Industriestandort Altfeld unter Druck
Welche Stellen bei Cummins und Schneider Electric in Gefahr sind
rund 350
Stellen bei Cummins in Altfeld, laut IG Metall steht der ganze Standort infrage
rund 110
Stellen bei Schneider Electric in Marktheidenfeld und Lahr stehen laut IG Metall zur Disposition, auch in der Entwicklung
knapp 500
Arbeitsplätze verloren die größeren Industriebetriebe Marktheidenfelds laut IG Metall von 2019 bis 2024
Vom Werksbau bis zur offenen Entscheidung
Juli 2012
Cummins übernimmt das Geschäft mit SCR-Dosiersystemen von Hilite und baut danach in Marktheidenfeld ein neues Werk
Mitte September 2026
IG Metall macht die Pläne öffentlich, Cummins bestätigt ein Informations- und Konsultationsverfahren
Ende Oktober 2026
Landrat, Bürgermeister, IG Metall und Betriebsräte beraten über Alternativen
offen
Entscheidung von Cummins, Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan

Was können Betriebsräte und Kommunen noch erreichen?

Die Stilllegung eines ganzen Betriebs gilt rechtlich als Betriebsänderung. Das Unternehmen muss den Betriebsrat rechtzeitig unterrichten sowie die Pläne mit ihm beraten.[7] Einigen sich beide Seiten nicht auf einen Sozialplan, der die Nachteile der Beschäftigten ausgleicht, entscheidet eine Einigungsstelle verbindlich.[8] Eine Schließung kann der Betriebsrat damit nicht verhindern, wohl aber Zeitpunkt und Bedingungen mitverhandeln.

Die IG Metall verbindet den Streit mit einer Initiative für Altfeld. Stadt, Landkreis und Freistaat sollen weitere Industrie ansiedeln, etwa auf freien Gewerbeflächen an der A3. In den größeren Industriebetrieben Marktheidenfelds fielen laut Gewerkschaft von 2019 bis 2024 knapp 500 Arbeitsplätze weg.[2] Auch anderswo bauen Zulieferer ab: Bosch Rexroth will bis 2030 bundesweit 370 Stellen streichen, auch in Lohr im selben Landkreis. Harting gibt sein Geschäft mit Magnetspulen für Verbrenner auf.

Quellen

8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Radio Gong WürzburgMarktheidenfeld / Altfeld: Landrat und Bürgermeister äußern sich zu Stellenabbau29.10.2026
  2. IG Metall WürzburgIG Metall: Industriearbeit in Altfeld sichern und ausbauen (Pressemitteilung)14.09.2026
  3. inFranken.deAutozulieferer-Werk in Franken vor Aus? Sorge um regionale Wirtschaft (20.09.2026, mit Stellungnahme von Cummins)
  4. inFranken.deSchneider Electric: Mitarbeiter in Marktheidenfeld bangen um ihre Jobs (19.09.2026, mit Stellungnahme von Schneider Electric)
  5. Canadian ManufacturingCummins breaks ground on emissions solutions plant in Germany19.04.2013
  6. ACEANew commercial vehicle registrations: vans +1.9%, trucks +9.8%, buses +22.7% in H1 2026 (abgerufen 29.10.2026)
  7. Betriebsverfassungsgesetz§ 111 Betriebsänderungen (abgerufen 29.10.2026)
  8. Betriebsverfassungsgesetz§ 112 Interessenausgleich über die Betriebsänderung, Sozialplan (abgerufen 29.10.2026)

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