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282 Megawattstunden fasst die Großbatterie, die Niedersachsens Energieminister Christian Meyer am 23. Oktober in Alfeld eingeweiht hat. Mit voller Leistung ist die Anlage nach gut zwei Stunden leer. Der Minister verspricht sinkende Strompreise, Geld verdienen soll der Speicher vor allem als Reserve, die das Stromnetz stabil hält.

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Im März 2023 schloss die Betreiberin Scale Alfeld den Netzanschlussvertrag mit Avacon Netz, dreieinhalb Jahre später hat der Speicher den Betrieb aufgenommen.[1] Die Betriebsführung hat der dänische Investmentfonds Scale Fund für acht Jahre an BayWa r.e. vergeben.[2] Bei den Netzbetreibern stapeln sich derweil die Anfragen für weitere Speicher.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Speicher in Alfeld leistet 137,5 Megawatt und fasst 282 Megawattstunden, laut Landesregierung der größte seiner Art in Deutschland.
  • Die 300.000 Haushalte, die das Ministerium nennt, versorgt die Anlage rechnerisch nur gut zwei Stunden lang.
  • Für Batteriespeicher beantragten Projektierer 2025 Netzanschlüsse über 573,5 Gigawatt, zugesagt wurden 54,2 Gigawatt.
  • Von Netzentgelten befreit sind nur Speicher, die bis zum 4. August 2029 in Betrieb gehen.

Wie soll ein Batteriespeicher die Strompreise senken?

Ein weißer Container steht auf einer Betonfläche. Darauf eine Sanduhr und ein Etikett
Stromspeicher reduziert Börsenpreise durch Aufnahme günstigen Windstroms bei Überangebot und Entladung in Spitzenlastzeiten statt teurer Kraftwerke

Laut Meyer senkt der Speicher die Strompreise, weil er günstigen Wind- und Solarstrom bei niedrigem Börsenpreis aufnimmt und bei hohem Bedarf zurück ins Netz gibt.[1] Der Effekt wirkt an beiden Enden der Preiskurve: Laden erhöht die Nachfrage in Stunden mit Überschuss, Entladen verdrängt in der Abendspitze die teuersten Kraftwerke. 2025 lag der Großhandelspreis in 573 Stunden unter null.[3]

Wie stark Speicher den Preis bewegen können, zeigt Australien: Dort zählen Heimspeicher zu den Gründen, warum der Großhandelspreis binnen zwölf Monaten um 47 % fiel.

Auf der Stromrechnung kommt davon nur ein Teil an, denn Netzentgelte, Steuern und Umlagen bleiben davon unberührt. Zudem verdient ein Speicher am Abstand zwischen billigen und teuren Stunden, und jeder neue Speicher verkleinert diesen Abstand. Laut BayWa r.e. soll die Anlage in Alfeld vor allem Primärregelleistung liefern, also Reserve, die Schwankungen der Netzfrequenz sofort ausgleicht.[2]

Die Rechnung mit Haushalten hat einen Haken. Die Leistung von 137,5 Megawatt deckt laut Ministerium rechnerisch den Bedarf von rund 300.000 Vier-Personen-Haushalten.[1] Bei 282 Megawattstunden Kapazität hält das gut zwei Stunden. Für die Abendspitze genügt das, für eine windstille Woche nicht.

Warum warten so viele Speicher auf ihren Netzanschluss?

2025 gingen bei den Netzbetreibern 18.158 Anschlussanfragen für Batteriespeicher ein, zusammen 573,5 Gigawatt. Zugesagt haben die Netzbetreiber im selben Jahr 54,2 Gigawatt, ältere Anfragen eingerechnet. Viele Projektierer fragen für ein Vorhaben an mehreren Standorten an, die Bundesnetzagentur setzt die Anfragen deshalb nicht mit geplanten Projekten gleich.[4]

Weitere Hürden nennt das Ministerium selbst: Großspeicher gelten im Außenbereich häufig nicht als privilegierte Vorhaben, Netzanschlussverfahren dauern lange und Anreize für netzdienliche Standorte fehlen.[1] Wie ein Speicher nach dem Bedarf des Netzes statt nach der Börse fährt, zeigt ein Projekt in Ansbach. Größer als Alfeld wird EnBWs Speicher in Philippsburg mit 800 Megawattstunden.

Zeitdruck erzeugt das Energiewirtschaftsgesetz: Speicher, die bis zum 4. August 2029 in Betrieb gehen, zahlen 20 Jahre lang keine Netzentgelte für den Strom, den sie zum Speichern beziehen.[5]

Ein Zwei-Stunden-Speicher kappt die Preisspitzen am Abend, die Stromrechnung sinkt erst, wenn Hunderte solcher Anlagen ans Netz dürfen.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Der Batteriespeicher in Alfeld in Zahlen
Eckdaten der Anlage, eingeweiht am 23. Oktober 2026, und der Andrang auf Netzanschlüsse für Batteriespeicher im Jahr 2025.
282 MWh
Speicherkapazität, laut Landesregierung der größte Speicher seiner Art in Deutschland
137,5 MW
Anschlussleistung, etwa so viel wie 25 Windenergieanlagen der Fünf-Megawatt-Klasse
gut 2 Std.
hält eine volle Ladung bei voller Leistung (282 MWh geteilt durch 137,5 MW)
3,5 Jahre
vom Netzanschlussvertrag im März 2023 bis zum Betrieb im Oktober 2026

Netzanschlüsse für Batteriespeicher 2025

Netzebeneangefragtzugesagt
Verteilnetz406,8 GW26,9 GW
Übertragungsnetz166,7 GW27,3 GW
zusammen573,5 GW54,2 GW

Was bedeutet der Speicherboom für Unternehmen?

Was jetzt zu tun ist, hängt von der Rolle ab:

  • Betriebe mit flexiblen Lasten wie Kühlung oder Ladepunkten prüfen einen Stromvertrag mit Börsenpreisen.
  • Mittelständler mit hohen Lastspitzen rechnen einen eigenen Gewerbespeicher durch, der den Leistungspreis drückt.
  • Kommunen und Flächeneigentümer nahe Umspannwerken klären vor Pachtangeboten von Projektentwicklern für Großspeicher zuerst das Baurecht.
  • Projektierer richten ihren Zeitplan am 4. August 2029 aus, danach entfällt die Befreiung von Netzentgelten für neue Speicher.[5]

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und KlimaschutzDeutschlands größter Batteriespeicher in Alfeld eingeweiht (Pressemitteilung)23.10.2026
  2. BayWa r.e.BayWa r.e. Secures Operations Contract for Germany’s Largest Battery Storage System (11. Mai 2026, englisch)
  3. BundesnetzagenturBundesnetzagentur veröffentlicht Daten zum Strommarkt 2025 (Pressemitteilung)05.01.2026
  4. Bundesnetzagentur, SMARDStand der Batteriespeicheranfragen 2025/202620.08.2026
  5. Energiewirtschaftsgesetz§ 118 Absatz 6 EnWG, Freistellung von Speichern von den Netzentgelten (Gesetze im Internet)

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