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Claas baut sein Werk für Antriebstechnik in Paderborn für mindestens 70 Millionen Euro aus und schafft dort mehr als 100 Stellen. Den Platz liefert ein Nachbar: Heidelberg Materials, das im März sein Paderborner Zementwerk schloss, gibt fünf Hektar ab.

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Claas nutzte das 70-jährige Jubiläum seines Werks in Paderborn am Samstagabend für eine Standortentscheidung.[1] Im Dezember 2025 hatte der Landmaschinenhersteller ein neues Werk im benachbarten Borchen abgesagt und danach auch Frankreich und Ungarn geprüft.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Claas investiert mindestens 70 Millionen Euro in das Werk der Claas Industrietechnik in Paderborn und schafft mehr als 100 Stellen.
  • Das Werksgelände wächst um fünf Hektar, die Claas von Heidelberg Materials gekauft hat.
  • Ein Neubau im benachbarten Borchen mit rund 300 Stellen scheiterte im Dezember 2025 an bürokratischen Hürden.
  • Frankreich und Ungarn hatte Claas als Alternativen geprüft.

Was baut Claas in Paderborn aus?

Kettenschlepper mit Flatrate-Schild auf Rasenstück neben Silo mit Verkauft-Schild auf Weiß
Claas Industrietechnik fertigt in Paderborn mit 700 Mitarbeitern stufenlose Getriebe für Traktoren und Raupenlaufwerke. Das Unternehmen plant Ausbau und Arbeitsplatzsicherung

Die Claas Industrietechnik liefert im Konzern die Antriebstechnik und Hydraulik. Rund 700 Beschäftigte fertigen in Paderborn unter anderem stufenlose Getriebe für Traktoren und Raupenlaufwerke, die Nachfrage nach beiden Produkten treibt den Ausbau.[2] Die bestehenden Arbeitsplätze will Claas langfristig sichern.[3]

Konzernchef Jan-Hendrik Mohr nennt die Summe die größte Einzelinvestition der Gruppe in den kommenden Jahren, berichtet die Neue Westfälische. Unter dem Projektnamen „Citplus“ soll der Ausbau in drei Jahren stehen.[3] In der neuen Fertigung will Claas künstliche Intelligenz einsetzen, Einzelheiten nennt der Konzern noch nicht.[1]

2025 setzte Claas 4,92 Milliarden Euro um und verdiente 230,3 Millionen Euro.[5] Das Paderborner Projekt entspricht damit rund 30 Prozent eines Jahresgewinns.

Warum Paderborn und nicht Borchen, Frankreich oder Ungarn?

Im Gewerbegebiet zwischen Paderborn und Borchen sollte ein neues Werk mit rund 300 Stellen entstehen. Claas begründete den Stopp im Dezember 2025 mit fehlender Fläche und mit bürokratischen Hürden, die den Bau erheblich verzögert hätten.[2]

Ein Werk auf der grünen Wiese braucht Bebauungsplan, Erschließung und Baugenehmigung, bevor die erste Maschine läuft. Direkt neben dem eigenen Werk sind Zufahrt und Versorgung schon vorhanden, die Fachkräfte ebenso. Diesen Zeitvorteil sichert sich Claas mit den fünf Hektar des Nachbarn, das Werksgelände wächst von zehn auf 15 Hektar.[3]

Frei wurde die Fläche, weil Heidelberg Materials sein Zementwerk in Paderborn im März 2026 stilllegte. Der Baustoffkonzern begründete den Schritt mit sinkendem Zementabsatz bei schwacher Baunachfrage, 53 Beschäftigte waren betroffen.[4]

Steinbruch und Betonwerk laufen weiter.[4] Schon im Juli strich Heidelberg Materials das obere Ende seiner Jahresprognose.

Fünf Hektar am eigenen Werkszaun schlagen jedes Gewerbegebiet, das erst noch genehmigt werden muss.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Claas wächst in Paderborn auf das Nachbargrundstück
Ausbau der Claas Industrietechnik, angekündigt am 10. Oktober 2026
70 Mio. €
investiert Claas mindestens, die größte Einzelinvestition der Gruppe in den kommenden Jahren
über 100
neue Stellen kommen zu den rund 700 Arbeitsplätzen im Werk hinzu
10 → 15 ha
wächst das Werksgelände durch das Grundstück von Heidelberg Materials
rund 30 %
des Claas-Jahresüberschusses 2025 von 230,3 Millionen Euro entspricht die Summe
Vom geplatzten Neubau zum Ausbau im Bestand
Dezember 2025
Claas stoppt das neue Werk in Borchen mit rund 300 geplanten Stellen
6. März 2026
Heidelberg Materials kündigt die Schließung des Zementwerks Paderborn an
10. Oktober 2026
Claas verkündet den Ausbau in Paderborn zum 70-jährigen Werksjubiläum
nächste drei Jahre
Projekt Citplus soll das Werk erweitern und KI in die Fertigung bringen

Was zeigt die Entscheidung für Industrieunternehmen in Deutschland?

Haribo gab im September das Maoam-Werk in Neuss auf, nach fast zehn Jahren Planung und mit einem Budget von rund 300 Millionen Euro. Der Süßwarenhersteller modernisiert stattdessen das alte Werk. Auch Mars steckt 85 Millionen Euro in Viersen und Verden, ohne neu zu bauen. Der Bestand gewinnt gegen die grüne Wiese, weil sich Bauzeit und Genehmigung dort besser planen lassen.

Die Alternativen im Ausland haben Gewicht: Mercedes fertigt im ungarischen Kecskemét rund 70 Prozent günstiger als in Deutschland. Claas begründet die Entscheidung für Paderborn mit der Technikkompetenz der Belegschaft.[1]

Für Ihre eigenen Ausbaupläne lohnt deshalb der Blick über den Werkszaun. Schließt ein Nachbar oder steht eine Halle leer, führt der Kauf oft schneller zum Ziel als ein neues Gewerbegebiet. Die Dauer von Bebauungsplan und Genehmigung gehört von Anfang an in die Standortrechnung, denn zu viel Bürokratie kostet Wachstum.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Radio HochstiftClaas investiert über 70 Millionen Euro in Erweiterung des Standorts Paderborn11.10.2026
  2. agrartechnikonlineKein neues Claas-Werk bei Paderborn09.12.2025
  3. Neue WestfälischeClaas-Boss bestätigt: Mähdrescherkonzern investiert 70 Millionen ins Paderborner Werk10.10.2026
  4. Heidelberg MaterialsHeidelberg Materials schließt Zementwerk Paderborn06.03.2026
  5. ClaasGeschäftsbericht 2025

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