Chinas Lizenzpflicht für Wolfram trifft laut Nikkei Asia die Mikrobohrer, mit denen Hersteller Leiterplatten und Chipsubstrate bohren. Die Bohrer werden knapp und teuer, während die Platinen für KI-Server immer mehr von ihnen verbrauchen.
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Nikkei Asia hat am 5. November unter Berufung auf ungenannte Quellen berichtet, dass Chinas Exportkontrollen für kritische Metalle die Versorgung mit Mikrobohrern aus Wolframkarbid stören.[1] Der Preis der Bohrer sei stark gestiegen. Stand Donnerstag, 8 Uhr: Stellungnahmen der Bohrerhersteller und des chinesischen Handelsministeriums liegen nicht vor.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut Nikkei Asia stören Chinas Exportkontrollen die Lieferung von Mikrobohrern für Leiterplatten.
- Seit Februar 2025 brauchen Ausfuhren von Wolframkarbid eine Lizenz aus Peking.
- Das Vorprodukt Ammoniumparawolframat kostete im Oktober in Rotterdam das 3,7-Fache des Preises in China.
- Leiterplattenfertiger sollten Bohrerverbrauch und Lieferverträge jetzt prüfen.
Warum trifft die Exportkontrolle ausgerechnet die Bohrer?

Mikrobohrer bestehen größtenteils aus Wolframkarbid, einem der härtesten Werkstoffe der Industrie. Seit dem 4. Februar 2025 brauchen Ausfuhren von Ammoniumparawolframat, Wolframoxiden und Wolframkarbid aus China eine Lizenz des Handelsministeriums.[2] Die Liste erfasst Vorprodukte, keine fertigen Werkzeuge. Nachdem Peking die Exportkontrollen Anfang 2026 verschärft hatte, halbierten sich Japans Wolframimporte aus China im April gegenüber dem Monatsschnitt 2025.[3]
Der Engpass trifft auf steigenden Verbrauch. Leiterplatten für KI-Server der Klasse Nvidia GB200 haben 24 bis 40 Lagen statt 12 bis 16, und Basismaterialien für schnelle Signale wie die Klasse M9 sind hart und spröde. Ein Bohrer schafft darin laut dem Finanzdienst Cailian Press nur 200 bis 300 Bohrungen statt rund 1.000. Standardbohrer kosteten in China im Mai etwa 1,20 Yuan (16 Cent) statt 0,95 Yuan im Vorjahr, einige hochwertige Modelle legten um mehr als 35 Prozent zu.[4]
Warum zahlt Europa mehr?
Die Lizenzpflicht hat den Markt gespalten. Laut einer Auswertung des Branchendienstes MetalMiner kostete Ammoniumparawolframat, das Vorprodukt für Wolframkarbid, im Oktober in Rotterdam 278 Dollar (242 Euro) je Kilogramm, ab Werk in China 74 Dollar (65 Euro).[5] Zwischen März und September fiel der chinesische Preis um 58 Prozent, der in Rotterdam stieg um 39 Prozent.
Den Aufschlag spüren vor allem Hersteller außerhalb Chinas, etwa in Taiwan und Japan, wo Topoint und Union Tool Bohrer für Leiterplatten fertigen. Topoint hatte schon im Februar eine weitere Preiserhöhung angekündigt und sie mit teurerem Wolframkarbid begründet.[6] Chinesische Konkurrenten wie Dingtai High-Tech können Wolfram im Inland kaufen. Hochwertige Hartmetallstäbe beziehen allerdings auch sie überwiegend aus Japan. Diese kosten laut Cailian Press etwa doppelt so viel wie im Vorjahr.[4]
Das Muster kennt die Industrie von Seltenen Erden und Gallium: Unter Lizenzpflicht steht der Rohstoff, nicht das Endprodukt. Verarbeiter im Inland kaufen billiger ein. Die Stellung Chinas beim Wolfram beschreibt unser Beitrag über den härtesten Rohstoff in Chinas Hand.
Peking verbietet keinen einzigen Bohrer. Die Lizenzpflicht für das Pulver genügt, damit Europa das 3,7-Fache zahlt.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Fertiger im DACH-Raum?
Die EU führt Wolfram in ihrer Verordnung zu kritischen Rohstoffen (Critical Raw Materials Act) als strategischen Rohstoff. Bis 2030 soll die EU bei jedem dieser Stoffe höchstens 65 Prozent ihres Bedarfs aus einem einzigen Drittland beziehen.[7] Kurzfristig ändert das an den Bohrerpreisen nichts.
Für Leiterplattenfertiger, die nach dem Aus des Unimicron-Werks in Geldern ohnehin unter Druck stehen, lohnen zwei Schritte:
- Den Bohrerverbrauch je Auftrag neu kalkulieren, vor allem bei hochlagigen Platinen für Server, und Preisgleitklauseln in Angeboten prüfen.
- Verschlissene Bohrer an den Lieferanten zurückgeben statt entsorgen. Japanische Werkzeughersteller kaufen Wolframschrott inzwischen in den USA und Singapur.[3]
Offen ist, welche Hersteller betroffen sind und wie lange der Engpass dauert. Die Einzelheiten des Nikkei-Berichts stehen hinter einer Bezahlschranke.
Quellen
7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Nikkei AsiaChina’s curbs on tungsten used in drill bits squeeze AI supply chain (05.11.2026, englisch, hinter Bezahlschranke)
- Handelsministerium und Zollverwaltung der Volksrepublik ChinaBekanntmachung Nr. 10/2025 zu Exportkontrollen für Wolfram, Tellur, Bismut, Molybdän und Indium (04.02.2025, chinesisch, Wortlaut bei Xinhua)
- Nikkei AsiaChina tungsten exports to Japan halve amid tightened controls (29.05.2026, englisch, hinter Bezahlschranke)
- Cailian PressBericht über Preise und Knappheit von Leiterplattenbohrern (17.05.2026, chinesisch)
- Canadian Mining JournalWestern tungsten prices nearly quadruple China’s: report, Bericht über das Tungsten Resilience White Paper von MetalMiner (04.11.2026, englisch)
- DigitimesTopoint plans second price hike in 1Q26 as tungsten price rises (11.02.2026, englisch, hinter Bezahlschranke)
- Amtsblatt der Europäischen UnionVerordnung (EU) 2024/1252 (Critical Raw Materials Act), Artikel 5 und Anhang I
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