Die EU-Kommission stufte am 9. Oktober 46 weitere Rohstoffprojekte als strategisch ein, acht davon in Deutschland und damit mehr als in jedem anderen Mitgliedstaat. Fünf der deutschen Vorhaben sollen Lithium, Nickel, Kobalt und Mangan für Batterien liefern. Geld aus Brüssel ist mit dem Status allerdings nicht verbunden.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBei kritischen Rohstoffen kam Deutschland 2025 auf der ersten Liste nur auf drei Projekte, darunter das Lithiumvorhaben von Vulcan Energy am Oberrhein. Die neue Liste umfasst 46 Projekte in 16 Mitgliedstaaten, ausgewählt aus 102 Bewerbungen.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Deutschland stellt acht der 46 neuen strategischen Projekte, Frankreich und Finnland folgen mit je fünf.
- 19 Projekte gelten dem Recycling, acht der Förderung und elf der Verarbeitung.
- Die 46 Vorhaben brauchen laut Kommission rund 21,1 Milliarden Euro Investitionen.
- Der Status verspricht kürzere Genehmigungen, aber kein Fördergeld.
Welche deutschen Projekte sind dabei?

Die Liste im Anhang des Kommissionsbeschlusses nennt für Deutschland fünf Vorhaben entlang der Batteriekette:[2]
- Neptune Energy will in der Altmark Lithium aus dem Thermalwasser alter Gasbohrungen fördern und weiterverarbeiten.
- Zinnwald Lithium will im Erzgebirge Lithium abbauen und selbst verarbeiten.
- AMG Lithium will seine Raffinerie in Bitterfeld zu einem Zentrum für Lithium aus Erz und Altbatterien ausbauen, bis hin zu Bauteilen für Festkörperakkus.
- Cylib aus Aachen gewinnt Lithium, Graphit, Nickel, Kobalt und Mangan aus alten Akkus zurück.
- Pure Battery Technologies plant ein Werk für Kathodenvorprodukte aus Nickel, Kobalt und Mangan.
Dazu kommen das Kupferrecycling von Aurubis in Lünen, die Rückgewinnung von Seltenen Erden aus Magneten durch HyProMag und eine Titanlegierung der Isabellenhütte Heusler. Gerade bei Magneten ist der Druck hoch: Bei schweren Seltenen Erden hat sich die Preislücke zwischen Europa und China seit Juni mehr als verdoppelt.
Was bringt der Status, und was nicht?
Strategische Projekte bekommen ein schnelleres Verfahren: Die Genehmigung eines Bergbauprojekts soll höchstens 27 Monate dauern, für Verarbeitung und Recycling 15 Monate.[3] Einen Anspruch auf EU-Geld begründet der Status ausdrücklich nicht. Die Kommission vermittelt lediglich Kontakte zu Förderprogrammen und Banken.
Die Investitionen von 21,1 Milliarden Euro sollen aus öffentlichen und privaten Quellen kommen. Für die 47 Projekte der ersten Runde kamen seit Dezember 2025 über Innovationsfonds, Beihilfen und Europäische Investitionsbank mehr als 2 Milliarden Euro zusammen. Von diesen Projekten haben 17 bisher eine Baugenehmigung.[1]
Der Europäische Rechnungshof hatte der EU-Rohstoffstrategie eine schwache Grundlage bescheinigt und im Sonderbericht 04/2026 bezweifelt, dass strategische Projekte bis 2030 viel zur Versorgung beitragen. Nach dem Rohstoffgesetz soll die EU bis dahin 10 Prozent ihres Bedarfs an strategischen Rohstoffen selbst fördern, 40 Prozent verarbeiten und 25 Prozent recyceln. Zusammen mit den früheren Listen könnten die Projekte laut Kommission die Förderziele bei Lithium und Nickel voll erreichen.[1]
Ein Stempel aus Brüssel verkürzt Genehmigungen, doch Lithium fließt erst, wenn jemand die 21 Milliarden Euro aufbringt.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet das für Autobauer und Zellwerke?
Recycling stellt mit 19 Projekten die größte Gruppe. Den Takt gibt die Batterieverordnung vor: Bis Ende 2027 müssen Recycler 50 Prozent des Lithiums aus Altbatterien zurückgewinnen, bis Ende 2031 dann 80 Prozent.[4] Bei Graphit bleibt Europa dagegen stark von Lieferungen aus China abhängig. Nur vier der neuen Projekte betreffen Graphit.
Bei den Zellen sieht es kaum besser aus: Eine Studie im Auftrag des Verbands ACEA rechnet vor, dass Europas Werke zu wenige Zellen für eine Made-in-EU-Regel bauen. Auch BMW bezieht für das neue Werk in Irlbach-Straßkirchen die Zellen von CATL und EVE Energy.
Unternehmen mit Batterie- oder Magnetbedarf sollten die Projektliste nach möglichen Lieferanten durchsehen und frühe Abnahmeverträge prüfen; der Rohstoffmechanismus der EU hat für zehn Rohstoffe bereits mehr als 30 Kontakte zwischen Käufern und Anbietern vermittelt. Für eigene Recycling- oder Verarbeitungsvorhaben steht die nächste Ausschreibung offen, die die Kommission gegen Ende 2026 starten will.[1]
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Europäische KommissionCommission selects 46 new Strategic Projects to bolster the EU’s supply of critical raw materials
- Europäische KommissionAnnex to the Commission Decision C(2026) 8051, List of Strategic Projects
- Europäische KommissionQuestions and answers on the new Strategic Projects under the Critical Raw Materials Act
- Amtsblatt der Europäischen UnionVerordnung (EU) 2023/1542 über Batterien und Altbatterien, Anhang XII
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