Unter der Altmark lagern 43 Millionen Tonnen Lithium, gefördert wird davon bis heute kein Gramm. Für die Gewinnung holt Neptune Energy jetzt Evonik an Bord: Der Spezialchemiekonzern liefert ein Sorbens, das Lithium direkt aus dem Thermalwasser alter Gasbohrungen bindet. So rückt eine heimische Rohstoffquelle näher, während Europa sein Lithium bisher fast vollständig einführt.

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Lithium aus der Altmark war lange eine geologische Fußnote: viel Thermalwasser, kaum Technik, um den Rohstoff herauszuholen. Seit Mitte August 2026 unterstützt der Essener Spezialchemiekonzern Evonik das Altmark-Projekt von Neptune Energy mit seinem Sorbens LiOCEL. Für deutsche Batteriehersteller entscheidet dieser Schritt mit, ob die Lieferkette künftig weniger von Chile und China abhängt.

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Altmark gelten rund 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent als nachgewiesen, eines der größten Vorkommen weltweit.
  • Evonik liefert mit LiOCEL ein Sorbens, das Lithium direkt aus salzhaltigem Thermalwasser bindet, ohne Verdunstungsbecken.
  • Neptune Energy peilt bis zu 25.000 Tonnen Lithiumkarbonat pro Jahr an, genug für rund 500.000 E-Auto-Batterien.
  • Der Critical Raw Materials Act der EU verlangt bis 2030 mindestens 10 Prozent heimische Gewinnung strategischer Rohstoffe.

Wie holt Evonik das Lithium aus dem Wasser?

Reagenzglas mit Wasser, darin eine Batterie mit Windrad-Logo. Etikett: Altmark 2026
Evonik nutzt LiOCEL-Sorbens in Neptunes Pilotanlage zur direkten Lithiumgewinnung aus Sole durch selektive Ionenabsorption ohne aggressive Chemikalien

Über ein selektives Sorbens. LiOCEL heißt die Produktlinie, mit der Evonik in Neptunes Pilotanlage einsteigt.[1] Das Material zieht Lithium-Ionen gezielt aus der salzreichen Sole und gibt sie über eine wasserbasierte Elution wieder ab, ohne aggressive Chemie.

Direct Lithium Extraction heißt das Verfahren dahinter. Statt die Sole monatelang in Verdunstungsbecken zu trocknen, wie in den Salaren Chiles, bindet das Sorbens den Rohstoff in Wochen, das entnommene Wasser fließt zurück in die Tiefe. Der Flächen- und Wasserverbrauch sinkt deutlich, und die Anlage arbeitet wetterunabhängig.

Was liegt unter der Altmark?

Eines der größten Vorkommen weltweit. Im früheren Erdgasfeld der Altmark gelten rund 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent als nachgewiesen.[2] Das Lithium steckt gelöst im Thermalwasser, das Neptune bereits über bestehende Bohrungen an die Oberfläche pumpt.

Vier Anläufe hat Neptune bisher genommen. Nach einem Ionenaustausch-Verfahren von Geolith, einer Containeranlage von Lilac Solutions und einem Aluminiumhydroxid-Sorbens folgt nun Evoniks LiOCEL. Jeder Test prüft, welche Technik am günstigsten und saubersten arbeitet, bevor Neptune bis zu 25.000 Tonnen Lithiumkarbonat pro Jahr fördern will, genug für rund 500.000 E-Auto-Batterien.

Ein altes Gasfeld, das Batterierohstoff liefert, sagt mehr über Europas Rohstoffwende als jede Subventionszusage. Über heimisches Lithium entscheidet die Fördertechnik, und die liefert bei Neptune jetzt Evonik.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet heimisches Lithium für Europa?

Weniger Abhängigkeit von China und Chile. Europa gewinnt bisher kaum eigenes Lithium und bezieht den Rohstoff überwiegend als Konzentrat aus Australien und Südamerika, raffiniert wird der Löwenanteil in China, von wo auch der Naturgraphit für die Anoden stammt. Kupfer, Kobalt und Lithium zählen längst zu den Flaschenhälsen der Energiewende, während Europas eigene Zellwerke auf Zulieferung warten.

Der Critical Raw Materials Act macht daraus mehr als ein Standortthema. Die EU-Verordnung führt Lithium als strategischen Rohstoff und verlangt bis 2030, dass mindestens 10 Prozent des Jahresbedarfs in der Union gefördert und höchstens 65 Prozent aus einem einzigen Drittland bezogen werden.[3] Projekte wie die Altmark, das Recycling alter Akkus in Japan oder die Geothermie-Vorhaben im Oberrheingraben zahlen genau darauf ein.

Lithium aus der Altmark in Zahlen
Ein altes Erdgasfeld in Sachsen-Anhalt soll Batterierohstoff liefern.
43 Mio. t
nachgewiesenes Lithiumkarbonat-Äquivalent unter der Altmark
25.000 t
angepeilte Jahresförderung an Lithiumkarbonat
500.000
E-Auto-Batterien pro Jahr, die daraus entstehen könnten

Vier Wege aus dem Thermalwasser

1
Geolith
Ionenaustausch, erster Pilot ab November 2024
2
Lilac Solutions
Mobile Containeranlage, Sommer 2025
3
Aluminiumhydroxid
Adsorptions-Sorbens, Herbst 2025
4
Evonik LiOCEL
Lithiumselektives Sorbens, Sommer 2026

EU-Vorgabe bis 2030: Der Critical Raw Materials Act verlangt mindestens 10 Prozent heimische Gewinnung strategischer Rohstoffe und höchstens 65 Prozent Bezug aus einem einzigen Drittland.

Noch ist nichts gefördert. Die Pilotphase läuft bis Mitte 2026, danach soll eine Demonstrationsanlage folgen; kommerzielles Lithium aus der Altmark liegt Jahre entfernt. Batterie-, Speicher- und Flottenplaner sollten die Region trotzdem im Blick behalten, denn ein europäischer Förderort verändert Preise und Lieferrisiken spürbar, sobald die erste Tonne fließt.

FAQ: Lithium aus der Altmark

Wo liegt das größte Lithiumvorkommen Deutschlands?

Das größte nachgewiesene Lithiumvorkommen Deutschlands liegt in der Altmark in Sachsen-Anhalt. Im Thermalwasser eines früheren Erdgasfeldes gelten rund 43 Millionen Tonnen Lithiumkarbonat-Äquivalent als nachgewiesen, eines der größten projektbezogenen Vorkommen weltweit.

Was ist Direct Lithium Extraction?

Direct Lithium Extraction (DLE) gewinnt Lithium direkt aus salzhaltigem Wasser, ohne die Sole monatelang in Verdunstungsbecken zu trocknen. Ein selektives Sorbens oder eine Membran bindet das Lithium, das entnommene Wasser fließt zurück. Das Verfahren braucht weniger Fläche und arbeitet wetterunabhängig.

Was leistet das Evonik-Sorbens LiOCEL?

LiOCEL ist eine Produktlinie lithiumselektiver Sorbentien von Evonik für die Direct Lithium Extraction. Das Material bindet Lithium-Ionen gezielt aus salzreicher Sole und gibt sie über eine wasserbasierte Elution ohne aggressive Chemie wieder ab. So lässt sich Lithium auch aus stark salzhaltigem Thermalwasser gewinnen.

Wann beginnt die kommerzielle Lithiumförderung in der Altmark?

Ein genauer Termin steht nicht fest. Die Pilotphase mit mehreren Verfahren läuft bis Mitte 2026, danach ist eine Demonstrationsanlage geplant. Bis Neptune Energy die angepeilten 25.000 Tonnen Lithiumkarbonat pro Jahr fördert, vergehen voraussichtlich noch Jahre.

Warum ist heimisches Lithium für die EU wichtig?

Europa gewinnt bislang kaum eigenes Lithium und ist bei der Raffination stark von China abhängig. Der Critical Raw Materials Act führt Lithium als strategischen Rohstoff und verlangt bis 2030 mindestens 10 Prozent heimische Gewinnung sowie höchstens 65 Prozent Bezug aus einem einzigen Drittland.

Quellen

[1] Evonik: „LiOCEL: lithiumselektive Sorbentien für Direct Lithium Extraction“

[2] Neptune Energy: „Lithiumgewinnung Altmark“

[3] Europäische Union: Verordnung (EU) 2024/1252 (Critical Raw Materials Act)

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