Chinas größte Internetkonzerne decken sich bei Nvidia mit einer Grafikkarte für Workstations ein. ByteDance, Alibaba und Tencent haben laut Reuters mehr als drei Millionen Stück der RTX Pro 5500 bestellt, zusammen über 35 Milliarden Dollar oder umgerechnet zum Kurs von 0,87 rund 30,4 Milliarden Euro. Nvidia kann davon nur einen kleinen Teil liefern.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Veraltete US-Exportkontrollen“ bremsten US-Firmen in China, sagte ein Nvidia-Sprecher gegenüber Reuters. Die Regeln erfassten sogar Gaming-Grafikkarten, die fast fünf Jahre alt seien. Wie groß die Nachfrage trotz dieser Grenzen ist, zeigen die neuen Bestellungen: Laut zwei mit den Vorgängen vertrauten Personen zahlen die drei Konzerne rund 11.400 Dollar je Karte, etwa 9.900 Euro.
Das Wichtigste in Kürze
- ByteDance, Alibaba und Tencent ordern laut Reuters über drei Millionen RTX Pro 5500 für mehr als 30 Milliarden Euro.
- Nvidia sagt keine vollständige Lieferung zu, Partner sollen nach einer Quelle nur 5 bis 10 Prozent der Menge erhalten.
- Erste Muster soll es im Dezember geben, die regulären Lieferungen ab dem ersten Quartal 2027.
- Dank GDDR7-Speicher bleibt die Karte unter der US-Schwelle für Exportprüfungen.
Warum reicht Nvidias Fertigung nicht?

Kunden in China haben nach Angaben von zwei Personen insgesamt mehr als sechs Millionen Karten bestellt. Eine weitere Quelle schätzt, dass Nvidia 2027 weltweit höchstens drei Millionen Stück fertigen kann. Zwei der Personen erwarten zudem, dass Nvidia ab 2027 einen Großteil seiner Kapazität beim Auftragsfertiger TSMC für die Rechenzentrumsplattform Rubin reserviert.
Die RTX Pro 5500 basiert auf der Blackwell-Architektur, hat 84 GB GDDR7-Speicher mit Fehlerkorrektur, eine Bandbreite von 1.398 GB/s und zieht bis zu 600 Watt.[1] Ein Sprachmodell mit 70 Milliarden Parametern passt in 8-Bit-Quantisierung knapp auf eine einzige Karte. Die Konzerne wollen sie laut Reuters vor allem für die Inferenz einsetzen, also für das Beantworten von Chatbot-Anfragen. Nvidia führt die Karte auf der Produktseite noch als „Coming Soon“, ohne Preis.[1]
Warum kauft China ausgerechnet diese Karte?
Die stärkeren Chips bleiben gesperrt oder stecken in der Prüfung. Den Blackwell-Chip B300 darf Nvidia nicht nach China liefern. Für Chips unter 21.000 Punkten auf der US-Leistungsskala TPP und einer Speicherbandbreite von 6.500 GB/s sieht die US-Exportbehörde BIS seit dem 15. Januar 2026 eine Einzelfallprüfung vor.[2] Unter diese Regel fällt der H200, den Peking im August mit Auflagen zuließ. Die RTX Pro 5500 erreicht nicht einmal ein Viertel dieser Bandbreite.
Die Konzerne hofften lange auf bessere Chips und ließen deshalb im vergangenen Jahr die ähnlich abgespeckte RTX 6000D liegen. Diese Hoffnung ist laut den Quellen verflogen. Nvidia baut die RTX 6000D nicht mehr, ihr Preis in China hat sich laut einer Person verdoppelt. Ende September hatte Chinas Industrieministerium eine Kauferlaubnis für die RTX Pro 5500 in Aussicht gestellt. Bei den Rechenzentrumschips plant Nvidia ohnehin ohne Umsatz aus China. Die Exportgrenzen treiben chinesische Firmen zu heimischen Anbietern, Huawei gewinnt laut Reuters Marktanteile. Alibaba entwickelt mit dem Zhenwu V900 einen eigenen Chip.
Die Exportbeschränkungen sollten Chinas KI-Ausbau bremsen, jetzt bestimmen sie, welche Nvidia-Karte dort ausverkauft ist.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Käufer in Europa?
Die RTX Pro 5500 kommt aus derselben Fertigung, egal wohin Nvidia sie liefert. Bestellen Kunden in China allein doppelt so viele Karten, wie Nvidia nach Darstellung der Quelle 2027 bauen kann, entscheidet Nvidia über die Zuteilung. Für Unternehmen, die KI-Modelle auf eigener Hardware betreiben, hat das zwei Folgen:
- Projekte mit der RTX Pro 5500 im ersten Halbjahr 2027 brauchen feste Liefertermine im Vertrag, nicht nur eine Bestellbestätigung.
- Für die Kalkulation zählt die Lage bei Servern insgesamt: KI-Server werden wegen knappen Speichers ohnehin teurer.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- NvidiaNVIDIA RTX PRO 5500 Blackwell Workstation Edition, Produktseite mit Spezifikationen (abgerufen am 20. Oktober 2026)
- Federal RegisterRevision to License Review Policy for Advanced Computing Commodities, Bureau of Industry and Security
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