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Oracle hat laut Financial Times den Mietvertrag aufgelöst, der Tencent fünf Jahre lang rund 100.000 KI-Chips in Südostasien sichern sollte. Der Vertrag war rund 7 Milliarden Dollar wert, umgerechnet 6,1 Milliarden Euro. Anlass waren laut FT Bedenken der US-Regierung, obwohl die Miete solcher Chips bis heute erlaubt ist.

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Inhalt 4 Abschnitte
  1. Warum durfte Tencent die Chips überhaupt mieten?
  2. Wie wirkt der Druck ohne Gesetz?
  3. Was folgt daraus für Unternehmen in Europa?
  4. Mehr Newshunger?

Die Financial Times hat am Mittwoch unter Berufung auf zwei mit der Sache vertraute Personen berichtet, Vertreter der US-Regierung hätten Oracle ihre Bedenken gegen den Vertrag vorgetragen, danach habe Oracle ihn aufgelöst.[1] Auch Peking hatte die Vereinbarung laut FT geprüft und Tencent aufgefordert, chinesische Chips zu nutzen. Reuters konnte den Bericht zunächst nicht bestätigen, Stellungnahmen von Oracle und Tencent lagen nicht vor (Stand: Mittwoch, 4. November 2026, 7 Uhr; Kurs 0,87 Euro je Dollar).

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Oracle hat laut FT einen Fünfjahresvertrag mit Tencent über rund 100.000 KI-Chips im Wert von 6,1 Milliarden Euro aufgelöst.
  • Den Ausschlag gaben laut FT Bedenken von Vertretern der US-Regierung, zugleich drängte Peking Tencent zu chinesischen Chips.
  • Die US-Exportkontrollen erlauben die Miete von Rechenzeit im Ausland weiterhin, ein Gesetz dagegen liegt im Senat.
  • ByteDance und Alibaba mieten laut FT weiter in großem Umfang Rechenleistung bei US-Anbietern.

Warum durfte Tencent die Chips überhaupt mieten?

Serverschrank mit orangefarbenem Band und Etikett „Nicht mehr zu vermieten“
US-Exportkontrollen verbieten Nvidias KI-Chips nach China, doch Tencent mietet Rechenzeit auf diesen Chips in südostasiatischen Rechenzentren

Die US-Exportkontrollen regeln, wohin ein Chip geliefert wird, nicht aber, wer ihn aus der Ferne nutzt. Tencent darf Nvidias leistungsstärkste KI-Chips nicht nach China einführen, Rechenzeit auf denselben Chips in einem Rechenzentrum in Südostasien aber mieten. Dieses Schlupfloch im Exportrecht machte den Vertrag möglich, über den Dr. Web Anfang Oktober berichtet hatte. Laut dem damaligen FT-Bericht sollte Tencent rund 30 Prozent der Summe vorab zahlen, etwa 1,8 Milliarden Euro (eigene Rechnung). Was aus dieser Vorauszahlung wird, ist offen.

Das US-Repräsentantenhaus hat im Januar 2026 den Remote Access Security Act mit 369 zu 22 Stimmen beschlossen.[2] Der Entwurf würde den Fernzugriff auf exportbeschränkte Chips über die Cloud wie eine Ausfuhr behandeln. Der Senat hat den Entwurf bisher nicht verabschiedet.

Wie wirkt der Druck ohne Gesetz?

Der Druck setzt bei den Anbietern an. Bei Oracle trugen laut FT Vertreter der US-Regierung ihre Bedenken direkt vor. Nvidia hat laut FT am Dienstag seine Cloud-Kunden aufgefordert, mindestens 51 Prozent ihrer Kapazität an Unternehmen außerhalb Chinas zu verkaufen. Damit begrenzt der Chiphersteller selbst, wie viel Rechenzeit auf seinen Chips an chinesische Konzerne geht.

Peking zieht aus eigenen Gründen in dieselbe Richtung. Die chinesische Regierung will die Nachfrage nach Rechenleistung zu chinesischen Herstellern lenken. Davon profitieren Chipentwickler wie Biren, deren Umsatz wächst, weil Nvidia in China fehlt.

Der Senat hat das Schlupfloch nicht geschlossen, für Tencent ist es trotzdem zu. Geschlossen hat es der Vermieter.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Tencents Chip-Miete bei Oracle
Der aufgelöste Vertrag laut Financial Times
6,1 Mrd. €
Wert des Mietvertrags über fünf Jahre
100.000
KI-Chips in Oracles Rechenzentren in Südostasien
30 %
der Summe sollte Tencent laut FT vorab zahlen
51 %
Mindestanteil, den Nvidias Cloud-Kunden laut FT außerhalb Chinas verkaufen sollen
Der Weg bis zur Kündigung
Januar 2026
US-Repräsentantenhaus beschließt den Remote Access Security Act, 369 zu 22 Stimmen
Ende September 2026
FT macht den Mietvertrag zwischen Tencent und Oracle öffentlich
3. November 2026
Nvidia verlangt laut FT von Cloud-Kunden mehr Kapazität für Nutzer außerhalb Chinas
4. November 2026
Oracle löst den Vertrag laut FT nach Bedenken der US-Regierung auf

Was folgt daraus für Unternehmen in Europa?

ByteDance und Alibaba mieten laut FT weiter in großem Umfang Rechenzeit bei US-Anbietern. Oracle ist in Asien ein wichtiger Lieferant von ByteDance und betreibt mehrere Rechenzentren in Malaysia.[1] Ob Oracle auch diese Verträge prüft, berichtet die FT nicht. Malaysia ist für die US-Justiz kein neues Thema: Anfang Oktober nahmen Bundesermittler einen Firmeninhaber aus Kalifornien fest, der laut Anklage Nvidia-Server über Malaysia und Singapur nach China geschleust haben soll.

Für europäische Unternehmen zeigt der Fall, dass ein legaler Mietvertrag über Rechenzeit nicht vor politischem Druck auf den Anbieter schützt. Firmen mit chinesischen Anteilseignern oder Kunden sollten bei KI-Rechenzeit von US-Anbietern in Asien die Kündigungsrechte im Vertrag prüfen. Ein zweiter Anbieter für Training und Betrieb der eigenen Modelle gehört in jede Planung, die auf solchen Verträgen aufbaut.

Quellen

2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Financial TimesOracle cancels $7bn Tencent AI deal under Trump pressure (4. November 2026, hinter Bezahlschranke)
  2. Congress.govH.R.2683 Remote Access Security Act

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