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Die Reinz-Dichtungs-GmbH in Neu-Ulm baut zum zweiten Mal in kurzer Zeit Personal ab. Die Tochter des US-Konzerns Dana verkauft weniger Dichtungen für Verbrennungsmotoren, und das Geschäft mit der Brennstoffzelle wächst langsamer als geplant. Laut Augsburger Allgemeiner geht es um 100 bis 120 der rund 1.100 Stellen am Standort.

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Inhalt 4 Abschnitte
  1. Warum baut Reinz erneut Stellen ab?
  2. Was brachte das erste Sparprogramm?
  3. Was heißt das für den Standort Neu-Ulm?
  4. Mehr Newshunger?

Die Reinz-Dichtungs-GmbH hat am 29. Oktober ihre Belegschaft in Neu-Ulm über einen Stellenabbau informiert und Gespräche mit dem Betriebsrat aufgenommen. Das geht aus einer Mitteilung des Unternehmens hervor, über die die Augsburger Allgemeine berichtet.[1] Eine Zahl nennt Reinz nicht. Nach Informationen der Zeitung sollen 100 bis 120 Stellen wegfallen, betroffen sind alle Funktionsbereiche.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Laut Augsburger Allgemeiner fallen 100 bis 120 der zuletzt rund 1.100 Stellen in Neu-Ulm weg.
  • Reinz nennt sinkende Stückzahlen bei Verbrennungsmotoren und einen langsamer wachsenden Wasserstoffmarkt.
  • Betriebsbedingte Kündigungen will das Unternehmen nach Möglichkeit vermeiden, ausschließen kann es sie nicht.

Warum baut Reinz erneut Stellen ab?

Zylinderkopfdichtung, kleine Gasflasche, Anhänger mit „Kommt später“
Reinz beliefert Autohersteller mit Erstausrüstung, abhängig vom Verbrennungsmotor. Bei Elektroantrieben ist das Angebot begrenzt

Mit dem Geschäftsbereich Erstausrüstung beliefert Reinz Auto- und Motorenhersteller direkt. Dieser Bereich hängt nach Unternehmensangaben stark am Verbrennungsmotor, und nicht nur in Europa werden weniger Autos mit Verbrennungsmotor neu zugelassen. Für Elektroantriebe liefert Reinz bisher nur Teile für einzelne Anwendungen. Für das Geschäftsjahr 2026/2027 rechnet das Unternehmen mit deutlich weniger Umsatz, ab 2027/2028 mit einem weiteren moderaten Rückgang.[1] „Es reicht deshalb nicht, frei werdende Stellen einfach unbesetzt zu lassen“, heißt es in der Mitteilung.

Der zweite Grund ist der Wasserstoff. Reinz hatte erwartet, dass Teile für Brennstoffzellen den Rückgang beim Verbrenner mehr als ausgleichen. Kundenprojekte fielen jedoch weg oder starten später und in kleinerem Umfang als geplant.[1] In Neu-Ulm fertigt das Unternehmen metallische Bipolarplatten für Brennstoffzellen und Elektrolyseure.[3] Auch bei schweren Lkw braucht die Brennstoffzelle Zeit: Daimler Truck plant die Serienproduktion seines Wasserstoff-Lkw für die frühen 2030er Jahre.

Was brachte das erste Sparprogramm?

Die Neuausrichtung kündigte Reinz laut Augsburger Allgemeiner 2024 an. Bis 2029 sollten jährlich zehn Millionen Euro eingespart werden, nicht nur über Personal, sondern auch über Umstrukturierungen. Im Vorfeld war von rund 150 wegfallenden Stellen die Rede, dieser Abbau ist nach Informationen der Zeitung abgeschlossen.[1] Im März 2025 berichtete sie, der Mutterkonzern Dana stelle Reinz ein Budget für die Verschlankung bereit.[2]

Geschäftsführer Stefan Genelin verweist auf das Ergebnis: „Mit unserer Neuausrichtung 2025 haben wir unser Ergebnis deutlich verbessert. Das wollen wir nicht aufs Spiel setzen.“ Deshalb passe Reinz die Erstausrüstung an das geringere Volumen an, damit der Standort wettbewerbsfähig bleibe.[1]

Reinz in Neu-Ulm: der zweite Abbau
Dichtungen für Verbrennungsmotoren, Bipolarplatten für Wasserstoff
100 bis 120
Stellen sollen laut Augsburger Allgemeiner wegfallen
rund 1.100
Beschäftigte zuletzt am Standort, betroffen ist etwa jede zehnte Stelle
rund 150
Stellen waren vor der ersten Runde im Gespräch, dieser Abbau ist abgeschlossen
10 Mio. €
sollten bis 2029 jährlich eingespart werden, so das Sparziel von 2024

Vom Sparprogramm zur zweiten Runde

2024
Reinz kündigt eine Neuausrichtung an, rund 150 Stellen stehen im Raum
März 2025
Dana stellt laut Augsburger Allgemeiner ein Budget für die Verschlankung bereit
29. Oktober 2026
Belegschaft informiert, Gespräche mit dem Betriebsrat beginnen
2026/2027
Reinz erwartet in diesem Geschäftsjahr deutlich weniger Umsatz
ab 2027/2028
Weiterer moderater Rückgang in der Erstausrüstung erwartet

Was heißt das für den Standort Neu-Ulm?

Den Standort in Neu-Ulm gibt es seit mehr als 100 Jahren.[1] Wachstum erwartet das Unternehmen im Ersatzteilgeschäft mit der Marke Victor Reinz und bei Dichtungen für die Industrie, dazu sucht es Geschäftsfelder außerhalb der Fahrzeugtechnik. Am Wasserstoff hält es fest, weil bei Lkw, Bussen und Baumaschinen offen sei, welcher Antrieb sich durchsetzt. „Wir haben in Neu-Ulm Geschäftsfelder, die wachsen. Darauf bauen wir“, sagt Genelin.[1]

Den Abbau will Reinz sozialverträglich gestalten. Eine Stellungnahme des Betriebsrats oder der IG Metall lag bis Dienstagmorgen nicht öffentlich vor. Reinz ist nicht der einzige Zulieferer, der wegen des schrumpfenden Verbrennergeschäfts Stellen abbaut: Harting beendet in Espelkamp die Fertigung von Magnetspulen für Verbrennungsmotoren, dort fallen 47 Stellen weg. Wie viele Stellen in Neu-Ulm am Ende tatsächlich wegfallen und ob Kündigungen nötig werden, klären die Gespräche mit dem Betriebsrat.

Quellen

3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Augsburger AllgemeineAutozulieferer Dana-Reinz in Neu-Ulm streicht mehr als 100 Stellen (30. Oktober 2026, aktualisiert am 3. November 2026)
  2. Augsburger AllgemeineReinz (Dana) in Neu-Ulm: Sparkurs & Stellenabbau wegen Auto-Krise25.03.2025
  3. Reinz-Dichtungs-GmbHFirmenseite, Bereiche Transformation und Metallische Bipolarplatten (abgerufen am 3. November 2026)

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