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Im früheren Hakle-Werk in Düsseldorf-Reisholz läuft das zweite Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung seit 2022 an. Die Jung Papier GmbH nennt hohe Energie-, Rohstoff- und Personalkosten als Grund. Die Löhne der 155 Beschäftigten sind bis Januar 2027 über das Insolvenzgeld gesichert, die Produktion läuft weiter, ein Käufer wird gesucht.

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Inhalt 4 Abschnitte
  1. Was hat Jung Papier beantragt?
  2. Warum gerät das Werk erneut in Schieflage?
  3. Was heißt das für den Standort?
  4. Mehr Newshunger?

Die Jung Papier GmbH hat beim Amtsgericht Düsseldorf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt, und das Gericht hat dem Antrag stattgegeben. Das teilte das Unternehmen am Montag mit, wie die Lebensmittel Praxis berichtet.[1] Zum vorläufigen Sachwalter bestellte das Gericht den Rechtsanwalt Christian Holzmann von der Kanzlei Brinkmann & Partner.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Betroffen sind 155 Beschäftigte im Werk in Düsseldorf-Reisholz, der Betrieb läuft weiter.
  • Jung Papier nennt Energie-, Rohstoff- und Personalkosten sowie die Insolvenz eines Papiermaschinen-Herstellers als Gründe.
  • Einen Stellenabbau hat das Unternehmen nicht angekündigt, es sucht einen Investor.

Was hat Jung Papier beantragt?

Toilettenpapierrolle mit Stromzähler und grünem Anhänger mit der Aufschrift „Zweite Runde“
Geschäftsführer Volker Jung leitet das Unternehmen in der vorläufigen Eigenverwaltung, beaufsichtigt durch Sachwalter Marc Oberhardt von RSM Ebner Stolz

In der Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt, der Sachwalter überwacht sie im Auftrag der Gläubiger. Geschäftsführer Volker Jung führt das Unternehmen also weiter, beraten von Marc Oberhardt von der Kanzlei RSM Ebner Stolz. Eröffnet ist das Verfahren noch nicht, bisher gilt die vorläufige Eigenverwaltung.[1]

Die Löhne und Gehälter der 155 Beschäftigten werden laut Jung Papier als Insolvenzgeld bis einschließlich Januar 2027 vorfinanziert, die Finanzierung des Betriebs sei auf absehbare Zeit gesichert.[1] Das Insolvenzgeld deckt nach dem Sozialgesetzbuch höchstens die drei Monate vor dem Insolvenzereignis ab.[6] Das Unternehmen will frühere Gespräche mit Investoren fortsetzen und zugleich weitere Kaufinteressenten ansprechen. „Unser Ziel ist es, für den Standort, unsere Beschäftigten und unsere Kunden eine langfristige Perspektive zu schaffen“, sagt Volker Jung.[1]

Warum gerät das Werk erneut in Schieflage?

Das Werk war schon einmal insolvent. Im September 2022 beantragte die Hakle GmbH ein Verfahren in Eigenverwaltung, Volker Jung nannte damals vor allem die gestiegenen Gas- und Stromkosten. Rund 220 Arbeitsplätze hingen laut Ddorf-Aktuell damals am Werk.[3] Im März 2023 übernahm der italienische Hersteller Sofidel die Marke Hakle, die Produktion in Reisholz sollte bleiben.[4] Im Juni 2023 stimmten die Gläubiger dem Insolvenzplan zu, der den Weg für die Jung Papier GmbH freimachte.[5]

Seitdem stellt Jung Papier in Reisholz Toilettenpapier, Küchenrollen, Gesichtstücher und feuchte Hygienepapiere her, dazu für den europäischen Markt Mutterrollen, also große Papierrollen für die Weiterverarbeitung. Ohne die Marke Hakle baute das Unternehmen eine eigene Marke namens The Papermakers auf. Der vorläufige Umsatz lag 2025 bei rund 70 Millionen Euro.[1] 2024 kamen laut Firmenseite eine neue Verpackungsanlage und eine neue Verarbeitungslinie dazu.[2] Nun nennt das Unternehmen erneut die Energiekosten, die eine kapitalintensive Produktion belasten.[1]

Das Papierwerk in Düsseldorf-Reisholz
Zweites Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung seit 2022
155
Beschäftigte bei Jung Papier, 2022 hingen rund 220 Arbeitsplätze am Werk
70 Mio. €
vorläufiger Umsatz 2025, rund
Januar 2027
bis dahin sind die Löhne über Insolvenzgeld vorfinanziert
1906
seit diesem Jahr wird in Reisholz Papier hergestellt

Von Hakle zu Jung Papier

September 2022
Hakle beantragt wegen der Gas- und Stromkosten ein Verfahren in Eigenverwaltung
März 2023
Sofidel übernimmt die Marke Hakle, das Werk soll bleiben
Juni 2023
Die Gläubiger stimmen dem Insolvenzplan zu, Jung Papier führt das Werk weiter
2024
Neue Verpackungsanlage und neue Verarbeitungslinie im Werk
November 2026
Erneuter Antrag, das Amtsgericht bestellt einen vorläufigen Sachwalter

Was heißt das für den Standort?

In Reisholz wird seit 1906 Papier hergestellt. Die Marke Hakle, mit der 1928 das erste Toilettenpapier Deutschlands auf den Markt kam, entstand dort bis 2023.[2] Eine Stellungnahme von Betriebsrat oder Gewerkschaft zum neuen Antrag lag bis Dienstagmorgen nicht vor. In der Branche ist Reisholz nicht der einzige Fall: Der insolvente Pappenhersteller Tullau Pappen legte im Oktober seine Werke in Baden-Württemberg und Bayern still, 90 Stellen fielen weg.

Für Kunden im Handel zählt vorerst, dass Jung Papier weiter liefert. Wann das Unternehmen über einen Investor entscheiden will, sagt es nicht. Fest steht bisher nur, dass das Insolvenzgeld die Löhne bis einschließlich Januar sichert.

Quellen

6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Lebensmittel PraxisJung Papier beantragt Insolvenz in Eigenverwaltung02.11.2026
  2. Jung PapierFirmenseite (abgerufen am 3. November 2026)
  3. Ddorf-AktuellToilettenpapier-Hersteller Hakle geht mit 220 Arbeitsplätzen in die Insolvenz06.09.2022
  4. Lebensmittel PraxisHakle-Standort Düsseldorf bleibt29.03.2023
  5. EUWIDHakle’s creditors and Sofidel make way for Jung Papier21.06.2023
  6. Bundesministerium der Justiz§ 165 Sozialgesetzbuch III, Anspruch auf Insolvenzgeld (gesetze-im-internet.de)

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