Snap hat sich im zweiten Prozess um Social-Media-Sucht in Los Angeles mit beiden Klägerinnen verglichen, drei Tage nach Meta. Vor Geschworenen stand der Snapchat-Betreiber in keinem dieser Verfahren.
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Die Anwälte der 18-jährigen K.D.B. aus Mississippi und der 16-jährigen S.J. aus Illinois haben den Vergleich am Montag bekanntgegeben.[1] Meta hatte sich am Freitag mit K.D.B. geeinigt und mit S.J. schon wenige Tage vor dem Prozess.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Snap hat sich am Montag mit beiden Klägerinnen verglichen, eine Summe nannte keine Seite.
- Meta, TikTok und YouTube hatten sich vorher geeinigt, im Prozess bleibt kein Beklagter übrig.
- Die nächsten Musterprozesse sind laut den Klägeranwälten für März angesetzt.
Warum endet der Prozess ohne Urteil?

Das Verfahren am Superior Court, dem Gericht des Bundesstaats Kalifornien in Los Angeles, ist der zweite Musterprozess dieser Art. Die Klägerinnen werfen Meta, Snap, TikTok und YouTube vor, ihre Apps mit automatisch startenden Videos und endlosem Scrollen auf zwanghafte Nutzung ausgelegt zu haben, und machen sie für Depressionen, Angststörungen und Essstörungen verantwortlich. Die Konzerne bestreiten, ihre Plattformen sollten junge Menschen süchtig machen.[1]
Die Auswahl der Geschworenen hatte am 28. Oktober begonnen, die Eröffnungsplädoyers waren für den 4. November angesetzt.[3] Snap-Chef Evan Spiegel sollte aussagen. Mark Lanier, Anwalt der Klägerinnen, wollte erstmals interne Unterlagen von Snap öffentlich vorlegen.[4] Auch Mark Zuckerberg war geladen, Meta hatte sich vergeblich gegen seine Vorladung gewehrt. Nach dem Vergleich von Snap haben die Geschworenen über niemanden mehr zu entscheiden.
Warum haben noch nie Geschworene über Snapchat geurteilt?
Für Snap wäre es der erste Prozess dieser Klagewelle gewesen. Alle anderen Fälle, die verhandelt werden sollten, hat der Konzern vorher verglichen.[1] Darunter war der erste Musterprozess, in dem Meta und YouTube im März verloren haben. Die Geschworenen haben der Klägerin damals umgerechnet 5,2 Millionen Euro zugesprochen.
Ein Musterprozess soll zeigen, welche Summen Geschworene in solchen Fällen zusprechen. An diesen Summen messen beide Seiten Tausende weitere Klagen. Ein Urteil wäre öffentlich, ein Vergleich bleibt vertraulich. Für Snap fehlt dieser Maßstab bis heute. Auch die internen Unterlagen von Snap bekommen vorerst keine Geschworenen zu sehen.
Meta hat sich im August mit fast allen US-Bundesstaaten auf einen Vergleich über bis zu 15,7 Milliarden Euro geeinigt. Rund 4,4 Milliarden Euro davon fließen nur, wenn die Staaten ähnliche Vergleiche mit Snap, TikTok und YouTube schließen.[1] „Unser eigentliches Ziel ist es, diese Social-Media-Konzerne zur Verantwortung zu ziehen“, erklärten John Morgan und Emily Jeffcott, die K.D.B. vertreten. Snap hat auf seine Schutzfunktionen verwiesen.[1]
Ein Musterprozess ohne Urteil liefert keinen Maßstab. Was ein Vergleich kostet, erfahren die übrigen Kläger nicht.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Europa?
In der EU prüft die Kommission Snapchat seit dem 26. März in einem förmlichen Verfahren nach dem Digital Services Act. Geprüft wird der Verdacht, dass Minderjährige auf der Plattform Cybergrooming, der Anwerbung für Straftaten und dem Verkauf von Drogen, E-Zigaretten und Alkohol ausgesetzt sind.[5] Bei Meta hat die Kommission am 10. Juli vorläufig festgestellt, dass der Konzern die Risiken von endlosem Scrollen und automatisch startenden Videos für Minderjährige nicht ausreichend bewertet hat.[6] Bestätigt sich ein Verstoß, drohen jeweils bis zu 6 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Anders als ein Vergleich in Los Angeles wäre eine solche Entscheidung öffentlich.
Für Unternehmen, die über Snapchat oder Instagram junge Zielgruppen erreichen, ändert sich damit die Planungsgrundlage. In den USA ist auf Instagram für Minderjährige schon ein Zeitlimit von zwei Stunden am Tag voreingestellt. Planen Sie ein, dass strengere Altersprüfungen und Voreinstellungen Reichweite bei jungen Nutzern kosten. Welche Kanäle sich für welche Zielgruppe eignen, zeigt der Vergleich von 40 Social-Media-Plattformen.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Reuters via Daily MaverickSnap settles with two teens during trial testing claims social media caused depression, eating disorders
- Reuters via The StarMeta settles with teen during trial testing claims social media caused depression, eating disorders
- AFP via The StarMeta, Snap head to trial in another case about social media’s harms
- CBS NewsJury selection begins in Meta and Snap trial over social media addiction claims
- Europäische KommissionCommission investigates Snapchat’s compliance with child protection rules under the Digital Services Act
- Europäische KommissionCommission preliminarily finds the addictive design of Instagram and Facebook in breach of the Digital Services Act
Mehr Newshunger?
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