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Eine Blutabnahme wie beim Cholesterin reicht inzwischen für einen Alzheimer-Test, zwei Antikörper verlangsamen den geistigen Abbau leicht. Bill Gates finanziert die Forschung seit 2017 und sieht das Problem jetzt in der Versorgung: Außerhalb der USA bezahlen die Gesundheitssysteme der meisten Länder den Bluttest nicht. In Deutschland fehlt er auf der Liste der Abrechnungsziffern, die Ärzte seit April für die Behandlung mit Leqembi nutzen.

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Inhalt 4 Abschnitte
  1. Woran scheitert die Versorgung?
  2. Warum kümmert sich Gates um die Versorgung?
  3. Was bedeutet das für Deutschland?
  4. Mehr Newshunger?

Bill Gates hat am 30. Oktober in seinem Blog Gates Notes beschrieben, warum neue Alzheimer-Tests und -Medikamente zu wenige Patienten erreichen.[1] Kurz zuvor hatte der Microsoft-Gründer in Seattle mit Alzheimer-Fachleuten gesprochen, die dort einen Fachkongress besuchten. Gates fasst ihr Urteil über die Nachfrage nach den neuen Mitteln in einem Wort zusammen: langsam.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Gates zählt fünf Hürden auf, darunter monatelange Wartezeiten auf einen Facharzt und fehlende Kostenübernahme für den Bluttest.
  • Welche Rolle er selbst übernimmt, lässt Gates offen. Er sucht Partner für ein Netz aus Firmen, Kliniken und Praxen.
  • Die gesetzlichen Kassen in Deutschland bezahlen seit April die Behandlung mit Leqembi samt Lumbalpunktion, einen Bluttest auf Alzheimer nicht.

Woran scheitert die Versorgung?

Blutproberöhrchen und Schranke mit Schild „Bitte warten“ auf weißem Grund
Wissenschaftliche Fortschritte bei Gedächtniserkrankungen erreichen Ärzte und Patienten nicht. Viele kennen neue Tests und Medikamente nicht. In den USA verzögern lange Wartezeiten bei Fachleuten den Zugang zur Therapie

„Die wissenschaftlichen Durchbrüche haben das System überholt, das sie zu Ärzten und Patienten bringen soll“, schreibt Gates. Viele Ärzte und Patienten wüssten gar nicht, dass es die Tests und Medikamente gibt. In den USA darf der Hausarzt den Bluttest anordnen, die Therapie verschreiben aber meist nur Fachärzte für Gedächtniserkrankungen. Patienten warten oft Monate auf einen Termin bei ihnen, obwohl die Behandlung umso besser wirkt, je früher sie beginnt.[1]

Die staatliche US-Krankenversicherung Medicare zahlt die Infusionen. Ob sie auch den Bluttest übernimmt, hängt vom Wohnort ab. Für Menschen ohne Gedächtnisprobleme gibt es den Test auf Medicare-Kosten gar nicht. Für den Injektionspen, mit dem sich Patienten das Mittel seit Juli zu Hause spritzen können, zahlen sie deutlich mehr aus eigener Tasche als für die Infusion. Bei einem der beiden Medikamente bekommen Patienten anderthalb Jahre lang alle zwei Wochen eine Infusion in der Klinik, danach monatlich. Weil in seltenen Fällen schwere Nebenwirkungen auftreten, gehören mehrere MRT-Aufnahmen dazu.[1]

Warum kümmert sich Gates um die Versorgung?

Gates vergleicht die Lage mit der Arbeit seiner Stiftung. Bei Impfstoffen gebe es oft ein Mittel, das in reichen Ländern breit verfügbar ist und arme Länder nicht erreicht. Diese Lücke zu schließen, gehöre zum Auftrag der Gates Foundation. Zu Alzheimer schreibt er: „Ich weiß noch nicht, welche Rolle ich dabei spielen werde, aber ich suche nach Wegen, die richtigen Partner zusammenzubringen.“[1] Anders als bei seinem Vorschlag, Roboter mit Sozialabgaben zu belegen, nennt Gates diesmal kein konkretes Instrument.

Gates beschreibt einen Kreislauf, der die Alzheimer-Forschung jahrzehntelang lähmte: Solange nur ein Hirnscan oder eine Lumbalpunktion die Diagnose sicherte, ließen sich wenige Menschen testen, und Studien fanden kaum Teilnehmer. Mit dem Bluttest untersuchen Forscher Hunderte mögliche Studienteilnehmer am Tag, früher waren es ein oder zwei.[2] Mehr Diagnosen bringen damit auch mehr Teilnehmer in die Studien für die nächsten Mittel. Die Alzheimer’s Disease Data Initiative, die Gates mit Partnern gegründet hat, zählt nach seinen Zahlen über 10.000 Nutzer aus mehr als 125 Ländern. Wie die Gates Foundation KI für ihre Gesundheitsziele einsetzen will, zeigt ihre Partnerschaft mit Anthropic.

Vom Bluttest bis zur Infusion
Woran die neuen Alzheimer-Mittel laut Bill Gates hängen bleiben und was die Kassen in Deutschland bezahlen
5 Hürden
zählt Gates auf: unbekannte Mittel, Wartezeit auf den Facharzt, fehlende Erstattung, aufwendige Infusionen und zu wenige Studienteilnehmer
14 Tage
liegen zwischen zwei Infusionen mit Leqembi, die Ärzte seit 1. April 2026 mit den gesetzlichen Kassen abrechnen
0
Bluttests auf Alzheimer stehen unter den Abrechnungsziffern für diese Behandlung, wohl aber drei Laborwerte aus dem Nervenwasser
So schnell kam die Forschung voran
2017
Gates beginnt, die Alzheimer-Forschung zu finanzieren
2025
Die ersten zwei Bluttests auf Alzheimer kommen auf den Markt
Juli 2026
Die US-Arzneimittelbehörde FDA lässt einen Injektionspen für zu Hause zu
August 2026
Die FDA lässt zwei weitere Bluttests zu

Was bedeutet das für Deutschland?

Neurologen, Nervenärzte und Psychiater rechnen die Behandlung mit dem Antikörper Leqembi seit 1. April 2026 mit den gesetzlichen Kassen ab, wenn sie Erfahrung mit Alzheimer haben und kurzfristig eine MRT veranlassen können. Abrechenbar sind unter anderem die Infusion alle 14 Tage, die MRT, ein Gentest, die Lumbalpunktion und drei Laborwerte aus dem Nervenwasser. Einen Bluttest auf Alzheimer enthält die Liste nicht.[3]

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sieht für Leqembi keinen belegten Zusatznutzen gegenüber der bisherigen Standardtherapie. Ärzte dürfen das Mittel trotzdem verschreiben, der Beschluss wirkt nur auf den Preis.[3] Für ein solches Arzneimittel sieht das Sozialgesetzbuch einen Erstattungsbetrag vor, der im Jahr nicht mehr kostet als die Vergleichstherapie, die der G-BA bestimmt.[4] Wie empfindlich Hersteller auf Eingriffe in ihre Preise reagieren, zeigt Roches Stopp für neue Investitionen in Deutschland.

Gates hat recht: Bei Alzheimer liegt der Engpass inzwischen bei der Erstattung, nicht im Labor. Die Kassen zahlen hierzulande die Lumbalpunktion, den Bluttest nicht.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Für Anbieter von Diagnostik und digitalen Gesundheitsanwendungen heißt das: Mit der Zulassung ist ein Test noch nicht beim Patienten. Den Weg in den Leistungskatalog der Kassen sollten Gründer und Investoren von Beginn an einplanen, samt Studien, die den Nutzen für Patienten belegen. Als Nächstes erwartet Gates Bluttests auf das Eiweiß Tau, das Nervenzellen absterben lässt.[1] Mit welchen Vermögen Gates und andere Tech-Gründer solche Forschung finanzieren, zeigt der Überblick über die 15 reichsten Tech-Milliardäre.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Bill Gates, Gates NotesAlzheimer’s tests and treatments are available right now (30.10.2026, englisch)
  2. Bill Gates, Gates NotesWe’re entering a golden age of Alzheimer’s research (02.06.2026, englisch)
  3. Kassenärztliche BundesvereinigungVergütung für neues Alzheimer-Medikament Leqembi geregelt05.03.2026
  4. Bundesministerium der Justiz§ 130b SGB V, Vereinbarungen über Erstattungsbeträge für Arzneimittel

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