Anthropic hat im dritten Quartal 17 Milliarden Dollar umgesetzt und trotzdem operativ Verlust gemacht. Der Grund steht im überarbeiteten Börsenprospekt: Rechenleistung, die das Unternehmen kurzfristig und zu höheren Preisen zugekauft hat. Dazu kommen Zahlungsverpflichtungen von rund 895 Milliarden Dollar.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenInhalt 4 Abschnitte
Anthropic hat am Montag eine überarbeitete Fassung seines Börsenprospekts bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht, wie zuerst CNBC berichtete.[1] Sie enthält erstmals die Zahlen bis zum 30. September 2026. Der Umsatz stieg im dritten Quartal auf 16,96 Milliarden Dollar, umgerechnet 14,75 Milliarden Euro (Kurs 0,87 Euro je Dollar, Stand 2. November 2026). Im zweiten Quartal waren es 10,05 Milliarden Euro.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Nach einem operativen Gewinn von 847 Millionen Euro im zweiten Quartal steht im dritten ein Verlust von 493 Millionen Euro.
- Kurzfristig zugekaufte Rechenleistung kostete 4,35 Milliarden Euro, ein Programm, das Aktienspenden der Beschäftigten aufstockt, 1,74 Milliarden Euro.
- Die Zahlungsverpflichtungen für Rechenzentren und Chips summieren sich auf rund 779 Milliarden Euro.
Warum der Gewinn aus dem zweiten Quartal wieder weg ist

Anthropic kauft Rechenleistung nach eigener Angabe 12 bis 18 Monate im Voraus über mehrjährige Verträge. Im dritten Quartal buchte das Unternehmen zusätzlich Kapazität mit kurzer Laufzeit für 5,0 Milliarden Dollar oder 4,35 Milliarden Euro. Diese kostet laut Prospekt „deutlich mehr“ als vergleichbare Leistung aus den langen Verträgen.[2]
Die Ausgaben für Rechenleistung und Infrastruktur stiegen damit von 48 auf 58 Prozent des Umsatzes. Hinzu kommt ein zahlungsunwirksamer Aufwand von 2,0 Milliarden Dollar: Spenden Beschäftigte Teile ihrer Aktien, legt Anthropic eigene Aktien dazu. Preissenkungen bei neuen Modellversionen und vertragliche Rabatte kosteten zudem rund 522 Millionen Euro Umsatz.[2]
Rechnet Anthropic Aktienvergütung und Spenden heraus, steigt das bereinigte operative Ergebnis von 1,91 auf 2,18 Milliarden Euro. Die Marge sinkt dabei von 19 auf 15 Prozent. Der Nettoverlust von 20,26 Milliarden Euro im Quartal stammt überwiegend aus der Neubewertung von Wandelanleihen und ähnlichen Finanzinstrumenten.[2]
Bei Anthropic entscheidet inzwischen der Einkauf von Rechenleistung über Gewinn oder Verlust.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Verpflichtungen bis ins Jahr 2045
Die Abnahme- und Mietverträge, die Anthropic bis zur Einreichung geschlossen hat, summieren sich auf rund 895,4 Milliarden Dollar oder 779 Milliarden Euro. Davon entfallen 389 Milliarden Euro auf die Zeit bis Ende 2030, der Rest bis 2045. In den zwölf Monaten nach dem 30. September werden 60,7 Milliarden Euro fällig. Ein Teil der Verträge verpflichtet zur Zahlung unabhängig davon, ob Anthropic die Kapazität nutzt.[2]
Was die Zahlen für den Börsengang bedeuten
Ein Ausgabepreis steht im Prospekt noch nicht. Mehr als 11.900 Kunden haben in den letzten zwölf Monaten jeweils über 100.000 Dollar bei Anthropic ausgegeben.[2] Die Zahlen kommen kurz nach den Quartalsberichten von Microsoft, Google und Amazon, die laut CNBC an der Börse die Sorge um die Kosten des KI-Ausbaus verstärkt haben.[1] Einen großen Teil seiner Rechenleistung bezieht Anthropic von Amazon, Google und SpaceX.
Für Unternehmen, die Claude über die Schnittstelle nutzen, sanken die Preise neuer Modellversionen im dritten Quartal erneut. Gleichzeitig wuchsen Anthropics Kosten für Rechenleistung gegenüber dem Vorquartal um 77 Prozent, der Umsatz um 47 Prozent. Mehr zur Kassenlage steht im Bericht über die Barreserven aus dem ersten Prospekt, zu den Spenden im Beitrag über das Spendenversprechen der Gründer.
