Andrej Karpathy hat sich am Wochenende eine eigene Videoseite programmieren lassen, weil ihn die Empfehlungen von YouTube störten. HackerTube zeigt nur Videos, die Nutzer des Technikforums Hacker News seit 2007 in Kommentaren empfohlen haben, insgesamt 6.454. Gebaut hat die Seite nach Karpathys Angaben das Claude-Modell Opus 5.5 in rund zwei Stunden. Der OpenAI-Mitgründer forscht seit Mai für Anthropic, den Hersteller des Modells.
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Am Freitagabend habe er bei YouTube „eine zugemüllte Seite voller Ramsch“ vorgefunden, schreibt Karpathy in seinem Blog: übertriebene Vorschaubilder, immer dieselben Themen. Der Algorithmus passe wohl zum durchschnittlichen Internetnutzer, zu ihm nicht. Am Samstagmorgen gab er Opus 5.5 den Auftrag, einen eigenen YouTube-Nachbau aus den Empfehlungen von Hacker News zu schreiben.[1] Seinen Beitrag dazu auf X haben bis Montagmittag knapp 3,5 Millionen Menschen aufgerufen.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Aus 43 Millionen Kommentaren filterte Claude rund 40.000 heraus, die ein YouTube-Video empfehlen.
- Selbst erledigte Karpathy nur drei Schritte: einen API-Schlüssel, einen gemieteten Server und die Domain.
- HackerTube empfiehlt Videos ohne Benutzerkonto und speichert das Sehverhalten nur im Browser.
Wie hat Karpathy HackerTube gebaut?

Opus 5.5 lud laut Karpathy alle Kommentare von Hacker News herunter, nach seinem Beitrag auf X 43 Millionen aus 20 Jahren. Ein zweites Modell, Claude Sonnet, sortierte in einem automatischen Ablauf von Claude Code den Spam aus. Übrig blieben rund 40.000 Kommentare, die ein YouTube-Video empfehlen, verteilt auf 150 Themen. Daraus baute Opus eine Oberfläche im Stil von YouTube.[1][2] Karpathy arbeitet nach eigener Aussage mit der Desktop-App von Claude Code und lässt das Modell im Alltag auf der mittleren Stufe nachdenken, nicht auf der gründlichsten.
Selbst übernahm er drei Arbeitsschritte. Er legte in der Google Cloud einen API-Schlüssel an, über den die Seite Titel und Daten der Videos bei YouTube abfragt. Er mietete einen virtuellen Server und kaufte die Domain. Danach gab er Claude die IP-Adresse des Servers mit dem Auftrag, ihn zu aktualisieren und abzusichern und die Seite online zu stellen. „Ich mache eigentlich nichts mehr, was der klassischen Softwareentwicklung ähnelt“, schreibt Karpathy. Er lese und schreibe keinen Code und tippe keine Befehle ins Terminal. „Ich rede nur mit Claude und überlasse ihm alles.“[1]
Vor anderthalb Jahren sah das bei ihm noch anders aus. Im April 2025 beschrieb Karpathy, wie er die App MenuGen mit wenig Erfahrung in der Webentwicklung von einer KI hatte bauen lassen. Die App lief nach einem Hackathon lokal auf seinem Rechner, die meiste Arbeit steckte danach in API-Schlüsseln, Obergrenzen für Abrufe und der Veröffentlichung beim Hoster Vercel. Einen Fehler mit den hinterlegten Schlüsseln suchte er eine Stunde lang.[4] Bei HackerTube blieben von dieser Handarbeit drei Schritte übrig. Wie Karpathy zu diesem Arbeitsstil kam, beschreibt der Beitrag über seine Wende zum Programmieren mit Agenten.
Was macht HackerTube anders als YouTube?
HackerTube kommt ohne Anmeldung aus. Die Empfehlungen richten sich nach dem, was jemand auf der Seite angesehen hat, gespeichert wird das nur im eigenen Browser.[1] Der Quelltext der Seite nutzt dafür den lokalen Speicher des Browsers und bettet die Videos über youtube-nocookie.com ein, den erweiterten Datenschutzmodus von YouTube.[3] Als Vorschaubild zeigt die Seite ein Standbild aus der Mitte des Videos statt des Bildes, das der Kanal hochgeladen und in Tests auf Klicks optimiert hat. Die Daten aus der Kommentaranalyse gibt es als ZIP-Datei. Nutzer sollen sie ihrem eigenen KI-Assistenten geben und sich ihre eigene Version bauen lassen.[2]
„Viele großartige Projekte, die normalerweise Wochen oder sogar Monate gedauert hätten, lassen sich jetzt mit ein paar Anweisungen nebenbei beim Frühstück erledigen“, schreibt Karpathy auf X.[2] Ein unabhängiger Test ist sein Wochenendprojekt nicht: Er arbeitet im Team, das die Modelle von Anthropic vortrainiert, also bei dem Anbieter, dessen Modell er lobt. Was der Bau an Rechenleistung und Gebühren gekostet hat, nennt er nicht. Auch andere bekannte Gründer wenden sich vom Empfehlungsalgorithmus ab. Am selben Wochenende beschrieb Ethereum-Mitgründer Vitalik Buterin, wie er X über eine App ohne Algorithmus liest.
Was bedeutet das für Unternehmen in Deutschland?
Eine Alternative zum personalisierten Empfehlungsalgorithmus schreibt in der EU bereits der Digital Services Act vor. Sehr große Online-Plattformen müssen für jedes Empfehlungssystem mindestens eine Option anbieten, die nicht auf Profiling beruht, also nicht auf einem ausgewerteten Nutzerprofil.[6] YouTube gehört seit dem 25. April 2023 zu diesen Plattformen, die EU-Kommission führt den Dienst mit 416,6 Millionen monatlich aktiven Nutzern.[5] HackerTube zeigt eine dritte Möglichkeit neben Profil und chronologischer Liste: Die Auswahl treffen Menschen in einem Forum, die Personalisierung bleibt auf dem Gerät des Nutzers.
Wer das Muster für eine eigene Website übernimmt, ist damit nicht von allen Pflichten befreit. Auch Daten im lokalen Speicher des Browsers fallen unter § 25 TDDDG. Ohne Einwilligung ist die Speicherung nur zulässig, wenn sie unbedingt erforderlich ist, damit der Anbieter einen vom Nutzer ausdrücklich gewünschten Dienst bereitstellen kann.[7] Wie streng Aufsichtsbehörden Empfehlungen aus dem Surfverhalten bewerten, zeigt das Bußgeld der französischen CNIL gegen Fnac. Dort gingen die Daten allerdings an einen fremden Dienst.
Die zwei Stunden sind nicht das Bemerkenswerte. Bemerkenswert ist, dass Schlüssel, Server und Domain die letzten Handgriffe sind, die ein Mensch erledigt. Genau dort entscheidet sich in Unternehmen, wer die Kontrolle behält.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Für Unternehmen, die interne Werkzeuge von Agenten bauen lassen, verschiebt sich damit die Arbeit. Den Code schreibt das Modell. Zugangsdaten und Serverrechte bleiben Sache der Verantwortlichen, ebenso die Prüfung, ob der Server tatsächlich sicher ist. Karpathy hat das Absichern seines Servers ebenfalls Claude überlassen. Welche Fragen der Haftung sich daraus ergeben, behandelt der Beitrag Vibe Coding endet da, wo die Haftung beginnt. Wie Karpathy die Kluft im Umgang mit KI beziffert, steht in der Meldung über die rund 5.000 Menschen mit Zugriff auf die stärksten KI-Systeme.
Quellen
7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Andrej KarpathyHackerTube (Blog, 31.10.2026, englisch)
- Andrej Karpathy auf XWeekend hack: HackerTube (01.11.2026, englisch)
- HackerTubeStartseite und Quelltext (abgerufen am 02.11.2026, englisch)
- Andrej KarpathyVibe coding MenuGen (Blog, 27.04.2025, englisch)
- Europäische KommissionListe der benannten sehr großen Online-Plattformen und Suchmaschinen (abgerufen am 02.11.2026, englisch)
- EUR-LexVerordnung (EU) 2022/2065 über einen Binnenmarkt für digitale Dienste, Artikel 27 und 38
- Bundesministerium der Justiz§ 25 TDDDG, Schutz der Privatsphäre bei Endeinrichtungen
Mehr Newshunger?
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