Andrej Karpathy beschreibt das Wissen über künstliche Intelligenz als Trichter: Rund sechs Milliarden Menschen haben so gut wie keinen Kontakt mit Sprachmodellen, nur etwa 5.000 arbeiten mit den internen Spitzensystemen der KI-Labore. Viele Führungskräfte ordnet der Anthropic-Forscher bei den Gelegenheitsnutzern ein. In Deutschland nennen 72 Prozent der Unternehmen, die KI erwogen und noch nicht eingeführt haben, fehlendes Wissen als Grund.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKnapp 3,8 Millionen Aufrufe sammelte Andrej Karpathy bis Montagmittag mit einem Beitrag auf X, in dem er die Kluft im KI-Verständnis beziffert.[1] Der OpenAI-Mitgründer forscht seit Mai 2026 im Pretraining-Team von Anthropic, also in einem der Labore, deren interne Systeme er beschreibt.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 75 Prozent der Weltbevölkerung nutzen Sprachmodelle nach Karpathys Überschlag so gut wie nie.
- Viele Führungskräfte erleben KI laut Karpathy nur aus zweiter Hand.
- Etwa 20 Millionen Fachleute lassen große Programmier- und Mathematikprojekte bereits von Agenten erledigen.
- In Deutschland nutzte 2025 gut ein Viertel der Unternehmen ab zehn Beschäftigten KI.
Wie sieht Karpathys Trichter aus?

Ein bis zwei Milliarden Menschen nutzen laut Karpathy gelegentlich kostenlose Chatbots, etwa als bessere Google-Suche oder als Schreibhilfe. Zu diesen Gelegenheitsnutzern zählt er viele Fachleute außerhalb von Mathematik und Programmierung, ausdrücklich auch Führungskräfte. Manager verbringen nach seinen Worten viel Zeit im Gespräch mit Menschen; die Entwicklung verstehen sie zwar, erleben sie aber „aus zweiter Hand und etwas abstrakt“.
Rund 20 Millionen Menschen setzen Spitzenmodelle beruflich für Code und Mathematik ein. Diese Profis erleben selbst, wie Agenten Projekte von Wochen oder Monaten auf einen Prompt hin erledigen. Ganz unten im Trichter stehen etwa 5.000 Menschen mit internem Zugriff auf die Systeme der Labore. Dort arbeiten nach Karpathys Beschreibung Schwärme aus Tausenden Agenten wochenlang an großen Softwareprojekten und finden Zero-Day-Lücken. Menschliche Prüfer kämen dabei allmählich nicht mehr hinterher.
Warum wird die Lücke größer?
Einen Grund sieht Karpathy im Training. Die Labore verstärken per Reinforcement Learning, was sich automatisch prüfen lässt, etwa ob ein Softwaretest durchläuft. Welche Trainingsumgebungen dabei zum Einsatz kommen, bestimmt das Umsatzpotenzial. Bei Recherche und Texten fallen die Fortschritte deshalb deutlich kleiner aus als beim Programmieren.
Hinzu kommt der gestaffelte Zugang: Im Gratis-Tarif läuft ein schwächeres Modell als im Bezahlabo; die internen Systeme sieht außerhalb der Labore niemand. Anthropic etwa öffnet sein Sicherheitsmodell Mythos für Abwehrteams nur in drei Stufen. Schon im April hatte Karpathy zwei Gruppen beschrieben, die aneinander vorbeireden. Seine eigene Wende zum Agenten-Coding liegt kein Jahr zurück.
Menschen, rund 75 Prozent der Weltbevölkerung, haben Sprachmodelle so gut wie nie genutzt.
Menschen nutzen Gratis-Chatbots als Suche oder Schreibhilfe, darunter viele Führungskräfte.
Menschen lassen Agenten Projekte von Wochen oder Monaten auf einen Prompt hin erledigen.
Menschen haben Zugriff auf die Spitzensysteme in den KI-Laboren.
der Unternehmen ab zehn Beschäftigten nutzten 2025 KI, bei Großunternehmen 57 Prozent.
der Firmen, die KI erwogen und noch nicht eingeführt haben, nennen fehlendes Wissen als Grund.
Viele Chefs kennen KI nur aus dem Gratis-Chat und entscheiden trotzdem über Budgets für Agenten, die sie nie gesehen haben.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was folgt daraus für Unternehmen im DACH-Raum?
In Deutschland nutzten 2025 laut Statistischem Bundesamt 26 Prozent der Unternehmen ab zehn Beschäftigten KI, bei Großunternehmen ab 250 Beschäftigten 57 Prozent.[2] Von den Firmen, die KI erwogen, aber noch nicht eingeführt haben, nennen 72 Prozent fehlendes Wissen als Grund und 62 Prozent unklare rechtliche Folgen.
Die EU hat die Pflicht zur KI-Kompetenz inzwischen abgeschwächt. Seit dem 27. Juli 2026 verlangt Artikel 4 der KI-Verordnung nur noch Maßnahmen, welche die Entwicklung dieser Kompetenz im Personal unterstützen; ein bestimmtes Niveau müssen Anbieter und Betreiber nicht garantieren.[3] Die Verordnung allein schließt die Lücke im eigenen Team nicht.
Zwei Schritte bringen die Chefetage näher an die Praxis:
- Lassen Sie Führungskräfte eine echte Aufgabe mit einem bezahlten Agenten erledigen, etwa mit Claude Code im Terminal, statt nur den Gratis-Chat zu testen.
- Halten Sie Schulungen und Pilotprojekte schriftlich fest, damit Sie die Maßnahmen nach Artikel 4 belegen können. Rechte für Agenten vergeben Sie dabei so knapp wie der Energiekonzern EnBW, der jeden Agenten an sein Berechtigungskonzept bindet.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Andrej Karpathy auf XDusting off this tweet from April …
- Statistisches BundesamtGründe gegen die Nutzung von Technologien der künstlichen Intelligenz nach Beschäftigtengrößenklassen, Berichtsjahr 2025
- EUR-LexVerordnung (EU) 2026/1744 (Digital-Omnibus-Verordnung zur KI), Amtsblatt vom 24. Juli 2026
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