Artikel teilen

Schaeffler hat die Produktion in Steinhagen Ende September eingestellt, die Maschinen stehen inzwischen zum großen Teil in Schweinfurt. Von den 196 Beschäftigten wechseln 170 am 1. Januar in eine Transfergesellschaft. Betriebsbedingte Kündigungen hat der Zulieferer laut Betriebsrat nicht ausgesprochen.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen
Inhalt 4 Abschnitte
  1. Was passiert mit den 196 Beschäftigten?
  2. Warum hat Schaeffler das Werk geschlossen?
  3. Was bedeutet das für den Kreis Gütersloh?
  4. Mehr Newshunger?

Schaeffler hat sein Werk in Steinhagen im Kreis Gütersloh stillgelegt. Hallen und Büros an der Gottlieb-Daimler-Straße werden derzeit leer geräumt, die meisten Beschäftigten bleiben bereits zu Hause. Das berichtet die Neue Westfälische unter Berufung auf den Betriebsratsvorsitzenden Andreas Heil.[1] Radio Gütersloh bestätigt die Zahlen.[2]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • 170 von 196 Beschäftigten gehen am 1. Januar für sechs bis zwölf Monate in eine Transfergesellschaft.
  • 26 Beschäftigte haben einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung unterschrieben, weniger als 20 bleiben in Steinhagen.
  • Die Gelenklager fertigt Schaeffler künftig in Schweinfurt, wo laut Unternehmen über 100 Stellen erhalten bleiben.
  • Im Kreis Gütersloh fielen seit April 2024 in größeren Industriebetrieben 3.750 Stellen weg.

Was passiert mit den 196 Beschäftigten?

Ein Metalllager mit einem orangefarbenen Anhänger mit der Aufschrift „Schweinfurt“ darauf
170 von 196 Mitarbeitern wechseln in Transfergesellschaft, 26 erhalten Abfindung. Knapp 20 Fachleute bleiben bei Schaeffler in neuen Büroräumen

Mit dem Produktionsende ist die Schließung vollzogen. 170 der 196 Betroffenen wechseln zum Jahreswechsel in eine Transfergesellschaft, 26 haben einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung angenommen. Etwas weniger als 20 Fachleute aus der Produktgruppe Gleit- und Gelenklager und dem Produktmanagement behält Schaeffler. Für sie mietet der Konzern neue Büroräume in Steinhagen.[1]

In der Transfergesellschaft erhalten die Beschäftigten Transferkurzarbeitergeld von der Arbeitsagentur, das Schaeffler nach Verhandlungen mit der Gewerkschaft aufstockt. Je nach Betriebszugehörigkeit dauert die Zeit sechs bis zwölf Monate.[1] Länger als zwölf Monate zahlt die Arbeitsagentur diese Leistung laut Gesetz nicht.[3] Vorgesehen sind Gespräche mit Berufsberatern, Bewerbungstraining und Umschulungen, Pflicht sind zwei Termine im Monat.

Heil nennt die Abwicklung grundsätzlich fair. Für viele Beschäftigte mit Jahrzehnten im Werk werde die Suche aber schwer: „Viele haben gedacht, wir könnten hier in Rente gehen.“ Die Aussichten in Nordrhein-Westfalen hält er für bescheiden, das Gehaltsniveau bei Schaeffler dürften nur wenige wieder erreichen.[1]

Warum hat Schaeffler das Werk geschlossen?

Den Beschluss fasste der Vorstand am 25. August 2025. Der Umsatz des Standorts sei seit Jahren gesunken, bei gleichbleibenden oder steigenden Fixkosten, teilte Schaeffler damals mit. Mit dem Betriebsrat geprüfte Alternativen wie neue Aufträge, Preisverhandlungen mit Zulieferern oder die Vermietung freier Gebäude hätten nicht gereicht.[4] Vorgesehen war die Schließung bis Ende 2026, die Produktion lief nun rund drei Monate früher aus.

Die Gelenklager für Antriebstechnik sowie Land- und Baumaschinen fertigt künftig das Werk in Schweinfurt, Stammsitz der Industriesparte. „Das bedeutet, dass über 100 Stellen in Deutschland erhalten werden können, allerdings an einem anderen Standort“, sagte Spartenvorstand Sascha Zaps.[4] Ob Beschäftigte aus Steinhagen mit nach Franken gehen, geht aus den Berichten nicht hervor. Steinhagen gehört zu dem Programm, mit dem Schaeffler seit November 2024 4.700 Stellen in Europa streicht, davon 2.800 in Deutschland.

Wohin die 196 Beschäftigten gehen
Was aus der Belegschaft des Schaeffler-Werks in Steinhagen wird
196
Beschäftigte sind von der Schließung in Steinhagen betroffen
170
wechseln am 1. Januar in eine Transfergesellschaft
26
haben einen Aufhebungsvertrag mit Abfindung unterschrieben
unter 20
bleiben in neuen Büroräumen in Steinhagen beschäftigt

Vom Beschluss bis zum Ende der Transferzeit

November 2024
Schaeffler kündigt den Abbau von 4.700 Stellen in Europa an
25. August 2025
Der Vorstand beschließt, das Werk Steinhagen bis Ende 2026 zu schließen
Ende September 2026
Die Produktion endet, die Maschinen gehen nach Schweinfurt
1. Januar 2027
170 Beschäftigte wechseln in die Transfergesellschaft
bis Ende 2027
Die Transferzeit läuft je nach Betriebszugehörigkeit sechs bis zwölf Monate

Was bedeutet das für den Kreis Gütersloh?

Die IHK Ostwestfalen sieht die Schließung „inmitten einer ohnehin schwierigen wirtschaftlichen Gesamtlage“. In Industriebetrieben mit mindestens 50 Beschäftigten sinken die Umsätze im Kreis Gütersloh das dritte Jahr in Folge. Von Januar bis August lagen sie um 3,5 Mrd. Euro oder fast 22 Prozent unter dem Wert von 2023. Seit April 2024 gingen in diesen Betrieben 3.750 von gut 66.000 Stellen verloren, knapp sechs Prozent.[1]

Zugleich wächst ein Teil der Industrie im Kreis. In Verl baut die Beckhoff-Tochter Schirmer eine Fabrik mit Platz für bis zu 550 Beschäftigte, in Versmold sollen 230 Beschäftigte aus dem Schulte-Werk in Dissen anfangen. Was aus dem Werksgelände in Steinhagen wird, ist offen. Zu Details des „planmäßig verlaufenden Prozesses“ äußert sich der Konzern nicht.[1]

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Neue WestfälischeSchaeffler-Aus in Steinhagen: Maschinen weg, Mitarbeiter in Transfergesellschaft02.11.2026
  2. Radio GüterslohSchaeffler-Mitarbeiter in Steinhagen wechseln in Transfergesellschaft02.11.2026
  3. Sozialgesetzbuch III§ 111 Transferkurzarbeitergeld
  4. Schaeffler AGSchaeffler beendet Produktion in Steinhagen und integriert Produktportfolio am Standort Schweinfurt (Pressemitteilung)26.08.2025

Mehr Newshunger?

4,4 14 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Dr. Web Newsletter

Jede Woche ein bisschen klüger.

Der Dr. Web Newsletter: die besten Artikel, Anbieter-Tipps und neue Tools, kompakt zusammengefasst, jeden Donnerstag. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.