Chinas Industrieministerium und das Finanzministerium haben am 30. Oktober die ersten Produktnormen für den Vorrang heimischer Waren in öffentlichen Ausschreibungen zur Stellungnahme veröffentlicht. Bei Industrierobotern müssen laut Entwurf 70 Prozent der Bauteilkosten aus chinesischer Fertigung stammen, damit ein Gerät als chinesisches Produkt zählt. Erfasst sind zunächst fünf Produktgruppen, darunter Hubschrauber und Rasterelektronenmikroskope.
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Über die Entwürfe berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.[1] Die Schwellen für alle fünf Gruppen meldete das Finanzportal Cailian She nach dem Staatssender CCTV.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Getriebe, Servomotoren und Leiterplatten eines Roboters müssen in wichtigen Arbeitsschritten in China bearbeitet werden.
- Chinesische Produkte erhalten bei der Bewertung von Angeboten einen Preisabschlag von 20 Prozent.
- Für Roboter, Hubschrauber und Mikroskope gelten die Schwellen drei Jahre nach Erlass, für die zwei übrigen Gruppen nach fünf Jahren.
- Chinas Behörden und öffentliche Einrichtungen kauften 2024 für 3,38 Billionen Yuan ein, rund 454 Milliarden Euro.
Wie rechnet China den Inlandsanteil?

Grundlage ist ein Erlass des Staatsrats vom 30. September 2025, in Kraft seit 1. Januar 2026.[3] Als chinesisch gilt eine Ware, wenn in China aus Rohstoffen und Bauteilen ein neues Produkt entsteht. Verpacken, Etikettieren oder Umfüllen genügt nicht. Konkurrieren chinesische und ausländische Produkte, kürzt die Vergabestelle den Preis der chinesischen Angebote für die Bewertung um 20 Prozent. Der Vertrag kommt zum tatsächlichen Preis zustande. Firmen mit ausländischen Eigentümern sind ausdrücklich gleichgestellt, sofern ihre Produkte die Normen erfüllen.
Die neuen Normen legen nun je Produkt fest, welcher Anteil der Bauteilkosten aus China stammen muss. Für Industrieroboter nennt der Entwurf vier Haupt- und 19 Unterbaugruppen. Die Feinbearbeitung der Getriebe, das Isolieren der Motorwicklungen und das Bestücken der Leiterplatten müssen im Inland stattfinden.[1] Hubschrauber brauchen 60 Prozent Inlandsanteil, Rasterelektronenmikroskope 50 Prozent, mobile Infrarot-Gasanalysatoren und Anlagen zur Wasseraufbereitung per Umkehrosmose je 70 Prozent.[2]
Was ändert sich für Anbieter aus Europa?
Bislang zählt jede in China gefertigte Ware als heimisch, unabhängig vom Anteil chinesischer Bauteile.[3] Mit den Normen genügt die Endmontage im Land nicht mehr: Ein Roboter mit überwiegend eingeführten Baugruppen verliert bei Hochschulen, Kliniken und Ämtern den Preisvorteil. Kuka aus Augsburg gehört seit 2017 dem chinesischen Konzern Midea und baut Roboter auch in China. Für solche Anbieter entscheidet künftig die Herkunft von Getrieben, Motoren und Elektronik.
Ausgewählt haben die Ministerien laut Xinhua Produkte mit nennenswertem Beschaffungsvolumen, die sich weitgehend im Inland fertigen lassen.[1] Der von Xinhua zitierte Hochschullehrer Chen Zhiwu nennt die Normen „offen, transparent und nicht diskriminierend“. 2024 lag das Volumen der öffentlichen Beschaffung in China bei 3,38 Billionen Yuan.[4] Umgerechnet mit dem EZB-Referenzkurs vom 30. Oktober 2026 (7,4326 Yuan je Euro) sind das rund 454 Milliarden Euro.
Mit einem Preisabschlag von 20 Prozent macht China die Stückliste eines Roboters zum Vergabekriterium.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für die EU?
Europa knüpft öffentliche Aufträge ebenfalls an die Herkunft. Seit Juni 2025 schließt die EU chinesische Bieter bei Ausschreibungen für Medizinprodukte ab 5 Millionen Euro aus.[5] Die Kommission hatte zuvor festgestellt, dass 87 Prozent der untersuchten chinesischen Ausschreibungen für Medizinprodukte eingeführte Geräte offen oder verdeckt benachteiligten. Nach dem geplanten neuen EU-Vergaberecht dürften Auftraggeber zudem Bieter aus der EU bevorzugen oder einen Mindestanteil europäischer Waren verlangen.[6]
Anbieter mit Kunden in Chinas Verwaltung prüfen jetzt ihre Stücklisten: Welche Baugruppen kommen aus China, welche Arbeitsschritte finden dort statt? Eine Frist für Stellungnahmen nennen die Berichte nicht. Weitere Produktgruppen wollen die Ministerien in Stufen folgen lassen.[2]
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Xinhua新华解码丨政府采购中的本国产品如何认定,首批标准拟出台 (Wie heimische Produkte in der öffentlichen Beschaffung bestimmt werden: erste Normen geplant) (chinesisch)
- Cailian She nach CCTV两部门公布第一批政府采购本国产品标准征求意见稿 (Zwei Ministerien veröffentlichen Entwurf der ersten Normen für heimische Produkte in der öffentlichen Beschaffung) (chinesisch)
- Finanzministerium der Volksrepublik ChinaFragen und Antworten zum Erlass über heimische Produkte in der öffentlichen Beschaffung (Guobanfa 2025 Nr. 34) (chinesisch)
- Jiemian事关3万亿政府采购,两部门强调依法落实外资企业国民待遇 (Öffentliche Beschaffung über 3 Billionen Yuan: Zwei Ministerien betonen Gleichbehandlung ausländischer Firmen) (chinesisch)
- Europäische KommissionDurchführungsverordnung (EU) 2025/1197 zu Medizinprodukten aus der Volksrepublik China
- BundesratDrucksache 616/26, Vorschlag für eine Verordnung über die öffentliche Auftragsvergabe, COM(2026) 590 (2026)
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