Stripe-Chef Patrick Collison hat 33 Millionen Dollar, umgerechnet rund 28,7 Millionen Euro, für den Kampf gegen Kaliforniens Milliardärssteuer gegeben. Das berichtet die New York Times unter Berufung auf Unterlagen des Bundesstaats. Collison ist damit der viertgrößte Geldgeber einer Gruppe, die über 290 Millionen Euro gegen die Steuer eingesammelt hat. Am Dienstag stimmen die Wähler ab.
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Kaliforniens Wähler entscheiden am 3. November über Proposition 40. Die Vorlage verlangt von Milliardären, die am 1. Januar 2026 im Bundesstaat wohnten, einmalig 5 Prozent ihres Nettovermögens. Fällig wäre die Steuer 2027. Wer will, kann sie gegen einen Aufpreis in Raten über fünf Jahre zahlen. Immobilien, Rentenansprüche und Altersvorsorgekonten zählen in der Regel nicht mit.[2] Collison gehört laut New York Times zu den treibenden Kräften der Gegner. Eine Stellungnahme lehnte er ab.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Collison gab der Gruppe Building a Better California rund 28,7 Mio. €, nur drei Spender gaben mehr.
- Mehr als zwei Drittel der Spenden der vergangenen sechs Wochen gingen in Form von Aktien ein, so zahlen die Spender keine Steuer auf ihre Kursgewinne.
- Bekommen beide Vorlagen eine Mehrheit und die Gegenvorlage Proposition 42 mehr Ja-Stimmen, ist die Steuer hinfällig.
Warum stellt sich Collison gegen die Steuer?

Den größten Teil seines Vermögens hält Collison laut New York Times in Aktien von Stripe. Der Zahlungsdienstleister ist nicht an der Börse und wird mit 159 Mrd. $ (138 Mrd. €) bewertet. Solche Anteile lassen sich nur schwer verkaufen, die Steuer auf ihren Wert müsste er aber in Geld bezahlen. Mit demselben Argument kämpfen andere Gründer: Rippling-Chef Parker Conrad schrieb in sozialen Netzwerken, die Steuer belaste Gründer wertvoller Start-ups, deren Firmen weder verkauft noch an der Börse sind.[1]
Laut der Zeitung engagiert sich Collison zum ersten Mal in diesem Umfang in einem Abstimmungskampf. Bekannt war er bisher vor allem für sein Interesse an Fragen des Wohnungsbaus und der Forschungsförderung. Er und Investor John Doerr, der mit 40 Mio. $ (34,8 Mio. €) drittgrößte Spender, führen selbst oder über Mitarbeiter viele der Telefonate, mit denen die Gruppe Geld einwirbt. Auch Doerr wollte sich nicht äußern.[1] Stripes anderer Mitgründer, Collisons Bruder John, soll in den Verwaltungsrat von Microsoft einziehen.
Wie bezahlen die Milliardäre den Abstimmungskampf?
Building a Better California hat nach Unterlagen des Bundesstaats von rund 80 Spendern mehr als 333 Mio. $ eingesammelt, rund 290 Mio. €. Angestoßen hat die Gegenwehr Google-Mitgründer Sergey Brin, der Ende 2025 Wohnsitz und Firmen nach Nevada verlegte. Unter den Spendern sind Wagniskapitalgeber von Sequoia Capital, General Catalyst und Benchmark sowie Gründer von Robinhood, DoorDash, Reddit, Figma und Coinbase. Mehr als zwei Drittel der Spenden der vergangenen sechs Wochen gingen laut New York Times in Form von Aktien ein, die seit dem Kauf an Wert gewonnen haben. Wer so spendet, zahlt auf den Kursgewinn keine Steuer. In einem Memo an die Spender, das die Zeitung einsehen konnte, rieten die Organisatoren, andere Unterstützer und nicht die Milliardäre zum Gesicht der Kampagne zu machen.[1]
Die Liste der Wahlkampfaufsicht FPPC zeigt, wohin das Geld fließt. Die Gruppe überwies 157,1 Mio. $ (136,7 Mio. €) an das Komitee für Proposition 42 und 140 Mio. $ (121,8 Mio. €) an das Komitee gegen Proposition 40. Die größten Geldgeber der Befürworter kommen dort zusammen auf 32,4 Mio. $ (28,2 Mio. €), fast alles von der Gesundheitsgewerkschaft SEIU-UHW.[4] Collison allein gab damit mehr als die gesamte Spitzengruppe der Gegenseite. Wie Brin den Abstimmungskampf aufgebaut hat, zeigt die Meldung über seine 89 Millionen Euro gegen die Milliardärssteuer.
Worüber stimmt Kalifornien ab?
Die Befürworter um die Gewerkschaft SEIU-UHW und Senator Bernie Sanders verweisen in der amtlichen Abstimmungsbroschüre auf Kürzungen der Regierung Trump bei der Gesundheitsversorgung. Milliardäre sollen einen gerechten Beitrag leisten, 90 Prozent der Einnahmen gingen an die Gesundheitsversorgung. Die Gegner halten die Steuer für handwerklich mangelhaft: Sie schade Wirtschaft und Haushalt und senke keine Gesundheitskosten.[2] Das unabhängige Haushaltsbüro des Parlaments, das Legislative Analyst’s Office, erwartet einmalige Einnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe, verteilt auf mehrere Jahre. Ziehen Milliardäre weg, könnte der Staat dauerhaft weniger als 1 Mrd. $ (870 Mio. €) Einkommensteuer im Jahr verlieren.[2] Wie ernst diese Möglichkeit ist, zeigte Mark Zuckerberg, der laut Bloomberg einen Wegzug erwogen hatte.
Am selben Tag steht Proposition 42 auf dem Stimmzettel. Sie verbietet neue Steuern des Bundesstaats auf bewegliches Vermögen und rückwirkende Steuern. Abgaben, die nach dem 1. Januar 2026 beschlossen wurden und dem widersprechen, wären nichtig.[3] Nehmen die Wähler beide Vorlagen an und bekommt Proposition 42 den höheren Anteil an Ja-Stimmen, fällt die Milliardärssteuer weg.[1] Die Wahllokale schließen um 20 Uhr Ortszeit, in Deutschland ist es dann 5 Uhr am Mittwochmorgen.
Was bedeutet das für Gründer in Deutschland?
Eine Vermögensteuer erhebt Deutschland seit 1997 nicht. Collisons Problem kennt das deutsche Steuerrecht trotzdem, und zwar beim Umzug. Wer seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt und mindestens 1 Prozent an einer Kapitalgesellschaft hält, muss den Wertzuwachs seiner Anteile versteuern, als hätte er sie verkauft. Das gilt für alle, die in den zwölf Jahren davor mindestens sieben Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig waren. Auf Antrag lässt sich die Steuer in sieben Jahresraten zahlen, in der Regel nur gegen eine Sicherheit.[5] Einen Schritt wie Brins Umzug nach Nevada müsste ein deutscher Gründer mit hoch bewerteten Firmenanteilen also bezahlen, auch ohne dass er einen Euro aus dem Verkauf erlöst. Mehr zur Kritik an dieser Regel steht im Beitrag über die Wegzugsbesteuerung und die deutsche Wirtschaft.
Eine Steuer auf den Wert von Firmenanteilen, die niemand kaufen will, verlangt Geld, das es noch nicht gibt. Diese Frage stellt sich auch in Deutschland, bei jedem Gründer, der ins Ausland zieht.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Setzt sich die Steuer in Kalifornien durch, wo viele der wertvollsten Tech-Firmen sitzen, hätten Befürworter ähnlicher Vorschläge anderswo ein Vorbild. Gewinnt Proposition 42, wären neue Steuern dieser Art im wichtigsten Bundesstaat der Tech-Branche per Verfassung ausgeschlossen. Wie groß die Vermögen der Tech-Gründer sind, zeigt der Überblick über die 15 reichsten Tech-Milliardäre.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- The Irish TimesStripe’s Patrick Collison on front line of billionaires’ war against wealth tax (02.11.2026, englisch, zuerst erschienen in The New York Times)
- California Secretary of StateOfficial Voter Information Guide, Proposition 40, Analyse des Legislative Analyst und Argumente (Wahl am 03.11.2026, englisch)
- California Secretary of StateOfficial Voter Information Guide, Proposition 42 (Wahl am 03.11.2026, englisch)
- Fair Political Practices CommissionTop-10-Spenderliste zur Wahl im November 2026 (abgerufen am 02.11.2026, englisch)
- Bundesministerium der Justiz§ 6 Außensteuergesetz, Besteuerung des Vermögenszuwachses
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