Artikel teilen

Wenn eine Arzneimittelbehörde ein Antikörpermedikament zulässt, prüft sie auch den Herstellungsprozess, samt Filtern, Beuteln und Bioreaktoren. Ein späterer Wechsel des Lieferanten verlangt neue Nachweise. Sartorius aus Göttingen setzte 2025 rund 2,78 Milliarden Euro mit Verbrauchsmaterial und Service um, knapp vier Fünftel des Konzernumsatzes.

Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen
Inhalt 12 Abschnitte
  1. Wer steckt hinter Sartorius und wie fing alles an?
  2. Wie wurde aus der Waagenwerkstatt ein Zulieferer der Biopharmaindustrie?
  3. Wie verdient Sartorius tatsächlich sein Geld?
  4. Wie groß ist die Marktmacht von Sartorius?
  5. Wer ist bei Sartorius eigentlich das Produkt?
  6. Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?
  7. Wer profitiert und wer zahlt drauf?
  8. Wie politisch ist Sartorius?
  9. Was könnte Sartorius zu Fall bringen?
  10. Was bedeutet Sartorius für deutsche Unternehmer und Verbraucher?
  11. Glossar: 15 wichtige Fachbegriffe zu Sartorius
  12. FAQ: Wie verdient Sartorius an fremden Medikamenten mit?

Sartorius hat am 22. Oktober 2026 für die ersten neun Monate einen Umsatz von 2,74 Milliarden Euro gemeldet, operativ und wechselkursbereinigt 8,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Vorzugsaktie stieg am selben Tag laut dpa-AFX auf den höchsten Stand seit Januar 2025.

Ein Jahr zuvor war die Aktie aus dem DAX in den MDAX abgestiegen, nach einem Einbruch: 2023 sank der Umsatz wechselkursbereinigt um 16,6 Prozent, weil Kunden nach der Pandemie ihre Lager leerten.

Die Neunmonatszahlen zeigen, dass der Konzern diese Delle hinter sich hat. Leben kann er davon, weil er an etwas verdient, das sich ständig wiederholt: an Einwegbeuteln, Filtern und Nährmedien, die bei jeder Produktionscharge eines biotechnologischen Arzneimittels neu gekauft werden.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Sartorius setzte 2025 rund 3,54 Milliarden Euro um, gut 80 Prozent davon in der Sparte Bioprocess Solutions, die Pharmakonzernen Ausrüstung und Verbrauchsmaterial für die Herstellung biotechnologischer Arzneimittel liefert.
  • Rund 78,5 Prozent des Umsatzes stammen aus wiederkehrenden Geschäften. Weil Herstellungsprozesse Teil der Arzneimittelzulassung sind, wechseln Kunden ihren Lieferanten nach der Zulassung nur mit erheblichem Aufwand.
  • Nach einer Serie von Übernahmen, allen voran Polyplus für rund 2,2 Milliarden Euro, stand Ende 2025 eine Nettoverschuldung von 3,74 Milliarden Euro in der Bilanz, das 3,55-Fache des bereinigten EBITDA.
  • Rund die Hälfte der Stammaktien verwaltet bis Mitte 2028 ein Testamentsvollstrecker aus dem Nachlass von Horst Sartorius. Den zweitgrößten Stimmrechtsblock hält der US-Laborkonzern Bio-Rad.

Fünf Fragen zum Waagenbauer, der keine Industriewaagen mehr baut

Der Dr.-Web-Quizmaster
Wissenstest
Wie gut kennen Sie das Geschäftsmodell von Sartorius?
5 Fragen aus dem Artikel. Wählen Sie Ihre Antwort, dann decken Sie die Lösung auf.
1 In welchem Jahr eröffnete Florenz Sartorius seine Werkstatt in Göttingen? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Florenz Sartorius war 24 Jahre alt, als er 1870 seine feinmechanische Werkstatt eröffnete. 1914 entstand die Sartorius-Werke AG, 1927 die Membranfiltergesellschaft.
2 Welcher Anteil des Konzernumsatzes 2025 stammte aus wiederkehrenden Geschäften mit Verbrauchsmaterial und Dienstleistungen? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Sartorius weist 2.776,3 Millionen Euro wiederkehrende Umsätze aus, rund 78,5 Prozent von 3.538,1 Millionen Euro. In der Bioprozesssparte liegt der Anteil bei rund 84 Prozent.
3 Welches Unternehmen war mit rund 2,2 Milliarden Euro der größte Zukauf der vergangenen Jahre? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: B. Polyplus aus Frankreich stellt Reagenzien für die Zell- und Gentherapie her. Sartorius kaufte die Firma 2023 und verbuchte rund 1,7 Milliarden Euro davon als Firmenwert.
4 In welchen Index wechselte die Sartorius-Vorzugsaktie im September 2025? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: A. Nach vier Jahren im DAX stieg Sartorius in den MDAX ab, weil der Börsenwert gesunken war.
5 Wie schwer war die Probe Mondgestein der Apollo-11-Mission, die Sartorius-Mitarbeiter 1969 untersuchten? Aufklappen ↓
Auflösung aufdecken ↓
Richtig: C. Mit einem Präzisionsgerät untersuchten sie eine 20,2 Milligramm schwere Probe. Sartorius verschickte daraufhin einen Mondbrief an seine Kunden.

Wer steckt hinter Sartorius und wie fing alles an?

Hinter Sartorius steht eine Feinmechanikerwerkstatt, die Florenz Sartorius 1870 in Göttingen eröffnete. Seit dem Börsengang 1990 führen angestellte Manager den Konzern, die Mehrheit der Stammaktien aus Familienbesitz verwaltet seit 1998 ein Testamentsvollstrecker.

Ein Lehrling, eine Werkstatt, eine bessere Waage

Florenz Sartorius war 24 Jahre alt, als er 1870 in der Groner Straße seine „Feinmechanische Werkstatt F. Sartorius“ eröffnete. Der Sohn eines verarmten Göttinger Uhrmachers hatte bei einem Universitätsmechaniker gelernt und auf seiner Wanderschaft bei Siemens & Halske in Berlin kleine Teile montiert.

Er begann mit einem einzigen Lehrling.

Seine ersten Kunden waren die Professoren der Göttinger Universität. Sie brauchten Instrumente für ihre Labore, vor allem Analysenwaagen.

Die Firmengeschichte räumt selbst mit einer Legende auf: Florenz Sartorius hat die kurzarmige Analysenwaage nicht erfunden. Ab 1872 verbesserte er sie gemeinsam mit dem Chemiker Friedrich Frerichs, unter anderem mit einem Waagebalken aus einer besonderen Aluminiumlegierung, und meldete ab 1875 Patente auf seine Verbesserungen an.

Die Waage wog schneller als die Geräte der Konkurrenz, und genau das wollten Chemiker in Forschung und Industrie.

1876 bekam Sartorius auf der Weltausstellung in Philadelphia eine Auszeichnung. 1895 lieferte die Werkstatt die 3.000. Analysenwaage aus und beschäftigte 60 Menschen.

Vom Brutkasten zur Mikrobiologie

Der Weg zum heutigen Geschäft führte über die Geflügelzucht. Ende der 1880er Jahre nahm Sartorius Brutkästen ins Programm, mit einer genauen Temperaturregelung. Dieselbe Regelung steckte bald in Wärmeschränken, in denen Labore Mikroorganismen züchteten.

So kam die Firma in den 1890er Jahren erstmals mit der Mikrobiologie in Berührung.

1927 gründete Wilhelm Sartorius, einer der Söhne, mit dem Göttinger Nobelpreisträger Richard Zsigmondy und weiteren Industriellen die Membranfiltergesellschaft. Die Filter hatten Zsigmondy und sein Assistent Wilhelm Bachmann entwickelt. 1938 wurde die Gesellschaft eine hundertprozentige Tochter von Sartorius.

Aus diesen Membranen entstand das Filtergeschäft, das bis heute zum Kern der Bioprozesssparte gehört.

Geschichte
Von der Waagenwerkstatt zum Biopharma-Zulieferer
Stationen von Sartorius seit der Gründung in Göttingen.
  • 1870Florenz Sartorius eröffnet mit 24 Jahren eine feinmechanische Werkstatt in Göttingen, zuerst mit einem Lehrling.
  • 1876Auszeichnung für die verbesserte kurzarmige Analysenwaage auf der Weltausstellung in Philadelphia.
  • 1927Gründung der Membranfiltergesellschaft mit Nobelpreisträger Richard Zsigmondy, ab 1938 Tochter von Sartorius.
  • 1983Erstes Werk außerhalb Deutschlands in Yauco auf Puerto Rico.
  • 1990Börsengang im Juni, externe Manager übernehmen die Führung.
  • 2007Fusion der Biotech-Sparte mit Stedim zur Sartorius Stedim Biotech in Aubagne.
  • 2014Verkauf der Industriewägetechnik an Minebea, Konzentration auf Bioprozess und Labor.
  • 2021Aufnahme der Vorzugsaktie in den DAX auf dem Höhepunkt des Pandemiebooms.
  • 2025Wechsel in den MDAX im September, Michael Grosse wird im Juli Vorstandschef.
  • 2026Neunmonatszahlen mit operativ 8,1 % Wachstum, neue Spartenstruktur ab 2027 angekündigt.

Eine Familie, die sich zurückzog

1914 wandelte der Gründer die Firma in die Sartorius-Werke AG um, mit 610.000 Mark Grundkapital, und gab Anteile an seine vier Söhne. Im Ersten Weltkrieg stellte das Werk unter anderem Munition her.

Für die Zeit des Nationalsozialismus belegt eine Studie des Historikers Manfred Grieger, 2019 im Auftrag von Sartorius erschienen, Rüstungsgewinne und den Einsatz von Zwangsarbeitern.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führte Horst Sartorius, Adoptivsohn des Gründersohns Erich Sartorius, das Unternehmen in dritter Generation. Eine vierte Familiengeneration übernahm die Führung nicht. Im Juni 1990 ging Sartorius an die Börse, externe Manager übernahmen die Führung, die meisten Stammaktien blieben in Familienhand.

Horst Sartorius blieb bis zu seinem Tod 1998 Ehrenvorsitzender des Aufsichtsrats. Seither verwaltet ein Testamentsvollstrecker den Großteil der Familienaktien, nach Mitteilung von Sartorius bis Mitte 2028. Testamentsvollstrecker ist heute Lothar Kappich, der zugleich den Aufsichtsrat leitet.

Wie wurde aus der Waagenwerkstatt ein Zulieferer der Biopharmaindustrie?

Balkenwaage mit Beutel, Aufschrift „SCHWERES WASSER?“, links schwerer
Von der Analysenwaage zum Einwegbeutel: Sartorius verdient heute vor allem an der Biopharmaproduktion.

Sartorius setzte ab Mitte der 1990er Jahre auf die Biotechnologie, kaufte zu und trennte sich von der Industriewägetechnik. Die Pandemie trieb den Umsatz bis 2022 auf 4,17 Milliarden Euro, danach folgten zwei schwache Jahre und der Abstieg aus dem DAX.

Mondgestein und Wirtschaftswunder

Bis in die 1980er Jahre lebte Sartorius vor allem von Waagen. 1958 lief die 100.000. Analysenwaage vom Band, 1969 untersuchten Sartorius-Mitarbeiter mit einem Präzisionsgerät eine 20,2 Milligramm schwere Probe Mondgestein der Apollo-11-Mission.

Die Firma verschickte daraufhin einen „Mondbrief“ an ihre Kunden, intern „die wohl beste Werbeidee seit Jahren“.

Ab 1970 gründete Sartorius eigene Vertriebsgesellschaften, zuerst in Frankreich, 1976 in den USA. 1983 eröffnete das Unternehmen in Yauco auf Puerto Rico sein erstes Werk außerhalb Deutschlands, heute einer der Standorte für die Membranproduktion.

Der Schwenk zur Biotechnologie

Nach dem Börsengang setzte das Management auf ein damals junges Feld. Seit den 1980er Jahren kamen die ersten biotechnologisch hergestellten Arzneimittel wie Humaninsulin auf den Markt, in den 1990er Jahren brauchten die Hersteller erstmals Anlagen im Industriemaßstab.

Sartorius kaufte 2000 die B. Braun Biotech International mit ihren Bioreaktoren, 2002 überholte die Biotech-Sparte erstmals das Waagengeschäft beim Umsatz.

2007 legte Sartorius seine Biotech-Sparte mit der französischen Stedim zusammen, die sich selbst als Weltmarktführer bei Einweg-Beutelsystemen bezeichnete. Daraus entstand die Sartorius Stedim Biotech mit Sitz in Aubagne bei Marseille, an der Pariser Börse notiert.

Der zweite Schnitt folgte 2014: Sartorius verkaufte die noch profitable Industriewägetechnik an den japanischen Konzern Minebea, laut CHEManager zum 7,5-Fachen des operativen EBITDA von 2014. Seitdem bestehen die Göttinger aus zwei Sparten, Bioprocess Solutions für die Pharmaproduktion und Lab Products & Services für das Labor.

Boom, Delle, Neustart

Joachim Kreuzburg führte Sartorius von 2003 bis Juni 2025. Allein zwischen 2017 und 2021 wuchs der Umsatz von 1,40 auf 3,45 Milliarden Euro. Die Pandemie trieb das Geschäft an: Impfstoff- und Antikörperhersteller bestellten Beutel, Filter und Reaktoren auf Vorrat, die bereinigte EBITDA-Marge erreichte 2021 mit 34,1 Prozent ihren Höchstwert.

Im September 2021 stieg die Vorzugsaktie in den DAX auf.

Umsatz
Boom, Delle und Erholung
Konzernumsatz von Sartorius in Millionen Euro, 2019 bis 2025.
  • 20191.827,0
  • 20202.335,7
  • 20213.449,2
  • 20224.174,7
  • 20233.395,7
  • 20243.380,7
  • 20253.538,1
34,1 %
bereinigte EBITDA-Marge 2021, bisheriger Höchstwert
−16,6 %
Umsatzrückgang 2023, wechselkursbereinigt
+8,1 %
operatives Wachstum in den ersten neun Monaten 2026, wechselkursbereinigt

2022 erreichte der Umsatz 4,17 Milliarden Euro. Ein Jahr später fiel er auf 3,40 Milliarden Euro, wechselkursbereinigt ein Minus von 16,6 Prozent.

Sartorius nannte den Lagerabbau bei Kunden als Hauptgrund, dazu den Wegfall des Russlandgeschäfts und eine Zurückhaltung bei Investitionen. Der US-Konkurrent Danaher meldete für sein Bioprozessgeschäft 2023 ein Minus von rund 20 Prozent ohne Zukäufe und Währungseffekte, aus denselben Gründen. Der Einbruch traf also die ganze Branche, nicht nur Sartorius.

2024 stagnierte der Umsatz bei 3,38 Milliarden Euro, 2025 stieg er auf 3,54 Milliarden. Bis dahin hatte die Börse schon reagiert: Laut dpa hatte sich der Kurs der Vorzugsaktie in rund drei Jahren etwa halbiert, im September 2025 wechselte sie in den MDAX.

Seit Juli 2025 führt Michael Grosse den Konzern, zuvor Chef des Verpackungsmaschinenbauers Syntegon.

Ein Hidden Champion im Konzernformat

Passt ein Unternehmen mit 14.042 Beschäftigten und einem Börsenwert von 15,1 Milliarden Euro Ende 2025 in eine Reihe über heimliche Weltmarktführer? Nach den Kriterien von Hermann Simon gehört ein Hidden Champion in seinem Markt zu den drei größten Anbietern der Welt, setzt weniger als fünf Milliarden Euro um und ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt.

Eine Studie der Universität Trier zählte Sartorius 2020 zu 99 börsennotierten Hidden Champions in Deutschland.

Das Umsatzkriterium erfüllt Sartorius. Die Bekanntheit ist der Haken: Vier Jahre DAX-Mitgliedschaft machen eine Firma kaum heimlich. Trotzdem kennen die meisten Patienten, deren Medikament durch einen Göttinger Filter lief, den Namen nicht. Mit diesem Vorbehalt gehört Sartorius in die Reihe der Hidden Champions wie der ebenfalls börsennotierte Lübecker Hersteller von Medizin- und Sicherheitstechnik Dräger. Die Marktführerschaft bei Einwegtechnik bleibt dabei eine Selbstauskunft des Unternehmens.

Wie verdient Sartorius tatsächlich sein Geld?

Klarsichtfolie auf Rolle, auf grauem Sockel, mit blauem Aufkleber „Nachschub“
Verbrauchsmaterial wird mit jeder Charge neu gekauft und bringt den größten Teil des Umsatzes.

Sartorius verdient vor allem an Verbrauchsmaterial für die Herstellung biotechnologischer Arzneimittel: Einwegbeutel, Filter, Zellkulturmedien. 2025 kamen 2,78 Milliarden Euro aus solchen wiederkehrenden Geschäften, und die Bioprozesssparte lieferte 86 Prozent des bereinigten Spartenergebnisses.

Zwei Sparten, ungleich groß

Von 3.538,1 Millionen Euro Konzernumsatz im Jahr 2025 entfielen 2.865,0 Millionen auf Bioprocess Solutions, rund 81 Prozent. Die Sparte liefert alles, was ein Pharmahersteller braucht, um Antikörper, Impfstoffe oder Zelltherapien in Zellkulturen herzustellen und zu reinigen: Bioreaktoren, Beutel, Schläuche, Filter, Chromatografie-Material und Nährmedien.

Wechselkursbereinigt wuchs sie um 9,5 Prozent.

Die Laborsparte Lab Products & Services setzte 673,0 Millionen Euro um, wechselkursbereinigt 0,2 Prozent mehr als 2024. Sie verkauft Laborwaagen, Pipetten, Wasseraufbereitung, Geräte für die Zellanalyse und das passende Zubehör.

In den ersten neun Monaten 2026 legte sie allerdings um 7,5 Prozent zu, Sartorius hob die Prognose für die Sparte an.

2025 kamen 1.466,6 Millionen Euro aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika, 1.251,4 Millionen aus Nord- und Südamerika und 820,1 Millionen aus Asien und dem Pazifikraum.

Der größte Einzelmarkt sind die USA mit 1.161,1 Millionen Euro, knapp ein Drittel des Umsatzes. Deutschland steht für 314,3 Millionen, China für 235,1 Millionen Euro.

Erlösmodell
Womit Sartorius 2025 sein Geld verdiente
Umsatz und bereinigte EBITDA-Marge nach Sparten, dazu der Anteil wiederkehrender Umsätze.
Umsatz in Millionen Euro
  • Bioprocess Solutions2.865,0
  • Lab Products & Services673,0
Bereinigte EBITDA-Marge
  • Bioprocess Solutions31,7 %
  • Lab Products & Services21,5 %
78,5 %
wiederkehrender Anteil am Konzernumsatz, Verbrauchsmaterial und Service
rund 84 %
wiederkehrender Anteil in der Bioprozesssparte
rund 55 %
wiederkehrender Anteil im Laborgeschäft

Das wiederkehrende Geschäft

Im Anhang des Geschäftsberichts definiert Sartorius als wiederkehrend Umsätze mit Verbrauchsmaterial und Dienstleistungen. 2025 waren das 2.776,3 Millionen Euro, rund 78,5 Prozent des Konzernumsatzes. In der Bioprozesssparte lag der Anteil bei rund 84 Prozent, im Labor bei rund 55 Prozent.

Ein Bioreaktor aus Edelstahl wird einmal gekauft und jahrelang gereinigt. Ein Einweg-Bioreaktor besteht aus einer festen Hülle und einem sterilen Kunststoffbeutel, der nach jeder Charge in den Abfall wandert. Laut Nachhaltigkeitserklärung im Geschäftsbericht machen solche Einwegprodukte 60 bis 70 Prozent des Konzernumsatzes aus.

Jede Produktionscharge beim Kunden löst damit eine neue Bestellung aus.

Das Muster erinnert an Rasierer und Klingen. Sartorius selbst verwendet das Bild nicht und spricht nüchtern vom „wiederkehrenden Geschäft“. Belegt ist allerdings nur die Seite der Klingen. Wie viel Sartorius an den Anlagen selbst verdient, weist der Konzern nicht getrennt aus.

Warum Kunden nicht einfach wechseln

Den eigentlichen Schutz liefert die Arzneimittelzulassung. Der Geschäftsbericht sagt es offen: Da die Produktionsprozesse als Teil des Zulassungsantrags von den Gesundheitsbehörden validiert werden, lassen sich Komponenten nach der Zulassung „nur mit erheblichem Aufwand“ austauschen.

In den USA muss ein Hersteller nach 21 CFR 601.12 die Arzneimittelbehörde FDA über Änderungen an Prozess und Ausrüstung informieren, größere Änderungen genehmigt die Behörde vorab.

RegelWas sie bei einem Lieferantenwechsel verlangt
21 CFR 601.12 (USA)Meldung an die FDA bei Änderungen an Prozess oder Ausrüstung, größere Änderungen nur nach vorheriger Genehmigung
ICH Q5E (international)Nachweis, dass das Produkt vor und nach der Änderung vergleichbar ist, im Zweifel mit zusätzlichen Studien
§ 29 Arzneimittelgesetz (Deutschland)Anzeige an die zuständige Bundesoberbehörde, wenn sich Angaben der Zulassungsunterlagen ändern

Ein Pharmakonzern, der den Filter in einem zugelassenen Antikörperprozess wechseln will, muss also belegen, dass das Medikament danach dasselbe ist. Wie dieser Nachweis der Vergleichbarkeit aussieht, regelt die internationale Leitlinie ICH Q5E.

Für ein paar Prozent Rabatt beim Filter riskiert nach unserer Einschätzung kaum ein Hersteller die Lieferfähigkeit eines zugelassenen Medikaments.

Im Risikobericht schreibt Sartorius selbst, die Hürden seien ebenso hoch, wenn es darum geht, Kunden von Wettbewerbern zu gewinnen. Die Chancen liegen deshalb in der Entwicklungsphase eines Medikaments, lange vor der Zulassung. Vorstandschef Grosse sagte im Oktober 2026, wenn neue Wirkstoffkandidaten weitere Entwicklungsphasen erreichten, eröffneten sich daraus Chancen für das Bioprozessgeschäft.

Wo die Marge entsteht

Die Bioprozesssparte erwirtschaftete 2025 ein bereinigtes EBITDA von 907,0 Millionen Euro, eine Marge von 31,7 Prozent. Die Laborsparte kam auf 144,6 Millionen Euro und 21,5 Prozent, nach 25,1 Prozent im Jahr 2023. Von den zusammen 1.051,6 Millionen Euro stammten damit rund 86 Prozent aus der Bioprozesssparte.

Auf Konzernebene stieg die Bruttomarge 2025 auf 46,3 Prozent. Sartorius begründet das mit Mengen-, Produktmix- und Skaleneffekten: Je mehr Beutel und Filter durch dieselben Reinräume laufen, desto weniger kostet das einzelne Stück.

Eine Quersubventionierung im engeren Sinn ist in den Zahlen nicht zu erkennen, beide Sparten verdienen Geld. Der Unterschied zeigt sich in der Entwicklung: Die Laborsparte ist kleiner, zu einem geringeren Teil wiederkehrend, und ihre Marge sank von 2023 bis 2025 um mehr als drei Prozentpunkte.

Mit Nutzerdaten handelt Sartorius nicht. Software zur Prozessanalyse und Zellanalyse gehört zum Angebot, eigene Umsätze weist der Konzern dafür nicht aus.

Wie sich das Modell verschoben hat

2021 stand die Bioprozesssparte für 79 Prozent des Umsatzes, 2025 für 81 Prozent. Die eigentliche Verschiebung lag in der Breite des Angebots. Zwischen 2020 und 2025 kaufte Sartorius mehrere Spezialisten zu: BIA Separations aus Slowenien für Chromatografie, CellGenix und Xell für Zellkulturen, das Chromatografiegeschäft von Novasep, den britischen Hersteller Albumedix und 2023 den französischen Anbieter Polyplus, der Reagenzien für die Zell- und Gentherapie herstellt.

Polyplus war mit rund 2.226 Millionen Euro Kaufpreis in bar der mit Abstand größte Zukauf, 1.703 Millionen davon buchte Sartorius als Geschäfts- oder Firmenwert. Ende 2025 standen insgesamt 3.469,8 Millionen Euro Firmenwerte in der Bilanz, gut ein Drittel der Bilanzsumme.

Zukäufe
Was Sartorius für seine Übernahmen bezahlte
Kaufpreise laut Konzernanhang in Millionen Euro, 2020 bis 2025.
  • Polyplus (2023)2.226,4
  • Albumedix (2022)460,3
  • BIA Separations (2020)366,9
  • CellGenix, 51 % (2021)112,1
  • MatTek (2025)70,1
  • Novasep-Chromatografie (2022)53,0
  • Xell (2021)49,9
3,47 Mrd. €
Geschäfts- oder Firmenwerte Ende 2025
4,93 Mrd. €
Nettoverschuldung Ende 2023
3,74 Mrd. €
Nettoverschuldung Ende 2025

Ab Januar 2027 ordnet Sartorius das Geschäft neu. Die neu benannte Sparte Bioprocessing Solutions entspricht dann exakt der börsennotierten Sartorius Stedim Biotech, alles übrige Labor- und Verbrauchsmaterialgeschäft wandert in die neue Sparte Research Solutions.

Am Kern ändert die neue Ordnung nichts: Geld verdient Sartorius mit dem, was beim Kunden verbraucht wird.

Auf den PunktWoran Sartorius verdient
  • Verbrauch: Jede Produktionscharge beim Kunden zieht neue Bestellungen von Beuteln, Filtern und Medien nach sich.
  • Zulassung: Ein Wechsel des Lieferanten verlangt nach der Zulassung neue Nachweise gegenüber den Behörden.
  • Zukäufe: Das breitere Angebot stammt vor allem aus Übernahmen, deren Preis heute als Firmenwert in der Bilanz steht.

Wie groß ist die Marktmacht von Sartorius?

Vier weiße Podeste, davor ein blaues Teil und zwei Kärtchen mit Schrift
Danaher, Thermo Fisher, Merck und Sartorius: Im Bioprozessgeschäft teilen wenige Große den Markt.

In seinen Kerntechnologien beansprucht Sartorius deutlich zweistellige Marktanteile, belastbare unabhängige Zahlen dazu gibt es nicht. Gegen Danaher, Thermo Fisher und Merck ist Sartorius der kleinste der großen Anbieter, verdient in seiner Bioprozesssparte aber vergleichbar gut.

Ein Markt mit vier Großen

Der Geschäftsbericht nennt als Hauptwettbewerber im Bioprozessgeschäft Danaher, Merck und Thermo Fisher. Sartorius schreibt selbst, es konkurriere mit „überwiegend größeren“ Unternehmen. Das stimmt, wenn man die Konzerne vergleicht, und stimmt nur noch eingeschränkt, wenn man die passenden Sparten nebeneinanderlegt.

Danaher bündelt sein Bioprozessgeschäft mit den Marken Cytiva und Pall im Segment Biotechnology. Thermo Fisher führt die Produktion von Biopharmazeutika als eines von drei Geschäften in der Sparte Life Sciences Solutions und weist dafür keinen eigenen Umsatz aus. Merck aus Darmstadt meldet die Geschäftseinheit Process Solutions getrennt.

Die Zahlen stammen aus den Geschäftsberichten 2025, Dollarbeträge sind zum EZB-Referenzkurs vom 30. Oktober 2026 umgerechnet.

Anbieter und BereichUmsatz 2025Ertragskennzahl 2025
Thermo Fisher, Life Sciences Solutions (mehr als Bioprozess)rund 9,29 Mrd. €Segmentmarge 36,3 %
Danaher, Biotechnology (Cytiva, Pall)rund 6,53 Mrd. €operative Marge 25,6 %
Merck, Process Solutions (Teil von Life Science)3,79 Mrd. €EBITDA pre Life Science gesamt 28,8 %
Sartorius, Bioprocess Solutions2,87 Mrd. €bereinigte EBITDA-Marge 31,7 %
Repligen (Konzern)rund 0,66 Mrd. €nicht vergleichbar ausgewiesen

Die Margen messen Verschiedenes und sind nur als Größenordnung lesbar. Eine operative Marge nach US-Bilanzregeln enthält Abschreibungen, ein EBITDA nicht. Trotzdem zeigt die Tabelle zweierlei: Sartorius verdient in seiner Sparte ähnlich gut wie die größeren Konkurrenten, und das Bioprozessgeschäft ist für alle vier ein Hochmargengeschäft.

Bei Danaher kamen 2025 rund 88 Prozent des Segmentumsatzes aus wiederkehrenden Geschäften, also aus Verbrauchsmaterial und Service. Das Modell ist keine Göttinger Besonderheit.

Woher die Stärke kommt

Den Markt teilen wenige Anbieter unter sich auf, und Kunden wechseln nach der Zulassung ungern. Sartorius schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass kurzfristig neue relevante Wettbewerber auftauchen, im Risikobericht als „relativ gering“ ein, wegen der stark regulierten Kundschaft und hoher technischer Eintrittsbarrieren. Netzwerkeffekte im Sinne einer Plattform gibt es nicht, wohl aber einen Bestandseffekt: Jedes zugelassene Medikament mit Sartorius-Komponenten sichert Folgebestellungen, solange es in dieser Form hergestellt wird.

Den Markt dahinter beziffert die Analysefirma Evaluate, zitiert im Sartorius-Geschäftsbericht: 2025 entfielen 51 Prozent des Weltpharmamarkts auf Biopharmazeutika, umgerechnet rund 552 Milliarden Euro. Auf dem Kapitalmarkttag im März 2026 rechnete Sartorius mit einem Wachstum seiner Märkte von 7 bis 9 Prozent im Jahr.

Schwächer ist Sartorius in den USA. Weil die Hauptwettbewerber dort zu Hause sind, hatte der Konzern laut Geschäftsbericht historisch geringere Marktanteile als in Europa und Asien, er hat in den vergangenen Jahren aber aufgeholt.

Kartellrechtliche Verfahren nennt der Geschäftsbericht 2025 nicht. Kartellrecht taucht dort nur als allgemeine Kategorie von Compliance-Risiken auf.

Wer ist bei Sartorius eigentlich das Produkt?

Dose mit weißem Pulver, blaues Schloss, Anhänger „Zugelassen“
Ist ein Prozess zugelassen, lassen sich Filter und Beutel nur mit erheblichem Aufwand austauschen.

Daten oder Nutzer verkauft Sartorius nicht, aber fast alle Beteiligten sind voneinander abhängig. Pharmakunden hängen an validierten Komponenten, Sartorius an rund 50 Großkunden mit knapp der Hälfte des Umsatzes, und am Ende zahlen Krankenkassen und Patienten die Preise biotechnologischer Arzneimittel.

Der Kunde hängt am Filter

Die größte Abhängigkeit liegt beim Kunden. Ein Antikörperhersteller, dessen Prozess mit Sartorius-Beuteln und -Filtern zugelassen ist, braucht genau diese Teile in gleichbleibender Qualität, Charge für Charge.

Wenn ein Lieferant ausfällt, steht im schlimmsten Fall die Produktion eines Medikaments still.

Wie sehr Kunden auf Liefersicherheit achten, zeigte die Pandemie: Hersteller legten damals erhöhte Lagerbestände an und bauten sie 2023 und 2024 wieder ab. Für Sartorius bedeutete das zuerst Rekordumsätze und danach den Einbruch.

Sartorius schützt sich gegen die eigene Lieferunsicherheit mit hoher Fertigungstiefe. Filter und Einwegbeutel stellt der Konzern laut Geschäftsbericht aus zugelieferter Cellulose, Polymeren und Kunststofffolien selbst her, Elektronik, Sensorik und Steuerungssoftware für die Anlagen ebenfalls.

Das gesamte Einkaufsvolumen, also Material, Dienstleistungen und Investitionsgüter, entspricht rund 40 Prozent des Umsatzes, rund 80 Prozent davon decken etwa 700 Lieferanten ab, keiner hat eine dominierende Stellung.

Sartorius hängt an wenigen Großen

Knapp die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet der Konzern mit seinen 50 größten Kunden, kein einzelner Kunde steht für mehr als fünf Prozent. Zu diesen Kunden zählen große Pharmakonzerne und Auftragshersteller, die Biopharmazeutika im Auftrag anderer produzieren.

Mehr als 90 Prozent des Umsatzes erzielt Sartorius außerhalb Deutschlands.

Wenn diese Kunden weniger neue Anlagen kaufen, spürt Sartorius das sofort im Anlagengeschäft. Verbrauchsmaterial bestellen sie weiter, solange sie produzieren. Genau diese Mischung erklärt die Neunmonatszahlen 2026: Vorstandschef Grosse sah die Kunden laut dpa-AFX wieder im „Investitionsmodus“, Wachstumstreiber blieb aber das wiederkehrende Geschäft.

Wer am Ende zahlt

Die Rechnung für einen Einwegbeutel bezahlt der Pharmahersteller. Wirtschaftlich landet sie im Preis des Medikaments, und den zahlen in Deutschland überwiegend die gesetzlichen Krankenkassen. Wie groß der Anteil von Filtern und Beuteln an den Herstellkosten eines Antikörpers ist, legt Sartorius nicht offen.

Als Patient begegnen Sie Sartorius deshalb nie direkt. Hochschulen, Lebensmittelprüfer und Chemiefirmen dagegen kaufen Laborwaagen und Pipetten aus Göttingen selbst ein.

Auf den PunktWer von wem abhängt
  • Pharmakunden: Sie können zugelassene Komponenten nicht kurzfristig ersetzen.
  • Sartorius: Das Anlagengeschäft hängt an der Investitionsbereitschaft einiger weniger Großkunden.
  • Lieferanten: Hunderte Zulieferer, keiner mit beherrschender Stellung.

Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?

3D-Grafik eines Kreisdiagramms mit einem blauen Segment, beschriftet mit „Zinsen“, auf einem Sockel
Von 100 Euro Umsatz blieben 2025 bei Sartorius 4,38 Euro für die Aktionäre der AG.

Listenpreise für Filter und Beutel veröffentlicht Sartorius nicht. Die Konzernrechnung zeigt aber, wohin ein Umsatzeuro fließt: gut die Hälfte in die Herstellung, knapp ein Fünftel in den Vertrieb, fast sechs Cent in Zinsen und am Ende 4,38 Cent zu den Aktionären der Sartorius AG.

Ein Umsatzeuro, zerlegt

Was ein Pharmakonzern für einen Einweg-Bioreaktorbeutel oder eine Filterkartusche bezahlt, nennt Sartorius nicht öffentlich. Öffentlich ist die Gewinn- und Verlustrechnung, und die lässt sich auf 100 Euro Umsatz herunterrechnen. Die folgende Tabelle ist eine Redaktionsrechnung auf Basis des Geschäftsberichts 2025.

Position 2025Mio. €je 100 € Umsatz
Umsatz3.538,1100,00 €
Herstellungskosten der verkauften Produkte1.901,353,74 €
Vertrieb665,618,81 €
Verwaltung231,06,53 €
Forschung und Entwicklung174,04,92 €
Sonstiges, saldiert23,60,67 €
Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT)542,615,34 €
Zinsen und übriges Finanzergebnis205,65,81 €
Ertragsteuern106,53,01 €
Jahresüberschuss230,46,51 €
davon Minderheitsaktionäre, vor allem bei Sartorius Stedim Biotech75,52,13 €
davon Aktionäre der Sartorius AG154,94,38 €

Quer zu diesen Positionen stecken 1.229,2 Millionen Euro Personalaufwand und 875,9 Millionen Euro Materialaufwand in den Kosten. Gut ein Drittel des Umsatzes geht also an die Beschäftigten, knapp ein Viertel an Lieferanten von Rohstoffen und Vorprodukten.

Was die Bereinigung ausblendet

Sartorius steuert nach dem bereinigten EBITDA. Es lag 2025 bei 1.051,6 Millionen Euro. Rechnet man vom ausgewiesenen EBIT aus und zählt die Abschreibungen von 420,1 Millionen Euro hinzu, ergeben sich 962,7 Millionen.

Die Differenz von 88,9 Millionen Euro entspricht den Sondereffekten, vor allem Effizienzmaßnahmen und die Umstellung auf eine neue Unternehmenssoftware.

Das bereinigte Ergebnis ist eine legitime Kennzahl, um das laufende Geschäft zu vergleichen. Das EBITDA lässt die Zinsen auf die Schulden ohnehin außen vor, die Bereinigung zusätzlich die Kosten des Effizienzprogramms. Beides schmälert den Gewinn für die Aktionäre. Unsere Einschätzung: Die bereinigte Marge von 29,7 Prozent verdeckt, wie viel vom Umsatz bei Banken und Anleihegläubigern landet.

Das Finanzergebnis verschlang 2025 rund 38 Prozent des EBIT.

Wer die Kosten trägt

Sartorius gab gestiegene Beschaffungskosten nach Beginn des Ukrainekriegs laut Geschäftsbericht über vereinbarte Preiserhöhungen an die Kunden weiter. Ebenso verfuhr der Konzern mit den US-Zöllen von 15 Prozent auf die meisten Einfuhren aus der EU: Kunden zahlten einen Zollzuschlag.

Nachdem das Oberste Gericht der USA die Zölle für unzulässig erklärt hatte, bekam Sartorius bereits gezahlte Zölle erstattet und reichte das Geld an die Kunden weiter, bis Ende September 2026 rund 31 Millionen Euro. Der Umsatz sank dadurch auf dem Papier, das Ergebnis blieb unberührt.

Sartorius reichte Mehrkosten und Erstattungen gleichermaßen an die Kunden durch.

Am Ende bezahlt der Pharmakunde, der seine Einkaufspreise in die Arzneimittelpreise einrechnet. Die Aktionäre bekommen seit dem Geschäftsjahr 2023 eine Dividende von 0,74 Euro je Vorzugsaktie, für 2022 waren es noch 1,44 Euro gewesen.

Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Weiße Spendenbox mit blauem Deckel, Klebeband, Münzstapel und Kärtchen „Ohne Stimme“
Vorzugsaktionäre stellen die Hälfte des Kapitals der Sartorius AG, abstimmen dürfen sie nicht.

Profitiert haben die Erben mit der Stimmenmehrheit, die Minderheitsaktionäre der französischen Tochter und Göttingen als Standort. Draufgezahlt haben Anleger, die in der Pandemie eingestiegen sind, und ein Teil der Beschäftigten, deren Stellen nach 2022 wegfielen.

Die Gewinner

Die Erbengemeinschaft von Horst Sartorius hält über den Testamentsvollstrecker rund 50,1 Prozent der ausgegebenen Stammaktien. Die Vorzugsaktien, die andere Hälfte des Grundkapitals, haben kein Stimmrecht. Die Familie hat damit die Mehrheit in der Hauptversammlung, ohne die Mehrheit des Kapitals zu besitzen.

Zur Erbengemeinschaft gehören laut Geschäftsbericht Karin Sartorius-Herbst, Christine Franken und die LifeScience Holding, die über eine Kette von Gesellschaften der Beteiligungsgesellschaft Armira zuzurechnen ist.

Der zweite große Aktionär ist der kalifornische Laborkonzern Bio-Rad. Er hält laut Geschäftsbericht rund 38 Prozent der im Umlauf befindlichen Stammaktien, also ohne die eigenen Aktien von Sartorius gerechnet, und rund 28 Prozent der Vorzugsaktien. Bezogen auf alle Stimmrechte meldete Bio-Rad im September 2026 nach einem Erbfall in der Eigentümerfamilie 34,69 Prozent. Gewonnen hat Bio-Rad vor allem Einfluss, beim Kurs hat der Konzern als Aktionär mitverloren.

Dritte Gewinner sind die Minderheitsaktionäre der französischen Tochter. An der Sartorius Stedim Biotech hält die Sartorius AG 71,5 Prozent des Kapitals und rund 83 Prozent der Stimmrechte.

Der Rest gehört Anlegern an der Pariser Börse, und auf sie entfielen 2025 rund 75,5 Millionen Euro vom Jahresüberschuss, fast halb so viel wie auf die Aktionäre der Muttergesellschaft.

Göttingen profitiert als Konzernsitz. Sartorius beziffert die Belegschaft dort auf rund 4.000 Menschen, in Deutschland waren es Ende 2025 insgesamt 4.634. Sartorius baut die Filterproduktion in Göttingen weiter aus.

Die Verlierer

Anleger, die in der Pandemie eingestiegen sind, haben viel Geld verloren. Laut dpa hatte sich der Kurs bis zum DAX-Abstieg im September 2025 in rund drei Jahren etwa halbiert.

Zum Jahresende 2025 schloss die Vorzugsaktie bei 247,20 Euro, nach den Neunmonatszahlen stieg sie im Tagesverlauf auf 276,70 Euro.

Auch die Belegschaft hat die Delle zu spüren bekommen. Ende 2022 beschäftigte Sartorius 15.942 Menschen, Ende 2024 noch 13.528. Seither stellt der Konzern wieder ein, Ende September 2026 waren es 14.273.

Die Pharmakunden zahlen keinen offensichtlichen Preis, aber einen strukturellen. Je mehr Komponenten eines zugelassenen Prozesses von einem Lieferanten stammen, desto schwerer wird der Wechsel. In der Plattformökonomie heißt dieser Effekt Lock-in, in der Pharmaproduktion ist er Folge der Zulassungsregeln und nicht Sartorius‘ Erfindung.

BeteiligteGewinn oder VerlustBeleg
Erbengemeinschaft Horst SartoriusStimmenmehrheit über rund 50,1 % der ausgegebenen StammaktienGeschäftsbericht 2025
Bio-Rad34,69 % der Stimmrechte, rund 28 % der VorzugsaktienStimmrechtsmitteilung September 2026, Geschäftsbericht 2025
Minderheitsaktionäre Sartorius Stedim Biotech75,5 Mio. € Anteil am Jahresüberschuss 2025Geschäftsbericht 2025
Standort Göttingenrund 4.000 Arbeitsplätze, Ausbau der FilterproduktionSartorius, Geschäftsbericht 2025
Anleger seit 2021Kurs bis September 2025 etwa halbiert, DAX-Abstiegdpa, 04.09.2025
Beschäftigtevon 15.942 (2022) auf 13.528 (2024), seither wieder mehrGeschäftsberichte 2022 bis 2025, Quartalsmitteilung 9M 2026

Unser Urteil: Die Bilanz zeigt einen Konzern, der seine Kunden fest an sich bindet. Für die überzogenen Erwartungen aus der Pandemie haben dagegen die Anleger und ein Teil der Belegschaft bezahlt.

Bei Sartorius stellen Vorzugsaktionäre die Hälfte des Kapitals, die Stimmenmehrheit aber hält ein Testamentsvollstrecker mit 25 Prozent des Grundkapitals.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zitat teilen

Wie politisch ist Sartorius?

Brief mit Siegel und Sanduhr mit Aufschrift „2028“ auf einem weißen Podest
Die Testamentsvollstreckung über die Familienaktien läuft bis Mitte 2028, danach entscheiden die Erben.

Sartorius macht Politik vor allem über Standorte und Lieferketten, nicht über Lobbyausgaben: Im Lobbyregister des Bundestags steht der Konzern nicht. Politisch heikel sind die US-Zölle, das China-Geschäft und die Frage, was 2028 mit den Familienaktien geschieht.

Kein Eintrag im Lobbyregister

Eine Suche im Lobbyregister des Bundestags nach „Sartorius“ ergab am 2. November 2026 keinen Treffer. Der Geschäftsbericht nennt die Mitarbeit in Industrieverbänden und Normenausschüssen als Weg, an Regeln mitzuwirken, ohne einzelne Verbände aufzuzählen. Für einen Konzern mit 3,5 Milliarden Euro Umsatz ist das eine auffallend leise Interessenvertretung, zumindest auf Bundesebene.

Die Steuerquote lag 2025 bei 31,6 Prozent, nach 26,4 Prozent im Vorjahr. Hinweise auf aggressive Steuergestaltung finden sich im Geschäftsbericht nicht. Die Struktur mit der in Frankreich börsennotierten Tochter hat historische Gründe, sie geht auf die Fusion mit Stedim 2007 zurück.

Zölle, USA und China

Die USA sind mit 32,8 Prozent des Umsatzes der größte Markt. Auf die meisten Einfuhren aus der EU erhoben die USA 2025 Zölle von 15 Prozent. Sartorius gab die Mehrkosten weitgehend an die Kunden weiter und verwies darauf, einen wesentlichen Teil der US-Umsätze in eigenen Werken in den USA und auf Puerto Rico zu fertigen.

Nach dem Urteil des Obersten Gerichts flossen die Zölle zum Teil zurück.

Das China-Geschäft ist überschaubar. 2025 setzte Sartorius dort 235,1 Millionen Euro um, 6,6 Prozent des Konzernumsatzes. Die schwache Nachfrage dämpfte laut Geschäftsbericht 2025 noch das Wachstum, in den ersten neun Monaten 2026 trug China wieder zum Wachstum in Asien bei. Seit 1995 fertigt Sartorius in Peking, zuerst Laborwaagen, inzwischen auch Einwegbeutel.

Als mittelfristiges Risiko nennt der Konzern neue Wettbewerber aus China. Die verbliebenen Geschäfte in Russland hatte Sartorius bereits 2024 eingestellt.

Standortpolitik mit eigenem Geld

Das größte Investitionsprojekt liegt nicht in Deutschland. In Songdo in Südkorea baut Sartorius ein Werk für sterile Verbrauchsmaterialien samt Technologiezentrum, als Drehscheibe für Asien. In Freiburg baut der Konzern die Fertigung für die Zell- und Gentherapie aus.

In Göttingen wächst die Membranproduktion. Beträge zu staatlichen Zuschüssen nennt der Geschäftsbericht nicht.

Eigentümer
Wer bei Sartorius das Sagen hat
Aktionärsstruktur der Sartorius AG und Beteiligung an der französischen Tochter.
Stammaktien
Erbengemeinschaft Horst Sartorius
Rund 50,1 % der ausgegebenen Stammaktien, Stimmrechte übt bis Mitte 2028 ein Testamentsvollstrecker aus.
Stammaktien
Bio-Rad Laboratories
34,69 % aller Stimmrechte laut Mitteilung vom September 2026, dazu rund 28 % der Vorzugsaktien.
Vorzugsaktien
Streubesitz
Rund 72 % der im Umlauf befindlichen Vorzugsaktien (ohne eigene Aktien), ohne Stimmrecht, gehandelt im MDAX.
Eigene Aktien
Sartorius AG
Rund 3,2 Mio. Stamm- und 2,6 Mio. Vorzugsaktien im eigenen Bestand.
Tochter
Sartorius Stedim Biotech
Die Sartorius AG hält 71,5 % des Kapitals und rund 83 % der Stimmrechte, der Rest liegt an der Pariser Börse.
Führung
Vorstand und Aufsichtsrat
Vorstandschef Michael Grosse seit Juli 2025, Aufsichtsratschef ist der Testamentsvollstrecker Lothar Kappich.

Die offene Nachfolgefrage

Die Testamentsvollstreckung über die Stammaktien der Erbengemeinschaft endet Mitte 2028, wie Sartorius 2021 mitteilte. Bis dahin übt Lothar Kappich die Stimmrechte nach eigenem Ermessen aus.

Was danach mit den Aktien geschieht, entscheiden die Erben. Zu ihnen gehört, wie oben beschrieben, eine Armira zuzurechnende Gesellschaft. Den zweiten großen Block hält Bio-Rad mit mehr als einem Drittel der Stimmrechte. Wie sich die Mehrheit nach 2028 ordnet, hat Sartorius nicht mitgeteilt. Nach unserer Einschätzung ist das für die Vorzugsaktionäre, die selbst nicht abstimmen dürfen, die wichtigste offene Frage der nächsten Jahre.

Was könnte Sartorius zu Fall bringen?

Päckchenturm auf blauem Würfel mit Aufschrift Schulden
Lagerzyklen, Schulden und Firmenwerte: die größten Risiken für das Geschäftsmodell von Sartorius.

Zu Fall bringen dürfte Sartorius keines der erkennbaren Risiken allein. Gefährlich wäre eine Kombination: ein neuer Nachfragezyklus wie 2023, eine Nettoverschuldung von zuletzt 3,68 Milliarden Euro und Firmenwerte, die sich bei schwächeren Aussichten abschreiben ließen.

Der Zyklus im Verbrauchsgeschäft

Das wiederkehrende Geschäft gilt als stabil, und 2023 hat gezeigt, wo die Grenze liegt. Wenn Kunden Lager abbauen, bestellen sie auch Verbrauchsmaterial monatelang weniger nach, obwohl sie weiter produzieren. Der Umsatzrückgang von 16,6 Prozent kam vor allem aus diesem Effekt, nicht aus einem Ende der Nachfrage nach Biopharmazeutika.

Das Anlagengeschäft schwankt stärker. Wie beim Abfüllanlagenbauer Krones, der ebenfalls an der Investitionslust seiner Kunden hängt, entscheidet bei Bioreaktoren und Laborgeräten das Budget des Kunden über den Auftrag. Sartorius weist seit 2025 keinen Auftragseingang mehr aus, Anleger sehen eine Abschwächung deshalb erst im Umsatz.

Schulden und Firmenwerte

Ende September 2026 lag die Nettoverschuldung bei 3.679,9 Millionen Euro, das 3,33-Fache des bereinigten EBITDA. Ende 2023 war es noch das 5,05-Fache gewesen. Die Schulden sinken, doch das Finanzergebnis kostet Sartorius weiterhin rund 200 Millionen Euro im Jahr.

In der Bilanz stehen 3.469,8 Millionen Euro Firmenwerte, gut 1,7 Milliarden davon aus Polyplus. Der Firmenwert ist der Teil des Kaufpreises, für den es keine greifbaren Vermögenswerte gibt, er steht für erwartete künftige Gewinne. Wenn die Zell- und Gentherapie langsamer wächst als beim Kauf angenommen, droht eine Abschreibung, die den Gewinn eines Jahres aufzehren könnte.

Einen konkreten Anlass dafür nennt der Geschäftsbericht 2025 nicht.

Konkurrenz, Politik, Eigentümer

Aus China kommen nach Sartorius‘ eigener Einschätzung mittelfristig neue Anbieter hinzu. Die Zulassungsbindung schützt den Bestand, nicht aber das Neugeschäft bei Medikamenten, die erst noch in die Produktion gehen.

Politisch ist der US-Markt das größte Risiko, weil dort ein Drittel des Umsatzes entsteht und Zölle sich binnen Monaten ändern können. Hinzu kommt die offene Eigentümerfrage nach dem Ende der Testamentsvollstreckung 2028.

Risiken
Was Sartorius gefährlich werden könnte
Die wichtigsten Risiken nach Einschätzung der Redaktion, Stand 02.11.2026.
hoch
Nachfragezyklus
Lagerabbau bei Kunden wie 2023 kann auch das wiederkehrende Geschäft für Monate bremsen.
hoch
Verschuldung
Rund 3,7 Mrd. € Nettoverschuldung und rund 200 Mio. € negatives Finanzergebnis im Jahr.
mittel
Firmenwerte
3,47 Mrd. € Firmenwerte, davon gut 1,7 Mrd. € aus Polyplus, abhängig vom Wachstum der Zell- und Gentherapie.
mittel
US-Politik
Ein Drittel des Umsatzes in den USA, Zölle können sich binnen Monaten ändern.
mittel
Wettbewerb
Größere Konkurrenten und neue Anbieter aus China beim Neugeschäft.
offen
Eigentümer
Ende der Testamentsvollstreckung Mitte 2028, künftige Mehrheit ungeklärt.

Drei Szenarien bis 2030

Auf dem Kapitalmarkttag im März 2026 kündigte Sartorius an, ab 2027 organisch um 8 bis 11 Prozent im Jahr zu wachsen und die Marge jährlich um 50 bis 75 Basispunkte zu steigern, also um 0,50 bis 0,75 Prozentpunkte. Die neuen Ziele lagen laut dpa deutlich unter den alten aus dem Jahr 2024, die rund 34 Prozent Marge für 2028 vorsahen.

Über die neue Ausrichtung auf Biopharma haben wir im Juni berichtet.

Im günstigen Szenario erreicht Sartorius die Ziele, die Verschuldung sinkt unter das Dreifache des EBITDA, und die Firmenwerte bleiben unangetastet. Im mittleren Szenario wächst der Konzern am unteren Ende der Spanne, weil Kunden weniger Anlagen kaufen, das Verbrauchsgeschäft hält die Marge stabil.

Im ungünstigen Szenario folgt ein zweiter Lagerzyklus, und eine Abschreibung auf Polyplus belastet das Ergebnis.

Diese Szenarien sind unsere Einschätzung. Gegen das ungünstige sprechen derzeit die Zahlen: Die Neunmonatszahlen 2026 zeigen steigende Umsätze in allen Regionen und beiden Sparten.

Was bedeutet Sartorius für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Wegweiser mit blauen Schildern „Labor“ nach links, „Fabrik“ nach rechts und Notiz „Homeoffice“ am Pfahl
Was das Modell von Sartorius für Einkäufer, Zulieferer und Anleger in Deutschland bedeutet.

Für Verbraucher ist Sartorius ein unsichtbarer Kostenposten im Preis biotechnologischer Medikamente. Für deutsche Unternehmen ist der Konzern Kunde, Lieferant und Wettbewerber zugleich, und für Biotech-Gründer in Göttingen ein Nachbar mit eigenem Gründerzentrum.

Was die Neunmonatszahlen sagen

Die Zahlen vom 22. Oktober 2026 zeigen steigende Umsätze und Margen bei sinkender Verschuldung. Auch die Laborsparte wächst wieder.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Sartorius ein wechselkursbereinigtes Wachstum von 5 bis 9 Prozent, wegen der weitergereichten Zollerstattungen eher in der unteren Hälfte, und eine bereinigte EBITDA-Marge etwas über 30 Prozent.

Deutschland spielt dabei eine kleine Rolle als Markt. 2025 kamen 314,3 Millionen Euro Umsatz aus dem Inland, 8,9 Prozent des Konzerns. Als Arbeitgeber ist Deutschland wichtiger: Ein Drittel der Belegschaft arbeitet hier.

Für Unternehmen

Für Labore in Hochschulen, Lebensmittelprüfung und Chemie ist Sartorius ein Anbieter unter mehreren. Bei Laborwaagen nennt der Konzern selbst Mettler-Toledo als Wettbewerber, bei Pipetten den Hamburger Hersteller Eppendorf. Einkäufer von Laborgeräten können also vergleichen und verhandeln, was bei validierten Pharmaprozessen kaum möglich ist.

Für Zulieferer aus Europa ist Sartorius ein relevanter Abnehmer. Rund 70 Prozent der Lieferanten sitzen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika, das Einkaufsvolumen entspricht rund 40 Prozent des Umsatzes. Kunststoffe, Folien, Metall- und Elektronikteile kauft der Konzern in großen Mengen zu.

Für Biotech-Gründer gibt es in Göttingen die Life Science Factory, ein Gründerzentrum im Sartorius-Quartier auf dem früheren Werksgelände an der Weender Landstraße.

Nach unserer Einschätzung ist das für Sartorius auch Kundenpflege: Ein Herstellungsprozess, der mit bestimmten Komponenten entwickelt wurde, geht später meist mit ihnen in die Zulassung.

Für Verbraucher und Anleger

Patienten und Beitragszahler bezahlen Sartorius indirekt über die Preise von Antikörpern, Impfstoffen und Zelltherapien. Wie viel davon auf Filter und Beutel entfällt, lässt sich von außen nicht beziffern.

Für Privatanleger ist die Aktie eine Wette auf die Biopharmaproduktion, mit einem Haken: Die im MDAX gelistete Vorzugsaktie hat kein Stimmrecht, und die Mehrheit der Stammaktien liegt bis 2028 bei der Testamentsvollstreckung. Anlageberatung ist das ausdrücklich nicht.

Was die nächsten zwölf Monate bringen könnten

SzenarioAnnahmeFolge für Sartorius
OptimistischKunden investieren wieder in neue AnlagenAbschluss 2026 im oberen Teil der Prognose, Rückenwind für die neue Spartenstruktur ab 2027
RealistischVerbrauchsgeschäft wächst weiter, Anlagengeschäft erholt sich langsamUmsatz und Marge im Rahmen der Prognose
PessimistischNeue Zölle oder ein Rückschlag bei Biotech-FinanzierungenWeniger Bestellungen, langsamerer Schuldenabbau

Für den mittleren Fall spricht nach unserer Einschätzung, dass Sartorius die Prognose im Oktober bestätigt und für die Laborsparte angehoben hat.

Unser Fazit: Sartorius ist kein heimlicher Champion mehr, aber einer mit einem bemerkenswert stabilen Kern. Der Konzern verdient bei jeder Charge mit, die in seinen Beuteln entsteht, und hat diese Stellung in der Delle 2023 nicht verloren. Was ihm fehlt, ist eine geklärte Eigentümerfrage für die Zeit nach 2028.

Auf den PunktKurz gesagt
  • Einkäufer: Bei Laborgeräten lohnt der Preisvergleich, bei validierten Pharmaprozessen kaum.
  • Zulieferer: Sartorius kauft in großem Stil in Europa ein.
  • Anleger: Vorzugsaktien bringen eine Dividende, aber keinen Einfluss auf die Nachfolgefrage.

Glossar: 15 wichtige Fachbegriffe zu Sartorius

Aufgeschlagenes Buch mit Lesebändchen und Anhänger mit der Aufschrift Glossar auf einem Podest
Von Bioreaktor bis Vorzugsaktie: die wichtigsten Fachbegriffe zu Sartorius.

Bereinigtes EBITDA

Das bereinigte EBITDA ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, ohne Sondereffekte wie Umbaukosten oder Übernahmeausgaben. Sartorius steuert nach dieser Kennzahl und nennt sie seit 2026 auch operatives EBITDA. Sie zeigt die laufende Ertragskraft, blendet aber Zinsen und Einmalkosten aus.

Biopharmazeutika

Biopharmazeutika sind Arzneimittel, die mithilfe lebender Zellen hergestellt werden, zum Beispiel Antikörper, Impfstoffe, Insuline oder Zelltherapien. Ihre Herstellung ist aufwendig und streng reguliert. Laut Evaluate entfiel 2025 rund die Hälfte des weltweiten Pharmaumsatzes auf solche Medikamente.

Bioreaktor

Ein Bioreaktor ist ein Behälter, in dem lebende Zellen unter kontrollierten Bedingungen wachsen und einen Wirkstoff herstellen, etwa einen Antikörper. Temperatur, Sauerstoff und Nährstoffe werden genau geregelt. Sartorius verkauft Bioreaktoren aus Edelstahl und Einweg-Bioreaktoren mit austauschbarem Kunststoffbeutel.

Chromatografie

Die Chromatografie trennt Stoffgemische, indem deren Bestandteile unterschiedlich schnell durch ein Trägermaterial wandern. In der Biopharmaproduktion reinigt sie den Wirkstoff von Zellresten und Verunreinigungen. Sartorius hat sein Angebot dafür unter anderem mit BIA Separations und dem Chromatografiegeschäft von Novasep ausgebaut.

Einwegtechnik

Unter Einwegtechnik versteht die Pharmaindustrie sterile Beutel, Schläuche, Filter und Behälter aus Kunststoff, die nur für eine Produktionscharge verwendet werden. Sie sparen Reinigung und Prüfung zwischen den Chargen. Laut Sartorius machen Einwegprodukte 60 bis 70 Prozent des Konzernumsatzes aus.

Firmenwert

Der Firmenwert, im Bilanzrecht Geschäfts- oder Firmenwert, ist der Teil eines Kaufpreises, den die übernommenen Vermögenswerte nicht abdecken. Er steht für erwartete künftige Gewinne. Wenn diese Erwartungen sinken, muss der Käufer ihn abschreiben, was das Ergebnis belastet.

Lagerabbau

Beim Lagerabbau verbrauchen Kunden zuerst ihre Vorräte, bevor sie neu bestellen. Für den Lieferanten sinken die Aufträge dann stärker als der tatsächliche Verbrauch. Nach der Pandemie bauten Pharmahersteller 2023 und 2024 erhöhte Lagerbestände ab, was Sartorius und seine Konkurrenten deutlich spürten.

Membranfilter

Ein Membranfilter ist eine dünne, poröse Schicht, meist aus Cellulose oder Kunststoff, deren Poren Bakterien und Partikel zurückhalten. In der Arzneimittelproduktion sichern solche Filter die Sterilität von Flüssigkeiten. Sartorius stellt Membranen seit der Gründung der Membranfiltergesellschaft 1927 her.

Minderheitsanteile

Minderheitsanteile, im Konzernabschluss nicht beherrschende Anteile, sind die Teile einer Tochtergesellschaft, die anderen Aktionären gehören. Ihr Anteil am Gewinn wird vom Konzernergebnis abgezogen. Bei Sartorius betrifft das vor allem die außenstehenden Aktionäre der Sartorius Stedim Biotech in Paris.

Sondereffekte

Sondereffekte sind Aufwendungen und Erträge, die ein Unternehmen als einmalig oder außergewöhnlich einstuft, etwa für Übernahmen, Umbauprogramme oder neue Unternehmenssoftware. Sartorius rechnet sie aus dem bereinigten Ergebnis heraus. 2025 summierten sie sich auf 88,9 Millionen Euro.

Testamentsvollstreckung

Bei einer Testamentsvollstreckung verwaltet eine vom Erblasser bestimmte Person den Nachlass, statt die Erben selbst. Bei Sartorius übt der Testamentsvollstrecker die Stimmrechte der Familienaktien nach eigenem Ermessen aus. Die Anordnung von Horst Sartorius gilt bis Mitte 2028.

Validierung

Eine Validierung weist mit dokumentierten Prüfungen nach, dass ein Herstellungsprozess zuverlässig ein Produkt in der geforderten Qualität liefert. Validierte Prozesse sind Teil der Arzneimittelzulassung. Ein Hersteller, der danach Komponenten tauscht, muss gegenüber der Behörde belegen, dass das Medikament gleich bleibt.

Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad setzt die Nettoverschuldung ins Verhältnis zum bereinigten EBITDA eines Jahres. Er zeigt, wie viele Jahre das operative Ergebnis rechnerisch bräuchte, um die Schulden zu tilgen. Bei Sartorius sank der Wert von 5,05 Ende 2023 auf 3,33 im September 2026.

Vorzugsaktie

Eine Vorzugsaktie gewährt in der Regel kein Stimmrecht in der Hauptversammlung, dafür einen Vorrang oder Aufschlag bei der Dividende. Bei Sartorius erhalten Vorzugsaktionäre einen Cent mehr Dividende je Aktie als Stammaktionäre. Im MDAX notiert die Vorzugsaktie.

Wiederkehrender Umsatz

Als wiederkehrenden Umsatz bezeichnet Sartorius Erlöse mit Verbrauchsmaterial und Dienstleistungen, die sich mit jeder Produktionscharge oder jedem Servicevertrag wiederholen. Anders als beim Verkauf einer Anlage entstehen sie laufend. Bei Sartorius machen sie den größten Teil des Konzernumsatzes aus.

FAQ: Wie verdient Sartorius an fremden Medikamenten mit?

Infusionsbeutel mit blauer Flüssigkeit an einem Ständer, daran hängt ein FAQ-Schild
Häufige Fragen zu Sartorius: Eigentümer, Produkte, Umsatz, DAX-Abstieg, Vorstand und Sitz.

Wem gehört Sartorius?

Die Mehrheit der Stimmrechte liegt bei der Erbengemeinschaft von Horst Sartorius, deren Aktien bis Mitte 2028 ein Testamentsvollstrecker verwaltet. Der US-Laborkonzern Bio-Rad hält rund ein Drittel der Stimmrechte. Die stimmrechtslosen Vorzugsaktien sind zu rund 72 Prozent im Streubesitz.

Was stellt Sartorius her?

Sartorius liefert Ausrüstung und Verbrauchsmaterial für die Herstellung biotechnologischer Arzneimittel, darunter Bioreaktoren, Einwegbeutel, Filter und Zellkulturmedien. Außerdem verkauft der Konzern Laborprodukte wie Waagen, Pipetten und Geräte zur Zellanalyse.

Wie viel Umsatz macht Sartorius?

Sartorius setzte 2025 rund 3,54 Milliarden Euro um, wechselkursbereinigt 7,6 Prozent mehr als im Vorjahr. In den ersten neun Monaten 2026 kamen 2,74 Milliarden Euro zusammen. Der bisherige Höchstwert stammt aus dem Jahr 2022 mit 4,17 Milliarden Euro.

Warum ist Sartorius nicht mehr im DAX?

Die Deutsche Börse stufte die Vorzugsaktie im September 2025 nach der regulären Überprüfung in den MDAX ab, weil der Börsenwert gesunken war. Nach dem Pandemieboom hatten Lagerabbau bei Kunden und ein Umsatzrückgang im Jahr 2023 den Kurs belastet.

Wer ist Vorstandschef von Sartorius?

Seit dem 1. Juli 2025 führt Michael Grosse den Konzern. Er kam vom Verpackungsmaschinenbauer Syntegon, den er zuvor geleitet hatte. Er folgte auf Joachim Kreuzburg, der Sartorius seit 2003 geleitet hatte.

Wo sitzt Sartorius und wie viele Mitarbeiter hat der Konzern?

Die Sartorius AG hat ihren Sitz in Göttingen, die Tochter Sartorius Stedim Biotech in Aubagne bei Marseille. Ende September 2026 beschäftigte der Konzern 14.273 Menschen, Ende 2025 arbeiteten 4.634 davon in Deutschland.

Quellen

32 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 02.11.2026
  1. Sartorius AGGeschäftsbericht 2025
  2. Sartorius AGQuartalsmitteilung Januar bis September 2026
  3. Sartorius AGMedieninformation: Sartorius setzt positive Umsatz- und Margenentwicklung in starken ersten neun Monaten fort22.10.2026
  4. dpa-AFX über onvistaROUNDUP: Erholung bei Sartorius setzt sich fort, Jahresziele bestätigt22.10.2026
  5. dpa-AFX über ARIVAAktie im Fokus: Sartorius auf Hoch seit Januar 2025, Laborsparte überzeugt22.10.2026
  6. Sartorius AGAnnual Report 2024
  7. Sartorius AGAnnual Report 2023
  8. Sartorius AGAnnual Report 2022
  9. Sartorius AGAnnual Report 2021
  10. Sartorius AGVorläufige Geschäftszahlen für das Geschäftsjahr 2023
  11. Sartorius AGCapital Markets Day 2026 (Präsentation, 17.03.2026)
  12. Sartorius AGStimmrechtsmitteilung Bio-RadSeptember 2026
  13. Sartorius Stedim BiotechFact Sheet FY 2025
  14. Sartorius AGHistory 1870-1926
  15. Sartorius AGFlorenz Sartorius 1846-1925
  16. Sartorius AGGeschichte 1927-1949
  17. Sartorius AGHistory 1969-1989
  18. Sartorius AGHistory 1990-2006
  19. Sartorius AGHistory 2007-today
  20. dpa-AFX über finanznachrichten.deROUNDUP: Sartorius enttäuscht mit neuen Mittelfristzielen, Aktie steigt dennoch17.03.2026
  21. Deutsches Ärzteblatt (dpa)Sartorius nicht mehr im Dax vertreten04.09.2025
  22. CHEManagerSartorius verkauft Geschäft mit Industriewaagen22.12.2014
  23. Danaher CorporationForm 10-K für das Geschäftsjahr 2025
  24. Danaher CorporationForm 10-K für das Geschäftsjahr 2023
  25. Thermo Fisher ScientificForm 10-K für das Geschäftsjahr 2025
  26. Merck KGaAGeschäftsbericht 2025, Unternehmensbereich Life Science
  27. RepligenFourth Quarter and Full Year 2025 Financial Results24.02.2026
  28. U.S. Government Publishing Office21 CFR 601.12, Changes to an approved application
  29. ICHQ5E: Comparability of Biotechnological/Biological Products
  30. Universität TrierBörsennotierte Hidden Champions
  31. Deutscher BundestagLobbyregister, Suche nach Sartorius
  32. Europäische ZentralbankEuro-Referenzkurs US-Dollar
4,4 14 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Dr. Web Newsletter

Jede Woche ein bisschen klüger.

Der Dr. Web Newsletter: die besten Artikel, Anbieter-Tipps und neue Tools, kompakt zusammengefasst, jeden Donnerstag. Kostenlos und jederzeit abbestellbar.