Webasto will seine Batteriesparte mit rund 300 Millionen Euro Umsatz verkaufen und verhandelt mit zwei Interessenten aus der Branche. Der Erlös soll die Schulden des Zulieferers von 1,5 Milliarden auf unter eine Milliarde Euro senken. Auch einen Verkauf der Standheizungen schließt der Vorstand nicht mehr aus.
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Der Autozulieferer Webasto spricht mit zwei möglichen Käufern über seine Batteriesparte. Beide stammen aus der Branche, sagten Vorstandschef Jörg Buchheim und Chef-Sanierer Johann Stohner am 29. Oktober bei der 125-Jahr-Feier des Unternehmens in Stockdorf bei München, wie Reuters berichtet.[1] Stohner will noch in diesem Jahr Klarheit haben, wer den Zuschlag bekommt. Laut Handelsblatt hält Buchheim eine Einigung bis zum Jahresende für möglich.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Die Batteriesparte setzt rund 300 Millionen Euro um und wächst, ist nach Buchheims Worten aber zu klein für den Wettbewerb mit chinesischen Anbietern.
- Mit dem Erlös will Webasto die Schulden von 1,5 Milliarden auf unter eine Milliarde Euro drücken.
- Zum Verkauf stehen auch die elektrischen Hochvolt-Heizungen und eine Heizungsfertigung in Polen, für die Standheizungen sucht Webasto nach eigenen Angaben nicht aktiv einen Käufer.
Warum trennt sich Webasto von den Batterien?

Webasto entwickelt Batteriesysteme nach Vorgaben von Autoherstellern für Pkw und Nutzfahrzeuge und bietet daneben ein modulares Standardsystem an.[3] Die Standardbatterie für Nutzfahrzeuge und mobile Maschinen hat Webasto im Juni auf 40 Kilowattstunden je Modul vergrößert. Buchheim räumte ein, dass Webasto in diesem Geschäft trotz des Wachstums zu klein sei: „Wenn man das skalieren möchte, braucht man Kapital.“[1]
Den Markt für Zellen beherrschen Hersteller aus Asien, CATL liefert zwei von fünf Elektroauto-Batterien weltweit. Für Batteriesysteme in großen Stückzahlen muss ein Anbieter Fertigungslinien und Kundenprojekte vorfinanzieren, bevor Umsatz fließt. Werner Baier, Aufsichtsrat und Urenkel des Gründers, sagte laut Handelsblatt, Webasto sei auf Schuldenbasis zu stark in neue Märkte und Geschäftsfelder expandiert.[2] Nach Darstellung von Reuters hatte sich das Unternehmen unter Buchheims Vorgänger vor allem mit dem Einstieg in das Batteriegeschäft übernommen.[1]
Wie steht Webasto finanziell da?
Vor einem Jahr schnürten Banken und große Autohersteller ein Finanzierungspaket von rund 1,4 Milliarden Euro. Im Gegenzug gaben die Eigentümerfamilien Baier und Mey die Kontrolle über die Mehrheit der Anteile bis 2028 an zwei Treuhänder ab.[1] Baier sagte, Webasto stehe „nun unter dem Kommando von Gläubigern“.[2]
Ohne Verkäufe könnte Webasto die Schulden bis 2028 nur um 200 Millionen Euro abbauen, sagte Buchheim.[1] Operativ verdient der Zulieferer wieder Geld: Im ersten Halbjahr lag das Ebitda bei 95 Millionen Euro nach minus 39 Millionen im Vorjahr, im kommenden Jahr soll auch nach Steuern ein Gewinn stehen. Der Umsatz stagnierte 2025 bei vier Milliarden Euro. Webasto hat 2.000 von 15.000 Stellen gestrichen, die Hälfte davon in Deutschland, und hält den Abbau vorerst für abgeschlossen.[1]
Was steht noch zum Verkauf?
Neben den Batterien will Webasto zwei kleinere Bereiche abgeben: elektrische Hochvolt-Heizungen, die in Autos und Lkw schnell Wärme liefern, und die Fertigung von Heizungen für militärische Lazarette in Polen.[1] Über die Standheizungen mit 600 Millionen Euro Umsatz sagte Buchheim: „Jeder Geschäftsbereich steht auf dem Prüfstand. Aber wir sind nicht aktiv auf der Suche.“[1]
Nach der Sanierung könnte Webasto nur noch Cabrio- und Schiebedächer bauen, sagte der Vorstandschef. Zwei Insider sagten Reuters, Webasto erwäge, das asiatische Dachgeschäft mit 600 Millionen Euro Umsatz 2027 in Indien an die Börse zu bringen und dort einen Minderheitsanteil zu platzieren. Webasto äußerte sich dazu nicht.[1]
Für einen mittelständischen Zulieferer war der Einstieg ins Batteriegeschäft zu teuer. Der Käufer muss mehr Kapital mitbringen, als Webasto unter Aufsicht der Gläubiger aufbringen kann.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Batteriefertigung in Europa stützt sich zunehmend auf Partner aus Asien: BMW bezieht für sein Batteriewerk in Irlbach-Straßkirchen die Zellen von CATL und EVE Energy, am VW-Batteriewerk in Valencia hält Gotion 49 Prozent. Die Namen der beiden Interessenten hat Webasto nicht genannt. Hersteller von Nutzfahrzeugen und mobilen Maschinen, die Webasto-Batterien einbauen, sollten in ihren Lieferverträgen prüfen, ob Ersatzteil- und Gewährleistungszusagen einen Eigentümerwechsel überdauern.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Reuters via onvistaWebasto vor Verkauf von Batterie-Geschäft – Heizungs-Sparte könnte folgen
- HandelsblattWebasto: Batteriesparte vor dem Verkauf, möglicher Teilbörsengang in Indien
- WebastoBatteriesysteme: OEM- und Standardlösungen für Nutzfahrzeuge (abgerufen am 2. November 2026)
Mehr Newshunger?
- Bringt Webastos Standardbatterie mehr Reichweite? 40 kWh sagen ja.
- Deutschland kann Batteriezellen, halt nur nicht zum China-Preis
- Zwei von fünf E-Auto-Batterien kommen von CATL, Europas eigene Werke bleiben leer
- CATL plant weitere Batteriewerke in Europa: Die bisherigen 164 GWh reichen nicht
- Gotion zahlt 1,1 Milliarden Euro für 49 Prozent an VWs Batteriewerk in Valencia
- Varta Consumer wird eigenständig: Alle 990 Stellen und das Werk Dischingen bleiben
