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In der Nacht zum Montag sind in Belgien und Schweden die Kühl- und Tiefkühlmöbel Dutzender Supermärkte warm geworden. Allein Delhaize meldet mehr als 40 betroffene Märkte, in Schweden trifft es Filialen von ICA und Coop, drei Wochen nach dem Angriff auf Frankreichs Supermärkte.

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Inhalt 4 Abschnitte
  1. Was ist in Belgien und Schweden passiert?
  2. Was verbindet die Fälle mit Frankreich?
  3. Was sollten Betreiber in Deutschland jetzt tun?
  4. Mehr Newshunger?

Über den Verdacht eines neuen Angriffs berichtete am Montagvormittag zuerst der Finanznachrichtendienst Bloomberg. Die Ketten bestätigen bislang Störungen an der Kühlung, von einem Cyberangriff spricht ausdrücklich Carrefour Belgien.[1] Stand: Montag, 2. November, 13:30 Uhr.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • In Belgien meldet Delhaize mehr als 40 betroffene Märkte, Carrefour rund 15, dazu kommen etwa fünf Spar-Märkte.
  • In Schweden zählt das Branchenblatt Dagligvarunytt acht ICA-Märkte, Coop nennt sechs eigene Filialen.
  • Ein schwedischer Markt fand seine Kühl- und Tiefkühlgeräte auf 50 Grad eingestellt.
  • Täter und betroffene Steuerungen sind noch unbekannt.

Was ist in Belgien und Schweden passiert?

Geschmolzenes Eis am Stiel in einem 50 Grad Celsius warmen, gläsernen Kubus auf weißem Grund
Delhaize warnt Filialleiter vor Temperaturanstieg in Kühl- und Tiefkühlmöbeln. IT-Vorfall führt zu Ausfällen in flandrischen und wallonischen Märkten

Gegen 4 Uhr warnte Delhaize seine Filialleiter vor plötzlich steigenden Temperaturen. In Kühl- und Tiefkühlmöbeln lagen laut dem belgischen Sender VRT am Morgen bis zu 15 Grad, betroffen sind Märkte in Flandern und der Wallonie. Delhaize spricht von einem IT-Vorfall und prüft, wie die Märkte wieder öffnen können. Der Betreiber eines kleinen Delhaize-Franchisemarkts in Hoepertingen beziffert seinen Schaden auf 60.000 Euro.[1] Nach Angaben des Fachdienstes RetailDetail meldet auch Intermarché rund 15 Märkte, bei einer Metzgerei-Kette stellte jemand die Verdampfer per Fernzugriff auf Abtauen.[2]

In Schweden bemerkte der Supermarkt ICA Brösarp in Schonen den Ausfall gegen 3 Uhr. ICA Kvantum Sjöbo schrieb auf Facebook, die Kühl- und Tiefkühlgeräte seien gehackt und auf 50 Grad gestellt worden. Laut ICA hatten die betroffenen Märkte eine Internetverbindung außerhalb des zentralen Netzes der Kette. Coop-Pressesprecher Carlos Cancino schließt weitere Fälle nicht aus und sieht die Ursache nicht in der Hardware. Zwei Märkte haben die Kontrolle über ihre Anlagen nach eigenen Angaben zurückgewonnen, eine Filialleiterin trennte die Anlagen vom Internet.[3]

Was verbindet die Fälle mit Frankreich?

Wie vor drei Wochen in Frankreich kam der Angriff in der Nacht zum Montag, als die Märkte geschlossen waren und erst der Morgen den Schaden zeigte. Damals schalteten die Täter über den Fernzugang zu Danfoss-Reglern die Kühlregale in Hunderten französischer Märkte dauerhaft auf Abtauen. Die französische Cyberabwehr CERT-FR nannte später auch Regler von Copeland und Dixell und riet, die Geräte vom Internet zu trennen.[4]

Welche Hersteller diesmal betroffen sind, haben die Ketten nicht gesagt. Die ICA-Angabe passt zu dem Fall, vor dem CERT-FR gewarnt hatte: Regler, die über einen eigenen Anschluss des Marktes oder des Kältedienstleisters aus dem Internet erreichbar sind. Für Ahold Delhaize ist es schon der zweite Vorfall binnen weniger Wochen, nach einem Cyberangriff hatte der Konzern im Oktober Dienste für mehr als eine Woche abgeschaltet.[2] Ob dieselben Täter wie in Frankreich am Werk waren, haben die Ermittler nicht mitgeteilt.

Angriffe auf Kühlregale: Belgien und Schweden
Betroffene Märkte nach Angaben der Ketten und Medienberichten, Stand 2. November 2026, 13:30 Uhr
über 40
Delhaize-Märkte in Flandern und der Wallonie
rund 35
weitere belgische Märkte von Carrefour, Intermarché und Spar
14
schwedische Märkte bislang bekannt: acht von ICA, sechs von Coop

Drei Wochen, zwei Nächte zum Montag

1
12. Oktober: In Frankreich stellen Angreifer die Kühlregale Hunderter Supermärkte dauerhaft auf Abtauen.
2
13. Oktober: CERT-FR nennt Danfoss, Copeland und Dixell, das BSI warnt Betreiber kleiner Anlagen.
3
2. November, gegen 3 Uhr: ICA Brösarp in Schonen bemerkt den Ausfall.
4
2. November, gegen 4 Uhr: Delhaize warnt seine Filialleiter vor steigenden Temperaturen.

Eine Warnung schließt keinen Fernzugang. Drei Wochen nach Frankreich zahlen Händler in zwei weiteren Ländern dafür mit ihrer Tiefkühlware.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was sollten Betreiber in Deutschland jetzt tun?

Ob auch deutsche Märkte betroffen sind, ist offen. Das BSI hatte Betreiber kleiner Anlagen schon am 13. Oktober aufgerufen, den direkten Zugriff aus dem Internet auf Steuerungen zu sperren, Fernzugänge nur über VPN mit Mehrfaktor-Schutz zu öffnen und Updates zeitnah einzuspielen.[5] Gekaperte Altgeräte ohne Updates auf Werkseinstellungen zurückzusetzen, genügt laut CERT-FR nicht.[4] Betreiber von Kühlanlagen sollten jetzt:

  • mit dem Kältedienstleister klären, welche Regler aus dem Internet erreichbar sind, auch über dessen eigene Zugänge
  • alle Zugänge außer einem VPN mit zweitem Faktor sperren, etwa über eine Hardware-Firewall am Anschluss des Marktes
  • Temperaturalarme so einrichten, dass sie nachts eine Person erreichen und nicht nur das Display der Anlage

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. VRT NWSNaast Delhaize ook Carrefour en Spar getroffen door IT-incident bij koelsystemen02.11.2026
  2. RetailDetailKoelmeubels Delhaize-supermarkten gehackt, ook Carrefour getroffen02.11.2026
  3. DagligvarunyttButiker inom Ica och Coop drabbade i hackerattack02.11.2026
  4. CERT-FRAlerte CERTFR-2026-ALE-012
  5. BSIPressemitteilung vom 13. Oktober 2026

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