Investoren kaufen laut Wall Street Journal Verkaufsoptionen, Kreditausfallversicherungen und erste Absicherungen gegen fallende Mietpreise für KI-Chips. Am teuersten ist der Schutz bei CoreWeave: Der Rechenzentrumsbetreiber hat knapp 52 Mrd. Dollar Schulden, rund 45 Mrd. Euro.
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„Man muss nicht pessimistisch sein, um sich absichern zu wollen“, sagte Dave Olsen, Präsident des Handelshauses Jump Trading, dem Wall Street Journal.[1] Jump Trading verkauft Absicherungen für die Miete von KI-Chips, eines von mehreren Instrumenten, mit denen sich Anleger gegen einen Rückschlag des KI-Booms schützen.
Stand: Sonntag, 1. November 2026, 3:45 Uhr. Für CoreWeave-Anleihen kostete der Schutz gegen einen Zahlungsausfall über fünf Jahre Mitte Oktober mehr als elf Prozent des Nennwerts im Jahr.[2] Nach einer Rechnung, die Reuters wiedergibt, entspricht das einer Ausfallwahrscheinlichkeit von rund 64 % in fünf Jahren. Vor einem Jahr waren es etwa 30 %.
Das Wichtigste in Kürze
- Laut WSJ erreichte der Handel mit Verkaufsoptionen auf CoreWeave-Aktien im Oktober einen Rekord.
- Kreditausfallversicherungen für Anleihen von Amazon, Alphabet, Microsoft, Meta und Oracle kosten laut WSJ so viel wie seit 2021 nicht mehr.
- Absicherungen gegen fallende Mietpreise für KI-Chips sollen neue Rechenzentren finanzierbar machen.
- Die Terminbörse CME plant Futures auf GPU-Mietpreise, die Zulassung stand zuletzt noch aus.
Womit sichern sich KI-Anleger ab?

Am einfachsten ist die Verkaufsoption, die das Recht verbrieft, eine Aktie bis zu einem Stichtag zu einem festen Preis abzugeben. Bei CoreWeave sind laut WSJ Optionen mit Laufzeit bis 2028 und einem Ausübungspreis von 35 Dollar gefragt, während die Aktie zuletzt um 55 Dollar notierte.[1]
Für Anleihen übernimmt die Kreditausfallversicherung diese Rolle, im Fachjargon Credit Default Swap genannt. Der Käufer zahlt eine jährliche Prämie und wird entschädigt, falls der Schuldner ausfällt. Laut WSJ stiegen die Prämien für Amazon, Alphabet, Microsoft, Meta und Oracle im Oktober auf den höchsten Stand seit 2021, bei Oracle um mehr als einen Prozentpunkt.
Am weitesten geht eine neue Produktklasse. Jump Trading garantiert laut WSJ Betreibern, die Rechenzeit auf Nvidia-Chips vermieten, mit außerbörslichen Verträgen einen Mindestpreis. Susquehanna bietet Verkaufsoptionen auf einen Index für Rechenleistung an.
Warum reagiert der Kreditmarkt schärfer als die Börse?
Der KI-Ausbau läuft zunehmend auf Pump. Microsoft holte sich 25 Mrd. Dollar am Anleihemarkt. S&P senkte Metas Ausblick, weil die KI-Ausgaben den Cashflow übersteigen. Auch Oracle finanziert seine Rechenzentren mit Schulden.
Besonders verwundbar sind die Neoclouds, also spezialisierte Vermieter von KI-Rechenzeit. CoreWeave ist laut CNBC mit rund 51,6 Mrd. Dollar verschuldet (rund 44,9 Mrd. Euro). Die Aktien von CoreWeave, Nebius und IREN verloren im Oktober jeweils mindestens 30 %.[3] Nvidia stützt die eigenen Abnehmer: Laut CNBC nimmt der Chiplieferant bei CoreWeave ungenutzte Rechenzeit für bis zu 6,3 Mrd. Dollar ab, falls sich kein anderer Kunde findet.
Hinter den Prämien steckt ein Kreislauf. Fallen die Mietpreise für Chips, sinken die Einnahmen, mit denen Vermieter ihre Kredite bedienen. Eine Absicherung des Mietpreises macht ein Rechenzentrum deshalb oft erst finanzierbar. Genau diese Frage stellen Kunden laut Nick Volbi von Susquehanna: Bekommen sie mit der Versicherung auch eine Finanzierung? Anders als in der Finanzkrise 2008 richten sich die teuersten Absicherungen nicht gegen Banken. Ein Ausfall träfe vor allem Anleihegläubiger und Kreditfonds.
Der KI-Boom wird am Kreditmarkt entschieden: Schutz vor einer Pleite von CoreWeave kostet dort elf Prozent im Jahr.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Womit sich Anleger absichern
Was bedeutet die Absicherungswelle für Unternehmen im DACH-Raum?
Die Europäische Zentralbank warnte im Mai, die Konzentration auf eine Handvoll großer US-Technologiekonzerne sei weiter gestiegen. Anleger wollten laut EZB bereits in großem Stil Anteile an Kreditfonds zurückgeben, die stark in Software und KI investiert sind.[5] Über breit gestreute Indexfonds wie den MSCI World stecken auch viele Anleger im Euroraum in diesen Werten.
Für Firmen, die KI-Rechenzeit einkaufen, ist die Lage zweischneidig: Schwankende Mietpreise eröffnen Spielraum beim Einkauf, ein angeschlagener Anbieter gefährdet dagegen den Betrieb. Sinnvoll sind jetzt drei Prüfungen:
- Verträge mit GPU-Anbietern auf Ausstiegsklauseln und die Übertragbarkeit von Daten und Modellen zu anderen Anbietern prüfen, falls der Anbieter in Zahlungsnot gerät.
- Langfristige Festpreisverträge für Rechenzeit nur mit Anpassungsklausel abschließen. Die geplanten CME-Futures auf die Mietpreis-Indizes des Datenanbieters Silicon Data für H100- und B200-Chips liefern dafür künftig einen öffentlichen Referenzpreis.[4]
- In der Firmenanlage nachrechnen, wie hoch der Anteil weniger US-Technologiewerte über Indexfonds tatsächlich ist.
Offen ist, wann die Futures starten. Die CME hatte den 5. Oktober angekündigt, die Zustimmung der US-Aufsicht stand nach Branchenberichten Ende Oktober noch aus. Wie nah das Platzen der KI-Blase ist, ordnet unser Hintergrund ein.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- The Wall Street JournalAI Investors Are Racing to Get Insurance on the Biggest Market Bet in History (1. November 2026, hinter Bezahlschranke)
- ReutersAI Credit Worries Send Default Insurance to Record High (16. Oktober 2026, Nachdruck bei Insurance Journal)
- CNBCNvidia’s role as AI financier faces first big test as neoclouds take market hit
- CME GroupPressemitteilung zum geplanten Start der Compute-Futures mit Silicon Data
- Europäische ZentralbankFinancial Stability Review, May 2026
Mehr Newshunger?
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- SpaceX verhandelt laut FT über knapp 35 Milliarden Euro Schulden für Nvidia-Chips
