Marvell kauft den Laserhersteller Lumentum ausschließlich mit eigenen Aktien und bewertet ihn mit 115 Mrd. Dollar, umgerechnet rund 100 Mrd. Euro. Nvidia ist seit März an beiden Unternehmen beteiligt, mit jeweils 2 Mrd. Dollar.
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Marvell und Lumentum haben am Montag einen verbindlichen Kaufvertrag unterzeichnet.[1] Am Abend des 28. Oktober hatte Bloomberg über weit fortgeschrittene Verhandlungen berichtet, nun stehen Preis und Bezahlung fest. Stand: Montag, 2. November, 13:35 Uhr.
Das Wichtigste in Kürze
- Für jede Lumentum-Aktie gibt es 4,5 Marvell-Aktien, ein Aufschlag von 23,9 % auf den Kurs vor den ersten Berichten.
- Den bisherigen Marvell-Aktionären gehören danach rund 67 % des Konzerns, den Lumentum-Aktionären rund 33 %.
- Die Unternehmen wollen den Kauf im ersten Halbjahr 2028 abschließen, Aktionäre und Behörden müssen zustimmen.
- Nvidia hält an Marvell und Lumentum wandelbare Vorzugsaktien für jeweils 2 Mrd. Dollar.
Was zahlt Marvell für Lumentum?

Gemessen an den Schlusskursen vom 28. Oktober, dem letzten Handelstag vor den ersten Berichten, erhalten die Lumentum-Aktionäre rund 985 Euro je Aktie.[1] Laut Reuters verfügte Marvell zuletzt nur über rund 3,4 Mrd. Euro an flüssigen Mitteln. Den Preis zahlen deshalb die bisherigen Aktionäre über die Verwässerung ihrer Anteile.
Die Verwaltungsräte beider Unternehmen haben dem Vertrag einstimmig zugestimmt. Matt Murphy bleibt Chef von Marvell, Lumentum-Chef Michael Hurlston und zwei weitere Mitglieder des Lumentum-Verwaltungsrats ziehen in Marvells bisher siebenköpfigen Verwaltungsrat ein. Schon im ersten Jahr nach dem Abschluss soll der Kauf Marvells bereinigten Gewinn je Aktie steigern. Die jährlichen Einsparungen beziffert Marvell auf mehr als 870 Mio. Euro.
Warum kauft ein Chipkonzern einen Laserhersteller?
In KI-Rechenzentren laufen die Daten zwischen Tausenden Grafikprozessoren zunehmend über Glasfaser, weil Kupfer bei hohen Datenraten auf längeren Strecken an Grenzen stößt. Im optischen Modul setzt ein Laser elektrische Signale in Licht um, ein Signalprozessor bereitet den Datenstrom auf. Den Prozessor liefert Marvell, den Laser unter anderem Lumentum. Je näher beide Bauteile an den Rechenchip rücken, desto enger müssen sie zusammen entwickelt werden. Damit begründen die Konzerne den Kauf.
Marvell entwickelt Chips, lässt sie aber von Auftragsfertigern herstellen. Lumentum bringt eigene Fabriken für Laserchips aus Indiumphosphid mit. Wie stark die Nachfrage ist, zeigen Lumentums Quartalszahlen, die der Konzern auf Montag vorzog: Der Umsatz stieg im Quartal bis Ende September auf rund 1,1 Mrd. Euro, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.[2] Für das laufende Quartal erwartet Lumentum bis zu 1,4 Mrd. Euro.
Welche Rolle spielt Nvidia?
Nvidia kaufte am 2. März wandelbare Vorzugsaktien von Lumentum für 2 Mrd. Dollar, etwa 1,7 Mrd. Euro.[3] Am 31. März folgte ein gleich großes Paket bei Marvell.[4] Nach dem Abschluss wäre Nvidia an dem gemeinsamen Konzern beteiligt.
Laut Reuters will Marvell mit dem Kauf zu Broadcom aufschließen. Bei Googles eigenen KI-Chips war Broadcom bisher der wichtigste Partner, im August sicherte sich Marvell einen Chip-Auftrag von Google.
Was bedeutet der Kauf für Rechenzentren in Deutschland?
Bis zum Abschluss vergeht mehr als ein Jahr. Dass eine Genehmigung scheitern kann, zeigt Intel: Der Konzern gab 2023 den Kauf von Tower Semiconductor auf, weil die Genehmigung aus China ausblieb.
Nach dem Kauf liefert ein Konzern Chip und Laser, Rechenzentren verlieren beim Einkauf optischer Module einen unabhängigen Lieferanten.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Zugleich will die US-Behörde FCC neue optische Module aus China nicht mehr zulassen. Planen Sie eigene KI-Server oder mieten Sie Rechenleistung in einem der großen deutschen Rechenzentren, fragen Sie Ihren Anbieter, von welchen Herstellern die optischen Module stammen und ob ein Zweitlieferant vertraglich gesichert ist.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- MarvellMarvell and Lumentum to Combine, Creating a Category Leader in AI Connectivity
- LumentumLumentum Announces First Quarter of Fiscal Year 2027 Financial Results (2. November 2026, SEC EDGAR)
- LumentumForm 8-K zum Verkauf von Vorzugsaktien an Nvidia (2. März 2026, SEC EDGAR)
- MarvellForm 8-K zum Verkauf von Vorzugsaktien an Nvidia (31. März 2026, SEC EDGAR)
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