Marvell hat Google am 18. August 2026 ein Bezugsrecht auf knapp 59 Millionen eigene Aktien ausgestellt, zu je rund 180 Euro. Frei wird das Paket fast nur über gekaufte Chips: eine Tranche je 435 Millionen Euro Umsatz, 240 Tranchen insgesamt. Der Nachlass wächst damit in dem Maß, in dem Googles Bestellungen den Kurs treiben.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Chip-Deal zwischen Google und Marvell steht seit dem 29. Juli 2026, die Konditionen legte Marvell am 19. August bei der SEC offen.[1] Google bekommt ein Bezugsrecht auf 58.970.907 Marvell-Aktien, zusammen 10,6 Milliarden Euro Ausübungspreis.
Das Wichtigste in Kürze
- 10,6 Milliarden Euro: Bezugsrecht auf 58.970.907 Aktien zu je rund 180 Euro, ausübbar bis August 2033.
- 240 Tranchen: Nur 1.360.867 Aktien werden zeitabhängig frei, der Rest jeweils nach 435 Millionen Euro Umsatz.
- 104 Milliarden Euro: Erst dieser Umsatz löst das ganze Paket aus. Marvell setzte im Geschäftsjahr 2026 konzernweit 7,1 Milliarden Euro um.
- Bilanzregel: Aktien an einen Kunden mindern den ausgewiesenen Umsatz, nicht den Aufwand.
Wie funktioniert ein Bezugsrecht als Rabatt?

Ein Bezugsrecht kostet Google zunächst nichts. Wert entsteht allein aus dem Abstand zwischen dem festen Ausübungspreis und dem Börsenkurs. Genau diesen Abstand bezahlt Marvell aus eigener Substanz: 57.610.040 Aktien verteilen sich auf 240 gleiche Tranchen, eine je 435 Millionen Euro Umsatz.
Der Nachlass läuft dabei nicht linear. Neun Euro über dem Ausübungspreis bringt eine Tranche rund 2,2 Millionen Euro, also ein halbes Prozent des ausgelösten Umsatzes. Neunzig Euro darüber steigt der Wert auf 21,6 Millionen Euro, knapp fünf Prozent.
Die volle Zuteilung bleibt weit weg: 240 Tranchen ergeben 104 Milliarden Euro Umsatz bis zum Ende des Geschäftsjahres 2033. Google müsste dafür gut 16 Milliarden Euro im Jahr bei Marvell bestellen, mehr als das Doppelte des heutigen Konzernumsatzes.[4]
Woher stammt dieses Muster?
Den Bauplan lieferte AMD im Oktober 2025: Für die Zusage über 6 Gigawatt Instinct-Beschleuniger erhielt OpenAI ein Bezugsrecht auf bis zu 160 Millionen AMD-Aktien, gestaffelt nach Ausbaustufen und Kursmarken.[2] Rund zehn Prozent des Chipherstellers hingen an dieser einen Abnahmezusage. Nvidia sagte OpenAI zudem eine Kreditgarantie für ein Rechenzentrum in Ohio zu und kürzte diese später deutlich.
Für Broadcom ist der Vorgang ein Angriff auf die eigene Stellung. Der Konzern baut Googles TPU seit Jahren und hält den größten Teil des Marktes für kundeneigene Beschleuniger. Marvell entwickelt nun Inferenz-Beschleuniger, Speicher- und Netzwerk-Controller sowie Rechenwerke direkt am Speicher für dasselbe Ökosystem.[1] In dieselbe Richtung arbeiten Microsoft mit Maia 300, Meta mit einem eigenen Beschleuniger und Anthropic mit einem Chip-Team.
Marvell bezahlt Googles Treue mit der eigenen Kurschance. Je besser der Deal läuft, desto teurer wird diese Währung.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Unternehmen im DACH-Raum?
Solche Pakete landen im Umsatz, nicht im Aufwand. Nach Topic 606 der US-Rechnungslegung mindert eine Zuwendung an einen Kunden den Transaktionspreis. Paragraf 70 des IFRS 15 führt dieselbe Regel, europäische Abschlüsse rechnen also genauso.
Der US-Standardsetzer FASB hat diese Bewertung am 15. Mai 2025 nachgeschärft. Eine Bindung an Menge oder Betrag der Kundenkäufe zählt seither ausdrücklich als Leistungsbedingung nach Topic 718.[3] Pflicht wird die Fassung für Geschäftsjahre, die nach dem 15. Dezember 2026 beginnen.
Große Abnehmer verlangen für langfristige Zusagen zunehmend eine Beteiligung am Kurs des Lieferanten. Nicht börsennotierten Betrieben im deutschsprachigen Raum fehlt dieses Zahlungsmittel. Zwei Schritte lohnen vor der nächsten Rahmenvereinbarung: die eigenen Volumenrabatte gegen den Bilanzeffekt eines Aktienpakets rechnen und die Umsatzstaffel so schneiden, dass ein Kunde die Marge nicht über Jahre bindet. Wie weit solche Verschiebungen reichen, zeigen das Chipdesign in Eigenregie und die übrigen Bausteine der KI-Infrastruktur.
Quellen
[1] Marvell Technology: Current Report on Form 8-K, 19.08.2026 (Warrant Agreement mit Google LLC)
[2] AMD: „AMD and OpenAI Announce Strategic Partnership to Deploy 6 Gigawatts of AMD GPUs“
[3] FASB: „Share-Based Consideration Payable to a Customer“ (ASU 2025-04, 15.05.2025)
[4] Marvell Technology: „Marvell Technology, Inc. Reports Fourth Quarter and Fiscal Year 2026 Financial Results“
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