Höhere Abschreibungen auf IT-Systeme wegen der schnellen Entwicklung bei künstlicher Intelligenz drücken die Prognose von Hugo Boss. Mit vorsichtigeren Annahmen zur Konsumnachfrage erwartet der Modekonzern für 2026 nur noch 250 bis 300 Millionen Euro operativen Gewinn.
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Hugo Boss hat am späten Montagabend seine Prognose für das Geschäftsjahr 2026 gesenkt.[1] Das EBIT soll nun 250 bis 300 Mio. Euro erreichen, bisher hatte der Konzern 300 bis 350 Mio. Euro angepeilt. Den währungsbereinigten Umsatz sieht er im hohen einstelligen Prozentbereich sinken, zuvor rechnete er mit einem mittleren bis hohen. Die vollständigen Zahlen zum dritten Quartal legt Hugo Boss am heutigen Dienstag vor.
Das Wichtigste in Kürze
- Im dritten Quartal sank der Umsatz währungsbereinigt um 5 Prozent auf 946 Mio. Euro.
- Die Bruttomarge stieg um 2,2 Prozentpunkte auf 63,3 Prozent.
- Das EBIT fiel im Quartal auf 81 Mio. Euro, nach 95 Mio. Euro ein Jahr zuvor.
Warum belastet KI die Prognose von Hugo Boss?

Hugo Boss nennt zwei Gründe: höhere, nicht zahlungswirksame Abschreibungen auf IT wegen des raschen technischen Wandels, vor allem bei KI, dazu vorsichtigere Annahmen zur Konsumnachfrage.[1] Wie viel jeder Grund ausmacht, schreibt der Konzern nicht.
Gekaufte und selbst entwickelte Software steht in der Bilanz und wird über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben. Die internationalen Rechnungslegungsstandards verlangen, diese Dauer mindestens zu jedem Geschäftsjahresende zu überprüfen.[5] Veraltet ein System schneller als geplant, steigen die Abschreibungen sofort, ohne dass Geld abfließt.
Ende 2025 standen bei Hugo Boss Software, Lizenzen und ähnliche Rechte mit 187,6 Mio. Euro in der Bilanz. Neu hinzugekommen waren 2025 vor allem Ausgaben für die Umstellung des konzernweiten ERP-Systems auf SAP S/4HANA und für Software im Onlinegeschäft.[2] Welche Systeme jetzt betroffen sind, nennt Hugo Boss nicht. Abschreibungen auf Software verbucht der Konzern in den Verwaltungsaufwendungen.[2] Genau diese stiegen im dritten Quartal stärker, als die Ausgaben für Vertrieb und Marketing sanken.[1]
Was steckt sonst in der neuen Prognose?
Gemessen an der Mitte der neuen Spanne läge das EBIT rund 30 Prozent unter den 391 Mio. Euro von 2025. Von Bloomberg befragte Analysten hatten mit etwas mehr als 300 Mio. Euro gerechnet.[3] Die Investitionen sollen 4 bis 5 Prozent des Umsatzes erreichen statt rund 4 Prozent, weil Hugo Boss eine bisher gemietete Logistikimmobilie am Firmensitz in Metzingen kauft. Durch angepasste Zahlungsziele gegenüber Lieferanten sinken zudem die Verbindlichkeiten, im laufenden Geschäft bleibt dadurch mehr Kapital gebunden.[1]
Vom Umbaujahr zur gesenkten Prognose
Hat schon ein anderer Konzern Software wegen KI abgewertet?
Die australische Bank NAB hat im Mai die Nutzungsdauer ihrer aktivierten Software verkürzt und die Schwelle für die Aktivierung von 5 auf 20 Mio. australische Dollar angehoben. Das belastete ihr bereinigtes Ergebnis im Halbjahr mit 1,3 Mrd. australischen Dollar.[4] Vorstandschef Andrew Irvine begründete den Schritt damit, dass KI Software schneller und billiger nachbauen lasse. Der Wert solcher Software sinke deshalb mit der Zeit, sagte er.
Ein Modekonzern schreibt seine IT ab, weil KI sie schneller altern lässt. Wer gerade teure Software einführt, sollte diese Rechnung kennen.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die Senkung für Anleger und Unternehmen?
Hugo Boss hat die neue Prognose als Insiderinformation gemeldet, wenige Stunden vor dem Quartalsbericht. Artikel 17 der Marktmissbrauchsverordnung verlangt, solche Informationen unverzüglich zu veröffentlichen.[6] Seit Oktober ist Hugo Boss eine Tochter der britischen Frasers Group, die 50,08 Prozent der Aktien hält. Den Finanzvorstand hatte der Konzern im Herbst neu besetzt.
Wer selbst Software aktiviert, sollte die angesetzten Nutzungsdauern mit dem Jahresabschluss 2026 prüfen. Läuft gerade eine teure ERP-Umstellung, gehört in diese Prüfung auch die Frage, wie lange das neue System trägt, wenn sich KI weiter so schnell entwickelt.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Hugo BossHUGO BOSS passt Ausblick für das Geschäftsjahr 2026 an (Ad-hoc-Mitteilung über EQS, 2. November 2026, 23:11 Uhr, Wortlaut bei finanznachrichten.de)
- Hugo BossConsolidated financial statements 2025 (Konzernabschluss 2025, Anhang zu immateriellen Vermögenswerten)
- dpa-AFX bei t-onlineHugo Boss schraubt Erwartungen an 2026 zurück – KI und Konsumnachfrage
- iTnewsNAB sees AI influence useful life and value of software
- IFRS FoundationIAS 38 Intangible Assets (Standard zu immateriellen Vermögenswerten, Tz. 104, abgerufen am 3. November 2026)
- EUR-LexVerordnung (EU) Nr. 596/2014 über Marktmissbrauch (Artikel 17, abgerufen am 3. November 2026)
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