Die Nachfrage nach Rechenleistung übersteige das Angebot bei Weitem, sagte Blackstone-Präsident Jon Gray am Dienstag in Hongkong. Gray rechnet deshalb mit weiteren Aktien- und Anleiheausgaben der Tech-Konzerne, von Meta bis Anthropic. Sein Haus finanziert selbst Rechenzentren und KI-Chips.
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Jon Gray hat am Dienstag auf der Investorenkonferenz der Hongkonger Währungsbehörde HKMA vorhergesagt, dass die meisten großen Tech-Konzerne weiteres Kapital aufnehmen werden.[1] Als Beispiele nannte Gray neue Aktien von Meta, Google und Oracle sowie die Börsengänge von SpaceX und Anthropic.
Das Wichtigste in Kürze
- Meta, Oracle und Alphabet haben seit Ende Oktober Aktien oder Anleihen über zusammen mehr als 50 Milliarden Euro angeboten.
- Die KI-Ausgaben der großen Konzerne sollen 2026 laut Reuters mehr als 635 Milliarden Euro erreichen.
- Morgan-Stanley-Chef Ted Pick sieht erste Anzeichen einer Korrektur an den US-Börsen.
- Blackstone ist selbst Geldgeber, etwa bei Anthropics Chipkauf über 54,8 Milliarden Euro.
Was sagte Gray in Hongkong?

Gray nannte die Nachfrage nach Rechenleistung „ziemlich außergewöhnlich“. „Wir sind jetzt in einem Umfeld, in dem die Nachfrage das Angebot weit übersteigt“, sagte Gray. „Das stimmt mich sehr zuversichtlich.“ „Hinzu kommt ein enormer Bedarf an Rechenzentren und Energie.“[1]
Ungebremst sieht Gray den Ausbau nicht. Steigende Kapitalkosten und die aktuelle Skepsis würden das Tempo drosseln, sagte er. „Aber insgesamt geht der Trend zu mehr Investitionen und damit zu mehr Bedarf an Kapital in verschiedenen Formen.“
Goldman-Sachs-Chef David Solomon klang auf derselben Konferenz vorsichtiger: „Anleger werden in Situationen geraten, in denen sie auf die falschen Werte setzen und Geld verlieren.“ Morgan-Stanley-Chef Ted Pick sieht erste Anzeichen, dass die US-Börsen auf eine Korrektur zusteuern. Die Mehrheit der Aktien in den großen Indizes habe fast 10 Prozent verloren.
Warum reicht den Konzernen das eigene Geld nicht?
Die KI-Ausgaben der großen Tech-Konzerne sollen in diesem Jahr laut Reuters mehr als 730 Milliarden Dollar erreichen, umgerechnet über 635 Milliarden Euro (Kurs 0,87 Euro je Dollar).[1] Bei Meta übersteigen die Investitionen bereits den Cashflow, S&P hat deshalb den Ausblick für Meta auf negativ gesenkt.
Die Lücke schließen die Konzerne über Aktien und Anleihen zugleich. Meta bietet seit dem 26. Oktober neue Aktien für rund 30,5 Milliarden Euro an. Oracle will seit Montag Aktien für 8,7 Milliarden Euro verkaufen und hat Anleihen über denselben Betrag platziert. Alphabet verkaufte am Montag laut Reuters Anleihen über 6 Milliarden Euro, nachdem der Konzern schon im Juni neue Aktien angekündigt hatte.
Der Grund liegt im Zeitversatz. Ein Rechenzentrum kostet heute Geld, Mieten und Cloudumsätze fließen über Jahre zurück. Je schneller die Konzerne bauen, desto größer wird die Lücke zum Geld aus dem laufenden Geschäft.
Wenn selbst Meta und Alphabet neue Aktien ausgeben, trägt das Werbegeschäft den KI-Ausbau nicht mehr allein.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Welche Rolle spielt Blackstone selbst?
Blackstone verwaltete Ende September umgerechnet 1,19 Billionen Euro und sammelte im dritten Quartal 55,1 Milliarden Euro neues Anlegergeld ein.[2] Zusammen mit Bank of America, Citi und Morgan Stanley finanziert Blackstone Anthropics Broadcom-Chips mit 54,8 Milliarden Euro. Mehr Kapitalbedarf der Tech-Konzerne heißt für Blackstone also auch mehr Geschäft.
Was passiert, wenn Kapital schneller fließt als die Nachfrage wächst, zeigte der Glasfaser-Ausbau um das Jahr 2000. Netzbetreiber bauten damals auf Kredit, Global Crossing etwa beantragte im Januar 2002 Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts. Gray hält dagegen, dass die Nachfrage heute größer ist als das Angebot.
Auch Anleger in der DACH-Region sind gefragt: Anthropic will beim Börsengang Privatanleger in der Schweiz und in Teilen der EU ansprechen. Unternehmen, die KI-Rechenleistung über Jahre einkaufen, sollten die Finanzierung ihres Anbieters mitprüfen: Wie hoch sind seine Schulden, und was passiert mit dem Vertrag, wenn neues Kapital ausbleibt?
Quellen
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