Präsident Lee Jae-myung will die Abwehr von Cyberangriffen in Südkorea nicht länger auf viele Stellen verteilen. Im Kabinett verlangte er eine Behörde mit weitreichenden Befugnissen, die Verwaltung und Wirtschaft gemeinsam schützt. Parallel prüfen 2.100 Behörden und öffentliche Einrichtungen ihre Systeme im Eilverfahren.
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Südkoreas Präsident Lee Jae-myung hat am Dienstag in der Kabinettssitzung eine Behörde für Cybersicherheit mit weitreichenden Befugnissen gefordert. Sie soll die bisher verstreuten Zuständigkeiten überwachen und abstimmen, berichtet Reuters.[1] Form, Leitung und Zeitplan nannte Lee nicht, er bat das Kabinett, den Vorschlag zu prüfen. Stand: Dienstag, 3. November, 5 Uhr.
Das Wichtigste in Kürze
- Lee hält eine Abwehr, die auf Kontrollen und Reaktionen nach dem Vorfall setzt, für unzureichend.
- Beraten werden soll auch über einen Arbeitsstab aus Staat und Privatwirtschaft.
- Der Geheimdienst NIS lässt 2.100 Behörden und öffentliche Einrichtungen ihre Systeme prüfen.
- In Deutschland ist das BSI zentrale Meldestelle, die Aufsicht über die Landesverwaltungen regeln die Länder.
Was hat Lee genau gefordert?

„Das bestehende Sicherheitssystem, das auf Kontrollen und nachträgliche Reaktionen setzt, stößt deutlich an seine Grenzen“, sagte Lee laut Reuters. Er verlangt ein vorbeugendes System für öffentliche Dienste und kritische Infrastruktur.[1] Es soll Anzeichen eines Angriffs früh erkennen, weitergeben und abwehren. Ausdrücklich nannte Lee Informations- und Kommunikationstechnik, Energie und Finanzen, berichtet die Zeitung Hankyung.[2]
Als Anlass verwies Lee auf den Diebstahl bei der Kryptobörse Binance, ohne einen Täter zu nennen. Dort waren Ende Oktober rund 6,3 Mrd. Dollar abgeflossen, gut 5,5 Mrd. Euro. Im selben Monat trafen Angriffe südkoreanische Banken, Sparbanken und Versicherer. Laut Korea Times lagen danach rund 100.000 Datensätze mit Namen, E-Mail-Adressen und Telefonnummern offen.[3]
Warum reicht die bisherige Aufteilung nicht?
Formal leitet das Nationale Sicherheitsbüro des Präsidenten die Cyberabwehr, die Technik liegt beim Geheimdienst NIS und seinem Cybersicherheitszentrum. Polizei, Militär und Finanzaufsicht arbeiten jeweils in eigener Zuständigkeit. Die Rolle des Sicherheitsbüros sei in der Praxis nicht klar bestimmt, schrieb die Forscherin Sunha Bae im März für das US-Institut CSIS.[4] Nach einer gemeinsamen Ermittlung im Jahr 2023 verkündete am Ende die Polizei allein das Ergebnis.
Ein Gesetz, das die Zuständigkeiten bündelt, wurde immer wieder vertagt. Grund sei die Sorge, der Geheimdienst bekäme zu viel Einfluss auf zivile Netze, schrieb Byun Jae-sun, früher Kommandeur des Cyberkommandos der Streitkräfte, 2025 in der Zeitung JoongAng.[5] Wo Lee die neue Behörde ansiedelt, entscheidet deshalb mit darüber, ob dieser Streit erneut aufbricht.
Wie ist die Abwehr in Deutschland und Österreich verteilt?
Auch hierzulande teilen sich mehrere Stellen die Arbeit. Seit der NIS-2-Umsetzung ist das BSI zentrale Melde- und Anlaufstelle für besonders wichtige und wichtige Einrichtungen, die Aufsicht über die Landesverwaltungen bestimmen die Länder.[6] Weitere Aufgaben soll das Amt mit dem Gesetz zur Cyberresilienz bekommen. Erhebliche Sicherheitsvorfälle melden Unternehmen spätestens nach 24 Stunden, nach 72 Stunden folgt die ausführliche Meldung.[7] In Österreich gelten die neuen Pflichten seit Herbst für rund 4.000 Unternehmen und Einrichtungen, zuständig ist ein neues Bundesamt für Cybersicherheit.[8]
Eine zentrale Behörde für Cybersicherheit hilft nur, wenn sie Ministerien und Banken gleichermaßen Vorgaben machen darf.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Die Prüfliste des NIS für die 2.100 Behörden setzt bei Einfallstoren, Sicherheitsüberwachung und dem Stand der Updates an.[3] Diese Punkte lassen sich auch in deutschen Unternehmen zügig abfragen. Firmen mit Töchtern in Südkorea sollten ihre Notfallkontakte dort festhalten, denn mit einer neuen Behörde können sich die Ansprechpartner ändern. Die eigene 24-Stunden-Meldung ans BSI sollte geübt sein, bevor sie gebraucht wird.
Quellen
8 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- ReutersSouth Korea’s Lee calls for powerful government-wide cybersecurity body
- HankyungBericht über die Kabinettssitzung vom 3. November 2026 (Koreanisch)
- The Korea TimesNIS asks 2,100 public institutions to conduct emergency cybersecurity checks
- Sunha Bae, CSISSouth Korea’s Integrated Cyber Defense Framework
- Byun Jae-sun, Korea JoongAng DailyKorea faces a crucial turning point in cybersecurity reform
- BSI-Gesetz, § 40
- BSI-Gesetz, § 32
- Wirtschaftskammer ÖsterreichNISG 2026 im Fokus
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