Canva-Chefin Melanie Perkins baut den Grafikdienst um. Für 1.271 Beschäftigte heißt das Kündigung, Umzug in zentrale Standorte wie Sydney oder eine neue Aufgabe. Dahinter stehen das schwächste Wachstum seit zehn Jahren und KI-Funktionen, die Canva auch Gratisnutzern anbietet.
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Melanie Perkins, Mitgründerin und Chefin von Canva, hat am 3. November in einem Brief an die Belegschaft einen Umbau angekündigt, der 1.271 Menschen oder 22 Prozent der Belegschaft betrifft.[1] Wie viele davon gehen müssen und wie viele umziehen oder eine andere Aufgabe übernehmen, nennt Canva nicht. Stand: Mittwoch, 4. November, 2 Uhr.
Das Wichtigste in Kürze
- Canva legt Produktentwicklung, Nutzergewinnung und technische Plattform zu einem gemeinsamen Produktbereich zusammen und streicht Führungsebenen.
- Sydney wird Hauptstandort für mehr Produktteams, ab Januar gelten zwei bis drei Bürotage pro Woche.
- Ausscheidende bekommen mindestens sechs Monatsgehälter, in jedem Land und einschließlich gesetzlicher Ansprüche.
- Im August hatte Canva laut Fortune seine Wachstumsprognose für 2026 wegen hoher KI-Kosten auf 20 Prozent gesenkt.
Was ändert sich bei Canva?

Perkins will Canva nach eigenen Worten „neu gründen“ und zu kleinen Teams zurückkehren, die selbst entscheiden. Schon eine kleine Verbesserung am Produkt verlangte bisher oft Abstimmungen zwischen Produktentwicklung, Nutzergewinnung und technischer Plattform. Diese drei Bereiche fasst Canva nun in einem gemeinsamen Produktbereich zusammen. Doppelte Zuständigkeiten und Hierarchieebenen fallen weg.[1]
Sydney wird Hauptstandort für mehr Produktteams. Ab Januar sollen die meisten Beschäftigten mit hybridem Arbeitsmodell zwei bis drei Tage pro Woche ins Büro kommen. Canva hat Teams in 37 Ländern. Zeitpunkt und Ablauf der Gespräche richten sich deshalb nach dem jeweiligen Landesrecht.[1]
Warum reicht Canva das Wachstum nicht mehr?
Perkins begründet den Schritt mit dem Wachstum, das sich in diesem Jahr erstmals seit einem Jahrzehnt verlangsamt habe. Kleine Änderungen reichten nicht aus.[1] Im August hatte Canva die erwartete Umsatzsteigerung für 2026 laut Fortune um ein Drittel auf 20 Prozent gesenkt. Die Nachfrage nach neuen KI-Funktionen habe die Erwartungen „deutlich übertroffen“, schrieb Perkins damals an Fortune, deshalb habe Canva die Einführung gebremst.[2]
Bei klassischer Software kostet ein zusätzlicher Gratisnutzer fast nichts. Mit KI ändert sich die Rechnung: Jeder Bildentwurf und jeder generierte Text braucht Rechenleistung, die Canva bezahlt, auch wenn der Nutzer nichts zahlt. Seit dem Start von Canva AI 2.0 im April sanken die Kosten je KI-Anfrage laut Perkins um fast 90 Prozent, zugleich erstellen die Nutzer damit dreimal so viele Designs.[2] Wie eine zahlende Minderheit bei Canva die kostenlose Mehrheit trägt, zeigt unsere Analyse des Geschäftsmodells.
Steht Canva mit dem Problem allein?
Nein. Beim Konkurrenten Figma sank der Anteil des freien Cashflows am Umsatz laut Fortune im zweiten Quartal auf 14 Prozent, nach 27 Prozent im ersten. Derek Hernandez, Analyst bei PitchBook, sieht darin ein Zeichen, dass KI das Abo-Modell klassischer Software verändert.[2]
Auch Konzerne mit guten Zahlen bauen derzeit Stellen ab, etwa Disney laut Bloomberg. Microsoft hat 60.000 Beschäftigten ein freiwilliges Ausscheiden gegen Abfindung angeboten.
Was gilt für Canvas Beschäftigte in Österreich?
Canva beschäftigt in Österreich rund 80 Menschen, vor allem in Wien, wo das übernommene KI-Unternehmen Kaleido saß.[3] Ob auch das Wiener Team betroffen ist, bleibt offen. Ein Betrieb mit 21 bis 99 Beschäftigten muss dem Arbeitsmarktservice (AMS) mindestens 30 Tage vorher anzeigen, wenn er binnen 30 Tagen fünf oder mehr Kündigungen plant. Der Betriebsrat unterschreibt die Anzeige mit, verfrühte Kündigungen sind unwirksam.[4]
Diese Sperre gilt laut Oberstem Gerichtshof nur für Kündigungen, nicht für eine einvernehmliche Auflösung.[5] Mit der Unterschrift unter eine Auflösungsvereinbarung geben Beschäftigte diesen Schutz also auf, vorher lohnt deshalb das Gespräch mit dem Betriebsrat. Für Firmenkunden nennt Perkins keine Änderungen an Preisen oder Funktionen. Am 10. November will sie die Pläne in einer Versammlung aller Beschäftigten erläutern.[1]
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- CanvaAn important update on our team
- FortuneCanva, the rare startup that grew fast and made money, sees AI cut its growth forecast by a third
- Canva CareersAustria
- Arbeitsmarktservice ÖsterreichFrühwarnsystem (§ 45a AMFG)
- Oberster GerichtshofFrühwarnsystem: Unwirksamkeit der einvernehmlichen Auflösung eines Dienstverhältnisses? (9 ObA 47/21h)
Mehr Newshunger?
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