Acht Stunden lang hat ein humanoider Roboter in Xiaomis Autowerk Verkleidungsteile für die Mittelkonsole sortiert. Nach Angaben von Konzernchef Lei Jun deckt er damit den Tagesbedarf der Station. Wie oft der Roboter dabei Fehler machte und wie oft ein Mensch eingreifen musste, sagt Xiaomi nicht.
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Xiaomi-Gründer Lei Jun hat das Ergebnis am 3. November auf Weibo veröffentlicht, während der Welt-Internet-Konferenz im chinesischen Wuzhen.[1] Der Roboter habe Abweichungen im Ablauf selbst korrigiert und im Zusammenspiel mit den Anlagen der Fertigungslinie gearbeitet. Einen Produktnamen nennt Lei Jun nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- An derselben Station lag die Erfolgsquote im Juli bei 90 Prozent, für die Acht-Stunden-Schicht fehlt sie.
- An einer Station für Gewindeeinsätze stieg die Quote von März bis Juli von 90,2 auf 98 Prozent.
- Der US-Hersteller Figure ließ einen Humanoiden elf Monate lang bei BMW in den USA arbeiten.
- Ab dem 20. Januar 2027 prüft in der EU eine unabhängige Stelle lernende Sicherheitsfunktionen von Maschinen.
Was hat der Roboter acht Stunden lang gemacht?

An der Station zieht der Roboter eine bestimmte Seitenverkleidung aus einer Kiste und steckt sie in das passende Fach eines Regalwagens gegenüber. Für weit hinten liegende Teile muss er sich strecken, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Verhakt sich ein Teil, ändert der Roboter seine Haltung und tastet sich mit Kraftsensoren weiter vor. Am schwersten falle Robotern die stundenlange Arbeit mit großen, unregelmäßig geformten und biegsamen Werkstücken, schrieb Lei Jun im Juli.
Angefangen hatte der Roboter an einer Station für Gewindeeinsätze. Im März lief er dort drei Stunden ohne Unterbrechung, arbeitete in 90,2 Prozent der Fälle fehlerfrei und hielt den Takt von 76 Sekunden. Bis Juli stieg die Quote auf 98 Prozent, einen Prozentpunkt unter der Quote der Werker. Lei Jun hatte im März angekündigt, Humanoide innerhalb von fünf Jahren in großer Zahl in Xiaomis Fabriken einzusetzen.[1]
Was sagen acht Stunden über einen Roboter aus?
Acht Stunden sind eine Schichtlänge, keine Qualitätskennzahl. Bei einem Takt von 76 Sekunden wie an der Station für Gewindeeinsätze kämen in acht Stunden rund 380 Arbeitsgänge zusammen. Selbst bei 98 Prozent Erfolg wären das sieben bis acht Fehlversuche je Schicht. Den Takt der Sortierstation hat Xiaomi nicht veröffentlicht.
Eine Auswertung des Videos auf dem chinesischen Portal Smzdm beschreibt eine aufsummierte Arbeitszeit, zwischendurch zeige das Bild einen Ladevorgang, ein fahrerloses Transportfahrzeug bringe Material. Gemessen wurde demnach eher die ganze Station als ein Roboter mit einer Akkuladung.
Auch Figure nannte für seinen Einsatz bei BMW vor allem Zielwerte: mehr als 99 Prozent fehlerfreie Arbeitszyklen und kein Eingriff je Schicht. Belegt sind dort Zehn-Stunden-Schichten über elf Monate und mehr als 90.000 eingelegte Teile.[2]
Acht Stunden beschreiben die Schicht, nicht die Qualität. Erst die Fehlerquote zeigt, ob ein Humanoider einen Arbeitsplatz übernehmen kann.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Erfolgsquoten je Station
Was heißt das für Fertigungsbetriebe in Deutschland?
Auch ein deutscher Zulieferer setzt Humanoide in China ein: Schaeffler lässt in Taicang sechs Humanoide Gelenkmodule für andere Humanoide montieren. Biegsame Teile wie Bezüge gelten bisher als Handarbeit, im KI-Resilienz-Check für Fahrzeuginterieur-Mechaniker erhält der Beruf die Schulnote 3,8, eine 6 hieße leicht ersetzbar.
In der EU kommt eine Prüfpflicht hinzu. Ab dem 20. Januar 2027 gilt die Maschinenverordnung: Sicherheitsfunktionen, die auf maschinellem Lernen beruhen und sich im Betrieb weiterentwickeln, muss dann eine benannte Stelle prüfen.[3] Wann sich ein Roboter in der eigenen Fertigung rechnet, beschreibt unser Überblick zur Robotik 2026. Vor einem Pilotprojekt mit Humanoiden lohnen sich zwei Schritte:
- Fragen Sie Anbieter nach Fehlerquote, Eingriffen und Taktverlust je Schicht, nicht nach der Laufzeit.
- Lassen Sie sich bestätigen, dass der Hersteller die Prüfung durch eine benannte Stelle eingeplant hat.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Lei Jun auf WeiboBeiträge zum Fabrikeinsatz der Xiaomi-Roboter (März, 14. Juli und)
- FigureF.02 Contributed to the Production of 30,000 Cars at BMW
- EUR-LexVerordnung (EU) 2023/1230 über Maschinen, Anhang I Teil A Nr. 5 und 6, Artikel 25 und 54
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