Yann LeCun und Mistral-Chef Arthur Mensch beteiligen sich als Business Angels am Zürcher Robotik-Start-up Enact Intelligence. Die Firma hat sich am 22. Oktober erstmals öffentlich vorgestellt und eine Pre-Seed-Runde über 30 Mio. Dollar bekanntgegeben, rund 26 Mio. €. Zwei Tage zuvor hatte LeCuns eigenes Unternehmen AMI Labs in Abu Dhabi Absichtserklärungen mit dem KI-Konzern G42 unterzeichnet, ebenfalls zu KI für Maschinen in Fabriken und Anlagen.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenEnact baut Roboter, die Kraft und Berührung über Messungen in ihren eigenen Antrieben erfassen, statt sich nur auf Kameras zu verlassen. An der Runde beteiligt sind die Wagniskapitalgeber Redalpine, Notion Capital und Firstminute Capital, neben LeCun und Mensch zudem Hugging-Face-Mitgründer Thomas Wolf.[1] Wie viel LeCun und Mensch persönlich investiert haben, nennt das Start-up nicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Enact Intelligence aus Zürich sammelt in der ersten Finanzierungsrunde rund 26 Mio. € ein.
- Zuerst sollen die Roboter die letzten Handgriffe der Montage übernehmen, etwa Stecker stecken und Schrauben eindrehen.
- LeCuns Firma AMI Labs vereinbarte am 20. Oktober mit G42 eine Zusammenarbeit zu Weltmodellen, rechtlich unverbindlich.
- Kunden oder Leistungsdaten hat Enact bisher nicht veröffentlicht.
Was finanzieren LeCun und Mensch bei Enact?

Enact wurde im März gegründet. Geschäftsführer Manuel Yves Galliker leitete beim Humanoiden-Hersteller 1X das Team, das dem Roboter NEO das Laufen beibrachte, und arbeitete danach beim US-Robotiklabor Physical Intelligence. Das zwölfköpfige Team kommt unter anderem von Google DeepMind, Amazon Robotics und dem Rüstungs-KI-Unternehmen Helsing.[2]
Die Roboter sollen Kraft und Berührung über Messungen in den eigenen Antrieben erfassen und so mit weniger Trainingsdaten lernen. „Wir gehen die entscheidenden Engpässe an: die Fähigkeit, effizient aus Erfahrung zu lernen und Aufgaben verlässlich auszuführen“, sagt Galliker.[2] Die Technik soll in einfache Roboterarme ebenso passen wie in Humanoide. Erste Einsatzfelder sind die letzten Schritte der Montage: Stecker stecken, Clips einrasten, Schrauben eindrehen, oft in vielen Varianten und kleinen Stückzahlen. Mit dem Geld will Enact sein Team bis Ende 2027 verfünffachen und erste Roboter bei Industriepartnern einsetzen.[2]
Warum setzt LeCun auf Roboter mit Tastsinn?
Die Beteiligung passt zu LeCuns Gegenposition im KI-Wettlauf. Der frühere KI-Chefwissenschaftler von Meta hält große Sprachmodelle seit Jahren für ungeeignet, die physische Welt zu verstehen. Sein Unternehmen AMI Labs mit Sitz in Paris entwickelt stattdessen Weltmodelle, die aus Beobachtung lernen. LeCun führt den Verwaltungsrat, Alexandre LeBrun das Tagesgeschäft. Im März sammelte AMI Labs 1,03 Mrd. Dollar ein, rund 0,9 Mrd. €, bei einer Bewertung von 3,5 Mrd. Dollar vor der Runde. Angeführt wurde die Runde unter anderem vom deutschen Wagniskapitalgeber HV Capital und von Bezos Expeditions, das Investmentvehikel von Jeff Bezos.[3]
Am 20. Oktober unterzeichneten G42 und dessen Tochter Analog Absichtserklärungen mit AMI Labs. Sie betreffen Forschung, Rechenzentren, eine souveräne Cloud und mögliche Anwendungen in der Industrie. Laut G42 sind die Vereinbarungen nicht bindend, Umfang und Konditionen folgen erst in gesonderten Verträgen.[4] Auch Mensch kennt den Partner: Mistral AI arbeitet seit Mai 2025 in einer strategischen Partnerschaft mit G42 zusammen.[4] Beide Schritte dieser Woche zielen in dieselbe Richtung: KI, die in Fabriken greifen und tasten soll, statt nur Text zu erzeugen.
Prominente Business Angels öffnen Türen, sind aber noch kein Beleg dafür, dass die Technik funktioniert. Ob Enacts Roboter in der Endmontage zuverlässig greifen, zeigt erst der erste Einsatz bei einem Kunden.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wagniskapital: Redalpine, Notion Capital, Firstminute Capital. Business Angels: Yann LeCun, Arthur Mensch, Thomas Wolf (Hugging Face), Andrew Lonsberry (Path Robotics). Einzelbeträge nicht genannt.
- 09.03.: AMI Labs sammelt rund 0,9 Mrd. € ein, Bewertung vor der Runde rund 3 Mrd. €
- 20.10.: Absichtserklärungen mit G42 und Analog in Abu Dhabi, nicht bindend
- 22.10.: Enact stellt sich mit LeCun als Business Angel erstmals öffentlich vor
- Yann LeCun: Vorsitzender des Verwaltungsrats von AMI Labs, Paris
- Arthur Mensch: Chef von Mistral AI, Partner von G42 seit Mai 2025
- AMI Labs: Geldgeber u. a. HV Capital und Bezos Expeditions
- Enact: Gründer Manuel Yves Galliker, zuvor 1X und Physical Intelligence
Bei großen Unternehmen sind es 24 Prozent. Enact will die Lücke mit Robotern schließen, die Handgriffe durch Vormachen lernen.
Was bedeutet das für den Mittelstand?
Enact richtet sich ausdrücklich an Betriebe mit vielen Varianten. In Deutschland setzen laut Enact nur 4,6 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen Roboter ein, bei großen Unternehmen sind es 24 Prozent. China setze auf große Stückzahlen, Enact auf Vielfalt, sagt Galliker. Statt jede Aufgabe einzeln zu programmieren, sollen die Roboter lernen, indem man ihnen die Handgriffe vormacht. Gespräche mit europäischen Firmen aus Fertigung, Infrastruktur, Handel und Lebensmittelverarbeitung laufen nach Angaben des Start-ups bereits.[2]
Konkurrenz gibt es reichlich. In derselben Woche sammelte das US-Start-up Eka Robotics mit einem ähnlichen Ansatz 150 Mio. Dollar ein, rund 130 Mio. €. In Deutschland arbeiten Neura Robotics, RobCo und Agile Robots an lernfähigen Robotern für die Fabrik.[2] Unser Überblick zu Physical AI, also KI, die Roboter und Maschinen steuert, ordnet die Anbieter ein. Mittelständler mit Montagearbeit in kleinen Serien sollten Enact beobachten, aber noch nicht einplanen: Ein Zeitplan für den ersten Serieneinsatz fehlt bislang.
LeCun widerspricht regelmäßig den Warnungen der großen US-Labore, etwa mit Kritik an Anthropic-Chef Dario Amodei, wie unsere Meldung LeCun hält Amodeis KI-Warnungen für ein Manöver gegen offene Modelle zeigt. Wie Mistral selbst Geld verdienen will, steht in unserer Analyse des Geschäftsmodells von Mistral AI.
FAQ: LeCun, Mensch und Enact
Was ist Enact Intelligence?
Enact Intelligence ist ein Robotik-Start-up aus Zürich, gegründet im März 2026. Das Unternehmen entwickelt Roboter, die Kraft und Berührung über Messungen in ihren eigenen Antrieben erfassen. Am 22. Oktober meldete es eine erste Finanzierungsrunde über 30 Mio. Dollar, rund 26 Mio. Euro.
Wie viel haben Yann LeCun und Arthur Mensch investiert?
Die Einzelbeträge nennt Enact nicht. LeCun und Mensch sind als Business Angels beteiligt, ebenso Hugging-Face-Mitgründer Thomas Wolf. Die Wagniskapitalgeber der Runde sind Redalpine, Notion Capital und Firstminute Capital.
Was hat AMI Labs mit G42 vereinbart?
AMI Labs, das Unternehmen von Yann LeCun, hat am 20. Oktober Absichtserklärungen mit G42 und dessen Tochter Analog unterzeichnet. Sie betreffen Forschung zu Weltmodellen, Rechenzentren, Cloud und Industrieanwendungen. Laut G42 sind sie nicht bindend.
Für welche Unternehmen sind Enacts Roboter gedacht?
Enact will zuerst die letzten Montageschritte mit vielen Varianten und kleinen Stückzahlen automatisieren, etwa Stecker stecken oder Schrauben eindrehen. Gespräche mit Firmen aus Fertigung, Handel und Lebensmittelverarbeitung laufen laut Start-up, Kunden hat es noch nicht genannt.
Quellen
4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Tech.euMistral boss and Yann LeCun back Swiss robotics startup Enact in $30M pre-seed round (englisch)
- Trending TopicsYann LeCun und Mistral-Chef investieren in Zürcher Robotik-Startup Enact
- TechCrunchYann LeCun’s AMI Labs raises $1.03 billion to build world models (englisch)
- G42G42 and Yann LeCun’s AMI Labs Explore AI for the Physical World (englisch)
Mehr Newshunger?
- Yann LeCun sieht bei KI-Cyberangriffen die Verteidiger im Vorteil
- Yann LeCun hält Amodeis KI-Warnungen für ein Manöver gegen offene Modelle
- AMD kauft World Labs: 7,1 Milliarden Euro für Fei-Fei Lis Weltmodelle
- Mistral sammelt 3 Milliarden Euro ein: Europas größte Tech-Finanzierungsrunde
- Physical AI: Die KI bekommt einen Körper
- Alle Meldungen über die Tech-Titanen
