Schaeffler hat im chinesischen Taicang eine Fabrik eröffnet, in der sechs humanoide Roboter Gelenkmodule für andere Humanoide montieren. Die Serienfertigung dieser Antriebe startet damit in China. Eine Investitionssumme nennt der Zulieferer aus Herzogenaurach nicht.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAn fünf Stationen stellen sechs Humanoide Bauteile bereit, sortieren sie und montieren daraus Linear- und Drehantriebe.[1] Danach prüfen, beschriften und verpacken die Roboter die fertigen Module. Abnehmer sind Hersteller, die selbst humanoide Roboter bauen.
Das Wichtigste in Kürze
- In der neuen Fabrik in Taicang fertigt Schaeffler Gelenkmodule für Humanoide in Serie, montiert von Humanoiden.
- Das Werk dient zugleich als Trainingszentrum für Roboter, Vorlage sind die rund 100 Schaeffler-Werke.
- Der Auftragseingang im Geschäft mit humanoiden Robotern liegt nach zwei Neukunden aus dem chinesischen Raum bei rund 400 Millionen Euro.
- Für lernende Sicherheitssoftware in Maschinen verlangt die EU ab Januar 2027 eine Prüfung durch unabhängige Stellen.
Was passiert in der Fabrik in Taicang?

Die Halle ist rund 7.500 Quadratmeter groß und vereint Montagelinie, Trainingszentrum samt Erfassung von Trainingsdaten, digitalen Zwilling und Rechenzentrum.[1] Sensoren erfassen Montagegenauigkeit, Dauer jedes Arbeitsschritts, Energieverbrauch und Zustand der Anlage. Änderungen testet Schaeffler zuerst im digitalen Zwilling und setzt sie erst danach an der realen Montagelinie um.
Schon im Februar hatte Schaeffler in Taicang eine eigene Tochter für Robotik gegründet, mit Forschungszentrum, Rechenzentrum, Trainingszentrum und Fertigungslinien im Plan.[2] Jochen Schröder, im Vorstand zuständig für Produktion, Lieferkette und Einkauf, nennt die neue Fabrik „einen geschlossenen Fertigungskreislauf, in dem Humanoide Komponenten für Humanoide montieren“.[1]
Warum montieren Humanoide die Teile für Humanoide?
Humanoide lernen Handgriffe nicht entlang einer programmierten Bahn, sondern anhand vieler Beispiele. Solche Beispiele sammelt Schaeffler bereits in einer Trainingshalle in Frauenaurach, dort allerdings ohne Produktion. In Taicang trainieren die Roboter Sichtprüfung, Verpacken, Materialtransport und Teilemontage und erproben neue Fähigkeiten gleich an der Serienlinie.[1] Vorlage für die Trainingsumgebungen sind die rund 100 Werke des Konzerns.
Auch die jüngsten Kunden stammen aus dem chinesischen Raum. Im dritten Quartal gewann Schaeffler dort zwei Neukunden, der Auftragseingang im Geschäft mit humanoiden Robotern stieg damit auf rund 400 Millionen Euro.[1] Mitte 2026 hatte der Konzern rund 350 Millionen Euro gemeldet. Zu den Abnehmern zählt XPeng. Der Elektroautohersteller will seinen Humanoiden Iron mit Methoden aus der Autofertigung in Serie bringen.
Für Robotergelenke zählt die Nähe zum Kunden mehr als die Nähe zur Zentrale in Herzogenaurach.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was folgt daraus für Fabriken in Deutschland?
In Deutschland plant Schaeffler ab 2027 die Serienfertigung umgeformter Wellgetriebe für Robotergelenke. In Herzogenaurach und Schweinfurt sollen im selben Jahr die ersten Humanoide in der Produktion mitarbeiten. Die Montage fertiger Gelenkmodule durch Roboter läuft dagegen zuerst in China.
Ab Januar 2027 gilt in der EU die neue Maschinenverordnung. Übernimmt lernende Software in einer Maschine Sicherheitsfunktionen, muss eine unabhängige Stelle die Konformität bewerten.[3] Mittelständler, die Humanoide erproben, klären vor dem Kauf mit dem Anbieter, welche Schutzfunktionen auf maschinellem Lernen beruhen und welche benannte Stelle die Bewertung übernimmt. Einen Überblick über Einsatzfelder gibt unser Beitrag Robotik 2026, Fachbegriffe erklärt das Robotik-Glossar.
Quellen
3 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- SchaefflerHumanoide fertigen Humanoide: Schaeffler eröffnet Lighthouse Factory in Taicang
- Schaeffler China舍弗勒在中国成立具身智能机器人公司 (Gründung der Robotik-Tochter in Taicang)
- Amtsblatt der EUVerordnung (EU) 2023/1230 über Maschinen, Anhang I Teil A Nr. 5 und 6
Mehr Newshunger?
- Siemens und Nvidia: In Erlangen lernt die Prüfkamera neue Leiterplatten vor dem Prototyp kennen
- Agibot übergibt Roboter Nummer 20.000: Über 300 Maschinen arbeiten in Chimelongs Freizeitpark nach Dienstplan
- Vom BMW-Werk ins Wohnzimmer: Figure baut den Humanoiden in Serie
- 348 Millionen Euro für D-Robotics: Kapital zahlt jetzt nur noch für Serienfertigung
- RoboSense verkauft den Roboterbau an den eigenen Konzernchef und wird dessen Zulieferer
- Europas erstes Humanoiden-Einhorn: Warum Bosch und Schaeffler hinter dem Start-up Humanoid stehen
