Daqo New Energy verkaufte ein Kilogramm Polysilizium Ende 2025 im Schnitt für umgerechnet 5,20 Euro. In den USA gilt für importiertes Polysilizium ab dem 4. Dezember ein Mindestpreis von umgerechnet 18,72 Euro. Wacker Chemie stellt den Werkstoff in Burghausen, Nünchritz und Tennessee her und nennt die eigenen Energiekosten in Deutschland international nicht wettbewerbsfähig.
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- Wer steckt hinter Wacker Chemie und wie fing alles an?
- Wie wurde aus dem Acetonwerk ein Weltkonzern?
- Wie verdient Wacker Chemie tatsächlich sein Geld?
- Wie groß ist die Marktmacht von Wacker Chemie?
- Wer ist bei Wacker Chemie eigentlich das Produkt?
- Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?
- Wer profitiert und wer zahlt drauf?
- Wie politisch ist Wacker Chemie?
- Was könnte Wacker Chemie zu Fall bringen?
- Was bedeutet Wacker Chemie für deutsche Unternehmer und Verbraucher?
- Glossar: 15 wichtige Fachbegriffe zu Wacker Chemie
- FAQ: Wie verdient Wacker Chemie Geld, wenn China den Preis macht?
Wacker Chemie hat am 29. Oktober für das dritte Quartal 2026 ein EBITDA von 217 Millionen Euro gemeldet, fast doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.
Den größten Teil des Zuwachses führt der Münchner Konzern auf sein Sparprogramm PACE zurück, rund 35 Millionen Euro stammen aus einem aufgelösten Liefervertrag für Solar-Polysilizium.
Ohne diesen Betrag verdiente die Polysiliziumsparte im Quartal rechnerisch rund 9 Millionen Euro bei 225 Millionen Euro Umsatz.
Das Geld verdient Wacker heute vor allem mit Silikonen und Bindemitteln für die Bauindustrie. Beim Polysilizium für Chips sieht sich der Konzern als Nummer eins der Welt, beim Solar-Polysilizium kämpft er mit chinesischen Überkapazitäten, deutschen Energiepreisen und einer Handelspolitik, die in Washington gemacht wird.
Das Wichtigste in Kürze
- Wacker Chemie setzte 2025 rund 5,49 Milliarden Euro um, fast die Hälfte davon mit Silikonen. Die Sparte Silicones lieferte mit 336 Millionen Euro auch das größte Spartenergebnis.
- Die Polysiliziumsparte kam 2022 auf 826 Millionen Euro EBITDA, 2025 auf 96 Millionen. Chinesische Hersteller stellten 2024 laut Bernreuter Research 93,5 Prozent der Weltproduktion her.
- 2025 schrieb Wacker einen Jahresverlust von 805 Millionen Euro, vor allem wegen einer Abschreibung auf die Siltronic-Beteiligung und nicht mehr angesetzter latenter Steuern. Die Dividende fiel aus.
- Das Programm PACE soll ab 2028 jährlich mehr als 300 Millionen Euro einsparen. In Deutschland fallen bis Ende 2027 rund 1.600 Stellen weg, 1.300 davon in Burghausen.
- Mit 5,49 Milliarden Euro Umsatz liegt Wacker über der Grenze von 5 Milliarden Euro, die Hermann Simon für Hidden Champions zieht. Heimlicher Weltmarktführer ist der Konzern nur in Nischen.
Fünf Fragen zu Aceton, Alzkanal und Polysilizium
1 Woher kam ab 1922 der Strom für das Werk in Burghausen? Aufklappen ↓
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2 Welche EBITDA-Marge erzielte die Polysiliziumsparte im Jahr 2025? Aufklappen ↓
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3 Welchen Anteil an der weltweiten Polysiliziumproduktion hatten chinesische Hersteller 2024 laut Bernreuter Research? Aufklappen ↓
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4 Wie viele Stellen fallen bis Ende 2027 am Standort Burghausen weg? Aufklappen ↓
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5 Wie hoch waren die Energiebeihilfen, die Wacker 2025 in den Herstellungskosten verbuchte? Aufklappen ↓
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Wer steckt hinter Wacker Chemie und wie fing alles an?
Der Elektrounternehmer Alexander Wacker gründete das Unternehmen 1914, ab 1916 entstand das Werk in Burghausen an der Alz. Bis heute kontrolliert seine Familie über eine Holding mehr als die Hälfte der Stimmrechte, sein Urenkel Peter-Alexander Wacker leitet den Aufsichtsrat.
Ein Generaldirektor fängt noch einmal an
Alexander Wacker war 68 Jahre alt, als er sein Chemieunternehmen gründete.
Der gebürtige Heidelberger hatte als Kaufmann begonnen, 1877 die Vertretung für die Stromgeneratoren des Nürnberger Fabrikanten Sigmund Schuckert übernommen und dessen Firma später als Generaldirektor geführt. 1902 schied er aus, ein Jahr bevor sein früheres Unternehmen in Siemens-Schuckert aufging.
Aus der Elektrotechnik brachte er die Idee mit, auf die er sein Unternehmen baute: Karbid entsteht im Elektroofen und verlangt viel Strom, aus Karbid lässt sich Acetylen gewinnen, und aus Acetylen eine ganze Reihe von Chemikalien. In einem eigenen Labor in Nürnberg arbeitete Wacker seit 1896 an solchen Verfahren, die Deutsche Biographie nennt ihn einen Pionier der Acetylenchemie.
1913 bekam er die Genehmigung für ein Wasserkraft- und Karbidwerk an der Alz bei Burghausen, der Kriegsausbruch verzögerte den Bau.
1914 entstand in Traunstein die „Dr. Alexander Wacker, Gesellschaft für elektrochemische Industrie“. Zwei Jahre später begannen die Arbeiten am Werk Burghausen, zuerst mit einer Sauerstofffabrik und einem Gleisanschluss. 1917 verließ laut Firmenchronik der erste Güterwagen mit 15 Tonnen Aceton das Werk, Ziel war Leverkusen.
Ein Kanal als Kraftwerk
Den Strom sollte ein eigenes Kraftwerk liefern. 1918 gründete Wacker die Alzwerke, 1922 ging das Kraftwerk Alz in Betrieb, gespeist über einen 16 Kilometer langen Kanal. Alexander Wacker starb im April desselben Jahres.
Im Segment Sonstiges verbucht Wacker die Versorgung der Chemieparks mit Strom, Gas und Dampf und nannte 2025 einen geringeren Beitrag des Wasserkraftwerks als einen Grund für das schwächere Ergebnis dieses Segments.
- 1914Alexander Wacker gründet mit 68 Jahren in Traunstein die Gesellschaft für elektrochemische Industrie.
- 1917Der erste Güterwagen mit 15 Tonnen Aceton verlässt das neue Werk Burghausen.
- 1921Die Farbwerke Hoechst übernehmen die Hälfte des Unternehmens.
- 1922Das Kraftwerk Alz geht in Betrieb, gespeist über einen 16 Kilometer langen Kanal.
- 1953Erstes Reinstsilizium für Halbleiter und erster Silikonkautschuk aus Burghausen.
- 1968Gründung der Chemitronic, Vorläuferin des Waferherstellers Siltronic.
- 2005Die Familie kauft den verbliebenen Hoechst-Anteil, ein Jahr später folgt der Börsengang.
- 2022Rekordumsatz von 8,21 Mrd. €, Ziel von über 10 Mrd. € Umsatz bis 2030.
- 2026Zehn-Milliarden-Ziel gestrichen, Siltronic-Anteil laut Wacker auf rund 15 % gesenkt, Sparprogramm PACE.
Hoechst kam, Hoechst ging
Schon 1921 hatten die Farbwerke Hoechst die Hälfte des Unternehmens erworben. Die Beteiligung prägte Wacker achtzig Jahre lang: 2001 übernahm die Dr. Alexander Wacker Familiengesellschaft die Stimmenmehrheit, 2005 kaufte eine von der Familie kontrollierte Holding den verbliebenen Hoechst-Anteil. Im April 2006 ging Wacker an die Frankfurter Börse. Die Familiengesellschaft hält heute mehr als 50 Prozent der Stimmrechte. Mehr als zehn Prozent besitzt die Blue Elephant Holding, deren Stimmrechte dem Urenkel des Gründers zugerechnet werden. Peter-Alexander Wacker war von 2005 bis 2008 Vorstandschef und führt seit 2008 den Aufsichtsrat.
Der Name des Gründers steht heute für den Mehrheitsaktionär und den Aufsichtsratschef.
Wie wurde aus dem Acetonwerk ein Weltkonzern?

Wacker wuchs mit Kunststoffen, Silikonen und Reinstsilizium, ging in den 1960er-Jahren in die USA und später nach Asien. Den Höhepunkt erreichte der Konzern 2022 mit 8,21 Milliarden Euro Umsatz, seither ist er um ein Drittel geschrumpft.
Kunststoff, Silikon, Silizium
Nach dem Aceton kamen die Kunststoffe. 1924 stellte Wacker in Burghausen erstmals Polyvinylacetat und Polyvinylalkohol her, 1930 begann dort die Produktion des Bindemittels Vinnapas.
1947 fing der Chemiker Siegfried Nitzsche an, über Silane und Silikone zu forschen. 1953 gelangen in Burghausen zwei Premieren: Wacker produzierte den ersten Silikonkautschuk und stellte erstmals Reinstsilizium für Halbleiter her. Den Weg dieses Werkstoffs vom Quarzsand bis zur Weltpolitik beschreibt die Dr.-Web-Stoffgeschichte über Silizium.
1968 gründete Wacker in Burghausen die Chemitronic, aus der später die Siltronic AG hervorging, einer der großen Hersteller von Siliziumscheiben für die Chipindustrie.
Vom Werk zum Weltkonzern
1965 gründete Wacker in New York eine Gesellschaft für den US-Markt, 1983 folgte eine in Tokio. 1998 kaufte der Konzern das Werk Nünchritz in Sachsen für die Silikonproduktion, 2010 eröffnete er mit Dow Corning in Zhangjiagang den damals größten integrierten Silikonstandort Chinas.
2011 begann der Bau eines eigenen Polysiliziumwerks in Charleston im US-Bundesstaat Tennessee.
Wacker erzielt heute 83 Prozent des Umsatzes im Ausland. 2025 war Europa mit 2,22 Milliarden Euro die größte Region, vor Asien mit 1,92 Milliarden und Amerika mit 1,02 Milliarden Euro. In der Region, die Wacker als Großraum China führt, setzte der Konzern rund 930 Millionen Euro um. Beschäftigt waren Ende 2025 insgesamt 16.467 Menschen, 65 Prozent davon in Deutschland. Das Polysilizium entsteht in Burghausen, in Nünchritz und in Charleston, Silikone kommen zusätzlich aus China, Japan, Südkorea und Tschechien.
Rekord, Ziel, Absturz
2022 erreichte der Umsatz 8,21 Milliarden Euro, das EBITDA 2,08 Milliarden und der Jahresüberschuss 1,28 Milliarden Euro. Allein die Polysiliziumsparte steuerte 826 Millionen Euro EBITDA bei, etwas mehr als die Silikone. Im März 2022 kündigte Vorstandschef Christian Hartel auf einem Kapitalmarkttag in London an, den Umsatz bis 2030 auf über 10 Milliarden Euro zu steigern, bei einer EBITDA-Marge von mehr als 20 Prozent.
Drei Jahre später lag der Umsatz bei 5,49 Milliarden Euro, das EBITDA bei 427 Millionen Euro, und unter dem Strich stand ein Verlust von 805 Millionen. Am 17. September 2026 strich Wacker auf dem nächsten Kapitalmarkttag das Zehn-Milliarden-Ziel. Neu sind eine EBITDA-Marge von 15 Prozent mit zwei Prozentpunkten Spielraum und eine Kapitalrendite von über 10 Prozent, beides ohne festes Zieljahr.
Hidden Champion mit Einschränkung
Passt ein börsennotierter Konzern mit fünfeinhalb Milliarden Euro Umsatz in eine Reihe über Hidden Champions? Hermann Simon, der den Begriff geprägt hat, nennt drei Bedingungen: Platz eins bis drei der Welt in der eigenen Nische oder Platz eins auf dem Kontinent, weniger als 5 Milliarden Euro Umsatz und eine geringe Bekanntheit in der Öffentlichkeit.
Beim Umsatz liegt Wacker knapp über der Grenze, 2022 lag der Konzern weit darüber. In der Liste der Universität Trier mit 99 börsennotierten Hidden Champions fehlt Wacker Chemie, verzeichnet ist dort der 1848 gegründete Baumaschinenhersteller Wacker Neuson, ein anderes Unternehmen.
Beim Polysilizium für Halbleiter sieht sich der Konzern als Nummer eins der Welt vor Hemlock und Tokuyama, bei Dispersionen auf Basis von Vinylacetat-Ethylen als größten Hersteller.
Unser Urteil: Wacker ist kein Hidden Champion im Sinne Simons, in Teilen wie dem Polysilizium für Halbleiter aber nach eigener Rangliste die Nummer eins der Welt. Dieses Porträt seziert deshalb den ganzen Konzern und misst die Nische an ihm.
Wie verdient Wacker Chemie tatsächlich sein Geld?

Vor allem mit Silikonen. Die Sparte Silicones brachte 2025 knapp die Hälfte des Umsatzes und 336 Millionen Euro EBITDA, mehr als Polymers und Polysilicon zusammen. Das Polysilizium, für das Wacker bekannt ist, lieferte 96 Millionen Euro, knapp ein Achtel des Werts von 2022.
Vier Sparten, ein Zahlmeister
Wacker führt seine vier Sparten unter englischen Namen. Silicones (Silikone) setzte im Jahr 2025 2,73 Milliarden Euro um, Polymers (Bindemittel und Dispersionen) 1,38 Milliarden, Polysilicon (Polysilizium) 883 Millionen und Biosolutions (Biotechnologie) 360 Millionen Euro. Gemessen am Konzernumsatz entfallen damit rechnerisch knapp 50 Prozent auf Silikone, ein Viertel auf Polymers, 16 Prozent auf Polysilizium und 7 Prozent auf Biosolutions.
Silikone stellt Wacker aus Siliziummetall und Methanol her, mehr als 2.800 Produkte von Ölen und Emulsionen über Kautschuk bis zu Harzen. Sie gehen in Kosmetik, Textilien, Autos, Elektronik und Bautenschutz, wo Wacker sich als Weltmarktführer sieht. Polymers liefert Dispersionen und Dispersionspulver, die als Bindemittel dienen, Hauptabnehmer ist die Bauindustrie. Biosolutions fertigt im Auftrag Pharmaproteine und Impfstoffe und verkauft Cyclodextrine sowie Festharze für Kaugummi-Grundmasse. Polysilicon liefert hochreines Polysilizium an Hersteller von Siliziumscheiben für Chips und an die Solarindustrie.
Die Marge ist umgezogen
2021 erzielte Polysilicon eine EBITDA-Marge von 42,9 Prozent, Silicones kam auf 21,1 Prozent. 2025 lagen beide Sparten fast gleichauf, Silicones bei 12,3 Prozent und Polysilicon bei 10,9 Prozent. Weil Silicones gut dreimal so viel umsetzt, erwirtschaftet die Sparte heute mehr als dreimal so viel EBITDA.
| Sparte | Umsatz 2022 | EBITDA 2022 | Umsatz 2025 | EBITDA 2025 | Marge 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Silicones | 3.452,9 Mio. € | 800,0 Mio. € | 2.733,2 Mio. € | 335,7 Mio. € | 12,3 % |
| Polymers | 1.996,2 Mio. € | 288,7 Mio. € | 1.378,5 Mio. € | 158,3 Mio. € | 11,5 % |
| Polysilicon | 2.287,2 Mio. € | 825,7 Mio. € | 882,9 Mio. € | 96,2 Mio. € | 10,9 % |
| Biosolutions | 331,1 Mio. € | 16,7 Mio. € | 360,4 Mio. € | 20,7 Mio. € | 5,7 % |
| Konzern | 8.209,3 Mio. € | 2.080,9 Mio. € | 5.485,3 Mio. € | 426,7 Mio. € | 7,8 % |
Den Absturz beim Polysilizium erklärt Wacker im Geschäftsbericht offen: Überkapazitäten in China drücken den Preis für Solar-Polysilizium, 2025 kamen Unsicherheiten durch US-Antidumpingzölle hinzu. Das Geschäft mit Polysilizium für Halbleiter habe sich dagegen „sehr positiv“ entwickelt. Den Konzern belasteten außerdem schlecht ausgelastete Anlagen, Energiekosten und 102,6 Millionen Euro Restrukturierungsaufwand, das EBITDA des Segments Sonstiges sank auf minus 184,8 Millionen Euro.
Bernreuter Research hat die deutschen Exportdaten ausgewertet. Die Ausfuhren aus Burghausen und Nünchritz fielen 2025 um 42 Prozent auf rund 27.000 Tonnen. Lieferungen nach China, Vietnam und Malaysia brachen ein, Lieferungen nach Südkorea, Singapur und in die USA wuchsen. Im Absatz übertraf Polysilizium für Elektronik 2025 die Solarqualität.
Geld, das in keiner Spartentabelle steht
Neben dem Verkauf von Chemikalien fließen Wacker Zuschüsse zu, die in der Spartenrechnung nicht gesondert auftauchen. Der größte Posten sind Energiebeihilfen der öffentlichen Hand von 170,4 Millionen Euro, die 2025 in den Herstellungskosten verbucht wurden, gewährt für Aufwendungen des Vorjahres.
Der Betrag entspricht rund 40 Prozent des EBITDA von 2025.
Aus den USA kamen 18,9 Millionen Euro Förderung nach dem Inflation Reduction Act für Polysilizium aus Charleston, 2024 waren es 30,7 Millionen. Bernreuter Research rechnet diese Förderung aus dem Ergebnis der Sparte heraus und kommt für das vierte Quartal 2025 auf eine EBITDA-Marge von 0,8 Prozent.
Im Polysiliziumgeschäft schließt Wacker mittel- und langfristige Lieferverträge mit festen Abnahmemengen, Kunden zahlen dafür an. Ende 2025 standen 183,5 Millionen Euro langfristige Anzahlungen in der Bilanz, ein Jahr zuvor 217,8 Millionen. Die Vorauskasse finanziert einen Teil des Geschäfts und bindet Kunden an Mengen.
Das Segment Sonstiges setzte 142,2 Millionen Euro um: Wacker versorgt die Firmen im Chemiepark Burghausen mit Strom, Gas und Dampf, organisiert den Park und verkauft Salz.
Siltronic: vom Ziehkind zur Geldquelle
Ende 2025 hielt Wacker 30,83 Prozent an Siltronic. Weil der Börsenkurs dauerhaft unter dem Buchwert lag, schrieb der Konzern die Beteiligung um 307,8 Millionen Euro ab.
Zusammen mit aktiven latenten Steuern von 194 Millionen Euro, die Wacker in Deutschland nicht mehr ansetzte, waren das gut 500 Millionen Euro und damit der größte Teil des Jahresverlusts von 804,9 Millionen Euro.
2026 drehte Wacker die Rechnung um. Im Mai verkaufte der Konzern 2,1 Millionen Siltronic-Aktien, im September weitere 2,2 Millionen zu je 77,25 Euro und senkte den Anteil damit laut Wacker auf rund 15 Prozent, wie Dr. Web über die zweite Platzierung berichtete. Laut Quartalsmitteilungen flossen 185,4 und rund 170 Millionen Euro zu, das Periodenergebnis des zweiten Quartals enthielt 243 Millionen Euro an Siltronic-Effekten.
Verbund statt Einzelanlage
In Burghausen, Nünchritz und Zhangjiagang produziert Wacker im Verbund: Nebenprodukte eines Schritts werden Rohstoff des nächsten, Hilfsstoffe laufen im Kreis, Abwärme heizt andere Prozesse. Chlorwasserstoff verwendet Wacker an den beiden deutschen Standorten zu 93 bis 96 Prozent wieder. Der Konzern nennt diese Verbundproduktion einen wesentlichen Vorteil gegenüber Wettbewerbern.
Der Verbund hat eine Kehrseite, er verlangt Auslastung. 2025 fehlte sie, die Bruttomarge sank von 17,2 auf 12,0 Prozent.
Was sich seit 2021 verschoben hat
2022 kam mehr als ein Viertel des Konzernumsatzes aus der Polysiliziumsparte, 2025 noch ein Sechstel. Neue Erlösquellen sind kaum dazugekommen. Biosolutions ist zwar durch Zukäufe gewachsen, musste 2025 aber einen Firmenwert von 89,1 Millionen Euro abschreiben, der aus der Übernahme von ADL Biopharma stammte.
Unser Fazit zum Erlösmodell: Wacker verdient sein Geld heute als Spezialchemiekonzern mit einer Halbleiternische, nicht als Zulieferer der Solarindustrie. Der Konzern zieht daraus inzwischen selbst die Konsequenz und will Investitionen vor allem in Anwendungen für Elektronik, Gesundheit und Mobilität lenken.
- Silikone: Die größte Sparte finanziert den Konzern, auch in schwachen Jahren.
- Halbleiter: Reinheit lässt sich verkaufen, Solarqualität nur zu Preisen aus China.
- Zuschüsse: Ohne öffentliche Hilfen für Energie sähe das operative Ergebnis deutlich schwächer aus.
Wie groß ist die Marktmacht von Wacker Chemie?

Beim Polysilizium für Halbleiter sieht sich Wacker als Weltmarktführer, bei Silikonen als Nummer zwei hinter Dow. Beim Solar-Polysilizium hat der Konzern keine Preismacht: Chinesische Hersteller produzierten 2024 laut Bernreuter Research 93,5 Prozent der Weltmenge.
Eine Rangliste aus eigener Hand
Im Geschäftsbericht 2025 stellt Wacker eine eigene Übersicht seiner Wettbewerbspositionen auf. In seinen drei umsatzstärksten Sparten zählt sich der Konzern zu den Top 3 der Welt.
| Markt | Rang 1 | Rang 2 | Rang 3 |
|---|---|---|---|
| Silikone | Dow | Wacker | KCC und Momentive |
| VAE-Dispersionen und Dispersionspulver | Wacker | Celanese | Dairen |
| Polysilizium für Halbleiter | Wacker | Hemlock | Tokuyama |
Bei der Inbetriebnahme einer neuen Anlage zur Hochreinigung von Polysilizium im Juli 2025 sagte Hartel, Wacker sei in Europa das einzige und weltweit das größte Unternehmen, das höchstreines Halbleiter-Polysilizium herstellt. CHEManager berichtete damals außerdem, etwa jeder zweite Computerchip entstehe aus Polysilizium von Wacker. Eine unabhängige Marktstudie, die diese Anteile nachrechnet, hat Dr. Web nicht gefunden.
Im Solarmarkt ein Preisnehmer
Neun der zehn größten Hersteller sitzen laut Bernreuter Research in China, die vier größten, Tongwei, GCL Technology, Daqo New Energy und Xinte Energy, kamen 2024 zusammen auf 65 Prozent Marktanteil. Wacker war von 2016 bis 2019 der größte Hersteller der Welt, rutschte bis 2022 auf Rang fünf und 2024 auf Rang acht.
Hemlock aus den USA, beim Halbleitermaterial Wackers wichtigster Rivale, lag 2024 im Gesamtmarkt auf Rang 14.
GCL Technology meldete für Ende 2025 eine Jahreskapazität von 480.000 Tonnen Polysilizium, Wackers Exporte aus beiden deutschen Werken lagen 2025 bei rund 27.000 Tonnen. Eine Kapazität ist keine Produktion, und Exporte sind nicht der ganze Absatz, die Zahlen zeigen aber, in welcher Gewichtsklasse beide antreten.
Den Preis bestimmt die chinesische Kostenkurve. Daqo verkaufte Polysilizium im vierten Quartal 2025 für durchschnittlich umgerechnet 5,20 Euro je Kilogramm, die Herstellkosten ohne Abschreibungen lagen bei 3,97 Euro. GCL erzielte für sein Granulat-Polysilizium rund 4,75 Euro je Kilogramm und lag damit nur gut einen Euro über seinen Herstellkosten ohne Abschreibungen von 3,37 Euro. 2025 schrieb GCL einen Verlust von umgerechnet 389 Millionen Euro, Daqo einen von 152 Millionen Euro.
Ein Hersteller, der Energie zu deutschen Preisen kauft, bestimmt in diesem Markt nicht den Preis. Wacker reagiert, indem er weniger Solar-Polysilizium verkauft und mehr Material in Halbleiterqualität.
Wo die Kunden nicht einfach wechseln
Bei Chips liegt der Fall anders. Für Strukturbreiten von drei Nanometern und darunter braucht die Industrie Polysilizium, das laut Geschäftsbericht nur wenige Firmen außer Wacker herstellen können. Die neue Hochreinigungsanlage in Burghausen kostete über 300 Millionen Euro, die größte Einzelinvestition seit rund zehn Jahren, und erhöhte die Kapazität für die höchste Reinheitsstufe um mehr als 50 Prozent. EU, Bund und der Freistaat Bayern förderten den Aufbau.
Am Ende der Lieferkette stehen Chipfabriken wie die von TSMC, die Prozessoren für Rechenzentren fertigen. Zwischen Wacker und den Chipfabriken arbeiten die Waferhersteller, unter ihnen Siltronic, an die Wacker sein Polysilizium liefert.
Ob Kunden technisch an Wacker gebunden sind, lässt sich aus dem Geschäftsbericht nicht ablesen. Sichtbar ist, wie Wacker Kunden vertraglich bindet: über mittel- und langfristige Lieferverträge mit festen Mengen und Anzahlungen, vor allem im Polysilizium. Laufende Kartellverfahren erwähnt Wacker im Geschäftsbericht nicht, der Konzern verweist nur allgemein auf sein Compliance-System gegen Kartellrechtsverstöße.
Wer ist bei Wacker Chemie eigentlich das Produkt?

Im Geschäft mit Industriekunden verkauft Wacker vor allem Verlässlichkeit: Chipindustrie und Bauchemie kaufen Reinheit und Liefersicherheit. Der Konzern selbst hängt an drei Größen, die er nicht steuert: dem Strompreis, dem chinesischen Polysiliziumpreis und der Handelspolitik der USA.
Die Waferhersteller brauchen Burghausen
Am stärksten auf Wacker angewiesen sind die Hersteller von Siliziumscheiben. Wacker liefert an Siltronic Polysilizium, laut Wacker-Geschäftsbericht den wichtigsten Rohstoff für Siliziumwafer, und bezeichnet sich als einzigen europäischen Hersteller von höchstreinem Halbleiter-Polysilizium.
Für Europas Chipindustrie ist Burghausen damit ein Glied der Lieferkette ohne europäischen Ersatz.
Der Konzern will dieses Geschäft ausbauen. Bis 2030 sollen sich die Umsätze mit Halbleiterkunden gegenüber 2024 verdoppeln, berichtete CHEManager im Juli 2025.
Bauchemie, Kosmetik und Autoindustrie können eher ausweichen. Silikone liefern auch Dow, KCC und Momentive, Dispersionen auch Celanese und Dairen. Wacker hält diese Kunden mit Spezialprodukten, etwa Silikonen für den Schutz von Batterien und Sensoren in Elektroautos oder für die Wärmeableitung in Leistungselektronik, und mit Werken in der Nähe der Kunden, zuletzt in Tschechien und Indien.
Woran der Konzern hängt
Wacker kaufte 2025 Waren und Dienstleistungen für 3,8 Milliarden Euro ein, bei mehr als 10.000 Lieferanten. Die wichtigsten Rohstoffe sind Silizium, Methanol, Ethylen und Essigsäure, Siliziummetall und Vinylacetat stellt Wacker zum Teil selbst her, um weniger von Lieferanten abhängig zu sein. Am stärksten hängt Wacker aber an der Energie: Der Konzern verbrauchte 2025 rund 7,3 Terawattstunden, 13 Prozent weniger als im Vorjahr, weil die Anlagen weniger produzierten. Knapp zwei Drittel davon stammten aus fossilen Quellen, ein gutes Drittel aus erneuerbaren. Der Geschäftsbericht nennt die Energiekosten in Deutschland im internationalen Vergleich „weiterhin nicht wettbewerbsfähig“.
Politisch hängt viel an Washington. Im Juli 2025 leitete die US-Regierung eine Prüfung der Einfuhren von Polysilizium nach Section 232 ein, einer Vorschrift des Handelsgesetzes zum Schutz der nationalen Sicherheit. Vom Ausgang könne die künftige Preisentwicklung für Solar-Polysilizium „maßgeblich“ abhängen, hieß es im Risikobericht vom März 2026.
Staat, Kunden, Beschäftigte
Am Ende sitzt der Staat bei Wacker an zwei Stellen mit am Tisch. Er zahlt Energiebeihilfen und Fördermittel, und er entscheidet über Zölle und Strompreise. Kunden zahlen für Reinheit und Verlässlichkeit. Die Beschäftigten in Deutschland leisten seit 2026 einen Solidarbeitrag: weniger Arbeitszeit, weniger Entgelt.
Für Verbraucher bleibt Wacker ein Zulieferer der Zulieferer, dessen Namen auf kaum einem Endprodukt steht.
- Chipindustrie: Für höchstreines Polysilizium gibt es in Europa keinen zweiten Lieferanten.
- Bauchemie: Kunden können zu Dow, KCC oder Celanese wechseln, wenn der Preis nicht passt.
- Wacker: Strompreis, Weltmarktpreis und Zollpolitik liegen außerhalb der eigenen Kontrolle.
Was kostet das Angebot wirklich, und wer trägt die Kosten?

Von 100 Euro Umsatz gingen 2025 bei Wacker 28,60 Euro an das Personal und 28,20 Euro an Rohstoffe, 11,10 Euro waren Abschreibungen und 5,50 Euro Energie. Am Ende stand ein operativer Verlust von 3,30 Euro. Die Kosten tragen Aktionäre, Beschäftigte, Kunden und zum Teil der Staat.
Ein Umsatzeuro, zerlegt
Personal und Rohstoffe kosteten Wacker 2025 zusammen 56,8 Prozent des Umsatzes. Der Konzern weist die großen Kostenarten im Geschäftsbericht als Anteil am Umsatz aus, den Rest hat Dr. Web aus dem EBIT zurückgerechnet. Unter die übrigen Kosten fallen etwa Vertrieb, Logistik, Instandhaltung, Forschung und der Restrukturierungsaufwand.
| Kostenart | 2024, Anteil am Umsatz | 2025, Anteil am Umsatz | 2025, je 100 € Umsatz |
|---|---|---|---|
| Personal | 27,8 % | 28,6 % | 28,60 € |
| Rohstoffe | 28,3 % | 28,2 % | 28,20 € |
| Abschreibungen | 8,3 % | 11,1 % | 11,10 € |
| Energie, einschließlich Eigenerzeugung und Beihilfen | 8,6 % | 5,5 % | 5,50 € |
| Übrige Kosten (Redaktionsrechnung) | 22,3 % | 29,9 % | 29,90 € |
| Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) | 4,7 % | −3,3 % | −3,30 € |
Die Energiequote fiel von 8,6 auf 5,5 Prozent, obwohl die Börsenstrompreise 2025 etwa auf dem Niveau des Vorjahres lagen. Wacker erklärt das mit rollierenden Einkaufsverträgen, durch die Preissenkungen des Vorjahres erst 2025 wirksam wurden, und mit dem geringeren Verbrauch. Die Quote enthält die Kosten der Eigenerzeugung und die relevanten Beihilfen.
Die Abschreibungen stiegen, weil neue Anlagen in Deutschland und China in Betrieb gingen und Wacker 102,3 Millionen Euro Wertminderungen buchte.
Kilogrammpreise für Polysilizium oder Tonnenpreise für Silikon veröffentlicht Wacker nicht. Der Konzern verkauft vor allem über Einzelbestellungen, oft unter Rahmenverträgen, und hat laut Risikobericht Weitergabeklauseln für Zollkosten in seine Kundenverträge aufgenommen. Zusätzliche Zölle sollen also, wo es geht, beim Kunden landen.
Höhere Preise, niedrigere Kosten
Im dritten Quartal 2026 setzten Silicones und Polymers höhere Verkaufspreise durch, alle vier Sparten steigerten den Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal. Gleichzeitig nennt der Konzern höhere Rohstoff- und Energiepreise als Belastung.
Den größten Teil des Ergebnisplus führt Wacker auf PACE zurück. Das Programm soll 2026 laut Kapitalmarktpräsentation brutto rund 200 Millionen Euro einsparen, ab 2028 mehr als 300 Millionen Euro im Jahr, wie stock3 berichtete.
Die Rechnung geht an vier Adressen
Die Aktionäre bekamen für 2025 keine Dividende, nach 2,50 Euro je Aktie für 2024. Die Beschäftigten in Deutschland arbeiten bis 2028 vier Prozent weniger und verdienen entsprechend, so sieht es die Einigung vom Mai 2026 vor, über die dpa-AFX berichtete. Dieser Solidarbeitrag soll betriebsbedingte Kündigungen vermeiden.
Die Kunden zahlen höhere Preise, im Silikongeschäft seit 2026 sichtbar. Einen Teil der Energiekosten übernimmt der Steuerzahler: 170,4 Millionen Euro Energiebeihilfen verbuchte Wacker 2025.
Der Industriestrompreis, den die EU-Kommission im April 2026 genehmigte, senkt für die Hälfte des Verbrauchs berechtigter Unternehmen den Preis auf 5 Cent je Kilowattstunde, die Hälfte der Hilfe muss in Effizienz- oder Klimaschutzmaßnahmen fließen. Wie viel davon Wacker erhält, hat der Konzern nicht beziffert.
| Wer zahlt | Wie | Größenordnung |
|---|---|---|
| Aktionäre | Ausfall der Dividende für 2025 | 2024: 2,50 € je Aktie, 2025: 0 € |
| Beschäftigte in Deutschland | Weniger Arbeitszeit und Entgelt bis 2028, Stellenabbau | 4 % Solidarbeitrag, rund 1.600 Stellen |
| Kunden | Höhere Verkaufspreise, Weitergabe von Zollkosten | Höhere Verkaufspreise bei Silicones und Polymers im 3. Quartal 2026 |
| Steuerzahler | Energiebeihilfen, Fördermittel, Industriestrompreis | 170,4 Mio. € Energiebeihilfen 2025 |
Wer profitiert und wer zahlt drauf?

Die Eigentümerfamilie hat profitiert: Sie hält über ihre Holding mehr als die Hälfte der Stimmrechte und erhielt in den Rekordjahren hohe Dividenden. Draufgezahlt haben Aktionäre, die Ende 2021 eingestiegen sind, und rund 1.600 Beschäftigte in Deutschland, deren Stellen bis Ende 2027 wegfallen.
Die Gewinner
Für die Geschäftsjahre 2021 bis 2024 schüttete Wacker zusammen 25,50 Euro je Aktie aus. Bei 49,7 Millionen ausgegebenen Aktien sind das rechnerisch rund 1,27 Milliarden Euro, allein für das Rekordjahr 2022 waren es 12 Euro je Aktie und damit rund 596 Millionen Euro. Mehr als die Hälfte davon floss an die Familiengesellschaft, denn sie hält mehr als die Hälfte der stimmberechtigten Aktien.
Auch die Halbleiterkunden gewinnen. Sie bekommen aus Burghausen mehr Material in der höchsten Reinheitsstufe, und den Ausbau der Anlage haben öffentliche Mittel mitfinanziert.
Die Gläubiger stehen 2026 besser da als ein Jahr zuvor. Mit den Erlösen aus den Siltronic-Verkäufen und rund 120 Millionen Euro aus verkauften Wertpapieren, die bisher die Altersteilzeit absicherten und nun durch eine Bankbürgschaft ersetzt sind, sanken die Nettofinanzschulden bis Ende September auf 260,8 Millionen Euro, nach 885,7 Millionen zum Jahresende 2025. Der Netto-Cashflow der ersten neun Monate lag bei 688 Millionen Euro.
Die Verlierer
Aktionäre, die Ende 2021 eingestiegen sind, haben viel verloren. Die Aktie schloss 2021 bei 131,60 Euro und Ende 2025 bei 69,35 Euro, der Kurs hat sich also fast halbiert. Rechnet man die Dividenden von 25,50 Euro je Aktie hinzu, bleibt ein Minus von gut einem Viertel. Der Börsenwert lag zum Jahresende 2025 bei 3,45 Milliarden Euro.
In Deutschland fallen bis Ende 2027 rund 1.600 Stellen weg, davon 1.300 in Burghausen, 200 in Nünchritz und 60 in der Münchner Zentrale. Der Abbau läuft über Freiwilligenprogramme, Altersteilzeit und Aufhebungsverträge.
Ende September 2026 arbeiteten 10.368 Menschen für Wacker in Deutschland, 381 weniger als Ende 2025. Am stärksten trifft der Abbau den Standort Burghausen, wo Wacker einst angefangen hat.
Für Siltronic ist Wacker kein Ankeraktionär mehr. Der Gründer hat seinen Anteil 2026 in zwei Tranchen verkleinert, laut Wacker auf rund 15 Prozent, Lieferant von Polysilizium bleibt Wacker.
| Beteiligte | Gewinn oder Verlust | Beleg |
|---|---|---|
| Familie Wacker (Holding) | Mehr als 50 % der Stimmrechte, mehr als die Hälfte der Dividenden von rund 1,27 Mrd. € für 2021 bis 2024 | Geschäftsbericht 2025, Mehrjahresübersicht |
| Halbleiterkunden | Mehr als 50 % zusätzliche Kapazität für höchstreines Polysilizium | Geschäftsbericht 2025 |
| Gläubiger | Nettofinanzschulden von 885,7 auf 260,8 Mio. € gesunken | Quartalsmitteilung 3. Quartal 2026 |
| Aktionäre seit 2021 | Kurs von 131,60 € auf 69,35 €, mit Dividenden gut ein Viertel Minus, keine Dividende für 2025 | Geschäftsbericht 2025 |
| Beschäftigte in Deutschland | Rund 1.600 Stellen weniger, 4 % weniger Arbeitszeit und Entgelt | dpa-AFX, 08.05.2026 |
| Standort Burghausen | 1.300 der wegfallenden Stellen | dpa-AFX, 08.05.2026 |
Unser Urteil: Wacker hat seine Bilanz in einem Jahr repariert, mit Geld aus Siltronic, mit Einsparungen und mit höheren Preisen. Die Kosten der Wende verteilen sich auf Beschäftigte, Aktionäre, die Familie eingeschlossen, und Kunden, doch die Kontrolle der Familie bleibt unberührt.
Wacker Chemie wollte 2030 zehn Milliarden Euro umsetzen und steht heute bei einer Kapitalrendite von minus 3,1 Prozent.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie politisch ist Wacker Chemie?

Wacker betreibt Interessenvertretung in Europa, den USA und China und setzt sich seit Jahren für einen Industriestrompreis ein. In den USA kämpft der Konzern um Schutz für sein Polysiliziumwerk in Tennessee, die Mindestpreise ab Dezember hält er in der jetzigen Form für unzureichend.
Zwei Mitarbeiter und ein Strompreis
Wacker steht im Lobbyregister des Bundestags unter der Nummer R0011803, außerdem im EU-Transparenzregister und im österreichischen Lobbyregister. Laut Geschäftsbericht kümmern sich in Europa zwei Mitarbeiter der Rechtsabteilung in Berlin und Brüssel um die Interessenvertretung, in den USA und China lokale Einheiten unter Leitung der Zentrale. Nennenswerte Spenden zahlte Wacker 2025 nicht. Das wichtigste Anliegen ist der Strompreis: Wacker fordert einen Industriestrompreis mit international wettbewerbsfähigen Konditionen und arbeitet dafür im Verband der Chemischen Industrie mit. Die Bundesregierung führt ihn für die Jahre 2026 bis 2028 ein, die EU-Kommission genehmigte die Förderrichtlinie im April 2026.
Wacker begründet die Forderung mit Kosten, nicht mit Parteipolitik: Die Strom- und Gaspreise europäischer Industriestandorte lägen auch nach dem Rückgang seit 2023 „noch deutlich höher als in anderen Regionen“, heißt es im Geschäftsbericht.
Washington entscheidet über Tennessee
In den USA setzt sich Wacker laut Geschäftsbericht für die Stärkung der Polysiliziumindustrie und in Handels- und Zollfragen ein. Am 6. August 2026 kündigte die US-Regierung auf Grundlage von Section 232 einen Mindestimportpreis für Polysilizium von umgerechnet 18,72 Euro je Kilogramm an, gültig ab dem 4. Dezember, dazu Zölle von 15 Prozent auf Folgeprodukte wie Blöcke, Wafer, Zellen und Module. Über die Pläne für eine Preisuntergrenze hatte Dr. Web Anfang August berichtet.
Wacker zeigte sich enttäuscht. Die Anordnung des US-Präsidenten unterstütze in ihrer jetzigen Form den Einsatz von in den USA hergestelltem Polysilizium nicht wirksam, sagte Kommunikationschefin Rachel Ufer laut Bernreuter Research. Einen Reuters-Bericht, Wacker erwäge die Schließung des Werks in Charleston, wies sie zurück: Pläne dafür gebe es nicht.
Auf dem Kapitalmarkttag im September beschrieb Hartel zwei Wege. Bei stärkeren Anreizen in den USA blieben alle drei Polysiliziumstandorte erhalten. Schrumpfe die amerikanische Solarfertigung, wolle sich Wacker auf Halbleiterqualität konzentrieren und den Standortverbund „optimieren“.
China als Markt und Gegner
Im Großraum China setzte Wacker 2025 rund 930 Millionen Euro um, in Zhangjiagang betreibt der Konzern einen Verbundstandort für Silikone. Aus China kommen zugleich die Polysiliziumhersteller, die den Weltmarktpreis für Solarqualität bestimmen. Zusätzliche Zölle können Wacker doppelt treffen: direkt und über Kunden, die ihr Bestellverhalten ändern. Die indirekten Folgen stuft der Risikobericht im Eintrittsfall als groß ein, den Eintritt hält er für möglich. In sensiblen Regionen prüft Wacker laut Nachhaltigkeitsbericht die Endverbleibserklärungen seiner Kunden auf menschenrechtliche Risiken.
Fördergeld aus vier Hauptstädten
Wacker erhält öffentliches Geld dort, wo Regierungen Industrie halten wollen: Energiebeihilfen in Deutschland, Mittel von EU, Bund und Bayern für die Hochreinigungsanlage in Burghausen, 18,9 Millionen Euro aus dem Inflation Reduction Act in den USA. Die Zuschüsse sind legal und an Bedingungen geknüpft. Sie machen das Geschäftsmodell aber abhängiger von Entscheidungen, die in Haushaltsdebatten in Brüssel, Berlin, München und Washington fallen.
Eine Familie, zwei Holdings, lange Amtszeiten
Die Eigentümerstruktur schützt Wacker vor einer Übernahme, die die Familie nicht will. Die Familiengesellschaft hält mehr als 50 Prozent der Stimmrechte, die Blue Elephant Holding mehr als zehn Prozent. Im Aufsichtsrat gehören fünf der acht Vertreter der Anteilseigner dem Gremium seit mehr als zwölf Jahren an oder werden einem solchen Mitglied als nahe Angehörige zugerechnet. Wacker erklärt deshalb vorsorglich Abweichungen von den Kodex-Empfehlungen zur Unabhängigkeit und bildet keinen Nominierungsausschuss, weil Kandidaten „ohnehin mit dem Mehrheitsaktionär abzustimmen“ seien.
Der Konzern hält die lange Zugehörigkeit für einen Vorteil, weil sie tiefes Verständnis des Geschäfts fördere. Für Minderheitsaktionäre heißt das: Strategie und Nachfolge entscheidet die Familie.
Was könnte Wacker Chemie zu Fall bringen?

Kein einzelnes Ereignis, aber eine Kombination: dauerhaft teure Energie in Deutschland, ein Solarmarkt ohne wirksamen Schutz und eine Chemiekonjunktur, die nicht anspringt. Spielraum verschafft dem Konzern, dass er seine Nettofinanzschulden 2026 auf einen Bruchteil gesenkt hat.
Das Solargeschäft vor der Entscheidung
Im März 2026 sagte Hartel laut Bernreuter Research, Wacker müsse sich bei einem schlechten Ausgang des US-Verfahrens aus dem Solargeschäft zurückziehen und einen Standort schließen. Bernreuter hält Nünchritz, wo ausschließlich Solarqualität entsteht, oder Charleston für denkbar, ausdrücklich als Spekulation. Wacker hat dazu nichts entschieden.
Ein Rückzug aus dem Solargeschäft würde Umsatz kosten, aber nicht zwingend Ergebnis. Im dritten Quartal 2026 verdiente die ganze Polysiliziumsparte ohne den Sondereffekt rechnerisch rund 9 Millionen Euro.
Riskanter wäre ein Einbruch beim Halbleitermaterial. Wacker setzt auf Chips für KI-Anwendungen und Rechenzentren und hat die Kapazität für die höchste Reinheitsstufe gerade um mehr als die Hälfte erweitert. Eine Flaute in der Chipindustrie träfe damit genau den Teil des Polysiliziums, der heute noch Marge abwirft, und die Beteiligung an Siltronic gleich mit.
Strom, Konjunktur, Bilanz
Die Energiekosten bleiben das Grundrisiko. Für 2026 erwartet Wacker laut Prognosebericht höhere Energiekosten als im Vorjahr und beim Polysilizium ein EBITDA auf dem Niveau von 2025, weil teurere Energie das Umsatzplus und die Einsparungen aufzehrt. Ob der Industriestrompreis daran viel ändert, hängt an Details der Förderrichtlinie, die der Geschäftsbericht im März noch als offen beschrieb.
In der Chemie hängt Wacker an Bau- und Autoindustrie. Hartel sah dort Ende Oktober 2026 noch keine nachhaltige Trendwende, der Konflikt im Nahen Osten sorgt nach seinen Worten für zusätzliche Unsicherheit.
Die Bilanz ist dagegen kein akutes Risiko mehr. Die Nettofinanzschulden fielen von 885,7 Millionen Euro Ende 2025 auf 260,8 Millionen Ende September 2026, für das Jahresende rechnet Wacker mit rund 200 Millionen. Die Eigenkapitalquote lag Ende 2025 bei 44,9 Prozent, trotz des Jahresverlusts. Die Abschreibung auf Siltronic ist gebucht, den verbliebenen Anteil, laut Wacker rund 15 Prozent, bilanziert Wacker seit dem Teilverkauf im September nicht mehr nach der At-Equity-Methode, sondern als Finanzbeteiligung.
Drei Szenarien bis 2030
Unsere Einschätzung für den günstigen Fall: Der Bedarf an Chips für Rechenzentren hielte an, Wacker käme dem Ziel näher, die Umsätze mit Halbleiterkunden bis 2030 gegenüber 2024 zu verdoppeln, und der Industriestrompreis würde die Energiekosten spürbar senken. Dann könnte der Konzern die neue Zielmarge von 13 bis 17 Prozent dauerhaft erreichen, und die Dividende käme zurück.
Im mittleren Fall bliebe die Chemie flau, PACE brächte die angekündigten Einsparungen, und Wacker zöge sich aus einem Teil des Solargeschäfts zurück. Die Marge läge am unteren Rand des Zielkorridors, der Umsatz würde kaum wachsen.
Im ungünstigen Fall bräche die Chipnachfrage ein, während Energie in Deutschland teuer bliebe und die Bau- und Autoindustrie schwach. Dann müsste Wacker über PACE hinaus an seine deutschen Standorte gehen, und die Familie stünde vor der Frage, wie viel Verbund sie in Bayern und Sachsen halten will.
Was bedeutet Wacker Chemie für deutsche Unternehmer und Verbraucher?

Einkäufer von Silikonen und Bindemitteln verhandeln mit einem Lieferanten, der 2026 höhere Preise durchsetzt und Zollkosten weitergibt. Für Europas Chipindustrie bleibt Burghausen nach Darstellung des Konzerns die einzige Quelle für höchstreines Halbleiter-Polysilizium. Verbraucher begegnen Wacker nur indirekt.
Was die Quartalszahlen sagen
Die Quartalszahlen, über die Dr. Web am 29. Oktober berichtet hat, zeigen einen Konzern im Sparmodus. Ende September beschäftigte Wacker 15.916 Menschen, 551 weniger als Ende 2025. In den ersten neun Monaten investierte der Konzern 191 Millionen Euro, ein Jahr zuvor waren es 308 Millionen. Für 2026 erwartet Wacker ein EBITDA in der oberen Hälfte der Spanne von 625 bis 750 Millionen Euro.
Im Neunmonatsergebnis stecken Einmaleffekte, die sich nicht wiederholen: 36,7 Millionen Euro aus geänderten Pensionsrückstellungen im zweiten Quartal und rund 35 Millionen Euro aus dem aufgelösten Solarvertrag im dritten.
Ohne beide Effekte läge das EBITDA der ersten neun Monate rechnerisch bei rund 530 Millionen Euro statt 601 Millionen, immer noch gut die Hälfte mehr als im Vorjahreszeitraum mit 345 Millionen. Der Sparkurs wirkt also auch ohne Sondereffekte.
Für Unternehmen
Einkäufer von Silikonen, Dispersionen und Dispersionspulvern sollten die Preisgleitklauseln für Rohstoffe und Energie in ihren Rahmenverträgen kennen. Wacker setzt Preiserhöhungen durch, obwohl Bau- und Autoindustrie schwach nachfragen, und gibt Zollkosten laut Risikobericht, wo möglich, an Kunden weiter. Alternative Anbieter gibt es, Dow, KCC und Momentive bei Silikonen, Celanese und Dairen bei Dispersionen.
Halbleiterhersteller und Waferproduzenten in Europa haben bei höchstreinem Polysilizium keine europäische Alternative. Für sie ist wichtig, dass Wacker die Kapazität in Burghausen ausgebaut hat und das Halbleitergeschäft ausdrücklich zu den Wachstumsfeldern zählt.
Zulieferer und Dienstleister im bayerischen Chemiedreieck spüren den Sparkurs direkt. Wacker kauft für 3,8 Milliarden Euro im Jahr ein, und PACE setzt vor allem in Produktion und Verwaltung an, also dort, wo auch Aufträge an Dienstleister vergeben werden.
Für Verbraucher und Anleger
Verbraucher zahlen Wacker-Preise nur über Endprodukte: über Baustoffe und Klebstoffe mit Dispersionen, über Silikone in Kosmetik und Dichtstoffen. Ein Preisaufschlag beim Vorprodukt erreicht den Endpreis meist verdünnt.
Anleger bekamen für 2025 keine Dividende. Ob sie für 2026 zurückkommt, hat Wacker nicht angekündigt. Die Aktie ist an die Entscheidungen einer Familie gebunden, die mehr als die Hälfte der Stimmen hält und seit 2001 die Stimmenmehrheit hält. Eine Anlageempfehlung ist das ausdrücklich nicht, Dr. Web ist kein Anlageberater.
Was die nächsten zwölf Monate bringen könnten
| Szenario | Annahmen | Folgen für Kunden und Beschäftigte |
|---|---|---|
| Optimistisch | US-Mindestpreis stützt Solarabsatz, Chipnachfrage hoch, Industriestrompreis wirkt | Alle drei Polysiliziumstandorte bleiben, Preise für Silikone stabil |
| Realistisch | Chemie flau, PACE wirkt, Solargeschäft schrumpft weiter | Weitere Preiserhöhungen, Stellenabbau nach Plan bis Ende 2027 |
| Pessimistisch | Chipflaute, Energiepreise steigen, Bau und Auto schwach | Schließung eines Polysiliziumstandorts, zusätzliche Sparrunde |
Unsere Einschätzung: Am wahrscheinlichsten ist das realistische Szenario. Das Solargeschäft dürfte schrumpfen, die Silikone bleiben der Zahlmeister, und Burghausen wird kleiner, aber reiner.
- Einkäufer: Preisgleitklauseln prüfen, bevor die nächste Erhöhung kommt.
- Chipkunden: Burghausen bleibt die europäische Quelle für höchste Reinheit.
- Anleger: Die Familie entscheidet, eine Dividende für 2026 ist nicht zugesagt.
Glossar: 15 wichtige Fachbegriffe zu Wacker Chemie

Antidumpingzoll
Ein Antidumpingzoll ist ein Zusatzzoll auf Waren, die ein Exportland unter ihrem Normalwert verkauft. Die USA erheben solche Zölle seit Jahren auf Solarprodukte aus China und Südostasien. Für Wacker entscheiden sie mit darüber, ob Solar-Polysilizium aus Tennessee gegen chinesische Ware bestehen kann.
At-Equity-Beteiligung
Eine At-Equity-Beteiligung ist ein Anteil an einem Unternehmen, auf das der Investor maßgeblichen Einfluss hat, meist ab 20 Prozent. Der Investor bucht seinen Anteil am Gewinn oder Verlust ins eigene Ergebnis. Wacker bilanzierte Siltronic so bis zum Teilverkauf im September 2026.
Dispersionspulver
Dispersionspulver sind getrocknete Kunststoffdispersionen, die sich in Wasser wieder verteilen lassen. Die Bauindustrie setzt sie als Bindemittel in Trockenmörteln ein, damit Kleber und Putze besser haften und elastischer werden. Wacker sieht sich bei Pulvern und Dispersionen auf Basis von Vinylacetat-Ethylen als größten Hersteller.
EBITDA
Das EBITDA ist das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Es zeigt, was das laufende Geschäft erwirtschaftet, bevor Abschreibungen, Zinsen und Steuern abgezogen werden. Wacker steuert nach dieser Kennzahl und strebt eine EBITDA-Marge von 15 Prozent mit zwei Prozentpunkten Spielraum an.
Energiebeihilfen
Energiebeihilfen sind staatliche Zuschüsse, die energieintensive Unternehmen von Strom- und Klimakosten entlasten sollen. Sie werden auf Antrag und meist für das Vorjahr gezahlt. Wacker verbuchte 2025 Beihilfen von 170,4 Millionen Euro als Minderung der Herstellungskosten.
Kapitalrendite
Die Kapitalrendite, auf Englisch Return on Capital Employed, setzt das Ergebnis vor Zinsen und Steuern ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital. Sie zeigt, wie viel ein Unternehmen mit seinen Anlagen und Vorräten verdient. Wacker lag 2025 bei minus 3,1 Prozent und will dauerhaft über 10 Prozent kommen.
Latente Steuern
Latente Steuern entstehen, wenn Gewinne in der Konzernbilanz und in der Steuerbilanz zu unterschiedlichen Zeitpunkten anfallen. Aktive latente Steuern sind künftige Steuerentlastungen, etwa aus Verlustvorträgen. Wacker setzte sie 2025 in Deutschland nicht mehr an, weil die Nutzung unsicher war, und buchte dafür 194 Millionen Euro Aufwand.
Mindestimportpreis
Ein Mindestimportpreis ist eine staatlich festgesetzte Untergrenze für den Preis, zu dem eine Ware eingeführt wird. Er soll heimische Hersteller vor Einfuhren zu sehr niedrigen Preisen schützen. Die USA haben für Polysilizium ab dem 4. Dezember 2026 einen solchen Preis festgesetzt, umgerechnet 18,72 Euro je Kilogramm.
Netto-Cashflow
Der Netto-Cashflow ist bei Wacker die Summe aus dem Mittelzufluss des laufenden Geschäfts und dem Mittelabfluss für langfristige Investitionen. Er zeigt, ob der Konzern seine Investitionen aus eigener Kraft finanziert. In den ersten neun Monaten 2026 lag er bei 688 Millionen Euro.
Polysilizium
Polysilizium ist hochreines Silizium aus vielen kleinen Kristallen. Es ist der Ausgangsstoff für Siliziumscheiben in der Chipindustrie und für Solarzellen. Für Halbleiter muss es deutlich reiner sein als für die Photovoltaik, entsprechend unterschiedlich sind Preise, Kunden und Wettbewerb.
Section 232
Section 232 ist eine Vorschrift des US-Handelsgesetzes von 1962. Sie erlaubt dem Präsidenten, Einfuhren zu beschränken, wenn sie die nationale Sicherheit gefährden. 2025 leitete das US-Handelsministerium danach eine Untersuchung zu Polysilizium ein, 2026 folgten Mindestpreise und Zölle.
Silikone
Silikone sind Kunststoffe auf Basis von Silizium und Sauerstoff, die hitzebeständig, wasserabweisend und langlebig sind. Wacker stellt sie aus Siliziummetall und Methanol her, mehr als 2.800 Produkte. Sie stecken in Dichtstoffen, Kosmetik, Textilien, Autos und Elektronik.
Verbundproduktion
Bei der Verbundproduktion werden Nebenprodukte eines Verfahrens als Rohstoff für ein anderes genutzt, Hilfsstoffe im Kreislauf geführt und Abwärme weiterverwendet. Das spart Energie und Rohstoffe, setzt aber eine hohe Auslastung der Anlagen voraus. Wacker betreibt solche Verbünde in Burghausen, Nünchritz und Zhangjiagang.
Wafer
Ein Wafer ist eine dünne Scheibe aus einkristallinem Silizium, auf der Chips gefertigt werden. Hersteller wie Siltronic schmelzen dafür Polysilizium ein, ziehen daraus einen Kristall und zersägen ihn in Scheiben. Die Reinheit des Ausgangsmaterials begrenzt, wie fein die Strukturen auf dem Chip werden können.
Wertminderung
Eine Wertminderung ist eine außerplanmäßige Abschreibung, wenn der Wert eines Vermögenswerts dauerhaft unter seinen Buchwert fällt. Sie belastet das Ergebnis, ohne dass Geld abfließt. Wacker schrieb 2025 seinen Anteil an Siltronic um 307,8 Millionen Euro ab, weil der Börsenkurs dauerhaft unter dem Buchwert lag.
FAQ: Wie verdient Wacker Chemie Geld, wenn China den Preis macht?

Wem gehört Wacker Chemie?
Mehr als 50 Prozent der Stimmrechte hält die Dr. Alexander Wacker Familiengesellschaft in München. Die Blue Elephant Holding, deren Stimmrechte Aufsichtsratschef Peter-Alexander Wacker zugerechnet werden, besitzt mehr als zehn Prozent. Der Rest der Aktien liegt bei Anlegern an der Börse.
Was stellt Wacker Chemie her?
Wacker produziert Silikone, Bindemittel und Dispersionen für die Bauindustrie, biotechnologische Produkte wie Pharmaproteine und Cyclodextrine sowie hochreines Polysilizium für Chips und Solarzellen. Die Silikonsparte ist mit 2,73 Milliarden Euro Umsatz 2025 der größte Geschäftsbereich.
Wie viel Umsatz macht Wacker Chemie?
Wacker setzte 2025 rund 5,49 Milliarden Euro um, nach 5,72 Milliarden Euro 2024 und 6,40 Milliarden Euro 2023. Der Rekord stammt aus dem Jahr 2022 mit 8,21 Milliarden Euro. In den ersten neun Monaten 2026 kamen 4,39 Milliarden Euro zusammen.
Warum hat Wacker Chemie 2025 Verlust gemacht?
Der Jahresverlust von 804,9 Millionen Euro geht vor allem auf eine Abschreibung von 307,8 Millionen Euro auf die Beteiligung an Siltronic und auf 194 Millionen Euro Steueraufwand zurück. Hinzu kamen 102,6 Millionen Euro Restrukturierungskosten und ein schwaches Polysiliziumgeschäft.
Wo produziert Wacker Chemie Polysilizium?
Wacker stellt Polysilizium in Burghausen und Nünchritz in Deutschland sowie in Charleston im US-Bundesstaat Tennessee her. In Nünchritz entsteht ausschließlich Material in Solarqualität, in Burghausen auch höchstreines Polysilizium für Halbleiter.
Wie viele Mitarbeiter hat Wacker Chemie?
Ende September 2026 beschäftigte Wacker weltweit 15.916 Menschen, davon 10.368 in Deutschland. Ende 2025 waren es 16.467. Bis Ende 2027 sollen in Deutschland rund 1.600 Stellen wegfallen, 1.300 davon in Burghausen.
Quellen
22 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 03.11.2026
- Wacker Chemie AGGeschäftsbericht 2025
- Wacker Chemie AGUnternehmensmitteilung: WACKER steigert Ergebnis im 3. Quartal gegenüber Vorjahr deutlich
- Wacker Chemie AGUnternehmensmitteilung: WACKER steigert Ergebnis im 2. Quartal aufgrund von Kosteneinsparungen und Sondereffekt
- Wacker Chemie AGUnternehmensmitteilung: Capital Markets Day 2026, REFOCUS
- Wacker Chemie AGUnternehmensmitteilung: Wacker stellt auf Kapitalmarkttag Wachstumsziele bis zum Jahr 2030 vor
- Wacker Chemie AGKey Events in WACKER’s 100-Year History, Geschäftsbericht 2013
- CHEManagerWacker steigert Ergebnis im 3. Quartal gegenüber Vorjahr
- CHEManagerWacker nimmt neue Fertigungslinie für Halbleiter-Polysilicium in Betrieb
- CHEManagerWacker schließt Verkauf von Anteilen an Siltronic ab
- chemie.deWACKER streicht über 1.500 Stellen für 300 Millionen Euro Kostensenkung
- dpa-AFX über onvistaWacker Chemie: Gehaltsverzicht und keine betriebsbedingten Kündigungen
- stock3WACKER CHEMIE will die Rendite steigern, doch das Solargeschäft bremst
- Bernreuter ResearchUS trade case to make or break Wacker’s solar polysilicon unit
- Bernreuter ResearchSpeculation on closure of Wacker’s polysilicon plant in the US (06.09.2026, aktualisiert 21.09.2026)
- Bernreuter ResearchTop Ten Polysilicon Makers Nearly All Chinese
- Foley & LardnerWhat Every Multinational Energy and Infrastructure Company Should Know About the New Section 232 Polysilicon Minimum Import Price
- TaiyangNewsGCL Technology Revenue Falls, But Loss Narrows In 2025
- pv magazine DeutschlandIndustriestrompreis wird eingeführt: Europäische Kommission genehmigt das Entlastungsinstrument für die energieintensive Industrie
- IHK SchwabenJetzt kommt der Industriestrompreis, und nun?
- Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der WissenschaftenDeutsche Biographie: Wacker, Alexander von
- Universität TrierBörsennotierte Hidden Champions (Benz, Block, Johann)
- Europäische ZentralbankEuro-Referenzkurse vom 02.11.2026
