1.994 Mitglieder der Micron-Gewerkschaft in Taoyuan haben Anfang Oktober für einen Arbeitskampf gestimmt, am Donnerstag soll der Streik beginnen. Die Beschäftigten verlangen einen festen Anteil an den Rekordgewinnen, die der Speichermangel dem US-Konzern bringt. Taiwan ist Microns größter Fertigungsstandort für Arbeitsspeicher und den HBM-Speicher von KI-Servern.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen„Mit unseren Aktionen verschaffen wir unserem Unmut über das bisherige System Gehör und zeigen unsere Entschlossenheit, eine faire Gewinnbeteiligung durchzusetzen“, erklärte die Gewerkschaft am Montag laut Reuters. Der Streiktag fällt nicht zufällig auf den 22. Oktober: An diesem Tag verhandelt Micron in einer Schlichtung mit der zweiten Gewerkschaft, die das Werk in Taichung vertritt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Gewerkschaft der Micron-Beschäftigten in Taoyuan will am 22. Oktober streiken, die Dauer ist offen.
- Streitpunkt ist eine dauerhafte Gewinnbeteiligung statt einmaliger Boni nach Ermessen des Konzerns.
- Die Gewerkschaft am größten Standort in Taichung verhandelt noch und hat nicht über einen Streik abgestimmt.
- Micron selbst warnt Aktionäre vor Produktionsausfällen durch Streiks.
Worum streiten Micron und die Beschäftigten?

Im September zahlte der Speicherhersteller aus Boise jedem Beschäftigten in Taiwan einen Barbonus von einer Million Taiwan-Dollar, rund 27.300 Euro (0,87 Euro je US-Dollar, Stand 20. Oktober 2026). Allein im vierten Geschäftsquartal hatte Micron 47,2 Milliarden Euro umgesetzt. Eine dauerhafte Regelung fehle, kritisierten die Arbeitnehmervertreter in Taoyuan laut Reuters und lehnten das Paket ab. Zudem habe Micron die Boni mitten in der laufenden Schlichtung verkündet.
Nach Angaben des Finanzportals 24/7 Wall St. verlangt die Gewerkschaft 15 Prozent des operativen Gewinns als feste Quote. Samsung, dessen Gewerkschaft dieselbe Quote gefordert hatte, einigte sich nach einer Streikdrohung im Mai auf 10,5 Prozent des Gewinns seiner Chipsparte, ausgezahlt in Aktien. Einen konkreten Vorschlag zur Gewinnbeteiligung hat Micron nach Darstellung der Gewerkschaft bisher nicht vorgelegt. Micron erklärte, das Unternehmen nehme die Anliegen ernst und setze auf ernsthafte Gespräche.
Warum darf vorerst nur Taoyuan streiken?
Taiwans Arbeitskampfrecht setzt zwei Hürden. Ein Streik ist erst nach einer gescheiterten Schlichtung zulässig. Außerdem muss mehr als die Hälfte aller Mitglieder in geheimer Abstimmung zustimmen, nicht bloß die Mehrheit der Abstimmenden.[1] Die Belegschaft in Taoyuan hat beide Hürden genommen: Die Schlichtung endete im September ohne Einigung, Anfang Oktober folgte die Urabstimmung.
In Taichung arbeitet die Belegschaft von Microns größtem Standort in Taiwan. Die dortige Gewerkschaft steckt noch in der Schlichtung und darf deshalb nicht streiken. Der Ausstand in Taoyuan ist ein Solidaritätsstreik: Die Arbeitsniederlegung soll den Druck auf Micron vor dem Termin in Taichung erhöhen.
Im aktuellen Geschäftsbericht warnt Micron die Aktionäre selbst vor diesem Fall. Ein Streik, ein Bummelstreik oder eine andere Arbeitskampfmaßnahme in einer Fabrik könne den Betrieb erheblich stören, bis zum vorübergehenden oder längeren Stillstand einzelner Fertigungslinien.[2]
Samsung hat sich den Betriebsfrieden in seinen Chipfabriken mit 10,5 Prozent des Gewinns erkauft. Micron verhandelt diesen Preis jetzt unter Streikdruck.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was heißt das für Speicherkäufer in Europa?
Für Abnehmer kommt der Konflikt zur Unzeit, denn Speicher ist knapp. Michael Dell erwartet für 2027 einen noch größeren Mangel, Apple hat die Preise für MacBooks und iPads bereits angehoben. Micron selbst rechnet damit, dass Speicher 2027 und 2028 noch knapper wird als in diesem Jahr.
Am längeren Hebel sitzt die Gewerkschaft in Taichung, die nach Angaben von 24/7 Wall St. rund 11.000 Mitglieder zählt. Scheitert dort die Schlichtung, darf auch diese Belegschaft über einen Streik abstimmen. Für Einkäufer in Unternehmen folgen daraus zwei Schritte:
- Die IT-Abteilung bestellt Server, Notebooks und Arbeitsspeicher für das erste Halbjahr 2027 schon jetzt.
- Der Einkauf hält in Rahmenverträgen mit Systemhäusern fest, welche Preise und Lieferfristen bei einem Engpass gelten.
Quellen
2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Taiwan, Gesetzesdatenbank des JustizministeriumsSettlement of Labor Disputes Act, Artikel 53 und 54
- Micron TechnologyForm 10-K, Geschäftsjahr bis 3. September 2026 (SEC EDGAR)
Mehr Newshunger?
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