Michael Saylor hält den Tiefpunkt des Bitcoin-Kurses für erreicht und nennt die Haltung des Indexanbieters MSCI enttäuschend. Bis Freitag entscheidet MSCI, ob Firmen ohne nennenswertes operatives Geschäft aus den globalen Aktienindizes fallen, darunter Saylors Strategy mit 848.250 Bitcoin. Die Entscheidung betrifft auch deutsche ETF-Sparer, denn Strategy steckt seit 2024 im MSCI World.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenKnapp unter 52.000 Euro lag der Boden nach Saylors Rechnung, inzwischen kostet ein Bitcoin wieder rund 73.000 Euro. Im Gespräch mit Bloomberg Television am 13. Oktober in Washington sagte der Gründer und Executive Chairman von Strategy voraus, der Kurs werde in Dollar gerechnet wieder sechsstellig, also über rund 87.000 Euro. Einen Termin nannte er nicht.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- MSCI gibt bis zum 16. Oktober bekannt, ob Firmen ohne operatives Geschäft aus den globalen Indizes ausgeschlossen werden.
- In der MSCI-Simulation mit Daten vom Mai 2026 fiel Strategy durch, ebenso Metaplanet und Yellow Cake.
- Saylor erwartet steigende Bitcoin-Kurse und rechnet damit, weitere Wertpapiere auszugeben, um nachzukaufen.
- Über MSCI-World-ETFs halten auch deutsche Sparer Strategy-Aktien.
Warum hängt Strategy so am Indexplatz?

Strategy finanziert seine Bitcoin-Käufe über den Kapitalmarkt: mit neuen Aktien, Wandelanleihen und Vorzugspapieren, die Saylor „digitalen Kredit“ nennt. Im Aufschwung werde Strategy wahrscheinlich Bitcoin kaufen und dafür Kredit ausgeben, kündigte Saylor bei Bloomberg an.[1] Jeder Indexfonds, der den MSCI World nachbildet, muss die Strategy-Aktie entsprechend ihrem Gewicht halten, solange sie im Index steht. Diese Nachfrage stützt den Kurs und damit den Preis, zu dem Strategy neues Kapital einsammelt.
Fällt die Aktie heraus, kehrt sich der Mechanismus um. Analysten von JPMorgan schätzten schon 2025, dass ein Ausschluss Abflüsse von rund 2,4 Milliarden Euro aus passiven Fonds auslösen könnte. Zuletzt kaufte Strategy in der Woche bis zum 9. Oktober nur 250 Bitcoin, so wenige wie bei keinem anderen Kauf in diesem Jahr.
Was genau prüft MSCI?
Nach dem Entwurf vom 3. August prüft MSCI zuerst, ob ein Unternehmen über nennenswerte operative Vermögenswerte verfügt. Firmen, die daran scheitern, durchlaufen fünf Finanzkennzahlen, darunter den Cashflow aus dem laufenden Geschäft. Schlagen vier der fünf an, verliert der Titel seinen Platz. Bestandsmitglieder wie Strategy fliegen erst nach zwei verfehlten Prüfungen in Folge. Änderungen setzt MSCI frühestens mit der Indexüberprüfung im November um.[2]
Im Januar hatte MSCI einen Ausschluss reiner Bitcoin-Treasury-Firmen noch abgesagt und eine breitere Prüfung angekündigt. Die neue Regel trifft deshalb nicht nur Krypto-Firmen: Neben Strategy und dem japanischen Bitcoin-Halter Metaplanet fiel in der Simulation auch Yellow Cake durch, eine Gesellschaft, die vor allem Uran lagert. Saylor hofft, dass MSCI seine Haltung überdenkt.
MSCI nimmt Strategy, damals MicroStrategy, in den MSCI World auf.
MSCI legt den Entwurf vor: Firmen ohne nennenswerte operative Vermögenswerte sollen aus den globalen Indizes fallen.
Spätester Termin für das Ergebnis. Umsetzung frühestens mit der Indexüberprüfung im November.
848.250 Bitcoin zu rund 72.900 Euro je Stück, Stand 14. Oktober 2026.
Schlagen vier von fünf Kennzahlen an, verliert ein Titel den Platz. Bestandsmitglieder erst nach zwei Fehlschlägen in Folge.
So viel Geld aus passiven Fonds könnte ein Ausschluss laut einer JPMorgan-Schätzung von 2025 kosten.
Ein Weltaktienfonds, der eine Bitcoin-Kasse mitkauft, verkauft Sparern ein Risiko, das im Fondsnamen nicht auftaucht.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für ETF-Sparer in Deutschland?
MSCI nahm Strategy, damals noch MicroStrategy, im Mai 2024 in den MSCI World auf, als einen der drei größten Neuzugänge.[3] Seitdem kauft jeder MSCI-World-Sparplan anteilig eine Firma mit, deren Kurs am Bitcoin hängt. Anbieter wie BlackRock verdienen an diesen Sparplänen mit, wie unsere Analyse des ETF-Geschäfts zeigt. Bleibt Strategy im Index, wächst mit jedem Bitcoin-Kauf der Firma auch die indirekte Bitcoin-Position der Sparer.
Unternehmer, die Firmenrücklagen in ETFs parken, sollten zwei Punkte prüfen:
- Suchen Sie in der Positionsliste Ihres ETF nach Strategy, um Ihre indirekte Bitcoin-Position zu kennen.
- Treffen Sie die Entscheidung über eine Bitcoin-Beimischung bewusst, denn für direkt gehaltene Bitcoin gelten andere Steuerregeln als für Aktienfonds, samt eigener Haltefrist.
Quellen
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